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lassung, Versetzung, Suspension, unfreiwillige Emert⸗ tirung u. s w.) muß, wenn mit derselben der Verlust oder eine Minderung des Amtseinkommens verbunden ist, ein geordnetes proeessuslisches Verfahren voraus gehen. In allen hier vorerwähnten Fällen ist die Entscheldung schriftlich unter Angabe der Gründe zu erlassen. Art. 4. Absatz 1 und Absatz 3 des Artikels 7 erhalten folgende Fassung: Absatz 1. Geistliche Strafanstalten, welche im Großherzogthum errichtet sind oder errichtet werden, sind der staatlichen Aufsicht unterworfen. Unserem Ministertum des Innern und der Justiz sind die Statuten und die Hausordnung desselben einzureichen und die Namen der Leiter derselben mitzutheilen. Absatz 3. Am Schlusse eines jeden Jahres ist unserem Ministerium des Innern und der Justiz ein Verzeichaiß der in der Anstalt Auf: genommenen, welches deren Namen, die gegen sie er⸗ kannten Strafen und die Zelt der Aufnahme und Ent⸗ lassung enthält, vorzulegen. Der Artikel 7 erhält folgen den Zusatz: Im Falle fortgesetzten Ungehorsams gegen⸗ über den Vorschriften dieses Artikels kann die Schließung der Anstalt verfügt werden. Art. 5. Auf Zuwider handlungen gegen die Artikel 3 und 4 des gegenwärtigen Gesetzes finden die Artikel 2 und 12 des Gesetzes vom 23. April 1875 Anwendung. Die Motive besagen u. A.: Die katholische Kirche habe dem Gesetze vom 5 Juli 1887 über die Vorbildung der Geistlichen die erwartete und zugesagte Folge gegeben, die Anzeige der beabsichtigten Anstellung oder Versetzung finde ordnungsmäßig statt u. s. w., desto unbedenklicher könne deshalb der schon früher in Aussicht gestellten Revision des Gesetzes über den Mißbrauch der geistlichen Amtsgewalt näher getreten werden. Bezüglich der Beseitigung der bisherigen Bestimmung des Artikels 5 des an— geführten Gesetzes über Aburtheilung renitenter Geistlichen durch einen besonderen Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten beziehen sich die Motive darauf, daß selbst in der Zeit des schärfsten Gegensatzes zwischen Staat und Kirche das Bedürfniß zu einer solchen Maßregel nie eingetreten sei.
Berlin, 22. Nov. Der Großfürst-Thron— folger von Rußland begab sich heute früh, eskor— tirt von einem Ehrengeleit des Garde du Corps— Regiments und begleitet von dem Grafen v. Wal— dersee zunächst nach dem königlichen Schloß zu dem Kaiser und stattete auch später der Kaiserin einen Besuch ab. Vom Schloß aus fuhr der Kaiser mit seinem hohen Gast nach dem Exer— zierhause des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier— Regiments, wo das Exerzieren einer combinirten Compagnie des Regiments nach dem„neuen Exerzier⸗Reglement“ vorgeführt wurde, nachdem vorher unter den Klängen der russischen National— hymne das Gewehr präsentirt und ein Parade— marsch ausgeführt worden war. Auch im Maga— zinfeuer wurde die Compagnie dem Großfürst— Thronfolger gezeigt. Der Kaiser verabschiedete sich von dem Großfürsten, nachdem er denselben zu der Kaserne des Alexander Regiments geleitet hatte. Im Offizierkasino gaben die Offiziere des Alexander-Regiments dem à la suite stehenden Sohne ihres Chefs ein Frühstück. Um 4 Uhr fand in der Bildergallerie des hies. königlichen Schlosses ein Prunkmahl von circa 100 Ge— decken statt. Am Abend besuchte der Großfürst— Thronfolger, nachdem er sich von dem um 7 Uhr zur Hofjagd nach Letzlingen abreisenden Kaiser verabschiedet, die Oper und trat dann um 11 Uhr die Rückreise nach St. Petersburg an.
