Deutsches Reich.
armstadt. Dem städtischen Finanzsekretär Kröll zu Darmstadt wurde der Charakter als Rechnungsrath verliehen, der ordentl. Professor der Physik an der technischen Hochschule Ur. Him⸗ stedt zum ord. Professor an der Landes-Universität, der Notar Dr. Welffenbach zum Notar in Alzey und der Notar Dr. Wallenstein zum Notar in Osthofen ernannt.
Berlin, 18. Oktbr. Der Zug mit den Majestäten, den Prinzen und Ministern traf von Pompeji um 11 Uhr 35 Min. in Neapel wieder ein. Die in der Via Fortuna und in der Via Nolana gemachten Ausgrabungen er— gaben ein sehr schönes Resultat und interessirten die Majestäten auf das Lebhafteste. Die Herr— schaften verließen den Zug hier nicht, sondern unterhielten sich vom Waggon aus längere Zeit mit den Vertretern der Behörden. Der Zug fuhr 11 Uhr 55 Minuten nach Rom ab. Der Kaiser dankte dem Burgermeister von Neapel wiederholt für den Empfang. Die höchsten Herrschaften trafen mit den Ministern und dem Gefolge Abends 6 Uhr auf dem prächtig mit bengalischen Flammen erleuchteten Bahnhofe in Rom ein. Die Monarchen fuhren in einem offenen Wagen in den Quirinal und wurden auf dem ganzen Wege mit endlosem Jubel be— grüßt. Zu der dann stattsindenden Beleuchtung des Forum Romanum waren alle Zugänge zu demselben mit einer dichtgedrängten Menschen⸗ menge besetzt. Als Kaiser Wilhelm, das italie— nische Königspaar, die königlichen Prinzen und Prinzessinnen nebst dem Gefolge um 9 Uhr 45 Min. eintrafen, brach die Menge in be— geisterte Zurufe aus und die Musik stimmte die preußische Nationalhymne an. Alsbald begann das prächtige Schauspiel. Sechs gegenüber der Königsloge aufgestellte Musikchöre concertirten und außerdem wurde die große Cantate zu Ehren des kaiserlichen Gastes gesungen. Die bengalische Beleuchtung des Forum Romanum und das Feuerwerk gewährten ein feenhaftes Schauspiel. Um 10 Uhr 45 Min. zogen sich die Monarchen mit ihrer Begleitung zurück.— 19. Okt. Heute wohnte der Kaiser auf der Macabesplanade dem Manöveriren eines Bataillons der Bersaglieri bei. Der Kriegsminister, der Corps- und der Divisions⸗Commandeur sowie der Commandeur des Bersagliert-Regiments begleiteten den Kaiser. Nachmittags 2½ Uhr nahmen der Kaiser und Prinz Heinrich von der Königin, welcher sie die Hand küßten, sowie von den Prinzessinnen Ab— schied. Eine Viertelstunde später verließen die Majestäten den Quirinal, um sich durch die Via nazionale, wo die Truppen Spalier bildeten, nach dem Bahnhofe zu begeben. Alle Fenster, Balkons und die Straßen waren von einer zahlreichen Menschenmenge besetzt, welche beim Erscheinen der Monarchen in begeisterte Kund— gebungen ausbrachen Der Kaiser begrüßte auf dem Bahnhof die Präsidenten der Kammer und des Senats und wendete sich dann an Crispi, demselben seine lebhafte Zuneigung dadurch be— weisend, daß er ihm mehrmals die Hand reichte. König Humbert drückte dem Grafen Herbert Bismarck wärmstens die Hand und ließ dem— selben einen großen Silberpokal mit Bas— relifs in Gold überreichen. Die Königin über— gab dem Kaiser ihr Bildniß und ein zweites mit einer Widmung für die Kaiserin. Auch den Grafen Bismarck zeichnete die Königin durch Ueberreichung ihres Bildnisses aus. Der Kaiser bestimmte 15000 Francs für das Hofpersonal. Der Papst ließ dem Kaiser sein Bildniß mit Brillanten und ein anderes dem Prinzen Hein— rich überreichen. Um 3 Uhr verabschiedete sich der Kaiser von den Prinzen und Prinz Heinrich von dem König Humbert; darauf schüttelten sich beide Souveräne die Hande, umarmten und küßten sich wiederholt mit großer Innigkeit und riefen sich mehrmals:„Auf Wiedersehen!“ zu. Der Kaiser und Prinz Heinrich blieben noch einige Augenblicke auf der Plattform des Waggons, als sich der Zug schon in Bewegung
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Solms, begleitete den Kaiser bis zur Grenze. Bei der Rückkehr vom Bahnhofe wurden dem König Humbert stürmische Ovationen dargebracht. Eine Madrider Depesche der„Indep. Belge“ kündigt für Anfang 1889 den Besuch des Kai— sers Wilhelm an den Hofen von Spanien und Portugal an.— 21. Okt. Der Kaiser ist heute Vormittag auf der Station Drewitz eingetroffen, wo die Kaiserin ihn erwartet hatte. Die aller⸗ höchsten Herrschaften begaben sich vom Bahnhofe sofort zu Wagen nach dem Marmorpalais.
