Bild, wie jene des Deutschen Reichstages am 25. Juni, nur war dasselbe nicht völlig so glänzend als letztere, weil heute die fremden Fürstlichkeiten, welche am Montage bei der Feierlichkeit zugegen waren, fehlten. Aus der Thronrede theilen wir folgende besonders wich— tige Passus mit;„In trüber Zeit heiße ich Sie zum ersten Male von dieser Stelle aus willkommen Nur wenige Monate hat das Seepter in Meines dahinge⸗ schleden Vaters Hand geruht, aber lange genug um zu erkennen, welchen Herrscher das Vaterland in Ihm verloren hat. Die Hoheit Seiner Erscheinung, der Adel Seiner Gesinnung, Sein ruhmvoller Antheil an den großen Geschicken des Vaterlandes und der Heldenmuth christlicher Ergebung, mit dem Er gegen die Todeskrankheit kämpfte, haben Ihm im Herzen Seines Volkes ein unvergänzliches Denkmal gesetzt. Für die ungezählten Beweise kreuen Gedenkens und liebevoller Theilnahme, welche Mir in diesen für Mich so schweren Tagen zugegangen sind, sage ich Allen, die Mir mit ihrem Troste genaht sind, Meinen königlichen Dank. Nachdem durch Meines Herrn Vaters Heimgang die Krone Meiner Vorfahren auf Mich über⸗ gegangen ist, war es Mir ein Bedürfniß, bei dem Be⸗ ginne Meiner Regierung Sie um Mich zu versammeln und unverweilt vor Ihnen das eidliche Gelöbniß abzulegen, welches die Verfassung vorschreibt. Ich gelobe, daß Ich die Verfassung des König⸗ reichs fest und unverbrüchlich halten und in der Uebereinstimmung mit derselben und den Gesetzen regieren will, sowahr Mir Gott helfe! Geehrte Herren! Kaiser Wilhelm hat in seiner ruhm— reichen, von großen Thaten in Krieg und Frieden er füllten Regierung das heutige Preußen geschaffen und das Streben Unseres Volkes nach nationaler Einheit verwirklicht. Mein in Gott ruhender Vater hat mit derselben Pietät, welche Mich Ihm gegenüber beseelt, nach Seiner Thronbesteigung Sich in den öffentlichen Ur— kunden, welche Sein polltisches Vermächtniß darstellen, die Politik und die Werke Meines verewigten Großvaters angeeignet und Ich bin ent⸗ schlossen, Ihm auf diesem Wege zu folgen, auf dem Gebiete der Regierung Preußens wie auf dem der Reichspolitik. Wie König Wilhelm J. werde Ich, Met— nem Gelöbniß entsprechend, treu und gewissenhaft die Gesetze und die Rechte der Volksvertretung achten und schützen und mit gleicher Gewissenhaftigkeit die ver— fassungsmäßigen Rechte der Krone wahren und ausüben, um sie dereinst Meinem Nachfolger unverkümmert zu über⸗ liefern. Es liegt mir fern, das Vertrauen des Volkes auf die Stetigkeit Unserer gesetzlichen Zustände durch Bestrebungen, Erweiterung der Kron-Rechte zu beun⸗ ruhigen. Der gesetzliche Bestand Meiner Rechte, so lange er nicht in Frage gestellt wird, genügt, um dem Staatsleben das Maß monarchischer Einwirkung zu sichern, dessen Preußen nach seiner geschichtlichen Ent— wickelung, nach seiner heutigen Zusammensetzurg, nach seiner Stellung im Reich und nach den Gefühlen und Gewohnheiten des eigenen Volkes bedarf. Ich bin der Melnung, daß Unsere Verfassung eine gerechte und nützliche Vertheilung der Mitwirkung der verschledenen Gewalten im Staatsleben enthält, und werde sie auch deßhalb, und nicht nur Meines Gelöbnisses wegen, halten und schützen. — In bewegter Zeit habe Ich die Pflichten Meines königlichen Amtes übernommen, aber Ich trete an die Mir nach Gottes Fügung gestellte Aufgabe mit der Zuversicht des Pflichtgefühls heran und halte mir dabei das Wort des Großen Friedrich gegenwärtig, daß in Preußen der König des Staates erster Diener ist.“
— 26. Juni. Gestern Nachmittag fand beim Reichskanzler zu Ehren der hier anwesenden Minister der Bundesstaaten ein Diner statt, an welchem unter anderen theilnahmen Staatssekretär v. Böt— ticher, der bayerische Minister v. Lutz, der bayr. Gesandte Graf v. Lerchenfeld-Köfering, der säch— sische Gesandte Graf v. Hohenthal und Baagen, der württembergische Minister Frhr. v. Mittnacht, der badische Gesandte Frhr. v. Marschall, die hessischen Minister Finger und Dr. Neidhardt, der mecklenburg⸗schwerinische Minister v. Prollius.
