Ausgabe 
24.7.1888
 
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erfolgte die Rückkehr. 21. Juli. Der gestrige Zapfenstreich in Krasnoje Selo verlief glänzend. Die allerhoͤchsten Herrschaften wurden überall jubelnd begrüßt. Kaiser Wilhelm verweilte längere Zeit im Kreise des Offiziercorps des Peters⸗ burger Grenadierregiments. Das Souper wurde im Kaiserzelt eingenommen; die Rückfahrt nach Peterhof erfolgte spaͤt Abends. Die heutige Fahrt nach dem Lager eröffnete eine offene Equipage mit vier Schimmeln bespannt, in welcher die Kaiserin mit den allerhöchsten Damen sich befand; dann erschienen die beiden Kaiser nebst impo santem Gefolge zu Pferde, überall von lauten Hurrahs begrüßt. Die vereinigten Musikcorps spielten die preußische Hymne, Kaiser Wilhelm nahm Rapporte der Deputationen sämmtlicher russischen Regimenter, deren Chef er ist, ent gegen und überreichte dem Commandirenden des Gardecorps, Prinzen Alexander von Oldenburg, den Schwarzen Adlerorden. Die Parade ver lief glänzend. In derselben standen 60 ½ Ba taillone, 51 Eskadrons und 168 Geschütze unter dem Commando des Großfürsten Wladimir. Um 11 Uhr begann dieselbe. Saͤmmtliche Musikcorps intonirten beim Eintreffen der höchsten Herr schaften die preußische Nationalhymne. Als beim Beginn des Truppendefilirens Kaiser Alexander sich an die Spitze seines eigenen Convois stellte und denselben dem Kaiser Wilhelm vorführte, schwenkte letzterer in die Linie des Convois ein, wofür der russische Kaiser ihm dankend zuwinkte. Der russische Thronfolger marschirte als Haupt mann des Preobraschenski-Regiments an der Tete der ersten Compagnie desselben, auch die übrigen Großfürsten defilirten in chargenmäßiger Ein stellung. Kaiser Wilhelm führte sodann sein GrenadierregimentKaiser Alexander vor. Nach dem Parademarsch wurde ein Dejeuner, wozu die Commandeure zugezogen waren, im Kaiser Pavillon eingenommen. Kaiser Alexander toastete auf Kaiser Wilhelm, welcher den Trinkspruch russisch erwiederte. Kaiser Wilhelm begab sich nach der Parade nach Pawlowsk zur Königin von Griechenland und später nach Petersburg, welches reich geflaggt hat, nach der deutschen Botschaft, wo offizieller Empfang mit Diner stattfindet. Am Abend kehrt der deutsche Kaiser nach Peterhof zurück. Kaiser Alexander ernannte den Prinzen Heinrich zum Chef des 33. Dra gonerregiments. 22. Juli. Heute findet nach dem Gottesdienst in Peterhof ein Dejeuner an Bord der NachtHohenzollern statt. Fuͤr später ist eine eventuelle Besichtigung der deutschen Panzerschiffe sowie ein Galadiner im Peterhofer Schlosse in Aussicht genommen.

Amerika. Washington. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika em pfing ein Telegramm ihres Gesandten aus Port au⸗Prince, daß am 4. Juli Brandstifter die Deputirtenkammer während der Sitzung in Brand steckten, wodurch ein Zehntel der Stadt einschließlich mehrerer öffentlicher Gebäude ab brannte. Eine weitere Brandstiftung am 7. d. M. in der Residenz des Justizministers zerstörte ein weiteres Zehntel der Stadt. Die englische und französische Gesandtschaft wurde durch fran zösische Seesoldaten bewacht. Ein Brandstifter ist gefangen genommen.

Chicago. Die Haupttheilnehmer der Dyna mitverschwörung heißen Hronek, Czapek und Chel bowa; es sind sämmtlich Czechen. Hronek ist Holzarbeiter; er wohnte drei Jahre in Wien. Alle drei waren persönliche Freunde der im Vor jahre hingerichteten Anarchisten.

Aus Stadt und Land.

Schotten. DemSch. Anzbl. zufolge hat Dr. Ar kularius in New⸗Vork nicht von sich allein die ganze Summe von 4000 M. geschenkt, sondern in Gemeinschaft mit anderen sieben New⸗Norkern, die gleichfalls geborene Schottener sind. Dieser Schenkung hat dann Dr. Ar⸗ kularius 2000 M. hinzugefügt. Allerlei.

