Ausgabe 
11.10.1888
 
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die übrige Jagdgesellschaft schon am frühen Morgen aufgebrochen war. Auf 3 Uhr Nach⸗ mittags ist der Jagdschluß festgesetzt. Um 7 Uhr Abends findet Hoftafel statt. In Murzzuschlag werden umfangreiche Vorbereitungen für den Empfang der beiden Monarchen getroffen; der Bahnhof ist reich geschmückt. Kaiser Wilhelm wird von Murzzuschlag über Bruck nach Villach abreisen, wo sich Prinz Heinrich von Preußen dem Kaiser anschließen und denselben auf der weiteren Fahrt begleiten wird. In Pontafel wird ein Generaladjutant des Königs Humbert mit den italienischen Ehrencavalieren den Kaiser im Namen des Königs begrüßen.

8. Okt. Die Kaiserin Friedrich ist mit den Prinzessinnen-Töchtern und dem Kronprinzen von Griechenland begleitet heute Abend hier wieder eingetroffen.

Der Herausgeber derDeutschen Rund schau, Julius Rodenberg, ist hier eingetroffen. Wie dieNat.⸗Ztg. meldet, hat er sich sofort, nachdem ihm von den hiesigen Vorgängen Keunt niß gegeben war, dem Justizminister zur Ver⸗ fügung gestellt.

Der preußische Minister des Innern, Herrfurth, und der Staatssekretär v. Maltzahn sind vom Kaiser zu Bevollmächtigten des Bun desraths ernannt worden.

DieKreuzzeitung erhält aus London die Meldung, daß ein amerikanisches Telegramm an die italienische Polizei gelangt sei, welches die Aufforderung enthält, möglichste Vorsicht während des Besuches des Kaisers Wilhelm zu entfalten, da die interationalen Anarchisten in New⸗Pork eine verdächtige Energie entwickeln.

Das Oktoberheft derDeutschen Rund schau, in welchem die Auszüge aus dem an geblichen Tagebuch Kaiser Friedrichs enthalten sind, ist noch nachträglich confiscirt worden.

München, 8. Oct. Prinz Heinrich von Preußen ist hier eingetroffen und mit dem Brenner⸗Eilzuge weitergereist.

Ausland.

Frankreich. Paris, 7. Oktbr. Präsident Carnot ist gestern Nachmittag 4 Uhr in Lyon eingetroffen und bei seiner Ankunft durch den Maire und den Senator Millaud empfangen worden. Auf dem Stadthause wurde der Prä sident von dem Municipalrathe erwartet. Bei dem ihm zu Ehren am Abend abgehaltenen Banket beantwortete Carnot den auf ihn aus gebrachten Toast des Maire mit einer Ansprache, in welcher er sagte, daß das Vaterland und die Freiheit der Republik stets auf seine Hin gebung zählen könnten, und auf das Beispiel der Stadt Lyon hinwies, welche den Frieden, die Sicherheit und die Einigkeit des Staates so lebhaft wünsche. Dieses Beispiel sei ganz besonders geeignet, dem Lande Vertrauen einzu flößen und den Feinden der Republik ihre Ohn macht zu zeigen.

DerTemps hebt bei Besprechung der Reise des Präsidenten Carnot hervor, demselben sei von keiner Seite der Wunsch nach einer Revision der Verfassung kundgegeben worden. Das Land wolle Frieden und Stabilität im Interesse der Arbeit und denke gar nicht an eine Verfassungsrevision.

Großbritannien. London, 6. Okt. Einer Meldung desBureau Reuter aus Simla zu folge hat der Emir berichtet, seine Truppen hätten Ishak Khan bei Tashkurgan besiegt und die Stadt eingenommen; Ishak Khan befinde sich auf der Flucht.

Italien. Rom, 8. Okt. Das Königspaar und der Kronprinz sind heute aus Monza hier eingetroffen.

