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stehe daher jedem frei, nach seinem Ermessen zu handeln. Die Streike Commission werde jedoch noch weiter in Permanenz bleiben und eine bessere Arbeiter-Organisation vorbereiten. In Folge dessen beschloß die Mehrheit der Streiken— den, die Arbeit wieder aufzunehmen.
— 18. Aug. In Corbie(Somme) schoß gestern ein Boulangist mit dem Revolver zweimal auf den Friedensrichter. Die gerichtliche Unter⸗ suchung wurde sofort eingeleitet. In Moseuil (Somme) wurde Baron Watteville bei Aus⸗ theilung von Geld an die Soldaten betreten, sofort verhaftet und in das Gefängniß nach Montdidier abgeführt.
Italien. Rom. Im Quirinal sind zahlreiche Arbeiter mit der Herstellung der Gemächer für Kaiser Wilhelm beschäftigt, welcher nicht im Pavillon Lapalazzina, sondern im Quirinal selbst wohnen wird. Der Oberbürgermeister schlug einen Fackelzug vor, an welchem viele Vereine und gegen 10,000 Soldaten theilnehmen sollen. Am selben Abend sollen alle Denkmäler und das Forum romanum bengalisch beleuchtet und am Schluß auf dem palatinischen Hügel ein die ita⸗ lienisch⸗deutsche Allianz versinnbildlichendes Feuer⸗ werk abgebrannt werden. Ferner ist eine Gala— vorstellung im Teatro Argentina und ein großes Musikfest auf der Piazza d'Espagna in Aussicht genommen. Die Municipalität ist mit Vor⸗ kehrungen für Unterbringung der Truppen be⸗ schäftigt, welche für die Heerschau von auswär— tigen Garnisonen herangezogen und für 3 Tage in der Stadt einquartiert werden.
Serbien. Belgrad. Die Entscheidung des Consistoriums in der Angelegenheit des Königs— paares wird am 9. September neuen Styls er⸗ folgen. Pyrotschanatz ist zur Königin nach Ver⸗ sailles abgereist wegen nothwendiger Aufklärung in der Scheidungsangelegenheit.
Bulgarien. Sofia, 15. August. Wie „Hirsch's Telegraphisches Bureau“ meldet, haben heute Major Panitza, einer der vorzüglichsten bulgarischen Offiziere, sowie die Majore Panow und Popow dem Kriegsminister ihre Demission eingereicht.
Rußland. Petersburg. Rußland verhan— delt neuerdings mit Amsterdamer Bankhäusern wegen Aufnahme einer größeren Anleihe.
Egypten. Alexandria, 17. August. Einer Meldung des Reuter'schen Bureaus zufolge hat die egyptische Regierung, den Instruktionen der Pforte gemäß, an den italienischen Generalconsul einen Protest gegen das Protektorat Italiens in Zula gerichtet.
Suakim. Von hier meldet der Berichterstatter der„Times“ unterm 16. ds.: Die Berichte über den weißen Mann in Bahr-el-Gazell bestätigen sich. Er ist als Abu Dign(Vater der Bärte) bekannt. Seine Streitmacht soll eine enorme Stärke haben. Eine große Anzahl von fast un⸗ bekleideten Männern, wahrscheinlich aus dem Niam Niam Lande oder Denka, ist bei ihm. Mein Gewährsmann legt besonderen Nachdruck auf diese Angabe, welche die Bevölkerung von Char— tum überraschte und beunruhigte und die ein starker Punkt zu Gunsten der Theorie zu sein scheint, daß Abu Dign identisch mit Stanley ist. Der Khalifa entsandte 5000 Mann Fußvock und 200 Reiter via Kordofan nach Fashoda.“
Aus Stadt und Land.