— Die Zeitungen, die sich bei Lebzeiten Kaiser Friedrichs besondere Reserve auferlegen mußten, beginnen jetzt mit Enthüllungen über Mackenzie's Gebahren. So schreibt die„Nordd. Allg. Ztg.“:„Kaiser Friedrich, dem die denkbar höchste Auffassung von den Pflichten und der Stellung des Kaiserthums innewohnte, hatte keinen Zweifel darüber gelassen, daß er die Regierung nicht antreten werde, wenn es außer Zweifel stünde, daß er von dem Krebs unheil— bar befallen sei. Es entsprach dies seiner vor— nehmen und selbstlosen Denkungsweise, während unter den dazu eventuell berufenen Persönlich— keiten Niemand war, der nicht von Hause aus entschlossen war, dem leidenden Kaiser die Krän— kung der Anregung der Frage zu ersparen, so lange er nicht selbst die Initiative ergriff. Da dies bekannt war, so wurde es die Aufgabe
Derjenigen, welche den Kaiser Friedrich, aus für uns nicht controlirbaren Motiven, auch bei vorhandener Regierungsunfahigkeit auf den Thron bringen wollten, den hohen Herrn über seinen Zustand zu taͤuschen. Dem Dr. Mackenzie liegt jetzt, nachdem er, wie die„National-Zeitung“ treffend bemerkt, die deutsche Grenze hinter sich hat, augenscheinlich nur noch daran, von seinem ärztlichen Renommse zu retten, was zu retten ist. Er setzt deshalb alle Rücksichten, durch die er in Deutschland gefesselt war, hintenan, nur um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, daß er als Arzt vertrauensunwürdig sei: he had the choice of being either a fool or a knave, sagt man in England(er hatte die Wahl ein Narr oder ein Schuft zu sein). Nach seiner eigenen Aussage hat Mackenzie es also als seine vornehmste Auf— gabe angesehen, eine politische Rolle zu spielen, mit gänzlicher Beiseiteschiebung der ärztlichen, welcher er sich vielleicht nicht gewachsen fühlte. Im Interesse unserer Zeitgeschichte ist es gut, daß dies festgestellt ist. Wir wissen nun, daß ein unbedeutender englischer Arzt von radical politischer Gesinnung es sich herausgenommen hat, den Geheimen Cabinetsrath spielen und bestimmend in die Geschicke der deutschen Nation eingreifen zu wollen.“
— Der Kaiser hat nach der„Kreuzzeitung“ befohlen, daß eine Krönung nicht stattfinde.
— Die Generaladjutanten v. Lehndorff und Fürst Radziwill sind auf Wunsch zur Disposition gestellt worden. v. Treskow, commandirender General des 9. Armeecorps, und von Witzen— dorff, commandirender General des 7. Armee— corps, haben nach der„Kreuzzeitung“ ebenfalls ihre Abschiedsgesuche eingereicht und ebenso will die„Börsen-Zeitung“ wissen, daß der Chef der Admiralität, General von Caprivi, vom Kaiser den Abschied erbeten habe und daß kein Zweifel darüber bestehe, daß die Annahme des Abschieds— Gesuches erfolge, da tiefgreifende Aenderungen in der Gestaltung der Marine-Behörden be— vorstehen.
