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Koͤnigin Graf Herbert Bismarck. Während des Diners brachte der König einen Toast auf den kaiserlichen Gast aus, worin er ausführte, daß unter seine schönsten Erinnerungen die ihm von dem Großvater des Kaisers bewiesene Freund— schaft gehöre. Dankbar für den Besuch des Kaisers wünsche er, Gott möge demselben ein langes Leben und eine glückliche, glorreiche Re— gierung verleihen. Der Kaiser erwiederte den Toast, indem er der Freude über den Besuch der schönen skandinavischen Lande Ausdruck gab. Er hoffe, daß die Freundschaftsbande zwischen den Völkern Deutschlands und Schwedens fort— bestehen werden.— 27. Juli. Im Laufe des Vormittags besuchten Kaiser Wilhelm, der König und der Kronprinz von Schweden, Prinz Hein— rich von Preußen und Graf Bismarck den Katharinen⸗Elevator, das Nationalmuseum und die Central⸗Telephonstation, im Laufe des Nach— mittags die Niddarholmskirche und fuhren dann nach Schloß Drottningholm, wo ein Diner statt— fand.— 28. Juli. Kaiser Wilhelm verließ heute Morgen um 6 Uhr den Hafen, nachdem sich gestern Abend um 10 Uhr der König und der Kronprinz an Bord der„Hohenzollern“ herzlichst verabschiedet hatten. Beim Verlassen des Schiffes wurde auf der gegenüberliegenden Marinewerft ein prachtvolles Feuerwerk abge— brannt, worauf die„Hohenzollern“ ebenfalls ein Brillantfeuerwerk abbrannte. Tausende von Zuschauern jubelten dem Kaiser, dem König und dem Kronprinzen zu. Der König verlieh dem Kaiser Wilhelm und dem Prinzen Heinrich das Großkreuz des norwegischen Sankt Olaf-Ordens und dem Grafen Herbert Bismarck das Groß— kreuz des Nordstern-Ordens in Brillanten. Kaiser Wilhelm verlieh dem Staatsminister von Bildt den Schwarzen Adler-Orden und ersuchte den König, Pathe des neugeborenen Prinzen zu sein.
Norwegen. Christiana. Der König verlieh dem König von Sachsen, dem Generallieutenant Hahnke, sowie dem Ministerpräsidenten Crispi das Großkreuz des norwegischen Sankt Olafs-Ordens.
Drontheim, 27. Juli. Das sächsische Königs— paar traf gestern Abend hier ein und setzte heute Vormittag mit dem Dampfschiff„Jupiter“ seine Reise nach dem Norden fort.
Frankreich. Paris, 28. Juli. Der ita⸗ lienische Botschafter Menabrea übergab heute Goblet eine Note, worin gemäß dem Berliner Vertrage mitgetheilt wird, daß Italien von Massauah definitiv Besitz ergriffen hat.
— 29. Juli. In La Villette fand ein Zu— sammenstoß zwischen der Polizei und den Strei— kenden, welche die Arbeitenden zur Niederlegung der Arbeit bewegen wollten, statt. Die Polizei— Agenten waren genöthigt, die Waffen zu ge— brauchen. Mehrere Streikenden wurden von den Polizei⸗-Agenten verwundet. Im weiteren Verlauf des gestrigen Abends verhielten sich die Streikenden ruhig. Von den im Laufe des Tages verhafteten 100 Personen wurden 23 in Haft be— halten. Nach einer Anordnung des Polizeiprä— fekten sollen die verhafteten Ausländer vor Gericht gestellt und dann über die Grenze gebracht werden.
St. Etienne, 29. Juli. Ungefähr tausend Grubenarbeiter traten dem im Bassin der Loire ausgebrochenen Streike bei.
Großbritannien. London. Die Ge— schworenen von Mitchelstown gaben das Verdict ab, daß der Tod des Parnelliten Mandeville nach der Entlassung aus dem Gefängniß von Tullamore infolge der unentschuldbaren Behand— lung erfolgte, welche die politischen und anderen Gefangenen dort erleiden.
Italien. Rom. Die Regierung erhielt aus Sansibar die Nachricht, der Sultan habe Cecchi die weiteste Genugthuung für die seinerzeitige Ablehnung des Schreibens des Königs Humbert zugesichert.— Dem Vernehmen nach macht der Kronprinz in den nächsten Tagen unter dem Namen eines Grafen Pollenzo einen Ausflug nach der Schweiz und Sachsen. In der Be— gleitung desselben befinden sich General Morra Laviano und der Oberst Osio.
Türkei. Konstantinopel. Es wird officiell mitgetheilt, daß eine Note der Pforte betreffs der Kriegsentschädigung dem Botschafter Nelidoff übergeben wurde. Danach wird die Pforte regel— mäßig an jedem Fälligkeitstermin 350,000 Pfd., überdies 100,000 Pfd. zur Abstoßung der rück⸗ staͤndigen 700,000 Pfd. bezahlen.