2 Friedberg. Für den Stadikirchenbau Verein hat kürzlich eine wohlthätige hiesige Dame, Fräulesn 1 dankenswerthester Weise 50 M. gesteuert. Solche und ähnliche Gaben bemittelter„Wohlthäter sind sehr will⸗ kommen“(vgl.§. 3, o der Statuten). Es wohnen in Friedberg nicht wenige wohlhabende Leute, und es gibt der Familienfeste und freudigen Gelegenheiten: Hochzeiten, Kindtaufen, Confirmatlon, Beförderungen, Gesundung von Krankheit u. dgl., so viele, wo das frohe und dank bare Herz gewiß gern ein Dankopfer bringt. Welch' schönere Form könnte dieses Dankopfer aber— neben der barmherzigen Liebe zu den Armen— annehmen als zu steuern zur Erhaltung und Wlederherstellung unseres herrlichen Gotteshauses, das unserer Väter Stolz und Freude seit Jahrhunderten war? Auch für größere Ge— schenke und Stiftungen sowie für testamentarische Ver⸗ mächtnisse und Zuwendungen Vermögender wäre unser
wiß von Tag zu Tag wachsende Liebe zu unserem Ver⸗ ein auch dadurch, daß sie bei der in den nächsten Tagen beginnenden Erhebung der Belträge pro 1888 möglichst reichlich und moͤglichst ausnahmslos geben. Friedberg. Am Freitag Abend fand, der An⸗ kündigung entsprechend, im Steinhäußer'schen Garten⸗ saale eine Versammlung des hiesigen Zweigvereins des „Ev. Bundes“ statt. Nachdem der Vorsitzende, Schul rath Schmidt, die ziemlich zahlreich Erschienenen, darunter auch etwa 12 Damen, freundlich begrüßt und der Sekre⸗ tär, Seminarlehrer Schüler, verschledene geschäftliche Mit⸗ theilungen, insbesondere auch über die Cireulatlon des Bundes Blattes, der„Kirchlichen Correspondenz“ gemacht hatte, hielt cand. theol. Goebel zunächst einen einleitenden Vortrag über die verschiedenen Luther ⸗Festspiele von Trümpelmann, Devrient und Hans Herrig, deren Eigen⸗ thümlichkeiten und Unterschiede er charakterisirte. Hierauf trugen er, unter Einfügung der nöthigen Zwischen⸗ Er⸗ zählung, und die cand. theol. Vogel und Brlegleb die schönsten und wichtigsten Stellen aus den„Herrig'schen Luther-Bildern“ vor. Dlese gut und begeistert gegebene und vortrefflich gesprochene Vorführung hinterließ einen tiefen und nachhaltigen, in reichem Belfall sich kund⸗ gebenden Eindruck auf die Versammelten und bewies auf's Neue nicht nur die Vorzüglichkelt des Herrig'schen Fest⸗ spiels, sondern auch die unverwüstliche Frische, mit der sich Luther's Gestalt dem deutschen Volksgemüthe ein⸗ gelebt hat. Beschlossen wurde noch, daß im September wieder eine Bersammlung unseres Zweigvereins statt⸗ finden soll.
m. Dortelweil, 12. Aug. Heute Nachmittag fand in dem festlich geschmückten Hensel'schen Lokale hier der zweite Bezirkstag der Kriegervereine des Bezirks Vilbel statt. Wie den Umständen nach kaum anders zu erwarten, war die Betheiligung seitens der auswärtigen Vereine eine nur mäßige. Außer Vilbel und Nieder Erlenbach, welche mit ihren Splelleuten an der Spitze erschlenen, hatten Nieder Eschbach und Rendel eine Deputation, die übrigen Vereine Vertreter entsendet. Bezirkspräsident Völker eröffnete mit berzlicher Bewillkommnung die Ver⸗ handlungen und gab unserem Präsidenten Brückmann das Wort, welcher den Gästen und Kameraden Gruß und Dank für ihr Erscheinen entbot und mit einem Hoch auf Katser Wilhelm II. schloß. Der Bezirksschriftführer Lehrer Will nahm nun das Wort zur Berichterstattung über den letzten Verbandstag in Bingen. Als bemerkens⸗ werthe Punkte seien folgende hervorgehoben: erfreulicher Zuwachs des Verbandsvermögens, welches einschließlich Prinz⸗Ludwigstiftung in runder Summe 30,000 M. be⸗ trägt. Weiter wurde auf das neue Unterstützungsver⸗ fahren aufmerksam gemacht. Nachdem vorher die Provi⸗ dentiavergütungen an die Vereine vertheilt worden waren, wurde der seitherige Vorstand durch Acelamation wieder gewählt. Für den nächsten Bezirkstag wurde Okarben, dessen Vertreter den baldigen Beitritt zur Hassta in Aus⸗ sicht stellte, vorgesehen. Nach Besprechung weiterer innerec Bezirksangelegenheiten schloß der Bezirksvorsitzende die Verhandlungen mit einem dreifachen Hoch auf unsern Landesherrn, worauf die Musik:„Heil unserm Fürsten heil“ spielte. Während des nun folgenden Concerts brachte Kamerad Will der Kriegerkameradschaft in be⸗ wegten und zündenden Worten einen Toast. Der am Abend folgende Tanz hielt die jüngere Generation bis in vorgerückter Stunde zusammen. Mögen die in unserem Kreis verlebten Stunden den Kameraden in steter freund⸗ licher Erinnerung bleiben, dem Verbandsleben aber zu Heil und Segen gereichen.
