herzog hatte durch die Frische seiues Wesens und seine Liebenswürdigkeit hier überall einen ganz vortrefflichen Eindruck gemacht.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 1. Febr. Die amtliche„Wiener Zeitung“ gibt bekannt, daß der Kronprinz sich durch einen Revolver— schuß entleibt hat. Der Kronprinz zeigte, dem „Amtsblatt“ zufolge, in den letzten Wochen mehrfach krankhafte Nervenaufregung. Die Auf— regung in der Bevölkerung ist ungeheuer. Der Kaiser gestattete erst heute Mitternacht die Be— kanntgabe des Selbstmordes. Nachdem die Ob— duction unabweislich diese Thatsache ergeben, willigte der Kaiser schweren Herzens in die An— träge Kalnoky's, Tisza's und Taaffe's, den Sachverhalt ungeschminkt veröffentlichen zu lassen. Laut Protokoll öffnete der Kronprinz Mittwoch früh um halb 7 Uhr die Thür seines Schlafge— machs, beauftragte den Kammerdiener, Wagen zu bestellen, zweifellos, um allein zu bleiben. Der Kronprinz entkleidete sich hierauf, versperrte die Thüre, legte sich ins Bett und schoß sich bei Kerzenlicht vor dem Spiegel eine Kugel in die rechte Schläfe. Die Kugel drang aus der Mitte der Kopfdecke hinaus; diese Angaben wurden später durch Dr. Widerhofer bestätigt. Als der Kammer— diener zurückkam, wartete er bis zur Frühstücks zeit, wohl wissend, daß der Kronprinz in der Regel schnell und fest einschlief.— Der Kronprinz richtete an eine ihm eng befreundete Persönlich— keit, an den Sectionschef im Auswärtigen Amte, Szoegyoeni, den er auch bat, Schriften zu ord— nen, seit Monaten, speciell aber in den letzten Wochen, Briefe voll tiefer Melancholie, in denen fort und fort von Krankheit, nicht länger leben können, und Tod die Rede war. Ueber dem Bette des Kronprinzen in seinem Schlafzimmer in der Hofburg haͤngt das Oelporträt Königs Ludwig von Bayern. Daß der Kronprinz sich mit dem Entschluß, sich selbst das Leben zu nehmen, schon längere Zeit getragen haben muß, geht daraus hervor, daß die Briefe an den Kaiser, die Kronprinzessin Stefanie und andere Mitglieder des Kaiserhauses, welche er hinter— lassen hat, sehr ausführlich und sichtbar theil— weise bereits vor einiger Zeit geschrieben sind. Der Kronprinz verfaßte auch, von Todesahnungen erfüllt, bereits vor zwei Jahren sein Testament. Hofrath Weilen behauptet, die düsteren Ahnungen des Kronprinzen hatten sich in den letzten Wochen erschrecklich gehäuft.— Die Audienz des ungari— schen Ministerpräsidenten Tisza beim Kaiser war erschütternd. Stumm ergriff der Monarch die Hand des Ministers und preßte sie heftig Tisza bat den Kaiser, sich entweder vor der Leichenfeier oder nach derselben eine Zeit lang in die Einsamkeit zurückzuziehen. Aber der Mo— narch wies diesen Rath zurück, indem er be— merkte, er bleibe bei seinem Sohne. Die Ver— tretung fremder Höfe bei der Leichenfeier lehnte der Kaiser dankend ab, da er unmöglich im Stande sei, die Fürstlichkeiten zu empfangen. Als die kaiserliche Familie bei dem Kaiser ver— sammelt war, wurde auch die Tochter des Kron— prinzen, Elisabeth, herbeigeführt. Diese fragte den Kaiser:„Nicht wahr, der gute Papa ist nun zum lieben Gott gegangen, zu dem wir sonst beten?“ Als hierüber alles in Thränen und Schluchzen ausbrach, meinte das Kind be— stürzt:„Habe ich denn etwas schlimmes gesagt?“ — Die„Wiener Zeitung“ veröffentlicht folgen— des auf Grund des protokollarisch aufgenommenen Sektionsbefundes der Leiche des Kronprinzen ab— gebene Gutachten: Erstens: Der Kronprinz ist an Zertrümmerung der vorderen Hirnparthien gestorben. Zweitens: Die Zertrümmerung wurde veranlaßt durch ein aus unmittelbar Nahe gegen die rechte vordere Schläfengegend abgefeuerten Schuß. Drittens: Der aus einem Revolver mittleren Kalibers abgegebene Schuß war ge⸗ eignet, die beschriebene Verletzung zu erzeugen. Viertens: Das Projektil wurde nicht vorgefun⸗ den, da es durch die über dem linken Ohre konstatirte Ausschußoffnung wieder ausgetreten