st. Frankfurt. Neben dem abwechslungsvollen Repertosr, welches die Intendanz unserer Theater während des täglichen Spielens im Opernhause zu bieten bemüht ist, nehmen die Vorbereitungen für demächst erscheinende große Novitäten, sowohl musikalisch, als auch techntisch

ihren ungestörten Fortgang. Außer derNibelungen⸗ Tetralogte Wagner's, wird Verdi'sOthello einstudirt und haben die Proben dazu bereits begonnen. Große und umfangreiche Vorberektungen wurden schon vor und während der Ferien für das interessante Schau⸗ splelDie Reise um die Erde in 80 Tagen von Jules Verne getroffen. Dieselben neigen sich ihrem Ende zu und dürfte diese Novität demnächst schon auf die Bretter gelangen. Die fesselnde und an Effeeten reiche Handlung des Verne'schen Stückes bietet der modernen Inscentrungs- und Ausstattungs Kunst einen überaus will kommenen Spielraum. Nicht allein die Decorationsmaler, auch die maschintelle Kunst in ihrer gegenwärtigen Ent wicklung auf der Bühne, findet in diesem Schauspiel be⸗ deutende Aufgaben. W. Knoll, welcher das Ausstattungs⸗ wesen leitet, arbeitet, in Gemeinschaft mit den Beleuch⸗ tungs Inspectoren Behrend und Proͤßler, dem Theater meister Lattich, und einer größeren Anzahl von Hülfs kräften seit Monaten an der Herstellung der verschiedenen seenischen Wunder, welcheDie Reise um die Erde den Zuschauern bringen soll. Von den neuen Decoratlonen fürDie Reise um die Erde dürfen die nachfolgenden jetzt schon als besonders bemerkenswerthe bezeichnet wer⸗ den:Die Rlesentreppe bei Kearney, dieamerlkanische Schneelandschaft mit der Paelfie-Bahn, derindische Bongalo, das Schiffsverdeckdes DampfschlffesHenriette, Liverpool,Die Schlangengrotte ꝛc. ꝛce. Sämmtliche neue Deeoratlonen sind von W. Knoll entworfen und gemalt.

Edinburg. Am Morgen des 19. Juli um ¼ vor 1 Uhr wurde in Dumfriesshire in Schottland ein Erd⸗ stoß verspürt. Derselbe war so stark, daß das Geschlrr auf den Tischen klirrte. Das dumpfrollende unterirdische Geräusch hielt mehrere Seeunden an.

Sofia, 20. Juli. Nach einer Havasmeldung gab gestern Abend ein Individuum, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt ist, auf den Polizeipräfeeten, welcher ihm eine Anstellung verweigert hatte, mehrere Revolverschüsse ab, ohne jedoch zu treffen. Der Betreffende wurde verhaftet.

Wir müssen sparen!

Dieses Wort hört man unter den gegen wärtigen Zeitverhältnissen wieder häufiger als früher, wenn die Einnahmen mit den Ausgaben nicht mehr gleichen Schritt halten wollen, sei es nun, daß lohnende Gelegenheit zum Verdienste fehlt, oder daß die Preise der Erzeugnisse so gedrückt sind, daß sich der Aufwand an Kapital und Arbeit kaum bezahlt. In dieser Lage, die in Landwirthschaft und Gewerbe heutzutage so häufig ist, suchen wir in erster Linie darin ein Auskunftsmittel, daß wir unsere Ausgaben ein zuschränken und dadurch wieder das Gleichgewicht mit den Einnahmen herzustellen suchen.

Die Aufforderung zum Sparen hat aber in vielen Haushaltungen schon Mißtrauen und Streit verursacht und die geneigte Leserin schaut die Ueberschrift dieses Aufsatzes wohl mit scheelen Augen an, denn sie vermuthet schon einen spötti schen Blick ihres Mannes, wenn er ihr das Blatt zum Lesen reicht und schilt insgeheim über den Schreiber, daß er ihr neuen Unfrieden ins Haus bringe.

Da soll man sparen, sagt sie, wenn ihr Männer einem vorweg jeden Pfennig mißgönnt, den man für die Haushaltung braucht, wenn ihr der Bäuerin alle Gelegenheit nehmt, etwas für die Haushaltung gut zu machen, was früher doch ihr Recht war: Keinen Tropfen Milch wollt ihr uns mehr lassen, um etwa einmal ein Pfündchen Butter auf den Markt bringen zu können, ihr pflanzt uns keinen Lein mehr an, weil euch der Mist reut und nicht einmal das bischen Futter für die Hühner gönnt ihr den Weibern; ja es ist ein Wunder, daß ihr nicht auch noch die Eier beansprucht. Ich mag keinen Zug mehr thun, wenn ich immer vom Sparen hören muß und du magst in Zukunft jede Klei nigkeit selber bezahlen, damit du siehst, was draufgeht.

Es ist auch wahr, warum mußt du denn jedesmal eine solche grämliche Miene machen, Hausvater, wenn du vom Sparen redest? warum machst du ein Gesicht, als ob es an den Galgen ginge und stößest solche heimliche Seufzer aus? Meinst du denn, dein Weib merke das nicht und es schneide ihr nicht jedesmal tief ins Herz, wenn sie das sieht und auffaßt, als ob es ein Vorwurf für sie sein sollte? Hältst du dein Weib denn wirklich für eine Verschwenderin?

