Ausgabe 
24.3.1888
 
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Holland. Haag. Die Resultate der Wahlen zur zweiten Kammer sind folgende: 45 Liberale, 26 Katholiken, 20 orthodoxe Protestanten, ein Conservativer und ein Sociaiist.

Frankreich. Paris, 20. März. Die Debatte, betr. die Interpellation Boulanger, verlief nach dem Ir J. skandalös und stürmisch. Cassagnac, obgleich die Maßregel Boulanger's billigend, griff das Cabinet in unerhörker Weise an und behauptete, Bismarck habe befohlen und das Ministerium gehorche, worauf Tirard wüthend aufsprang und Cassagnac dreimal das Wort Infamie zurief, bis er von seinen Collegen mühsam beruhigt wurde. Die Rede Laguerre's für Boulanger war lediglich eine Wiederholung der Artikel derLanterne und desIntran sigeant. Clemenceau versuchte vergebens die Billigung der Bestrafung Boulangers mit einem Mißtrauensvotum für das Ministerium zu ver einen. Schließlich wurde die von der Regierung verlangte einfache Tagesordnung mit 349 gegen 93 Stimmen angenommen.

22. März. Das Untersuchungsgericht für die Angelegenheit des Generals Boulanger, unter dem Vorsitz des Generals Ferrier, hat sich constituirt und forderte Boulanger auf, morgen vor dem Gericht zu erscheinen. Das nationale Protestcomité für die Wahl Boulanger's zog die Candidatur des letzteren zurück und stellte seine Wahlthätigkeit ein, um der Regierung jeden Vorwand zum Vorgehen gegen Boulanger zu nehmen,

Großbritanien. London, 21. Marz. Die Königin trat in Begleitung des Prinzen und der Prinzessin von Battenberg und mit Gefolge heute Nachmittag die Reise nach Ita lien an.

Unterhaus. In zweiter Lesung wurde die von Paruell beantragte Novelle zum Bodengesetz, welche eine Reduction der rückständigen Pacht zinsen und Verhinderung von Exmission bezweckt, mit 328 gegen 243 Stimmen abgelehnt; dagegen mit 320 gegen 230 Stimmen den von der Regie rung acceplirte Antrag Powell-Williams ange nommen, welcher ausspricht, daß bei dem bezüg lichen Gesetz alle Schulden der Pachter in Be tracht gezogen werden müßten.

Italien. Rom, 21. März. Die Kammer genehmigte das Budget des Ministeriums des Aeußern mit 178 gegen 37 Stimmen.

Serbien. Belgrad. Aus Alt-Serbien meldet man dem Fr. J.: Die mohamedanischen Albanesen dulden nicht die Ansammlung von bulgarischeu Emigranten und Montenegrinern, da dieselben im russischen Solde gegen das Bul garien des Coburgers wirken. Besonders Montene griner auf albanesischem Boden werden verfolgt.

Bulgarien. Sofia, 20. März. Der nächste Schritt der Pforte gegen den Prinzen Ferdinand oder die bulgarische Regierung wird, nach dem Fr. J., unbedingt und unter Zustimmung des Prinzen die Unabhängigkeitserklärung Bulga riens zur Folge haben. Bisher hielt der Wider, spruch des Prinzen selbst und des Ministers Natschevitsch die Proclamation der Unabhängig keit zurück. An eine freiwillige Abreise des Prinzen Ferdinand ist unter keinen Umständen zu denken. Auch von einer Reise des Letzteren außerhalb des Landes ist nie die Rede gewesen. Man macht sich hier auf den demuächstigen Ausbruch innerer Unruhen gefaßt.

Aus Stadt und Land.

W. Frledberg. Das Gedächtniß unseres nun in Gott ruhenden Kaisers hat unsere Stadt auf das wuͤr digste auch kirchlich gefeiert. Nur ein Blick in das Innere unserer Stadt Kirche am vorigen Sonntag konnte dies schon zeigen. Altar und Kanzel waren ernst mit Flor und schwarzem Zeug verhängt. In der Mitte des Schiffs aber erhob sich auf düsterem Sockel die mit einem Lor beerkranz gekrönte Büste Katiser Wilhelms. Archltekt Bronner und Hofmaler Hieronimus haben sich das Ver dienst dieses Arrangements erworben. Hatte schon der offiztelle Trauergottesdienst, bei dem Dekan Meyer dle Gedächtnißrede hielt, die weiten Räume gefüllt, so schienen diese bei dem für den Spätnachmittag ange kündigten mustkalisch⸗liturgischen Trauerakt kaum auszu reichen. Für den liturgischen Theil funktlonierte Pro

erprobten Leitung unsres Seminarlehrers Schmidt. Der Musikverein hatte seine Mitwirkung sofort zugesagt. Ein Orchester, wie es für die nun erst Anfang Mat stattfindende Samsonaufführung schon gebildet war, war rasch aus Kunstfreunden und Dilettanten unserer Stadt, sowie Künstlern aus Frankfurt und Gießen zusammenge setzt. Das Programm selbst suchte folgender Idee Aus druck zu geben: Wir sehen im Geiste den Trauerzug mit dem Sarg des Kalsers durch die Thüren unserer Kirche einziehen. Bei seinem Anblick intonirt ein Männerchor unisono die gewaltige Klagweise des altkirchlichen Liedes: Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen. Aus Gottes Wort erschallt uns ebenfalls die Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Herrlichkett des Menschen. Darum erhebt ein zweiter Chor seine schmerzvolle Klage: Ihr Thränen fließt(aus Händels OratoriumSam

