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Samstag den 24. November.
M 139.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Areisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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Deutsches Reich.
Berlin, 21. Nov. Der Großfürst⸗Thron— folger von Rußland traf heute Abend hier ein und wurde vom Kaiser und dem Prinzen Heinrich empfangen. Die Herrschaften begaben sich, von
einer Eskadron Gardes du Corps escortirt, nach g der russischen Botschaft, überall mit Jubel begrüßt.
— 22. Nov. Der Reichstag wurde heute
im Weißen Saale des koöͤnigl. Schlosses mit großem Glanze eröffnet. Der Kaiser verlas per— sönlich die Thronrede, welche bei den Stellen betreffend die friedliche Lage, den wirthschaft— lichen Aufschwung und die soclale Gesetzgebung mit lautem Beifall aufgenommen wurde. Minister v. Bötticher erklärte nach der Verlesung den
Reichstag für eroffnet. Die Thronrede gedenkt zu— nächst des Eindrucks der schweren Schickungen bei dem Antritt der Regierung.„Der Schmerz über diese Ver⸗ luste wird bei dem lebenden Geschlechte nie ganz ver⸗ löschen; das darf Mich aber nicht hindern, den Anfor⸗ derungen und Pflichten nach dem Vorbilde der Vorgänger mannbaft und treu gerecht zu werden. Von diesem Pflicht⸗ gefühl getragen und das Gleiche bet Ihnen voraussetzend, entbiete Ich Ihnen Gruß und Willkommen. Auf den Reisen in verschiedene Reichstheile traten Mir überall Bewetise entgegen, daß die Fürsten und Völker Deutschlands dem Reiche mit rückhaltlosem Vertrauen anhängen; solche Kundgebungen gewähren die Ueberzeugung, daß die im
Reiche verkörperte Einheit tiefe, feste Wurzeln im ge⸗
gesammten Volke geschlagen hat und es ist Mir Bedürfnlß, dankbare Befriedigung darüber auszudrücken.“ Die Thron⸗ rede erwähnt sodann den Zollanschluß Hamburgs und Bremens, die mit der Schweiz getroffene Zusatzuͤberein— kunft zum Handelsvertrag. Die Voranschläge des Reichs⸗ haushalts ergeben die befriedigende Lage der Reichs⸗ finanzen, gestatten neue Mittel zu unabwelslichen Aus- gaben und erhöhte Ueberweisungen an die Bundesstaaten. Die Thronrede begrüßt freudig die Anzeichen des Auf—
schwungs auf den verschiedenen wirthschaftlichen Gebieten;
der auf der Landwirthschaft bestandene Druck sei zwar
noch nicht gehoben, die höhere Verwerthung der Erzeug⸗
I nisse lasse aber auch hier eine Besserung erwarten.
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Die Thronrede kündigt Vorlagen an über die Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften, eine Novelle zur Kranken⸗
versicherung, eine Vorlage über Alters- und Invallditäts—
versicherung der Arbeiter. Hierbei heißt es:„Als theures
Vermächtniß meines Großvaters übernehme Ich die Auf- gabe die socialpolitische Gesetzgebung fortzuführen; Ich
gebe Mich zwar nicht der Hoffnung hin durch gesetz— geberische Maßnahmen das menschliche Elend aus der
Welt zu schaffen, halte es aber für die Aufgabe der
Staatsgewalt, auf dessen Linderung hinzuwirken, durch organische Einrichtungen die Bethätigung der Nächsten— liebe als Pflicht der staatlichen Gesammtheit zur Aner⸗ kennung zu bringen.“ Die Thronrede erwähnt sodann der afrikanischen Ansiedelungen und der Verständigung mit England betreffs Bekämpfung des Sklavenhandels, und kündigt weitere darauf bezügliche Vorlagen an.„Die Beziehungen zu allen fremden Regierungen sind fried liche, Meine Bestrebungen unausgesetzt dahin gerichtet,
den Frieden zu befestigen. Unser Bündniß mit Oesterreich und Italten hat keinen neueren Zweck. Dle Leiden eines Krieges, selbst eines siegreichen Krieges ohne Noth über Deutschland zu verhängen, würde Ich mit Meinem christ⸗
lichen Glauben, mit Meinen Pflichten gegenüber dem deuschen Volke nicht verträglich finden. Ich habe als Aufgabe angesehen die Bundesgenossen im Reich und die Hefreundeten Monarchen zu begrüßen, mit denselben eine Verständigung zu suchen, hinsichtlich der Aufgabe den Völkern den Frseden zu sichern. Das Mir und Meiner Politik dabel entgegengebrachte Vertrauen berechtigt zu der Hoffnung, es werde gelingen Europa den Frieden zu erhalten.“ Der Reichstag wurde sodann von dem Bicepräsidenten Buhl eröffnet. Das Haus berief unächst die Schriftführer. Unter den einge— gangenen Vorlagen sind hervorzuheben: der Etat mit dem Anleihegesetz und das Gesetz über die Invaliditäts⸗Versicherung. Der Namensaufruf
irgab 268 Anwesende, so daß das Haus be—
schlußfähig war. Die nächste Sitzung, in
velcher die Präsidentenwahl erfolgen soll, findet
norgen statt.