Ei, Gott bewahre, sie ist so häuslich und theilt alles so ein, wie nur eine und sie meint es gut.

Das glaube ich auch, denn wenn sie eine

Verschwenderin wäre, würdest du ihr wohl ver

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geblich predigen und sie würde sich's nicht so zu Herzen nehmen. g

Das mag sein, sagst du, aber das Sparen versteht sie doch nicht, wie es in der Zeit meiner Jugend der Brauch war. Wie hat meine Mutter jeden Pfennig zehnmal in der Hand umgedreht, ehe sie ihn ausgab, jetzt aber schaut man das Kupfer gar nicht mehr an: ein Nickel, ein Zwanzig, pfennigstück um's andere fliegen hinaus und es heißt immer nur: man muß das haben.

Mit diesen Reden bringst du es so weit,

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daß deine Frau ordentlich böse auf deine selige

Mutter ist, als ein Vorbild, das sie nie er⸗ reichen kann und so kann der Mensch mit der besten Absicht Schlimmes anrichten, wenn er nur belehren will, ohne selbst zu lernen. Zum Nachdenken aber möchte dich der Schreiber dei Aufsatzes veranlassen, denn damit wird meht erreicht, als mit planlosen Klagen, welche dix die ohnehin bescheidenen Genüsse deines Berufs lebens verderben. g

Euere Verhandlungen über die Sparsamkeil enden stets mit der Aufzählung von unnöthigen

und überflüͤssigen Dingen, welche eines dem an⸗ dern vorwirft und an denen euer Herz so hängt, daß deren Aufgabe euch ganz unmöglich dünken würde. Der Mann wirft Kleiderluzus vor: da braucht man wieder einen neuen Hut, das alte Kleid ist nicht mehr an ständig und mit dem alten Mantel muß man sich schämen und da er der Frau zu eng wird und die Tochter heranwächst, so mag ihn diese tragen, für die Frau wird es wohl zu einem neuen langen,

Ja es ist ein Elend, erwiedert der Mann, alle euere Kasten hängen voll Kleider und doch habt ihr nichts anzuziehen, aber macht nur so fort, es wird auch ein Ende nehmen und zwar je bälder, je besser.

Natürlich an mir soll's ausgehen, erwiedert sie nun, und an dich selbst denkst du gar nicht, Erinnerere dich nur daran, wie viele Pfeifen und Cigarren du rauchst, wie viele Schoppen du trinkst; es genügt nun nicht mehr, daß man bloß Sonntags ins Wirthshaus geht, man hat auch unter der Woche alle möglichen Anlassse: Gemeinderathssitzungen, Augenscheine, landwirth⸗ schaftliche Versammlungen, wo man Bier trinkt und sitzen bleibt; man kann keinen Wochenmarkt versäumen, kein landwirthschaftliches Fest, und nie fällt es dir ein, mich auch mitzunehmen.

Nun, das ist nicht halb so arg, als du thust und kostet wenig gegen euren Putz und Tand, der doch so unnötig ist.

Gerad so wie deine Vergnügungen. Bleibe du zu Hause und arbeite, das ist gescheiter und laß Gemeinderath und Ausschußmitglied sein wer will.

Da redest du wieder, wie du's verstehst.

Ein solches Amt muß man annehmen und dann!

ist es eine große Ehre und andere Frauen sind

stolz darauf, wenn ihre Manner im Gemeinde-

rath sind. Schließlich gehört dem Manne doch auch eine Erholung, denn wer schafft das Brot ins Haus: ich oder du.

Das soll also heißen, daß ich nichts thue! fragt die Frau.

Nein das habe ich nicht gesagt, du drehst einem das Wort im Munde um.

Geh' nur, man kennt dich schon, erwiedert sie schmollend und damit hat wieder eine eurer Erörterungen über die Sparsamkeit ihr Ende erreicht und Erbitterung in euren Herzen het vorgerufen. Während es nun in deinem Herzen kocht, möchte ich ein ruhiges Wort mit dir reden,

Es ist eine alte Erfahrung, daß der Mensch blind gegen seine eigenen Gewohnheiten und Schwächen ist, dagegen diejenigen anderer um so besser sieht. Daß wir es aber hier mit Ge. wohnheiten zu thun haben, welche die Neuzeit großgezogen hat und die allmählich zu Leiden schaften werden, unterliegt keinem Zweifel. Diese Gewohnheiten sind um so gefährlicher, als sie den ganzen Reiz unseres Lebens aus machen scheinen und uns Lust zur Arbeit, die Freude am Familienleben benehmen. Wir finden das bei anderen thöricht, was wir selbst als be-

rechtigte Genüsse und Erholungen beanspruchen.

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