— 23. Nov. Der Reichstag wählte heute v. Levetzow zum ersten Präsidenten mit 271 von 281, Dr. Buhl zum ersten Vicepräsidenten mit 169 von 259(87 Zettel waren unbeschrieben) und v. Unruhe⸗Bomst zum zweiten Vicepräsiden— ten mit 150 von 244 Stimmen. Bei der letz teren Wahl waren 91 Zettel unbeschrieben. Alle drei nahmen die Wahl an. Sodann wählte der Reichstag die früheren Schriftführer wieder.
Trier, 21. Nov. Gestern Abend wurde in unserer Stadt ein bisher in der Artillerie— Werkstatt zu Straßburg beschäftigter Schmied Namens Casting wegen Verdachts des Landes— verraths verhaftet.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 22. Nov. Der Wehrausschuß beendigte heute die Berathung der Wehrvorlage durch unveränderte Annahme des Regierungsentwurfes. Ferner wurde be— schlossen, den Bericht des Referenten in ver⸗ traulicher Sitzung zu berathen.
Dänemark. Kopenhagen, 25. Nov. An— laͤßlich der Rede des Präsidenten des Folkethings gegen die Theilnahme an den Jublläumsfestlich— keiten des Königs hat die Rechte des Folkethings gegen die vom Präsidenten im Namen des Fol— kethings gethanen Aeußerungen einen Protest eingebracht, der am Dienstag in der Kammer zur Erörterung kommen soll.
Schweiz. Bern, 24. Nov. Der Bundes- präsident Hertenstein mußte sich heute wegen Aderverstopfung einer Amputation des linken Beines oberhalb des Kniees unterziehen. Die Operation ist gelungen, der Zustand des Pa— tienten befriedigend.
Holland. Amsterdam, 22. Nov. Gestern kam es hier zu socialistischen Unruhen, bei wel— chen ein Polizist schwer verwundet wurde.
Frankreich. Paris, 22. Nov. Kammer. In der Berathung des Budgets der Kolonien befürwortete Unterstaatssekretär Delaporte das Budget für Tongking und betonte, eine weitere Verminderung der dortigen Truppen würde eine Unklugheit sein. Die Kammer möge die ver— langten fünfzehn Million Fres. bewilligen. Der Credit von 15 Million wurde mit 278 gegen 233 Stimmen genehmigt und das Budget der Kolonien bewilligt. Dte Kammer begann sodann die Berathung des Budgets des Finanzministe— riums und nahm die Artikel bis 19 an, außer Artikel 3, betr. Amortisirung, welcher einer späteren Berathung vorbehalten bleibt.
— Ein von der gesammten boulangistischen und monarchistischen Presse heute veröffentlichtes angebliches Staatsstreichprojekt Floquet's ist reine Erfindung, dagegen ist es richtig, daß die Repu— blikaner immer dringender ein gesetzliches Ein— schreiten gegen den„boulangistischen Schwindel“ verlangen.
— Nach Blättermeldungen beorderte Admiral Krantz auf Antrag Goblet's ein zweites Schiff zur Ueberwachung der ostafrikanischen Küste be— hufs Verhinderung des Sklavenhandels.
— Der„Gaulois“ will wissen, in einem Ministerconseil sei die Auflösung der Patrioten— liga zur Sprache gekommen und sei eine Ent— scheidung darüber auf Dienstag verschoben.
Großbritannien. London, 23. Novbr. Das Unterhaus nahm die zweite Lesung der irischen Pachtankaufsbill mit 229 gegen 224 Stimmen an.
Italien. Rom. Der„Osservatore Romano“ sagt, die Nachricht, der Papst werde im Falle eines Krieges, an welchem Italien activ theil— nehme, Rom verlassen, könne weder bestätigt noch dementirt werden. Das richtige dürfte mit der Annahme getroffen werden, daß wirklich der Tag kommen könnte, wo der Papst, wenngleich mit Bedauern, Rom verließe. Dieses würde geschehen, wenn die Communikationen mit der katholischen Welt unterbrochen würden.