— In der Denkschrift zur Vorlage betref— fend die Errichtung eines Denkmals für Kaiser Wilhelm I. wird bemerkt, daß als Platz für die Aufstellung nur der große Straßenzug vom königlichen Schlosse unter den Linden nach dem Thiergarten in Betracht kommen könne. Die Frist für Einreichung von Entwürfen ist auf neun Monate festgesetzt. Es sind neun Preise im Betrage von 100000 Mark ausgesetzt.
— Die Reorganisation der höheren Stäbe der Feldartillerie und des Großen Generalstabes ergibt sich, nach dem Fr. J, aus den Etats folgender— maßen: Die Feldartillerie soll, unter Beseitigung ihrer der Fußartillerie und dem Ingenieurcorps analogen besonderen Organisation, wie die Fuß— Truppen und die Kavallerie, den General-Com— mandos unterstellt werden. Dadurch wird der Fortfall der Generalinspection der Feldartillerie und der vier Feldartillerie-Inspectionen nebst allem Zubehör bedingt, wogegen den General— commandos je ein weiterer Adjutant zuzutheilen ist. Daneben bleibt, zur Leitung und Beaufsich— tigung in der artilleristisch⸗technischen Ausbildung der Feldartillerie eine besondere Inspection der Feld⸗ Artillerie auch weiter erforderlich. Was ferner den großen Generalstab anlangt, so sollen die einzelnen Abtheilungen desselben, welche bis— her dem Chef des General-Stabes unmittelbar unterstellt waren, zu größeren Verbänden unter Leitung von Generalen vereintgt werden; letztere werden dadurch zugleich Gelegenheit erhalten, sich in der Stellung als Ober-Quartiermeister mit den ihnen im Kriege zufallenden wichtigen Aufgaben schon im Frieden vertraut zu machen. Dagegen kommt die Stelle des Generalquartier— meisters in Wegfall.
— Wie die„Berl. Pol. Nachr.“ hören, ist die Einrichtung zweier weiteren Militär-Brief— taubenstationen in Aussicht genommen, durch welche das geplante Brieftaubennetz an den Grenzen zum Abschluß gelangen würde. Die hierzu noth— wendige Summe soll bereits im Etat pro 1889/90 in Ansatz gebracht sein.
Kiel. Das Schulgeschwader, bestehend aus S. M. Kreuzerfregatten„Stosch“(Flaggschiff), „Charlotte“,„Gneisenau“ und„Moltke“, Ge— schwaderchef Contre-Admiral Hollmann, ist am 19. November cr. in Fiume eingetroffen und be— absichtigt am 23. ds. Mts. wieder in See zu gehen.
— Das deutsche Blokadegeschwader an der ostafrikanischen Küste unter dem Commando des Contre-Admirals Deinhardt, wird demnächst aus folgenden Schiffen bestehen: Fregatte„Leipzig“, 12 Geschütze, 434 Mann; Corvette„Carola“, 12 Geschütze, 267 Mann; Corvette„Sophie“, 12 Geschütze, 267 Mann; Kreuzer„Möwe“, 5 Geschütze, 128 Mann; Kreuzer„Schwalbe“, 8 Geschütze, 114 Mann; Aviso„Pfeil“ 5 Ge—⸗ schütze, 127 Mann. Zusammen 6 Schiffe mit 54 Geschützen und 1337 Mann Besatzung.