Trauermarsch aus Samson spielt, sehen wir nun im Geist die Babre vor dem Altar niedersetzen. Unter dem Gesang:Blüh' auf Deinem Grabe hier Ruhm und Fried streut der Chor seine Blumen auf des Helden Grab. Die ganze Gemeinde aber, die sich beim Einzug in die Kirche dem Trauerzug angeschlossen hat, erhebt nun das ergreifende GlaubenssterbeliedJesus meine Zuversicht, gedichtet von einer Urahne unseres ver storbenen Kaisers. Jeder Vers ist passend durch Sprüche aus Gottes Wort eingeleitet, an denen der Kaiser auf seinem Sterbelager seine Erbauung gefunden hat. Im Aufblick von dem Sarg zu der seligen Herrlichkeit der unsterblichen Seele preist der Chor in der mächtigen Händel'schen Fuge:Dann sollt ihr sehn, daß Er Jehova ist, Gottes Macht. Mit Gebet und Chorgesang erhebt die Gemeinde nochmals ihre Gefühle des Dankes und der Bitte zu dem Herrn. Weltüberwindend klingt dazwischen der Knabenchor:Christus der ist mein Leben. Mit dem tröstlichen Scheidelted des sterbenden Kaisers: Wenn ich einmal soll scheiden, gesungen von dem Chor, trennt sich die Gemeinde von dem Sarg ihres Kaisers unter dem Segen des Herrn. Die ganze Feier verltef würdevoll und ergreifend und war ein Beweis dafür daß Alle, aktiv und passiv an ihr betheiligt, von den tiefsten Gefühlen der Verehrung für den dahingegangenen Kaiser durchdrungen, bereit waren, ihr Bestes, die innerste Gesinnung ihres Herzens, als Opfer ihrer Liebe vor der Bahre des hohen Heimgegangenen niederzulegen. C. T. Friedberg. Gemeinderathssitzung vom 19. März. Der Vorsitzende machte Mittheilung über die letzte Sitzung des Comtté's für Erbauung der Nebenbahn Hungen⸗Reichelsheim⸗Friedberg; von demselben soll als bald eine Eingabe an die Regierung gerichtet werden. Nach den vorliegenden Entwürfen soll eine Dienst⸗ Ordnung fuͤr den städtischen Baumwärter durch die landwirthschaftliche Commission endgiltig festgestellt werden; Taubstummenlehrer C. Heyland wird ersucht, in die⸗

selbe als Mitglied einzutreten. Die Verpachtung mehre! rer Grasnutzungen auf 9 Jahre wurde theils genehmigt, theils abgelehnt.

6. Friedberg, 21. März. lung über das 24. Verwaltungsjahr des hiesigen Vor schuß und Credit Vereins e. G fand heute in dem Win

decker'schen Felsenkeller, unter dem Vorsitz des Bürger melster Steinhäußer statt. Nachdem C. Damm hier als Protokollfübrer der Versammlung ernannt wurde, erle digte das Vorstandsmitglied J. Dörr den ersten Punkt der Tagesordnung durch einen eingehenden Bericht, woraus hauptsächlich hervorzuheben ist, daß der Gesammtumsatz pro 1887 M. 16.533,00 3. betrug und ein Reingewinn von M. 23,333.87 erzielt wurde. Der Gewinnvortrag vom Jahr 886 beziffert sich auf M. 3697., so daß der Versammlung, nach Abzug von verschiedenen Be willigungen des Ausschusses mit M. 1350., M. 25,680.87 zur Verfügung standen. Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung berichtete der Vorsitzende, indem er ver schledene Revistons- und Prüfungsprotokolle verlesen ließ, worauf dann die Versammlung dem Vorstande für das abgelaufene Geschäftsjahr Decharge ertheilte. Wegen des dritten Punktes Vertheilung des Gewinn-Saldo's entspann sich eine lebhafte Debatte, woran sich verschle dene Mitglieder betheiligten, die jedoch mit der Ge⸗ nehmigung des Ausschußvorschlages endigte. Der Vor⸗ fitzende schloß hierauf die Versammlung. Nach dem er⸗ wähnten Vorschlag erhalten dle Mitglieder 7% Dividende mit M. 17,159.73, die Hauptreserve erhält M. 2790., die Spezialreserve M. 1320., die Hausreserve M. 1000., dem Mobilien Conto wurden M. 149.75 abgeschrieben und der Rest mit M. 3261.39 wird auf neue Rechnung vorgetragen. Mit dlesen Zuweisungen erreichen die Ge⸗ sammtreserven die beträchtliche Höhe von M. 96,000., das Stammkapital beträgt M. 266,062.62, das fremde Betriebskapital M. 894,256. und stellt sich das Ver⸗ hältniß des eigenen Vermögens zu den fremden Geldern auf ca. 4000. Nimmt man den sehr übersichtlich ge druckten Geschäftsbericht noch etwas näher zur Hand, so kann man sagen, daß die ganze Basis des Vereins in jeder Beziehung eine gute ist und daß derselbe der Zu⸗ kunft ruhlg entgegensehen kann.

