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Wenn es dir lächerlich und überflüssig er scheint, daß dein Weib den anderen Frauen

nicht nachstehen will in den Kleidern und im

Putze, so dünkt es ihr nicht weniger unnöthig,

daß du gerne rauchst, hinter dem Bierglase sitzest

und dir auswärts zu thun machst. Schon zehn

mal hast du dir vorgenommen, dich einzuschraͤnken, aber es geht einfach nicht, das Leben wurde

dir unendlich eintönig erscheinen, wenn du das nicht mehr dürftest. Das ist aber gerade das Schlimme bei unseren Leidenschaften, daß sie unserem Gewissen allerlei Entschuldigungen zu flüstern, daß wir keifige Weiber, widerwärtige Männer, ungezogene Kinder haben, daß wir das Recht haben, Ausgaben zu machen, so gut wie diese und jene u. s. w. und uns dadurch nicht wieder zu der Einsicht kommen lassen wollen, daß der Fehler zunächst an uns selbst liegt.

Sind wir aber einmal zu der Einsicht ge langt, daß wir selber auch Fehler haben und daß wir bei uns selbst beginnen müssen, so haben wir schon viel gewonnen. Wenn der Mann, als der stärkere Theil, so viel Selbstbeherrschung besitzt um sich Einschränkungen aufzulegen und wenn er zunächst nur die paar Schoppen er spart, die er über den Durst trinkt und wenn er sich nur hier und da den Zwang auferlegt, einer verlockenden Regung zu einer überflüssigen Ausgabe zu widerstehen, so ist dieses schon ein bedeutender Schritt auf dem Wege zum bessern. Anfangs mag's schwer gehen, wenn er aber denkt, daß er dieses Opfer seinem Weibe und seinen Kindern bringt, so liegt darin eine süße Befriedigung, die ihm bald die Eigenen immer theurer machen wird. Ein solches Opfer von Seite des Mannes wirkt besser, als die beste Predigt über das Sparen. Deine Frau wird anfänglich thun, als ob sie es nicht bemerke, aber sie wird sich auch ihrerseits Einschraͤnkungen auferlegen, sie wird aus deinem freundlichen Wesen erkennen, daß es dir nicht darum zu thun ist, sie mit deiner Sparerei zu quälen und daß du dir selbst Opfer auferlegst und ihr gern eine Freude gönnst. Wo aber eine Frau ein freundliches Entgegenkommen sieht, da ist sie gern bereit, mitzuhelfen, denn wenn der Mann seinem Verstande und seiner Einsicht folgt, so leitet das Weib ihr Herz und befaͤhigt sie zu den größten Opfern. Mit dem guten Willen kehrt aber auch das Einverständniß zurück, das Wort Sparen wird nicht wieder Bitterkeit in euch erwecken, ihr werdet Mittel und Wege finden, wie gespart werden kann und wir dürfen mit Recht sagen, daß Einigkeit die Grundbe dingung der Sparsamkeit ist.

Noch mehr aber: die Einigkeit befördert unsere Freude am Familienleben, wir finden, daß wir so manchem eitlen Taad nachgejagt haben, der uns keinerlei Befriedigung brachte, während wir das, was uns ungetrübte Lebens freude bereitet, was unseren Muth hebt, unsere

Lust zur Arbeit belebt, so ganz umsonst im Kreise unserer Familie haben können. am Sinn für das Familienleben ist aber gerade in unserer Zeit so vielfach die Ursache des Ver derbens, man sucht seine Freude lieber auswärts unter Fremden, die unsere Eitelkeit kitzeln und unserem Ehrgeize schmeicheln, als bei den Menschen, die naturgemäß die größte Theil nahme für uns haben und die keine höhere Freude kennen, als uns glücklich zu wissen.

Es handelt sich beim Sparen übrigens nicht nur um den guten Willen und die Fahigkeit seiner Regungen und Gelüste Herr zu werden, sondern man muß auch zu sparen verstehen, und es gibt eine verkehrte Sparsamkeit, die mit der Verschwendung Hand in Hand geht, wie es einen Auswuchs der Sparsamkeit gibt, der zu den häßlichsten Lastern gehört, nämlich der Geiz.

Das Sparen am rechten Orte ist eine Kunst, die wir uns nur durch Nachdenken und Be lehrung aneignen können und die wir demnächst auch besprechen wollen.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 21. Juli. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.85 1.00. Eier 1 St. 6, 2 St. 11 Pf.

Butzbach, 21. Juli. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.000.00., Käse per Pfd. 4045 Pf., Eier 1 St. 5 Pf.

Gießen, 21. Jult. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.80 0.90, Eter 2 St. 9 11 Pf., Käse per Stück 48 Pf., Tauben per Paar M. 0.60 bis 0.70, Hühner per Stück M. 0.90 1.10, Hahnen per Stück M. 0.60 1.20, Enten per Stück M. 1.702.00., Ochsen⸗-Fleisch per Pfund 60 68 Pf., Kuh und Rind Fleisch 4554 Pf., Schweinefleisch 5060 Pf., Hammel⸗ Fleisch 54 64 Pf., Kalbfleisch 40 46 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00 7.50, Zwiebeln per Centner M. 8.00- 9.50.

