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Beilage.
5 Oberhessischer Anzeiger.
47.
Deutsches Reich. Darmstadt. Dem Assistenten an dem Museum zu Darmstadt Prof. Dr. Adamy wurde
die Stelle eines Inspektors an diesem Museum
übertragen, der ordentl. Prof. der Landes Uni—
versität Dr. Brauns auf Nachsuchen entlassen, der Assistent des Museums in Darmstadt Schmidt
zum Präparator und der Museums-Aufseher Wimmenauer zum Assistenten ernannt. Berlin, 18. April. Das Befinden des Kaisers hat sich im Laufe des gestrigen Tages nicht verschlimmert. Derselbe verließ gestern Mittag auf einige Zeit das Bett. Der Hoͤhe—
punkt der Bronchitis scheint überwunden zu sein. Der Kaiser zeigte sich Nachmittags am Fenster
und wurde vom Publikum stürmisch begrüßt. Unter den gestern vom Kaiser Empfangenen be— befand sich auch der russische Militärbevollmäch— tigte Kutusoff. Das Befinden des Kaisers hat sich heute, wenn auch langsam, so doch merklich forischreitend gebessert. Heute Morgen 9 Uhr hat eine Consultation sämmtlicher Aerzte stattge— funden. Der Zustand des Kaisers war bis heute Mittag 12 Uhr fast derselbe wie im Laufe des gestrigen Tages. Die Aerzte fanden bei der Untersuchung, daß die Körpertemperatur wieder bis auf 39 Grad gestiegen war. Auch sind Befürchtungen immer noch nicht ausge— schlossen, daß die Bronchitiserscheinungen in eine Entzündung der Lunge übergehen können. Der Kaiser erschien auch heute Mittag 12 Uhr am Fenster, jubelnd von der Volksmenge begrüßt. Der Reichskanzler verweilte eine Stunde beim Kaiser. Der bisherige Krankenwärter des Kaisers ist nicht, wie die„Kölnische Zeitung“ meldete,
durch einen englischen ersetzt worden, sondern durch einen Krankenwärter aus der von Berg— mann'schen Klinik. ihre Angabe jedoch aufrecht. Der Kaiser erschien
Die„Kölnische Ztg.“ hält
um 1½ Uhr zum zweiten Male am Fenster. Nachdem er den Großherzog und die Großer— zogin von Baden empfangen, legte er sich zum Nachmittagsschlaf nieder. Um 4 Uhr traf das Kronprinzenpaar im Charlottenburger Schloß ein. Der Kaiser erhob sich vom Nachmittags— schlaf gegen 5 Uhr und zeigte sich gegen 6 Uhr mit der Kaiserin am Fenster seines Arbeitszim— mers. Am Abend ist wieder eine Steigerung des Fiebers und stärkere Beschleunigung der Athmung eingetreten, infolge dessen auch das Allgemeinbefinden nicht so gut war. Die Wuche— rungen des örtlichen Leidens haben sich weiter nach unten in der Luftröhre verbreitet; die Re— spiration ist ziemlich beschleunigt. Eine äußere, von Professor von Bergmann durch Tasten an— gestellte Untersuchung soll nach dem„Börsen— courier“ die dringende Vermuthung ergeben haben, daß sich neue Tumore gebildet haben, und daß in der Nähe der Luftröhre auf der Brust und am Halse äußerliche Anschwellungen hervortreten. Man befürchtet, daß eine Blut-Vergiftung ein— treten könne.— 19. April. In dem Befinden des Kaisers zeigen die heutigen Vormittagsstun— den gegen Abend und Nacht eine relative Besse— rung. Das Fieber ist vermindert, das Allge— me inbefinden besser, jedoch erscheint eine an— dauernde Bett-Ruhe erforderlich. Die Lungen sind bis jetzt von jeder Infection frei. Fur drei Uhr ist Kultusminister von Goßler zur Kaiserin nach Charlottenburg befohlen worden. Professor Leyden betheiligt sich auf Wunsch der Majestäten und der Aerzte an allen ärztlichen Besuchen. — 18. April. Der Kronprinz war heute früh 8 Uhr zur Truppenbesichtigung nach dem Tempelhofer Feld geritten, von wo er um 11 Uhr zurückkehrte; beim Einrücken ließ der Kronprinz unter den Linden die Truppen an sich vorüber— ziehen. Das Publikum bereitete dem Kronprin— zen bei dieser Gelegenheit lebhafte Ovationen.
In der kronprinzlichen Familie sieht man in
Kürze abermals einem frohen Familienereigniß entgegen.
