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Ausſchreiben. Friedberg den 14. Juli 1888.
Der Großherzogliche Amtsanwalt. Hill.
Deutſches Reich.
Darmſtadt. Außer dem Erbgroßherzog wurde auch dem Prinzen Wilhelm der Schwarze Adlerorden verliehen.
Darmſtadt. Der Amtsrichter Neundörfer in Wöͤllſtein wurde zum Amtsrichter in Mainz, der Amtsrichter Hellwig in Ortenberg zum Amts richter in Altenſtadt, der Amtsrichter Wahl in Alsfeld zum Amtsrichter in Schlitz, der Gerichts— aſſeſſor Dornſeiff in Gießen zum Amtsrichter in Alsfeld, der Gerichtsaſſeſſor Dieffenbach in Offen bach zum Amtsrichter in Ortenberg, der Gerichts— Aſſeſſor Rees in Mainz zum Amtsrichter in Pfeddersheim, der Gerichtsaſſeſſor Prätorius in Darmſtadt zum Amtsrichter in Michelſtadt er⸗ nannt, der Kreisbaumeiſter Braun von Erbach zur vorübergehenden Dienſtleiſtung bei der Mi— niſterialabtheilung für Bauweſen herangezogen, der Major a. D. Cullmann zu Gießen zum Kom: mandeur des Gendarmerie-Diſtrikts Oberheſſen ernannt, die Oberrechnungs-Reviſoren Pfeiffer und Juſtizrath Moyat zu Mainz wurden beide unter Verleihung des Charakters als„Rechnungs— rath“ und unter Anerkennung ihrer Dienſte in den Ruheſtand verſetzt, der Amtsanwalt Hill in Alzey zum Amtsanwalt in Friedberg, der Ge⸗ richts⸗Aſſeſſor Dr. Buff in Mainz zum Hilfs— arbeiter bei der Staatsanwaltſchaft in Mainz, der Gerichtsaſſeſſor Lorbacher in Worms zum Hilfsarbeiter bei dem Miniſterium des Innern und der Juſtiz ernannt; ſodann wurden mit Wahrnehmung der Funktionen eines Amtsanwalts beauftragt: in Alzey der Gerichtsaſſeſſor Franz von Darmſtadt, in Bingen der Gerichtsaſſeſſor Dapper von Wörrſtadt, in Darmſtadt der Ge⸗ richtsaſſeſſor von Biegeleben daſelbſt, in Worms der Gerichtsaſſeſſor Scriba von Friedberg; die Funktionen eines Hilfsgerichtsſchreibers wurden übertragen: bei dem Land-Gericht der Provinz Starkenburg dem Gerichtsaſſeſſor Schneider von Darmſtadt, bei dem Land-Gericht der Provinz Rheinheſſen dem Gerichtsaſſeſſor Jehle von Mainz.
Berlin, 14. Juni. In der Krankheit des Kaiſers iſt die denkbar ſchlimmſte Wendung ein— getreten, die überhaupt bei dieſer Krankheit ein— treten kann. Den Aerzten kommt ſie nicht un— erwartet, aber man glaubte die Gefahr nicht ſo nah. Die jetzige Verſchlechterung im Befinden iſt aber ſehr ſchnell gekommen. Bereits am Samſtag Morgen haben die Aerzte eine Tam⸗ poncanüle eingeſetzt, da ſich eine Verbindung zwiſchen Kehlkopf und Speiſeröhre gebildet hatte. Die Ernährung des Kaiſers erfolgt mehrmals im Laufe des Tages mittelſt concentrirter Milch, Sahne, Wisky ꝛc. Profeſſor v. Barde⸗ leben fuhr geſtern bei einbrechender Nacht wieder nach dem Schloß Friedrichskron, um dort zu übernachten und für alle Fälle zur Hand zu ſein. Er führte ſein Operations⸗ Neceſſaire mit ſich.— 14. Juni. Ein Bulletin von heute Morgen 10 Uhr lautet: Der Zu⸗ ſtand des Kaiſers hat ſich ſeit dem geſtrigen Abend weſentlich verſchlimmert. Die Kräfte ſind im Sinken. Die kaiſerliche Familie iſt voll— zählig in Friedrichskron verſammelt, der Kanzler hat ſich gleichfalls dahin begeben. Die Kaiſerin iſt ſeit 4 Uhr Morgens am Bette des Kaiſers, deſſen Befinden ſeit halb 11 Uhr Vormittags ein klein wenig beſſer geworden iſt. Prinz Hein— rich iſt von Erdmannsdorf eingetroffen und im Stadtſchloß abgeſtiegen. Die Erbprinzeſſin von Meiningen wird in Friedrichskron erwartet; der Juſtizminiſter v. Friedberg iſt ebenfalls dort eingetroffen. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ bemerkt zu dem heutigen Bulletin: Aus demſelben gehe hervor, daß, ſo tief ſchmerzlich der Gedanke auch iſt, man mit der bevorſtehenden Kataſtrophe rechnen muß. Wie dasſelbe Blatt erfährt, haben ſich bei dem Kaiſer ſehr bedrohliche Erſcheinungen eingeſtellt. Die Athmung iſt ſchwierig und müh— ſam; die Aerzte glauben an ein Uebergreifen des Krankheitsproceſſes auf die Lunge. Die Kräfte
nehmen ſichtlich ab, auch die Theilnahme des
hohen Patienten an den Vorgängen um ihn her iſt geringer geworden.