Gleßen, 21. März. Schwurgericht. Der unver⸗ heirathete Maurer Georg Kann von hier hatte sich heute vor den Geschworenen zu verantworten, weil er dem Forst⸗ warten Brück von Rödgen in rechtmäßiger Ausübung seines Dienstes Widerstand entgegengesetzt hatte. Es wird dasSchuldig ausgesprochen und verurtheilt der Gerichtshof den Kann mit Ruͤcksicht auf seine Vorstrafen (er hat bereits 52 Stück im schwarzen Buch) in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren.

Gleßen. Der frühere Abgeordnete Schaum ist nach

fessor Dr. Köstlin, dessen Anregung die ganze Feier zu verdanken ist. Der musikalische Theil stand unter der

Erlegung der vom Gericht geforderten Sicherheitssumme von 20,000 Mark einstwellen auf freien Fuß gesetzt worden.

son). Unter dem Trauergeleite des Orchesters, das den

Allerlei.

Frankfurt. Ein dritter Silberdieb, welcher frühere Silberdtebstähle in der Uhland, Jahnstraße u. s.w. ver⸗ übt haben dürfte, ist gestern hier verhaftet worden; eben⸗ so glückte es der Eriminalpoltzei, eine Hehlerin dingfest zu machen, bet welcher der Rest der noch fehlenden, bei Frau Dr. Jekel gestohlenen Silbersachen u. s. w. wleder gefunden wurde. Auch dle noch vermißten Münzen sind sämmtlich wieder beschafft. Viele silberne Leuchter im Werthe von ca. 300 M., ebenso viele Kleider und Wäsche sind wieder entdeckt. Auch die kürzlich in der Jahnstraße im Werthe von 600 Mark gestohlene Wäsche ist ausfindig gemacht worden. Die Hehlerin ist ein elrca 35 Jahre altes lediges Frauenszimmer Namens Hebermehl(soge⸗ nannte Monatsfrau) aus Crumstadt, Albus gasse 33 II. seit einem Jahre wohnhaft. Ein halberblindeter Bettler Namens Link war der Zuträger, oder auch vielleicht der Dieb selbst, was die Untersuchung ergeben dürfte.

Paris, 20. März. Der Ordenshandelprozeß gegen Caffarel und Frau Limousin wurde heute beendet. Das Zuchtpolizeigericht nahm bei Caffarel mildernde Umstände an und verurthellte denselben zu 3000 Fr. Geldbuße, die Limousin zu sechsmonatlichem Gefängniß.

Stockholm. Unterm 21. März wird gemeldet: Seit drei Tagen ist in Folge der durch Schneeverwehungen hervorgerufenen Verkehrsstörungen keine ausländische Post mehr angekommen.

Oporto, 21. März. Im Theater brach in Folge einer Gasexplosion während des letzten Aetes der Vor⸗ stellung gestern Abend Feuer aus. Das Theater ist voll ständig zerstört. Bisher sind 80 Todte und zahlreiche Verwundete festgestellt.

New⸗Nork, 18. März.Unweit Savana ereignete sich gestern ein furchtbares Eisenbahnunglück. Während der von Newyork nach Jacksonville gehende Schnellzug über eine Brücke fuhr, stürzte dieselbe ein; die Lokomo⸗ tive und die Waggons wurden in die Tiefe geschleudert und zerschmettert. Siebzehn Personen fanden hierdurch sofort den Tod. Zehn Personen starben in den nächsten Stunden an den Folgen der erlittenen Verletzungen und sind weitere zahlreiche Todesfälle der Verunglückten, deren Anzahl sich auf hundertfünfzig beläuft, zu befürchten.

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Mittwoch den 28. März 1888. Zweiter Festtag. Dienstag Abends 7 Uhr 5 Min. Mittwoch Morgens 8 Uhr. Mittwoch Nachmittags 4 Uhr. Festesausgang 7 Uhr 5 Min. Donnerstag den 29. März an Morgens 6 Uhr 15 Min., Abends 7 Uhr(Omergebet). Von Donnerstag den 29. März an findet an den Wochentagen bis auf Widerruf Abendgottesdienst statt.

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