— Die„Nat.⸗Ztg.“ will wissen, daß ein Theil der russischen Truppen von der östereichisch— polnischen Grenze zurückberufen würde.
— 18. April. Bei der zweiten Berathung des Volksschullastengesetzes im Abgeordnetenhause werden die ersten drei Paragraphen in der Commissionsfassung angenommen.§ 4 der Re— gierungsvorlage wird gestrichen. Bei§ 5, be— treffend die Erhebung des Schulgeldes, vertagte das Haus die Weiterberathung auf morgen. Minister v. Goßler stellte fest, daß faß allseitig die Absicht der Regierung auf Aufhebung des Schulgeldes theoretische Zustimmung gefunden habe.— 19. April. Die Nothstandsvorlage nach dem Referat des Abg. Minnigerode wurde in erster und zweiter Lesung angenommen.
— 19. April. In der heutigen Bundes— rathssitzung ist der Gesetzentwurf, betr. die Alters— und Invaliden-Versicherung der Arbeiter einge— bracht werden.
Kiel. Das Kreuzer-Geschwader, bestehend aus S. M. Schiffen„Bismarck“(Flaggschiff), „Carola“ und„Sophie“, Geschwaderchef Capitän zur See und Commodore Heusner, ist am 18. April c. in Pokohama eingetroffen und be— absichtigt am 8. Mai wieder in See zu gehen. S. M. Aviso„Loreley“, Commandant Capitän— Lieutenant v. Lyncker, ist am 17. April c. im Pyräus eingetroffen und beabsichtigt am 21. d. wieder in See zu gehen.
Karlsruhe, 17. April. Die Kirchenvor— lage wurde nach Ablehnung des Paragraphen vier mit 41 gegen 20 Stimmen, schließlich mit allen gegen 10 Stimmen angenommen. Unter den letzteren befinden sich 9 Ultramontane und 1 Demokrat.
München, 18. April. Die Kammer nahm den Militäretat für 1888/89 einstimmig an.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 18. April. Der ungarische und der österreichische Wehraus— schuß acceptirte die Wehrgesetznovelle im allge— meinen. Im speciellen ergänzte derselbe den § 2 dahin, daß den Reservisten, wenn sie we— niger als zwei Monate einberufen waren, die betreffende Zeit in der Gesammtdauer der Waffenübungen eingerechnet werde. Minister Fejervary weist auf den höheren Friedensstand Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Ruß— lands hin, und erklärte, die Vorlage bezwecke die Möglichkeit der Erhöhung des Friedens— standes, wo es sich als nothwendig herausstelle, keineswegs aber die Einführung einer vierjäh— rigen Dienstzeit. Sollte die Regierung die Nothwendigkeit als gekommen erachten, so müsse sie zur Votirung der Kosten eine Vorlage machen. Diese Vorlage besitze keinerlei actuelle Basis und bezwecke blos die Befriedigung eines lange gefühlten Bedürfnisses.
— 18. April. Im Abgeordnetenhause con— statirte der Finanzminister, daß sich die Lage der Staatsfinanzen nicht unbedeutend gebessert habe.
Schweiz. Bern. Der Bundesrath wies das Personal des in Zürich erscheinenden„Social— demokraten“ aus, nämlich Bernstein, Motteler, Tauscher und Schlütter, sämmtlich Ausländer.
Belgien. Brussel. Sicherem Vernehmen nach ist das Project einer directen und beson— deren Eisenbahnlinie Mainz-Brüssel endziltig aufgegeben.
— 18. April. Die Repräsentantenkammer genehmigte die Convention vom 18. November 1887 zur Unterdrückung des Branntweinhandels auf der Nordsee.
Frankreich. Paris, 18. April. Die gestrige bonnpartistische Parteiconferenz in Brüssel be— schloß, den Boulangisten auch ferner Unterstütz— ung zu Theil werden zu lassen.
— Die Aetionsgruppe der Patriotenliga richtet an Boulanger eine Adresse, worin sie ihrer Sympathie für den Exgeneral Ausdruck
gibt und den Wählern des Norddepartements zu der Eutscheidung vom Sonntag Glück wünscht. In Bordeaux wurde abermals eine Versamm— lung, worin der opportunistische Deputirte Steeg reden sollte, durch tumultuarische Kundgebungen der Boulaugisten verhindert. In Rouen nahm eine Versammlung der Boulangisten einen tumul— tuarischen Verlauf, die lärmenden Kundgebungen wurden auch auf der Straße fortgesetzt.