— 14 Juni. Der Kaiſer beauftragte geſtern den Reichskanzler telegraphiſch, wegen der Ueber— nahme des Miniſteriums des Innern mit dem Oberpräſidenten Grafen von Zedlitz-Trützſchler in Verhandlungen zu treten. Legationsrath Graf v. Arco-Valley, bisher General-Conſul für Egypten, wurde zum außerordentlichen Geſand⸗ ten und bevollmächtigten Miniſter bei den Ver— einigten Staaten von Amerika ernannt. Nach der„Voſſiſchen“ und nach der„Börſen Zeitung“ ſoll die Stellung des deutſchen Botſchafters in Paris, Grafen Münſter, erſchüttert ſein. Man will wiſſen, daß der Botſchafter gegen die Ein— führung der Paßcontrole geweſen ſein und ſich dem Präſidenten Carnot gegenüber zu weit in dem Sinne engagirt haben ſoll, daß er ſeinen Einfluß zur Aufhebung der Verordnung geltend zu machen verſprach.
Potsdam, 13. Juni. Der König von Schweden iſt mit dem Generaladjutanten Grafen v. Lagerheim und Gefolge heute Mittag 12 Uhr auf der Station Wildpark eingetroffen und zum Schloß Friedrichskron gefahren. Bei dem kron— prinzlichen Paar fand im Marmorpalais um Uhr Familiendejeuner und Marſchalltafel ſtatt, woran der König von Schweden, die Großher— zogin von Sachſen, die Erbprinzeſſin von Mei— ningen und Gefolge, ſowie der Herzog und die Herzogin Johann Albrecht von Mecklenburg theilnahmen.
— Die Nachricht der Conſ. Corr. von der Demiſſion des Juſtizminiſters Friedberg aus Anlaß von Meinungsverſchiedenheiten mit dem Reichskanzler wird von den„Berl. Pol. Nachr.“ als in allen ihren Theilen aus der Luft ge— griffen bezeichnet. Ebenſo findet die Meldung der„Köln. Ztg.“ in Betreff einer Kanzlerkriſis keine Beſtätigung. Die Nachricht jedoch, der Kriegsminiſter beabſichtige zurückzutreten, wird in militäriſchen Kreiſen ernſter genommen als vor einigen Monaten.
Straßburg. Die„Landeszeitung“ ſchreibt: Der von mehreren Blättern gebrachten Meldung von einer Verletzung der franzöſiſchen Grenze in der Nähe von Amanweiler durch deutſche Soldaten ſcheint inſofern etwas Thatſächliches zu Grunde zu liegen, als einige Zöglinge der Kriegsſchule in Metz die Grenze aus Verſehen oder Unkenntniß wenige Meter überſchritten. Die Angelegenheit wird zuſtändigerſeits unter— ſucht. Die Beſtrafung der Schuldigen iſt zu erwarten, gleichviel ob der an und für ſich un— bedeutende Vorfall ſeitens Frankreichs zum Gegen— ſtande einer Reklamation gemacht wird oder nicht, denn für alle Militärperſonen beſtehen gemeſſene Befehle, welche ihnen die Reſpektirung der franzöſiſchen Grenze unbedingt zur Pflicht machen. Wie das„Fr. J.“ aus zuverläſſigſter Quelle erfährt, iſt an der ganzen Geſchichte über die Grenzverletzung kein wahres Wort.
Ausland.
Oeſterreich-Ungarn. Serajewo, 13. Juni. Der Kronprinz und die Kronprinzeſſin ſind heute Morgen hier eingetroffen. Der Kronprinz ſchritt die am Bahnhofe aufgeſtellte Ehrencompagnie ab und erwiederte huldvoll die Anſprache des Bürgermeiſters, während die Kronprinzeſſin die Vorſtellung mehrerer Damen entgegennahm. Vom Bahnhofe bis zum Regierungsgebäude, wo ſich das Hoflager befindet, war eine dicht⸗ gedräugte enthuſiaſtiſch grüßende Menge ver⸗ ſammelt. Die Stadt iſt feſtlich geſchmückt.— 14. Juni. Das Kronprinzenpaar beſuchte ver⸗ ſchiedene Kirchen, Moſcheen und Sehenswürdig— keiten. Beim Beſuche der großen Gazi Shous— rafbeg⸗Moſchee, wo alle Muhamedaner verſammelt waren, ſprach der Ulema ein Gebet und dankte für den wohlwollenden Schutz der Muhamedaner; beim Diner, welchem die fremden Conſuln bei— wohnten, brachte der Kronprinz einen Toaſt auf
Um Auskunft über den dermaligen Aufenthaltsort des Paul Saikel, Dienſtknecht von Harbach, ſowie des Konrad Port von Stelnbach wird erſucht,
den Kaiſer aus; Abends brachte die geſammte
Bürgerſchaft den Hoheiten einen Fackelzug. Die
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Stadt war prächtig illuminirt.