— 29. Juli. Munir Pascha hat sich gestern in Begleitung Kiagim Bey's und Sadie Bey's in besonderer Mission nach Berlin begeben.
Serbien. Belgrad. König Milan begibt sich mit dem Kronprinzen Alexander spätestens am 1. August für einige Wochen noch Berchtesgaden. Von dort aus beabsichtigt der König einen Theil Tyrols und des Salzkammergutes zu besuchen.
Rußland. Petersburg, 27. Juli. Die Jubelfeier der Einführung des Christenthums wurde heute in ganz Rußland begangen, beson— ders festlich in Kiew und dem alten Chersones, wo die am Tauforte Wladimir's des Großen errichtete prächtige Kirche eingeweiht wurde. Die hiesigen Blätter heben den kirchlichen Cha— rakter des Jubiläums hervor, das weit über die Grenzen Rußlands hinaus in der orthodoxen Kirche bei allen Freunden religiöser Civilisation und historischen Fortschritts lebhafte Theilnahme hervorrufen müsse.
— In Wien verlautet, es sei bei der Peters— burger Entrevue Prinz Waldemar von Dänemark zum Nachfolger des Coburgers in Aussicht ge— nommen worden. Das Project werde von Oester— reich begönstigt, begegne jedoch der Opposition der Könige von Dänemark und Griechenland.
Persien. Teheran. Die in der persischen Provinz Astrabad wohnenden Turkmenen haben sich empört und bedrohen die Stadt Astrabad. Die Stadt und die benachbarten Dörfer seien geplündert und viele Menschen ermordet worden. Die Einwohner Astrabads wandten sich an den Schah und den Gouverneur von Khorusan um Hilfe, da die dem Localgouverneur zu Gebote stehenden Truppen zu schwach seien, den Auf— stand zu bewältigen.
Aus Stadt und Land.
v. Nieder⸗Florstadt. Am 21. d. Mts. feierte der Lehrer- Bezirksverein Nleder-Florstadt das 25jährige Dienst⸗Jubiläum des Lehrers Hechler dahier. Diese ganze Dienst-Zeit hat derselbe in hiesiger Gemeinde verbracht und sich durch treue Dienstführung die Anhänglichkeit der hiesigen Gemeinde erworben. Der Bezirksverein beglück⸗ wünschte den Jubilar aufs herzlichste und beschenkte ihn mit einem schönen Sessel. Auch der Gemeinderath hat beschlossen, wie Schreiber dieses in Erfahrung ge— bracht hat, nachträglich ihren verehrten Lehrer mit einem Geschenke zu erfreuen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein noch recht lange dahtier im Segen zu wirken.
m. Dortelweil. Sonntag den 5. August l. J., Nachmittags 2 Uhr, findet hier im Saale des Bürger— meisters Hensel die diesjährige zweite Bezirksversammlung der Krieger-Vereine des Bezirks Vilbel statt. Auf der Tagesordnung stehen: Bericht des Delegirten, Auszah— lung der Providenttabeträge, Wahl des Bezirksvorstandes, Bestimmung des Orts für den nächsten Bezirkstag und Besprechungen über sonstige wichtige Bezirksangelegen— heiten. Nach Erledigung der Tagesordnung sindet Har— monie- und Abends Tanz-Musik statt. In Erwartung zahlreicher Bethetligung läßt sich von dieser Versammlung eine Förderung des allselttgen Verbandsinteresses erhoffen.
6. Darmstadt. Die jetzt bekannt werdenden Resul⸗ tate der am 1. October v. J. zur Feststellung gelangten Einnahme an Branntwein-Nachsteuer im Großherzogthum Hessen sind:
in der Provinz Starkenburg im Haupt⸗
steueramtsbezirk Darmstadt rund 81181 M. Offenbach„ 59796„
in der Provinz Oberhessen im Haupt— steueramtsbezirk Gießen rund 295592
in der Provinz Rheinhessen im Haupt⸗ steueramts bezirk Mainz rund 7450 Worms„ Nis Bingen„ 85711 im Ganzen also rund 484058 M.
Allerlei.
Frankfurt. Der Silberdieb, welcher sich jetzt als ein gewisser Hoffmann aus Schlawe entpuppt haben soll, war bereits unter einem anderen Namen wegen Einbruchs in Wiesbaden internkrt gewesen und ist dort ausgebrochen. Seit der Zeit wurde er steckbrieflich verfolgt und ist jetzt endlich durch Zufall in die Hände der Poltzei gelangt. Von zwei Aufsehern wird Hoffmann bewacht. Hoffmann spielte hier auch auf dem Schützenfeste mit seiner Ge⸗ fährtin eine große Rolle. Seine Photographie figurirt im hiegen Verbrecher⸗Album.
Lollar, 24. Juli. Ein entsetzlicher Unfall ereignete
sich heute auf der Station Frohnhausen bei Lollar. Der
in Frankfurt 6 Uhr 40 Minuten fällige Berliner Schnell. zug überfuhr den Zugführer Dietrich aus Kassel, der gänzlich zerfleischt wurde und auf der Stelle todt blieb.