— Der„Riforma“ wird von der Insel Maddalena(am östlichen Eingang der Sardi— nien von Corsica scheidenden Bonifaciusstraße) berichtet, daß das französische Kanonenboot „Etendard“ in den dortigen Gewässern wieder— holt zu Tages- und Nachtstunden Aufnahmen mache. Vom Semaphor, konnte man deutlich wahrnehmen, wie zahlreiche französische Officiere von der Commandobrücke des„Etendard“ die Vertheidigungsarbeiten auf Maddalena beobach— teten und Notizen machten. Als die Militär— behörde von Maddalena Vorkehrungen traf, das Kanonenboot„Etendard“ zu verfolgen, segelte dieses in der Richtung nach Corsica ab. Die „Riforma“ hofft, das Maxineministerium werde Vorkehrungen treffen, daß Derartiges nicht mehr stattfinden könne.
Rumänien. Bukarest. Die Ministerkrise hat ein allgemein befriedigendes Ende gefunden. Die Conservativen erklärten sich bereit, der Re— gierung das Vertrauen zu votiren, wenn ihnen drei Portefeuilles überlassen würden. Der Mi⸗ nisterrath ging darauf ein, wodurch die Ange— legenheit als beigelegt erscheint,
Rußlaud. Petersburg. Das„Journ. de
St. Petersb.“ dementirt die Meldung der„Times“
von einem geheimen Vertrag Rußlands mik Korea, wodurch letzteres der russischen Schutzherrschaft unterstellt werde.
— Die seit langem geplante Verstaatlichung der russischen Privatbahnen dürfte in Folge der Katastrophe von Borki in ein actuelleres Sta— dium treten, indem Kaiser Alexander den Wunsch geäußert haben soll, diese Angelegenheit einer raschen Erledigung zuzuführen.
Egypten. Kairo. Außer dem 9. und 10, hat das 12. sudanesische Bataillon Befehl er⸗ halten, nach Suakim zu marschiren. Die Gar— nison wird dadurch um fast 3000 Mann ver⸗ stärkt. Die Rebellen unterhalten stets ein be— ständiges Feuer gegen die Stadt und die Forts.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Für ein neues Postgebäude hier wer— den in dem soeben dem Reichstage vorliegenden Reichs— haushalt 60,000 M. als erste Rate gefordert, die Ge⸗ sammtkosten sollen sich auf 111,500 M. belaufen.
s. Friedberg. Dleser Tage wurde die erste Sen⸗ dung lebenden Birkwildes im Hohenmarkwalde ausgesetzt, es waren 10 Stück, darunter 4 Hahnen. Die Vögel hatten die lange Reise von Helsingfors hierher gut über⸗ standen, waren ganz gesund und prächtige Exemplare. Am Bestimmungsorte wurde ihnen Futter gestreut und dann die Behälter geöffnet, hierauf liefen sie heraus und nahmen das Futter begierlg an, nach etwa einer Viertelstunde baumten sie in nächster Nähe des Futter⸗ platzes auf. Hoffentlich tritt der gewünfchte Erfolg ein, denn diese Vögel vermehren sich rasch, sie legen 12— 14 Eler und wird ihnen der Wechsel des Klimas wohl zusagen, denn im hohen Norden sind die Winter nicht nur rauher, sondern auch viel länger Wir machen nun alle hiesigen Jäger darauf aufmerksam, wie nöthig es ist, daß jetzt im ganzen Taunus consequent geschont wird, auch bei jeder Treibfagd sollte vorher daran erinnert werden, daß auf kein Blrk— wild geschossen werden soll. Dagegen muß dem Raub⸗ zeug auf alle mögliche Weise Abbruch gethan werden.