— 20. Okt. Der Kronprinz von Griechen— land wird in Begleitung seines jüngeren Bru— ders, des Prinzen Georg, der heute aus Daͤne— mark hier eintrifft, morgen Berlin verlassen und sich nach Athen zurückbegeben, um an den dor— tigen Jubiläumsfeierlichkeiten theilzunehmen.
— Prof. Geffcken empfing am Donnerstag im Untersuchungsgefängniß zu Moabit den Be— such seines Sohnes, des Schulamts-Candidaten Geffcken aus Hamburg, welcher seinem Vater Bekleidungsstüͤcke überbrachte. Es war dem Sohne vom Untersuchungsrichter gestattet wor— den, mit seinem Vater im Beisein eines Ge— richtsschreibers in dessen Gefangenen-Zelle eine Unterredung zu haben.
— Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge sind nach dem„Fr. J.“ nunmehr auch Unruhen im Gebiet der englisch ostafrikanischen Gesellschaft ausgebrochen. Wenn die Engländer sich den Anschein geben, als ob die Beamten der deutsch— ostafrikanischen Gesellschaft durch ihr Auftreten den Aufstand verschuldet hätten, so ergibt sich jetzt, daß diese Beschuldigung durchaus unzu— treffend ist. Der Aufstand richtet sich thatsäch— lich gegen die Europäer, und darum sind die Deutschen so wenig wie die Engländer davon verschont geblieben.
— Ueber London kommt aus Sansibar die Nachricht, daß, während ein Dampfkutter des britischen Kanonenbootes„Grison“ ein großes Sklavenschiff verfolgte, die Araber an Bord auf den Kutter feuerten, wodurch der Führer des— selben, Lieutenant Cooper, getödtet und zwei englische Matrosen verwundet wurden. Die Araber ließen darauf das Schiff im Stich. Der Sultan von Sansibar hat Truppen ausge⸗ sandt, welche die au dem Mord betheiligten Araber todt oder lebendig zurückbringen sollen. Lieutenant Cooper wurde unter Betheiligung des Admirals und der Officiere des deutschen Geschwaders beerdigt.
Stuttgart, 20. Oktbr. Der König ist heute mittelst Extrazugs zum Winteraufenthalt nach Nizza abgereist.
Ausland.
Oesterreich⸗-Ungarn. Wien. Wie die hiesigen Blätter betreffs der Verhandlungen über den österreichisch-schweizerischen Handelsvertrag melden, ist es der gestrigen Conferenz infolge beiderseitigen Entgegenkommens gelungen, die bestandenen Differenzen wesentlich zu reduciren, so daß eine Einigung nunmehr ziemlich sicher ist.
Pest, 18. Oct. Im Unterhaus legte Tisza heute ein Exposs vor, worin er ziffermaßig die Reellität des Voranschlags in Einnahmen und Ausgaben nachwies und hervorhob, daß, obwohl infolge der Erfordernisse für die gemeinsame und Honvedarmee die Hoffnungen um 3½ Millionen sich verschlechtert hätten, dennoch zur Herstellung des Gleichgewichts schon im Budget 1889 ein großer Schritt vorwärts geschehen sei, indem das Defictit um 5 Million Gulden verringert worden sei. Nennenswerthe Creditüberschrei— tungen seien nicht vorgekommen.
Schweiz. Bern, 21. Okt. Der heute hier abgehaltene Schweizerische Arbeitertag beschloß die Bildung einer allgemeinen schweizerischen socialdemokratischen Partei, deren Zweck im Ausbau des Einheitsstaates, Verstaatlichung von Handel und Industrie, Eisenbahnrückkauf, Bank⸗ monopol und Wahl des Bundesraths durch das Volk gipfeln.
Frankreich. Paris, 30. Okt. In der vorletzten Nacht wurde das Schild des deutschen
gesetzt hatte. Der deutsche Botschafter, Graf
in den letzten Tagen ernstlichen Schaden. machten 20 Kilometer Etsenbahn zwischen Athen und Patras unfahrbar. Verkehr zwischen Korinth und dem Piräus.
gefunden. Der Unterpräfekt drückte dem Consul sein Bedauern über den Vorfall aus und er⸗ klärte, eine Untersuchung werde sofort eingeleitet werden. Goblet gab dem deutschen Botschafter, Grafen Münster, eine ähnliche Erklärung ab. — Freycinet reiste heute nach dem Depar⸗
tement der Seealpen zur Besichtigung einiger
Grenzbefestigungen ab.