Allerlei.
Hanau. Der aus dem Gefängniß entsprungene Mörder Morlock ist noch nicht wleder eingefangen wor— den. Die gegentheilige Meldung beruht auf Irrthum. Vom Landgräflichen Hofmarschallamt ist eine Belohnung von 300 Mark für Denjenigen ausgesetzt worden, welcher zur Ergreifung des Morlock Anlaß gibt.
Toulon. Eine Feuersbrunst vernichtete in der letzten Nacht die Fourageparks der Kriegs- und der Marine⸗ Verwaltung. Die benachbarten Gebäude wurden gerettet. Ein Offizier wurde leicht verwundet. Der Schaden ist beträchtlich.
Rom, 18. August. Der Vulkan auf der Insel Vul⸗ kano begann heute früh, Steine und Sand auszuwerfen.
Newyork, 17. Aug. Der Postdampfer„Wieland“ berichtete, als er hierselbst eintraf, über einen Zusammen⸗ stoß, der am 14. August, um 4 Uhr Nachmittags, bei der Sandinsel zwischen den Dampfern„Thingvalla“ und „Geiser“ stattfand. Der„Geiser“ war nach 5 Minuten gesunken; 14 Passagiere und 17 Mann von der Schiffs⸗ besatzung, darunter der Capitän, wurden gerettet, 78 Passagtere und 35 Matrosen erkranken. Die Ueber⸗ lebenden wurden an Bord des„Wieland“ genommen, welcher auch alle Passagtere der„Thingvalla“, zusammen 455 Personen, aufnahm. Letztere versuchte, stark be⸗ schädigt, die Relse nach Halifaz fortzusetzen.
Der Klatsch.
Zu den vielen räthselhaften Erscheinungen in dem Menschenleben gehört auch die Liebe zum Klatsch. Dieses komisch lautende Wort ist auch nicht ernstlich zu definieren, denn es fehlt ihm ver bestimmte Begriff für wirklich Vorhandenes; man sollte deshalb glauben, er habe keine Be⸗ deutung, und doch ist das Gegentheil der Fall. Der Klatsch ist ein großer Feind der menschlichen
Stadtkirchenbau Vereln das denkbar würdigste Obfeet. Hoffentlich beweisen die Bewohner Friedbergs ihre ge—
Gesellschaft, er steht wie ein Giftbaum in der⸗
selben, der unaufhörlich Blüthen treibt, und seine bitteren Früchte jedem zu kosten gibt. Er ge⸗ hört nicht zu den Widerwärtigkeiten, denen das menschliche Leben bei der Unvollkommenheit der Dinge hier auf Erden unterworfen ist, er ist von dem Menschen selbst geschaffen, wird von ihm erhalten und gepflegt. Viele können ihn nicht entbehren, würden sich ohne ihn gelang⸗ weilt, unbehaglich fühlen; manchem dient er sogar zur inneren Befriedigung, ist er ein Labsal. Und dabei, das ist das räthselhafteste, sagt sich doch jeder, daß er den Menschen ent⸗ würdigt und erniedrigt, wie kaum etwas anderes. Jeder kennt die boͤsen Folgen des Klatsches, weiß, wie oft er das Familienglück zerstört, den guten Ruf untergräbt, Freunde entzweit und, einmal in Kurs gesetzt, sich in immer haͤßlicher werdender Gestalt lawinenartig verbreitet und 9
— eine Blamage die Folge ist. 9 Der Klatsch besitzt einen geheimen Zauber, er wird geliebt, gehaßt und gefürchtet, aber nie
nicht eine greifbare Gestalt.