Prag, 14. Juni. In drei Baumwollwebereien
in Horic ſtreiken 1500 Arbeiter.
Die Gendar—
merie in der Umgebung iſt conceutrirt, die Ord⸗
nun iſt bis jetzt nicht geſtört.
Holland. Haag. Der König ernannte
eine Commiſſion von 18 Mitgliedern unter dem
Präſidium des Kriegsminiſters, die beauftragt
iſt, über die Principien einer geſetzmäßigen Or⸗ ganiſation der Landesvertheidigung zu berathen. Auf Grund der Verfaſſung wird die Regierung einen Geſetzentwurf einbringen, nach welchem die geſetzmäßige Sanction der internationalen Convention, um dem Mißbrauch des Brannt⸗ weinhandels mit den Fiſchern der Nordſee zu ſteuern, verlangt wird.
Italien. Rom. Zuverläſſige Berichte aus Maſſauah laſſen kaum einem Zweifel Raum, daß ſich die innere Lage in Abeſſynien zu einer äußerſt ſchwierigen geſtaltet hat. Es herrſcht große Erbitterung gegen Ras Alula, dem man an der verunglückten Expedition und an den enormen Verluſten an Menſchen und Thieren, zu welchen dieſelbe geführt hat, die Schuld bei⸗ mißt. Ganze Abtheilungen abeſſyniſcher Aus⸗ reißer ſtellen ſich mit den Waffen bei den italie⸗ niſchen Poſten ein und bezeichnen Mangel an Lebensmitteln als Deſertionsgrund, indem ſie ſehr düſtere Schilderungen von der in Abeſſynien herrſchenden Hungersnoth entwerfen.
Schweiz. Bern. Der Ständerath hat 3½ Millionen Francs zur Beſchaffung von Kriegsmaterial ohne Debatte bewilligt.
Belgien. Brüſſel. Die Congo-⸗Regierung erhielt ſchlimme Nachrichten von Stanley.
Frankreich. Paris. Zwei in Dünkirchen verhaftete und von den Hetzblättern zu deutſchen Spionen geſtempelte engliſche Touriſten ſind, nachdem ſie unter fortwährenden Inſulten der ſie begleitenden Menge durch die Polizei von Pontius zu Pilatus geſchleppt waren, von dem Staats⸗ anwalt„avec forces d'excuses“ in Freiheit ge⸗ ſetzt worden, und haben ſich beeilt, durch den engliſchen Conſul ein Protokoll über die ihnen zu Theil gewordene„gaſtliche“ Behandlung auf⸗ nehmen zu laſſen, welches ihnen dazu dienen ſoll, durch Vermittlung ihrer Regierung eine ange meſſene Entſchaͤdigung zu erlangen.
Spanien. Madrid. Martinez Campos ſchrieb an Sagaſta, daß, wenn ſein Demiſſions⸗ geſuch nicht angenommen werde, er das Com⸗ mando von Madrid dem nächſt unter ihm dienſt⸗ habenden Offizier übertragen werde. Dieſer Brief hat die Miniſterkriſis beſchleunigt. Das Cabinet hielt eine Sitzung, welche bis 2 Uhr Nachts dauerte. Die Königin nahm die Demiſ⸗ ſion des Miniſteriums an und beauftragte Sagaſta mit der Bildung eines neuen Cabinets. Die Kam⸗ mern vertagten ſich bis zur erfolgten Neubildung eines Cabinets. 5
Türkei. Konſtantinopel. Finanzminiſter Mahmud wurde zum Miniſter der öffentlichen Arbeiten ernannt, Zihni-Paſcha, bisheriger Mi niſter der öffentlichen Arbeiten, tritt an Stelle Mahmud's.
Aus Stadt und Land.
e. Bad⸗Nauhelm, 14. Junt. Geſtern Abend ſtürzte einer der hieſigen Nachtwächter in der Dunkelheit in den Graben zwiſchen den Siedhäuſern und ertrank ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte.
v. Groß⸗Karben. Bei der vorigen Sonntag dahler ſtattgehabten Delegirten-Verſammlung des Wetterauer Sängerbundes waren ſämmtliche Vereine ſtark vertreten. Nach Begrüßung der Verſammlung ſeitens des 2. Vor⸗ ſitzenden, Lehrer Gundermann in Aſſenheim, ging man zur Beſprechung der Tagesordnung über. Sie betraf die Ordnung des Feſtes, die Direktion des Chorliedes und anderes. Das Feſt findet am 1. und 2. Juli dahter ſtatt. Als Dirigent des Chorlledes fungirt Muſiker Schütz, der Dirigent des Groß Karbener Vereins. Es
werden ſich am Feſte 14 Bundesvereine mit ca. 500
Sängern bethelligen. Falls der Himmel am Feſttage uns freundlich zulächelt, dann ſind wir überzeugt, daß das Feſt zur Zufriedenheit der Feſttheilnehmer ausfallen
fleiſch,
klagter wegen! Verth.: 8½ Uh! meinder und Unt