Spanien. Madrid, 20. Okt. Canova,
welcher gestern in Saragossa eintraf, war daselbst
Zielscheibe feindlicher Kundgebungen seitens der föderalistischen Partei. Eine Volksmenge em— pfing denselben und zertruͤmmterte unter Pfeifen die Fenster seiner Wohnung. Die Gensdarmerte zerstreute die Ruhestörer und nahm mehrere Verhaftungen vor. Die Spitzen der Civil- und
Militärbehörden statteten Canova einen Besuch 1
ab, wobei dieselben ihr lebhaftes Bedauern uber den Zwischenfall kundgaben.
Italien. Rom, 18. Okt. Ein italienischer
Diplomat erklärte dem römischen Corresponden⸗
ten der„Independance belge“, jeder Versuch
Frankreichs, Tunis zu annectiren, werde das sofortige Einschreiten der Tripelallianz hervor⸗ rufen.
— 20. Okt. Der König und die Königin, der Kronprinz, sowie der Herzog und die Her— zogin von Aosta sind heute nach Monza abgereist.
Serbien. Belgrad, 19. October. Milan und der Kronprinz trafen heute hier wieder ein und wurden auf dem Bahnhofe von den Ministern, den Wuͤrdenträgern und dem Offiziercorps empfangen. Der König begrüßte die Anwesenden, dankte dem Ministerpräsidenten Cristusch für seine bisherige Thätigkeit und ver⸗ sicherte ihn seines ferneren Wohlwollens. Das anwesende Publikum bewillkommnete den Konig mit Lebhaftigkeit. Wie die„Polit. Corresp.“
meldet, nahm der König die Demission des Finanz⸗ ministers an und betraute den Minister des Aeußern mit der einstweiligen Leitung der Finanzen.
Bulgarien. Sofia. Ein Ukas des Für⸗
sten setzt die Eröffnung der Sobranje auf den 27. Oktober fest.
Rußland. Petersburg, 20. Octbr. Der
Kaiser und die Kaiserin sind gestern nach Baku abgereist.
Allerlei.
Fürth, 18. Oet. Gestern Mittag wurde, nach dem
Fr. J., am Rechen der Eckartsmühle dahier eine männ⸗ liche Leiche aus der Pegnitz gezogen, welche aller Wahr⸗ scheinlichkelt nach das Opfer eines Verbrechens ist. Die⸗ selbe ist gut gekleidet gewesen und hatte am Kopfe Wunden, sowie um den Hals einen Strick und dürfte die Person der Commis Ohlschläger aus Nürnberg sein.
Constanz. Dle auch von uns gebrachte Meldung,
der Erfinder des Volapük, Pfarrer Schleyer in Constanz, sei gestorben, bestätigt sich nicht. Berliner Freunde des Genannten nach Constanz gerichtete telegraphische Anfrage wurde von Pfarrer Schleyer kele⸗ graphisch gemeldet, daß er zwar krank gewesen sei, aber sich wieder besser befinde.
Auf eine von einem
Rom, 19. Oct. In Folge einer Ueberschwemmung
der Küste des Adriatischen Meeres bel Castellamare Adriato stürzten 60 Häuser ein. des überschwemmten Küstenstriches sind obdachlos.
Tausende von Familien
Rom, 21. Oct. In der letzten Nacht fand zwischen
Salandra und Grassano in der Provinz Tarent elne enorme Erdabrutschung statt, welche den von Neapel nach Brindist gehenden Zug erreichte. todt und etwa 10 wurden verwundet.
6 Passaglere blieben
Athen, 19. Oet. Heftige Regengüsse verursachten
Diesel ben
Dampfer vermitteln inzwischen den
Jahre 1861. zogene Serien: Nr. 81 285 441 538 668 832 12111735 1264 1581 1639 1910 1991 2198 2362 2408 2527 2883 2759 2948 2964 3112 3753 3761 4007 4038 4561 4603 4686 4727 4867 4942 5006 5015 5053 5256 5301 5365 5388 5646 5735 5844 5895 6554 6592 6727 7071 7420 7668 7916 7947 7949. Die Prämien⸗Ziehung findet am 1. November statt.
Verloosung. Canton Freiburger 15 Franes⸗Loose vom Ziehung am 15. October 1888. Ge⸗
Consuls in Havre abgerissen auf der Straße
Handel und Verkehr. Friedberg, 20. Oetbr. Buttermarkt. Butter kostete
per Pfd. M. 0.75— 0.90. Eier 2 St. 18 Pf.
Gießen, 20. Oetbr. Auf dem heutigen Markt kostete
Butter per Pfd. M. 0.80— 0.90, Eier 1 St. 6—7 Pf., 2 St. 00 Pf., Käse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.40— 0.60, Hühner per Stuck M. 0.90— 1.00, Hahnen per
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