19. April. Der Conseilpräsident Floquet hat nach dem„Fr. J.“ sofort am Montag die Präfekten telegraphisch angewiesen, ihm unver— zuͤglich über den Eindruck zu berichten, welchen die Nachricht von der Wahl Boulanger's auf die Bevölkerung gemacht habe. Die Auskunft lautet, wie es aus zuverlässiger Quelle erfährt, äußerst bedenklich. Die Präfekten berichteten beinahe einstimmig, daß namentlich die Landbe— völkerung, soweit dieselbe politischen Nachrichten zugänglich ist, jene Wahl als ein erfreuliches Ereigniß begrüßt habe, wie wenn dies geeignet wäre, der unter dem Drück der schlechten Zeiten schwer leidenden Bevölkerung Hilfe zu bringen. Mehr als die Hälfte der Präfekten drücken ihre Ueberzeugung dahin aus, daß in ihren Depar— tements im Falle einer Ersatzwahl Boulanger zweifellos eine große Anzahl von Stimmen er— halten würde. Für heute, als dem Tag des Eintritts Boulangers in die Kammer sind außer— ordentliche Maßregeln betreffs Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen; es ist ein Theil der Garnison consignirt worden. Verschiedene Direk— tionsmitglieder der Patriotenliga, darunter De— loncle und Welhof, protestiren in einem ver— öffentlichten Schreiben gegen die Wiederwahl Deroulede's zum Ehrenpräsidenten der Liga.
Großbritannien. London, 18. April. Das Unterhaus nahm mit 239 gegen 182 Stimmen die Bill an, durch welche die Ehe eines Mannes mit der Schwester der verstorbenen Ehefrau für giltig erklärt wird.
Dublin, 17. April. Der Deputirte für Ostmaya, Dillon, wurde heute verhaftet.
Aus Stadt und Land.
C. T. Friedberg. Gemeinderathtssitzungen vom 9. und 17. April. Die Testamentseröffnung des verstor⸗ benen Gemeinderaths Ruths gab dem Vorsitzenden Ver— anlassung hierüber nähere Mittheilung zu machen, deren Ergänzung für später sich vorbehaltend.— Zu bestimmten Sätzen soll städtisches Weggelände an Gerichtsvollzieher König und Gebrüder Zörb abgetreten werden, ebenso soll mit Gebereibesitzer Fr. Allendörfer, der wegen Erwerbung eines Theils der Wiese im Rosenthale angefragt hatte, in Unterhandlung getreten werden. In die Commission für Wildschadenabschätzung wurde Hermann Philippi, in die Friedhofseommission Ph. Vogt gewählt.— Sitzung vom 17. April. In die Commission für Weinsteuer Ein⸗ schätzung 88/89 wurden außer dem Vorsitzenden Beige— ordneter Reuß, Gemeinderath Pfeffer als Mitglieder, die Gemeinderäthe Görtz und Hecht als Ersatmitglieder ge— wählt. Ueber Canalisirung der Badgasse wird nach vorausgegangener Verhandlung mit den Interessenten Beschluß gefaßt werden.— Ueber den Anschluß der Hans- besiger an den durch die Bismarckstraße gelegten Canal, bezw. über deren Zuziehung zu dessen Herstellungskosten wurde beschlossen, Us dieser Kosten von Hofraithebesitzen— den zu verlangen.
Friedberg, 19. April. Gestern wollte Polizeidiener Fourler einen Stromer arretiren, der beim Betteln be— troffen worden war. Der Kerl widersetzte sich seiner Verhaftung, schlug, trat und biß um sich, so daß es erst gelang, denselben in's Gefängniß zu bringen, als Polt⸗ zeidtener Röhmig und ein fremder Polizetdiener und an— dere Leute hinzukamen, um ihn zu bändigen.
Friedberg, 19. April. Noch am gleichen Tage an dem unsere vorige Nummer ausgegeben wurde, fand man die Leiche Blickhahns in der Lahn bet Gießen an dem sogenannten„Felsen.“ Die Leiche des auf so tragische Wetse von uns Geschledenen wurde von Freunden heute früh in Gießen geholt, und fand heute Nachmittag unter außerordentlicher Betherligung aller Schichten der Bevöl— kerung und unter Bezeigung vieler Beweise der Lebe und Achtung für den Verstorbenen die Beerdigung statt. Ein ausführlicher Nachruf wurde uns von befreundeter Seite in Aussicht gestellt und wird, wenn irgend moglich, bereits in unserer nächsten Nummer erscheinen.
2 Frledberg. Wir machen an dieser Stelle nochmals auf den in unserer heutigen Nummer angezeigten Vortrag „über Hutten“ und die darauf folgenden Verhandlungen aufmerksam und sehen bei der Wichttigkest der Sache für unsere theure evangelische Kirche einer zahlreichen Bethä—
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