nicht selbst mit ihm befassen will und fern dem Treiben der Menschen seine eigenen Wege geht. Wehe diesem, wenn er sich eine wirkliche oder auch nur vermeintliche Blöße gibt, dann zeigt der Klatsch seine Macht und Verfolgungswuth, der nur selten jemand entgegen zu treten wagt und beweist, wie richtig ein gefeierter Dichter singt:„Die Falschheit herrschet, die Hinterlist bei dem feigen Menschengeschlechte.“
Der Klatsch fühlt sich so recht in seinem Elemente in solchen Orten, wo die Menschen auf einander angewiesen sind und, ihrer Neigung zur Geselligkeit folgend, Vereine und Gesell⸗ schaften gründen, um sich mit einander zu be⸗ freunden und zu amüsieren. Elemente, die diesem löblichen Zwecke hinderlich sein können, pflegt man fern zu halten, nur dem Klatsch, dem Erb⸗ feind der Geselligkeit und des Friedens, kann man nicht verwehren, sich als würdiges Mitglied gleich einzuführen, um der Gemüthlichkeit bald ein Ende zu machen. 5
Der Klatsch ist ein sehr gefährlicher Patron und spielt eine so große Rolle in der Gesell⸗ schaft, daß es sich wohl der Mühe lohnt, die menschliche Natur zu befragen, welche Eigen⸗ schaften derselben ihn haben hervorgehen lassen. Da wird man nicht fehl greifen, wenn man dem Neide, der Mißgunst, unbefriedigter Neu⸗ gierde und ganz besonders dem Bewußtsein der eigenen Schwächen, die man anderen nicht zu⸗ traut, aber um so mehr gönnt, einen großen Antheil beimißt. Besagte Eigenschaften sind leider in der menschlichen Natur vorhanden, man kann sich deshalb nicht über ihr Produkt wundern, um so mehr aber darüber, daß es Leute genug gibt, die über die Bedeutung des Klatsches genau unterrichtet sind und doch sich mit ihm befreunden und ihn zu ihren Zwecken ausnützen.
Nahe verwandt und sehr befreundet mit dem Klatsch ist das Klatschen, denn es liefert ersterem die meiste und schmackhafteste Nahrung. Im übrigen ist es als eine die Menschen ernie
—
sehr bekannt, daß man es nicht beachten sollte, wenn es sich auf die Sphäre beschränkt, in der man es ein gewisses Privilegium genießen läßt Leider ist aber nicht zu leugnen, daß selbst Männer von Ansehen und Wuͤrde nicht immer frei von dem Klatschen sind und unstreitig dem—
Dies gilt namentlich von Leuten, die um die
und sonstigen charakterlosen Menschen, die überall
nicht eher ruht, bis das Opfer gefallen oder 14 0 .
Deshalb verfolgt
1 bekämpft, nicht einmal vom Gesetze, denn er hat 1 er auch ungehindert den Harmlosen, der sich
utter per if ve s 0.60, Hu 5 Stück M. Ochsen⸗ Fleisch l 1 Fleisch 95
per 100 M. 700 Gie gehaltene
e 2 —
Eler das M. 18— weiße Be Preiselb 45 Pf.,
Do werden nachsteh.
Maur Schich Kalk,
Fri
2979
Doi soll das veransch öffentlie
Ba!
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Freit steigere! stadt 9
drigende Neigung und häufig sogar Leidenschaft so
selben oft willig ihr Ohr leihen. Eine unglück liche Naturanlage kann hier nicht als Entschul? digung dienen, vielmehr muß man annehmen, daß es nur als Mittel zum Zweck benutzt wird.
Gunst anderer buhlen, von Schmeichlern, Kriechern
zu finden sind. Würden sie statt einer ermun⸗
„
kungen erspart.
ternden, freundlichen Aufnahme von vornherein Verachtung begegnen, die doch ihr schließlicher Lohn ist, so blieben manchem under ae 1
112
1 1
Hausmo NB.