Gießen. Verzeichniß der Hauptgeschworenen für die am 10. Dez. beginnende Sstzungsperlode des Schwur⸗ gerichts: 1. H. Dietz V., Billertshausen; 2. Fr. Stein III., Stumpertenrod; 3. J. Köhler IV., Langsdorf; 4. J. G. Gernand II., Heuchelheim; 5. J. Hartmann III., Heuchel⸗ beim; 6. J. Weber V., Lang-Göns; 7. B. Emmerich, Gießen; 8. G. Faber IV., Leihgestern; 9. G. Schwarz, Trohe; 10. W. Eberhard, Gießen; 11. J. Gottwalz, Burkharvsfelden; 12. L. Treff, Gießen; 13. Fr. Jung, Klein-Linden; 14. J. Weber I., Ober Sorg; 15. H. Hölscher VI., Alsfeld; 16. G. Dittmar, Romrod; 17. Fr, Schudt, Bönstadt; 18. H. Thylmann, Altenstadt; 19. C. Brauwarth, Stammheim; 10. J. Faust, Elbenrod; 21. Fr. Lehning, Büdingen; 22. W. Haffer II., Nleder⸗ Welsel; 23. W. Heyer I., Wölfersheim; 24. G. Hansteln J., Friedberg; 25. H. W. Alles, Nieder Florstadt; 26. G. P. Feuerbach, Ockstadt; 27. J. Mathes, Bellersheim; 28. J. Carle III., Nieder-Ohmen; 29. K. Schudt, Steinfurth; 90. A. Reich VII., Bad Nauheim.
Beschofsheilm, 22. Nov. Am Samstag Abend lief auf hiesiger Station eine Rangiermaschine auf einen mit Ochsen beladenen Viehzug. Die Locomotive und eine Anzahl Wagen des Viehzuges wurden stark beschädigt, auch sind dabei eine Anzahl Thiere so schwer verletzt worden, daß sie sofort getödtet werden mußten.
Allerlei.
Aschaffen burg, 21. Nov. In der verflossenen Nacht wurde in der hiesigen Stadtpostexpedition einge⸗ brochen und außer Baargeld ein sehr bedeutender Betrag von Freimarken, sowte Reichswechselstempelmarken ent; wendet.
Wien, 23. Nov. Auf der Tischnowitzer Lokalbahn entgleisten heute bei einem Zuge die zwei letzten Wagen. 4 Personen wurden verletzt. Der Bahnkörper ist stark beschädigt.
Bruͤssel. Im hiesigen Rathhause wurden der„Re⸗ forme“ zufolge Veruntreuungen in der Höhe von 1,200,000 Fres. entdeckt.
London. Die neueste Ausgabe des„Lancet“ ent⸗ hält eine scharfe Erklärung von 68 der ersten Aerzte Groß⸗ britannlens, worin die Veröffentlichung des von Kaiser Friedrich dem Dr. Mackenzie eingehändigten Autographs, welches sich auf Professor von Bergmann's Behandlung bezog, als eine Verletzung der berufsmäßigen Diseretlon und ihr Erscheinen im„Brltish Medlieal Journal“ als ein Schimpf für den ärztlichen Stand Großbritanntens bezeichnet, sowie ein Einschreiten seltens des Vorstandes der British Medieal Assoclation in dieser Angelegenheit beantragt wird.
Petersburg. Meldungen aus Taganrog zufolge sind am 12. d. Mts. im Meere, unweit Taganrog, das Leuchtschiff und 12 Segelschiffe eingefroren. Im Laufe der nächsten Tage sanken von denselben 5 Schiffe; 68 Seeleute, größtentheils Ausländer, retteten sich auf das Leuchtschiff, Am 18. d. Mts. erreichten vom Leuchkschiff 1 Offizier und 5 Matrosen, sowie 48 Mann von den eingefrorenen Segelschiffen das Ufer; 15 Mann, deren Extremitäten abgefroren, blieben auf dem Leuchtschiff. Am 19. d. Mts. sanken noch zwel Segelschiffe und erst am 22. d. Mts. gelang es einem Krlegsdampfer, an das Leuchtschlff heranzukommen und dasselbe in freies Wasser herauszubugstren.
London, 21. Nov.: Dle Poltzei verhaftete gestern Morgen in einem der Seitengäßchen der Dorset⸗Straße;
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