München, 19. Novbr. Der Kaiser von Oesterreich, der zur Beisetzung des Herzogs Max hier anwesend war, ist heute Abend nach
ie rückgereist. 1 7 05 Der„Landeszeitung“ zufolge reducirt sich der von frauzösischen Blättern be— richtete Zwischenfall in Avricourt darauf, daß ein französischer Bahnhofsbediensteter am 18. ds. in Deutsch Avricourt wegen Diebstahls verhaftet und am 20. d. wieder freigelassen worden ist.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Pest, 21. Nov. Das Oberhaus nahm die Convertirungs-Vor⸗ lage ohne Debatte an.
Dänemark. Kopenhagen, 19. Nov. Die Festlichkeiten aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Königs fanden heute Abend mit einem Fest— ball ihren Abschluß.
Belgien. Hiesigen Blättern zufolge be— stellte die belgische Regierung neuerdings bei Krupp 60 Kanonen.
Frankreich. Paris, 21. Nov. Heute Morgen erschien hier die von Gilly verfaßte Broschüre mit starken Angriffen gegen mehrere Deputirte. Gerville-Reache und Salis erklärten, Gilly und den Verleger Salvine wegen Verleumdung ge— richtlich belangen zu wollen.
— Boulangistischen Blättern zufolge fand gestern Abend, als Boulanger das Renaissance— theater verließ, eine boulangistische Kundgebung statt, wobei mehrere Personen verhaftet wurden.
Großbritannien. London, 21. Novbr. Bei Beginn der Sitzung der Commission in der Parnell'schen Angelegenheit richtete der Staats— anwalt die Aufmerksamkeit des Gerichtshofes auf einen Artikel Kerry's im„Sentinel“, dessen Eigenthümer Edmond Harrington, einer der An⸗ geklagten ist. Der Artikel beschuldigt den Ge— richtshof der Parteilichkeit und bezeichnet ihn als ein gefügiges Werkzeug der Regierung und als Mitverschwörer der„Times“. Auf Ersuchen des Advocaten Harrington's vertagt der Gerichts— hof die Berathung auf morgen.
— Das Unterhaus verwarf mit 330 gegen 246 Stimmen Gladstones Amendement betref— fend die irischen Pachtzinsenrückstände und nahm in erster Lesung die irische Pachtankaufsbill an.
Italien. Rom, 20. Nov. Der König und die Königin sind heute aus Monza hier ein— getroffen.
— Die„Germania“ läßt sich von hier tele— graphiren: Nach längerer Ueberlegung im Vatican wurde die Abreise des Papstes von Rom im Falle eines Krieges beschlossen. Diese Meldung wird jedoch von Seiten der römischen Prälaten bestritten; die Sache sei niemals in Erwägung gezogen worden.
— 21. Nov. Die Kammer nahm mit 164 gegen 58 Stimmen die Regierungsvorlage be— treffend die Reform des Gesetzes über die öffent— liche Sicherheit an.— Im Senate erklärte Crispi bei Berathung des Gesetzentwurfs über die Communal- und Provinzial-Reform, er werde nach Beendigung der Debatte über den vorlie— genden Gesetzentwurf die Interpellation Corte's über die italienische Politik im Rothen Meere beantworten.
Türkei. Constantinopel. Die Mitwirkung der Pforte bei dem deutsch-englischen Vorgehen an der ostafrikanischen Küste gilt für gesichert.
Egypten. Kairo, 19. Nov. Aus Abu Ahmed sind Couriere angekommen, welche melden, daß die Derwische beschlossen haben, auf Jebel Sel— sileh, welches 30 Meilen nördlich von Assuan gelegen ist, vorzurücken.
Aus Stadt und Land.
OC. T. Friedberg. Gemeinderaths-Sitzung vom 19. Nov. Bei Berathung des Voranschlags 89 90 des Gaswerks wurde beschlossen, ungebrochene Coaks zu 95 Pf., gebrochene zu M. 1.05 den Ctr. zu verkaufen. — In die Commission für das Ersatzgeschäft wurden die