ist. Fünftens: Es ist zweifellos, daß sich der Kronprinz den Schuß selbst beigebracht hat und der Tod augenblicklich eingetreten ist. Sechstens: Die vorzeitige Verwachsung der Pfeil- und Kranznaht, die auffällig tiefe Schädelgrube um die sogenannten fingerfösrmigen Eindrücke an der inneren Schädelknochenfläche, deutliche Abflachung der Hirnwindung, Erweiterung der Hirnkammer sind pathologische Befunde, welche erfahrungs— gemäß mit abnormen Geisteszuständen einher— gehen, daher zu der Annahme berechtigen, daß die That im Zustande der Geistesverwirrung geschehen ist. gez.: Professoren Hofmann, Kund— wat, Widerhofer.— Der Kronprinz war seit seiner Krankheit im Jahre 1886 stark abge— magert. Ueber den verheimlichten Sturz vom Pferde verlautet das Folgende: Vorigen No— vember scheute in Laxenburg das Pferd des Kronprinzen und machte einen mächtigen Satz zur Seite. Der Kronprinz fiel und erlitt eine beträchtliche Contusion an der Hand, auch der Kopf zeigte Spuren des Falles. Der Kronprinz klagte augenblicklich über stechenden Schmerz im Kopfe, beanspruchte indeß nur kurze Zeit ärzt— liche Hilfe. Seitdem litt er an großer nervöser Gereiztheit und an Kopfschmerz. Als man dem Verstorbenen kürzlich von seinen künftigen Herr— scherpflichten sprach, erwiederte er:„Sie werden sehen, ich erlebe es nicht.“ Als Fiaker Brat— fisch dem Kronprinzen an seinem Geburtstage langes Leben wünschte, bemerkte der Kronprinz: „Ich werde nicht lange leben.“ Bratfisch er— wiederte:„Wie kommen's denn auf eine solche Idee, kaiserliche Hoheit!“ Der Kronprinz er— wiederte:„Mich überkommt manchmal die Ah— nung, ich würde nicht lange leben“.— Laut Hofansage findet das Leichenbegängniß Dienstag den 5. Februar, Nachmittags 4 Uhr statt. Wie verlautet, verläßt die Kronprinzessin-Wittwe Stefanie nach der Leichenfeier Oesterreich und siedelt nach Belgien über.
Frankreich. Paris, 1. Febr. Kammer. Clemenceau sagt, obgleich Paris eine unconstitu— tionelle Kundgebung gemacht und dadurch ein übertriebenes Mißvergnügen ausgedrückt habe, so liege doch kein Grund vor, die Regierung zu wechseln. Die von Passy beantragte einfache Tagesordnung wird abgelehnt. Die von der Regierung acceptirte Tagesordnung, welche Mon— tant beantragte, wurde mit 300 gegen 240 Stimmen angenommen. Dieselbe besagt, daß die Kammer auf die Festigkeit der Regierung vertrauend, zur Tagesordnung übergeht.
— 2. Febr. Der in der Kammer einge— brachte Gesetzentwurf, betreffend die Wiederein— führung der Bezirkswahlen, enthält die vor— läufige Bestimmung, daß partielle Wahlen bis Ende der gegenwärtigen Legislaturperiode nicht stattfinden. Cazeauz(Bonapartist) beantragte die Dringlichkeit für den Gesetzentwurf; dieselbe wurde mit 359 gegen 174 Stimmen abgelehnt. Die Commission zur Vorberathung des Gesetz— wurfs wird Dienstag gewählt. Die Kammer nahm sodann den Gesetzentwurf, betr. die Her— stellung einer regelmäßigen Dampferverbindung zwischen Frankreich und der Westküste Afrikas, an.
Großbritannien. London, 1. Febr. Bei einer gestern Nachmittag abgehaltenen Versamm— lung beschäftigungsloser Arbeiter wollte der be— kannte Socialist Williams eine Rede halten, wurde jedoch von der Polizei verhaftet. Die Menge zerstreute ein heftiger Regen.
— Der Schmähartikel der„Contemporary Review“ über„die Dynastie Bismarck“ gibt dem„Liverpool Mercury“ Anlaß zu folgender Auslassung, die für Deutschland von Interesse ist:„Der Prinz von Wales hat den neuen Kaiser in wenigen Wochen zu besuchen und ihn einzuladen, nach England zu kommen. Das Verhältniß war im vorigen Herbste so unfreund— schaftlich, daß besondere Maßnahmen ergriffen werden mußten, damit die beiden fürstlichen Persönlichkeiten nicht in Wien zusammentrafen. Ihre Beziehungen werden durch diese Angriffe sich nicht bessern. Es mag ja ein Körnchen Wahrheit darin sein, vor allem aber sind die
Es stand zu boffen, daß der Besuch des jungen Kaisers in England seine Vorurtheile besänftigen werde. Nach der Veröffentlichung dieses Ar⸗ tikels aber ist zu befürchten, daß er in seiner Abneigung nur befestigt werden wird.“ Aehn⸗ lich lautet das Urtheil des„Sheffield Telegraph“.
Dublin. Die parnellitischen Abgeordneten John und O'Connor, welche in London wegen
viermonatlichem Gefängniß verurtheilt worden sind, haben Berufung eingelegt.