Dietrich führte einen in entgegengesetzter Richtung fahren⸗ den Güterzug, der in Frohnhausen hielt. Der Unglück⸗ liche wurde im Augenblick, als er aus dem Packwagen ausgestlegen war, um seiner dlenstlichen Pflicht zu genügen, von dem heranbrausenden Berliner Zug erfaßt und ge⸗ tödtet. Dietrich hinterläßt sechs Kinder.
Solingen, 28. Jult. Die Versammlung des evangel. Bundes in hlesiger Kirche, wobel Pfarrer Thümmel über die Aachener Hefligthumsfahrt sprach, wurde aufgelöst, als Thümmel den Erzbischof von Köln und die Aachener Geistlichkeit der Gotteslästerung beschuldigte.
Köln. Ein Mann in den besten Jahren, Beamter, kam am 26. ds. nach Hause, klagte über Kopfschmerzen
und setzte sich auf die Fensterbank, indem er seine Frau Als diese mit dem Trunke zurückkam, war der Mann verschwunden; Nach⸗ forschuugen ergaben, daß er, vom Schwindel befallen,
bat, ihm ein Glas Wasser zu holen.
durch das geöffnete Fenster in den Hof hinabgefallen war, wo er mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Der Tod war auf der Stelle eingetreten.
Wie man das Sparen lernt. (Schluß des Artikels in Nr. 87.)
Dürfen wir zum Schlusse a
welches die beste Schule der Sparsamkeit ist,
so hört man häufig sagen: die Noth. Sie zwingt
uns allerdings mit wenigem auszukommen, aber
wir sehen gar viele Familien mit dürftigem Einkommen, welche nie sparen lernen, welche
weder einzutheilen, noch in günstigen Zeiten
etwas zu erübrigen wissen, sei es nun aus Be⸗
quemlichkeit, Genußsucht oder aus Mangel an Verständnis, oder weil ihnen der Trieb zum Sparen fehlt, das Vertrauen auf sich selbst und der Glaube, daß sie es weiter bringen könnten, als ihre Eltern.
Wir aber, die wir die Lust zum Sparen besitzen, haben die Anregung dazu schon von unseren Eltern erhalten, wir tragen den Trieb in uns, eine Heimath zu gründen und für das Wohl unserer Familie zu sorgen: wir wollen die Früchte unseres Fleißes erhalten und an— sammeln. Wir werden aber auch Alles thun, um diesen Sinn auf unsere Kinder zu über⸗ tragen und sie frühzeitig an Ordnung, Pünkt⸗ lichkeit, Reinlichkeit, Schonung der Gebrauchs gegenstände zu gewöhnen und damit geben wir
ihnen einen großen Schatz auf den Lebensweg,
der ihr künftiges Glück begründen hilft. Wie viel können wir nur thun, wenn wir die Kinder an regelmäßige Mahlzeiten gewöhnen und es nicht dulden, daß sie den ganzen Tag den Mund voll haben und bei Tisch nicht essen wollen. Dadurch, daß wir sie an eine regel— mäßige, gesunde und kräftige Kost gewöhnen, nützen wir nicht nur ihrer Gesundheit, sondern schützen sie auch vor der Naschsucht, welche so häufig der Hemmschuh der Sparsamkeit ist.
Lasset die Knaben helfen.
Lasset auch die Knaben in der Haushaltung helfen! Wie oft sieht man eine arme, ermüdete Mutter sich im Hause herumschleppen und mit dem Aufwande aller Kraft ihre Arbeit thun, während ein starker, kräftiger Junge behaglich in der Sophaecke oder im Lehnsessel ruht. Warum sollte er, dem gesunden Menschenverstand nach zu ur⸗ theilen, ihr nicht behilflich sein? Und warum sollte man ihn nicht dazu anhalten, anzufassen, womit er seiner Mutter die Arbeit erleichtern könnte, sei es durch Besorgung von Aufträgen, kleine Hand— reichungen, oder dadurch, daß er ihr sonstige Gänge erspart? Wenn sie ihn rechtzeitig dazu angehalten hätte, würde er als großer Junge gewußt haben, daß es männlich sei, der ermüdeten Mutter zu helfen, und er würde bereitwillig und aus liebendem Herzen acht geben, um zu erspähen, wie viel Dienste er ihr während seiner Freistunden leisten könne. Zudem würde dies für den Knaben einen drei⸗ fachen Nutzen haben: es würde ihn davor be— hüten müßig zu sein, oder dumme Streiche zu begehen, wuͤrde ihn geschickt und sorgsam machen, ihm eine innige Theilnahme für seine Mutter und für seine zukünftige Frau einflößen, und ihn so zu einem weit rücksichtsvolleren Sohn und Gatten heranbilden.
noch fragen,
J. 16 g welße Bol Heidelbee! 15 510 100 St. N. 12— per Cen nue Nü fund 60 Pf., neue Ae 9 Melone
Kopfsale 1820 grüne E