— 28. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm debattelos und einstimmig den Adreßentwurf an und beauftragte das Präsidium mit der Ueber— reichung der Adresse sowie mit der Vermittelung des Beileidsausdruckes an die regierende Kaiserin, die Kaiserin-Wittwe Victoria und die Kaiserin— Mutter Augusta. Das Herrenhaus nahm eben— falls einstimmig und debattelos den Adreßent— wurf an und beauftragte das Präsidium mit der Ueberreichung der Adresse.
Dresden, 28. Juni. Eine Huldigung, welche gestern Abend dem König im Schlosse zu Pillnitz anläßlich seiner Theilnahme an der Er— öffnung des Reichstages dargebracht wurde, ver— lief auf das glänzendste. Viele Dresdener Cor— porationen, die Gesangvereine, Militaͤrvereine, Polytechnikervereine und die Schuler der Thier Arzneischule nahmen an der Huldigung Theil.
Baden-Baden, 27. Juni. Der Groß— herzog von Baden ist heute Nachmittag hier eingetroffen und nach dem Schloß gefahren. Der Großherzog von Baden wurde durch Cabinets— ordre zum Generalinspecteur der fünften Armee— Inspection und zum Generaloberst der Cavallerie mit dem Range eines General-Feldmarschalls ernannt.
Stuttgart. König Karl, welcher aus Ge— sundheitsrücksichten an der Reichstagseröffnung persönlich nicht theilnehmen konnte, hat dem Kaiser telegraphisch seine treuesten Grüße gesandt, worauf der Kaiser innigst dankend erwiederte.
Kissingen. Die Ankunft des Fürsten Bis— marck wird hier gegen Ende Juli oder Anfangs August erwartet; auf der oberen Saline ist schon seit Anfang dieses Monats zum Empfang des Fürsten alles bereit.
Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Cassa⸗ tionshof verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde des Abg. Schönerer und bestätigte die erstrichterliche
Verurtheilung desselben zu viermonatlichem schweren Kerker und Verlust des Adelstitels.
Zwanzig Studenten, welche Hochrufe auf Schoͤ— nerer ausbrachten, wurden verhaftet.
Pest, 26. Juni. In der Plenarsitzung der österreichischen Delegation wurde die unverän— derte Annahme des Extraordinatoriums des Heeres-Budgets und des 47 Million ⸗Credits von der Delegation mit Beifall begrüßt. Im Laufe der Debatte wurde von mehreren Red— nern die Wichtigkeit des Bündnisses mit Deutsch— land betont und rückhaltlos anerkannt. Autoritativ wird erklärt, die Mel— dung von einer Zusammenkunft des Kaisers Wilhelm mit Kaiser Franz Josef sei wahrschein— lich, aber bisher sei noch keine Ankündigung maßgebenden Orts erfolgt. Dagegen meldet die „Polit. Corresp.“, daß im Sommer Kaiser Wil⸗ helm mit Kaiser Franz Josef und König Humbert zusammenkommen werde, vorher aber wahrschein— lich auch mit dem Zaren.
— Die ungarische Delegation genehmigte einstimmig den außerordentlichen Heeres-Credit von 47 Million Gulden.
Großbritannien. London, 27. Juni. Das Unterhaus lehnte mit 307 gegen 165 Stim— men in zweiter Lesung die von der Regierung bekämpfte Canal-Tunnelbill ab.
Spanien. Madrid, 28. Juni. Die De⸗ putirtenkammer lehnte mit 135 gegen 54 Stim⸗ men den Antrag, den Zolltarif zu erhöhen, ab.
Afrika. Durban, 25. Juni. In Folge der Verhaftung mehrerer Häuptlinge, des weitver— breiteten Niederbrennens von Kraals und des Terrorisirens der Eingeborenen in den ruhigen Distrikten Zululands ist ein allgemeiner Aufstand fast unvermeidlich. Metzeleien und anarchische Zustände werden besorgt. Der Gouverneur findet jetzt, leider zu spät, daß er sich von leicht erreg⸗ baren Beamten dazu verleiten ließ, militärische
kaum das Einschreiten der Polizei erheischten.