Amerika. Washington, 1. Febr. Der Senat nahm die Zusätze zum Consularbudget an. General Sherman protestirte dabei gegen die chauvinistische Sprache gewisser Redner und em⸗ pfahl Vorsicht, damit die Vereinigten Staaten nicht unnöthig zu Schritten von großen und möglicherweise verhängnißvollen Folgen hinge— rissen würden, wenn nicht vollständig erwiesen sei, daß die Rechte von Amerikanern verletzt seien und deren Schutz Noth thue. Der An⸗ trag auf Errichtung von Botschaften in Peters burg, Berlin, Paris und London wurde end— giltig abgelehnt.
— 2. Febr. Der Senat verwarf mit 38 gegen 15 Stimmen den Auslieferungsvertrag mit England.
— 2. Fabr. Die Repräsentantenkammer bewilligte einen Credit von 100000 Dollars zur Errichtung einer Kohlenstation im Hafen von Pagopogo auf Samoa.
Afrika. Sansibar, 2. Febr. Nach aus Lamu eingetroffenen Berichten ist Achmed, Sul⸗ tan von Witu, gestorben. Ein Neffe desselben, Termobakari, wurde zum Sultan proclamirt.
Aus Stadt und Land.
v. Friedberg. Vom 2. bis 31. Januar wurden in unserer Suppenanstalt verabreicht: unentgeltlich 2477½ L., gegen Zahlung 56½ L., zusammen 2534 L., Durchschnitt also pro Tag 84½ L. Suppe. Einschließlich der Ueber⸗ zahlungen und Geschenke wurden in der Anstalt verein⸗ nahmt 10 M. 5 Pf., durchschnittlich pro Tag 38½ Pf.
o. Friedberg. Der leider so früh verstorbene Direetor unserer Realschule und des Progymnasiums Dr. Curschmann wurde am Freitag Nachmittag 2 Uhr auf dem Friedhofe zu Gießen zur letzten Ruhe bestattet. Da demgemäß keine Begräbnißfeierlichkeit auf dem hie⸗ sigen Friedhofe stattfinden konnte, hatte das Lehrereollegium der Realschule und des Progymnasiums eine Trauerfeier für die Schüler in dem Realschul Gebäude veranstaltet. Ein Trauerchor der Schüler eröffnete die erhebende Feier, dann hielt Reallehrer Opel die Gedächtnißrede, worin er zunächst auf die herben Schicksalsschläge, welche seit zehn Monaten die Anstalt betroffen, hinwies, dann das zwar nur kurze aber höchst erfolgreiche Wirken des theuren Ent⸗ schlafenen, sowie sein edles Streben sowohl für das geistige wie für das körperliche Wohl und Gedeihen der Schüler und Lehrer schilderte. Im Hofe unter den Fenstern des Sterbezimmers sang darauf der Sängerchor einen Choral. Am 10 Uhr geleiteten alle Lehrer und Schüler die Leiche des wohlwollenden Freundes zum Bahnhofe. Dann fuhren die Lehrer nebst den Schülern der beiden oberen Klassen, denen sich noch die speelellen Schüler des heimgegangenen Directors aus Klasse IV. anschlossen, zur Bestattung der Leiche nach Gießen. Mit der Versehung der Direetorlal⸗ geschäfte ist bis auf Weiteres der dienstälteste Lehrer des Collegtums, Reallehrer Opel, von der vorgesetzten Behörde beauftragt worden.
Neu⸗Ulrichstein. In der Arbeiter ⸗Colonie waren Ende Januar stellen- resp. arbeitslos 112 Mann. Seit Bestehen der Colonle sind aufgenommen 1126, abgegangen 1014. Abgegangen sind im Januar 25, hiervon gingen in Stellung durch die Colonie 7, desgleichen durch eigenes Bemüben 2, auf eigenen Wunsch 16.
Allerlei.
Berlin, 2. Februar. Heute Nachmittag entlud sich über Berlin während eines fürchterlichen Schneesturmes ein heftiges Gewitter. Der Verkehr in den Straßen stockte für einige Zeit völlig.
New Nork, 2. Februar. Nach hier elngegangenen Nachrichten hat heute in Buffalo eine große Feuers brunst stattgefunden, durch welche 40 Häuser, darunter mehrere Fabrikgebäude und Waarenbäuser, zerstört wurden. Der Verlust wird auf gegen 3 Million Dollars geschätzt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 2. Febr. Buttermarkt. Butter kostete ver Pfund M. 0.80—0.90 Eter 1 Stück 6 Pf.
Repertoir⸗Entwurf der bereinigten Stadt-Theater in Frankfurt. . Opernhaus.
Dienstag den 5.5: Wildschütz. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 6.: Der Zigeunerbaron. Außer Abonne— ment. Kleine Preise. Donnerstag den 7.: Silvana.
Gewöhnliche Preise.
Freitag den 8.: Geschlossen.
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Pfeile in das Gift der Bosheit getaucht worden.
Zuwiderhandelns gegen das Zwangsgesetz zu
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