Frankfurt, 20. Juli. Engrosmarkt. Heu- u. Stroh⸗ markt. Heu pro 100 Kilo M. 8.80 12.00, Stroh pro 100 Kilo M. 5.006.40, Butter pro 50 Kilo M. 75 bis 80, Eler das Hundert M. 4.40 4.50, Erbsen hundert Kilo M. 18 21.50, do. geschälte M. 2030, Linsen M. 2845, weiße Bohnen M. 23 25.50, Mohrrüben 50 Kilo M. 68, Kartoffeln pro 100 Kilo M. 6 7.50, Aprikosen 50 Pf., neue hiesige Kartoffeln 100 Kilo M. 7 bis 8, Blumenkohl 100 Stück M. 2550, Kopfsalat M. 35, Erbsen per Centner M. 12 15, Bohnen per Pfund 15 20 Pf., Kirschen per Centner 10-20 M., Erdbeeren per Pfund 50 Pf., neue Nusse per Centner M. 1015, Johannisbeeren per Pfund im Centner 10 bis 15 Pf., Pfirsiche per Pfund 60 Pf., Zwetschen per Pfund 40 Pf., Himbeeren 2535 Pf., neue Aepfel per Pfund 30 Pf., neue Birnen per Pfd. 20 25 Pf., Apri⸗ kosen per Pfund 50 Pf., Melonen per Stück M. 0.605, Citronen 100 Stück M. 7.

Frankfurt, 21. Juli. Wochen ⸗Markt. Erbsen ganze per Pfd. 12 16 Pf., do. geschälte 1418 Pf., Linsen 1828 Pf., weiße Bohnen 20 22 Pf., Kar toffeln 100 Kilo M. 6 7.50, neue Malteser Kartoffel per Pfd. 1214 Pf., hiesige Kartoffel 78 Pf., krause En⸗ divien 10185 Pf., Butter per Pfd. M. 0.90 1.10, Eier das Stück 56 Pf., Radieschen 3 Pf. das Päckchen, Römisch Kohl per Portion 4050 Pf., Blumenkohl per Stück 4080 Pf., deutscher Kopfsalat per Stück 34 Pf., franz. Zuckerschoten per Pfd. 20 22 Pf., neue Erbsen per Pfund 10 20 Pf., neue grüne Bohnen per Pfund 25 bis 36 Pf., Romainsalat 10 15 Pf., neuer Wirsing per Stück 1220 Pf., Zwiebeln per Pfd. 79 Pf., Schwarzwurzel 0000 Pf., neue Gurken

Der Mangel

18-25 Pf., neue Kohlraben per Stück 656 Pf., neue [Carotten das Päckchen 10 12 Pf., Kirschen per Pfd. 615 Pf., Sauerkirschen 15 Pf., Krebse per Stück 6 0 7 Pf., neues Weißkraut per Stück 25 bis 40 Pf., Portulak 10 15 Pfennig, neue Rotherüben per Por tion 5060 Pf., Wachsbohnen per Pfd. 2530 Pf. Aepfel per Pd. 30 Pf., Birnen per Pfd. 2025 Pf. Zwetschen 40 Pf., neue Nüsse per Pfd. 11 16 Pf.

Literarisches.

Daheim Nr. 42 enthält: Im Hafen von Malta. Forts. Bolognas Jubelfeier. Von L. Witte. Pro⸗ fessor Kahnts f. Von Dr. Luthardt. Mit Porträt. Bilder:Klostergeheimniß,Gute Freunde und Cham pignonsucher auf dem Tempelhofer Felde. Tabak trinken. Hin und Her. Die üblichen Beilagen.

Von dem Buche:Friedrich, Deutscher Kaiser und König von Preußen, ein Lebens⸗Bild von Ludwig Ztemssen sind bereits acht Lieferungen zur Aus⸗ gabe gelangt, in welchen die Lebensgeschichte des Kaisers bis zum Jahre 1886 enthalten ist. Die soeben ausge gebene 8. Lieferung reiht sich in Bezug auf Reichhaltigkeit der bildlichen Darstellungen den bisher erschienenen würdig an. Wir heben hier besonders die Porträts des Prinzen Heinrich und seiner Gemahlin hervor, denBesuch des Kronprinzen in der Königsgruft des Escurial, sowie die zwanglos beigegebenen Einzelbilder:Schaustellung der Geschenke zur Silbernen Hochzeit, Februar 1883 und Empfang des Kronprinzen Friedrich Wilhelm im Vatican durch den Magglordomo. Das ganze Werk umfaßt zehn Lieferungen. Der Preis jeder Lieferung beträgt 60 Pf.

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In der Privatklagesache

des Hermann Ulrich von Wölfersheim, vertreten durch Rechtsanwalt v. Brentano, Privatklägers, gegen

den Conrad Aledter IV. von da, Angeklagten, wegen Beleidigung hat das Großh. Schöffengerlcht zu Friedberg am 10. Juli 1888 für Recht erkannt: Der Angeklagte, Conrad Aledter IV. von Wölfersheim, 48 Jahre alt, verheirathet, evangelisch, Landwirth, wird wegen Beleidigung in eine Geldstrafe von 15 M., even! tuell in 3 Tage Gefängniß, sowle in die Kosten des Verfahrens und in die dem Privatkläger erwachsenen nothwendigen Auslagen verurtheilt. Zugleich wird dem Beleildigten das Recht zuerkannt, den Urtheilstenor inner halb 14 Tagen, von der Rechtskraft des Urtheils an gerechnet, einmal auf Kosten des Angeklagten im Ober hessischen Anzeiger zu veröffentlichen.

Die Richtigkeit der Abschilft der Urthellsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkelt des Urtheils bescheinigt.

Friedberg den 18. Juli 1888.

Weber, Gerichtsschreiber 1 8 Amtsgerichts. F. d. Ar

v. Brentano, Rechtsanwalt.

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