Aus Stadt und Land.
s. Butzbach, 26. Juni. Am vergangenen Sonntag tagte im Lokale„Zum goldenen Löwen“ hierselbst der Verbandtstag der mittelrheinischen Bildungs Vereine. Außer der Centralstelle in Berlin durch Dr. Wislicenus und dem hiesigen Volksbildungsverein durch eine größere Anzahl hiesiger Einwohner waren vertreten die Volks⸗ bildungsvereine zu Frankfurt, Darmstadt, Wles baden, Höchst, Worms und Sauer-Schwabenheim. Der Vor⸗ sitzende des Verbands erstattete den Bericht über die Thätigkeit des Verbands im verflossenen Jahre. Als von allgemeinem Interesse ist daraus hervorzuheben, daß der Verband in erfreulichem Aufschwung begriffen ist. Die Zahl der ihm zugehörigen Vereine hat sich von 23 auf 29 gehoben. Die Zahl der Gesammtmitglieder des Verbands ist in gleicher Weise ganz erheblich gewachsen. Erfreulich ist die von allen Seiten gemeldete starke Be⸗ nutzung der Vereins⸗ Bibliotheken. Die vom Verband ausgehenden Wander- Bibliotheken sind außerordentlich gesucht und kann dem Bedürfniß nach Lektüre, wie es von vielen Gemeinden aus der Verbandsleitung gegen— über kundgethan, leider nicht in erwünschtem Maße ent⸗ gegengekommen werden. Mehrere Vereine haben Flick⸗ und Nähschulen eingerichtet, die sich lebhafter Theilnahme erfreuen. Der Anschauungs-Unterricht nach der Methode des Professors Kumpa in Darmstadt und unter der Leltung desselben hat auch in dem vergangenen Jahre guten Erfolg gehabt. Manche Vereine veranstalteten ge⸗ sellige Ausflüge; hervorzuheben ist noch die Thätigkeit des Vereins zu Schwanheim in Pflege des Obstbaues ꝛc. Das Vortragswesen innerhalb des Verbands ist einer Reorganisation unterworfen, die gute Erfolge verspricht, Auch nach dem Skloptikon ist lebhafte Nachfrage. Ein Antrag des Vorstandes auf Abänderung einiger Para⸗ graphen des Verbandsstatuts wurde ohne wesentliche Debatte angenommen. An die Verhandlungen schloß sich ein durch ernste und heitere Toaste gewürztes gemein— schaftliches Mahl.
b. Darmstadt. Das X. Kirchengesang⸗Fest des ev. Kirchengesangvereins für Hessen soll unter Mitwirkung der Kirchengesangvereine von Alsfeld, Gießen, Grünberg, Lardenbach, Lauterbach, Londorf und Romrod am 4. Juli in Alsfeld abgehalten werden. Der Veginn des Festgottesdienstes in der Walpurgisklrche ist auf 2¼ Uhr Nachmittags festgesetzt. Die General⸗Ver⸗ sammlung des Vereins, zu welcher sämmtliche Vereins- Mitglieder eingeladen werden, findet am 3. Juli Abends 8 Uhr im Gasthofe„Zum deutschen Haus“ zu Alsfeld statt. Die oberhessischen Eisenbahnen haben eine Fahrk⸗ Vergünstigung gewährt, wonach gegen Vorzeigung einer Legitimationskarte für am 3. und 4. Juli gelöste ein⸗ fache Fahrbillets die freie Rückfahrt am 4. Juli gestattet wird. Die Legitimations-Karten werden auf Ansuchen von Gymnasiallehrer Th. Becker in Darmstadt, sowie
von den Vorständen der in der Provinz Oberhessen
Schritte zu ergreifen, während die Angelegenheiten
Hanal,
Bokltalschen. sammtverluf, Sundwalls Klonen angeg Weng, Gyklone habe 14 Jab Schaden an Sld⸗Oest gänzlich. D und die Stra des Sturmet lug der boselbst Feu. Unzebung d In dem kle Hütte, in d dlitzschnell! Huflucht ges „Klrche in gehalten wu Ein kleines 1 chwer berw lächfalls e J wburde das J orault mi nsinster in 2 Hotel in Br. ament, da in 1 schast Amerik New J zolge zerfe r
Han I Hage bei. Homm
sow in großer Au 2400
—