Rumänien. Bukarest, 7. Oktbr. Drei Agenten der russenfreundlichen bulgarischen Re volutionspartei wurden gestern beim Betreten des bulgarischen Bodens in Rustschuk verhaftet und nach Sofia abgeführt.

Türkei. Konstantinopel. Der Conflikt zwischen der Pforte und Griechenland ist jetzt ganz beigelegt. Die Pforte hat Griechenland

für die Beschlagnahme griechischer Fischerboote volle Satisfaction und Regulirung der Schwamm⸗

fischerei zugesagt.

Rußland. Petersburg, 8. Oktbr. Das Kaiserpaar mit Gefolge est gestern Morgen in Batum eingetroffen und festlich empfangen und

Grundsteinlegung der orthodozen Khatedrale bei

Aus Stadt und Land.

... t. Groß⸗Karben, 7. Oet. Heute fand bei Gastwirth Iser dahier eine landw. Versammlung der Seetton Vilbel des landw. Bezirksvereins Friedberg statt. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Landwirth⸗ schaftslehrers Dr. Tobisch aus Friedberg über künstliche Düngung, Tief- und Drilleultur. Gegen 4 Uhr wurde die Versammlung durch den Seetlonsvorsitzenden, Ver⸗ walter Stahl von Kloppenheim, eröffnet, indem derselbe die Anwesenden begrüßte und herzlich willkommen hieß. Er drückte sein Bedauern darüber aus, daß die Ver⸗ sammlung insbesondere von der hiesigen Einwohnerschaft selbst nur sehr schwach besucht sel; denn die landw. Ver⸗ sammlungen seten nicht blos für die Pachter und größeren Oekonomen, sondern auch fuͤr die Kleinbauern bestimmt. Und um das Interesse, namentlich bei letzteren, zu erregen, habe man die Einrichtung getroffen, die landw. Ver sammlungen nicht, wie früher, auf dem im Mittelpunkte der Seetlon gelegenen Selzerbrunnen, woselbst man nur immer wieder diealten Kunden zu sehen bekäme, sondern auf den umliegenden Ortschaften selbst abzuhalten. Durch diese Einrichtung werde den für die Landwirthschaft fich Interessirenden der Besuch der Versammlungen sehr er⸗ leichtert. Verwalter Stahl führte weiter aus: Der Staat thue zwar ziemlich viel zur Hebung der Land- wirthschaft, doch könne man nicht alles Heil von dem⸗ selben erwarten; es sei vielmehr Pflicht eines jeden Oekonomen, Interesse an der Hebung der Landwirthschaft zu zeigen und dies durch fleißigen Besuch der landw. Versammlungen zu bekunden. Hierauf erhielt Dr. Tobisch zu seinem schon oben erwähnten Vortrage das Wort. In 1½stündiger Rede wies derselbe auf die großen Vorthelle einer richtigen Düngung, Tlef- und Drilleultur hin. Der Landwirth könne auf diese Weise noch viel zur Ver besserung seiner Lage thun. Redner, der mit großem Geschick seinen wohldurchdachten Vortrag zu Ende geführt, erntete die wohlverdiente Anerkennung. Ferner ergriff Graf Orkola von Büdesheim das Wort. Unter Anderem wieß derselbe auf die großen Vorthetle hin, welche dem Landwirth durch Theilnahme am Vereinswesen, durch Beitritt zu Consumvereinen u. dgl. erwachsen. Hier seien dem Landwirth Mittel geboten, seine Lage zu verbessern, ohne seinen Nebenmenschen zu schädigen. Die Worte des Redners wurden sehr beifällig aufgenommen. Der Vor⸗ sitzende schloß sodann gegen 6 Uhr die Versammlung mit dem Bemerken, daß die nächste im November stattfindende Sectionsversammlung in Vilbel abgehalten werde, in welcher Dr. Tobisch einen Vortrag über Obstbaumzucht zu halten gedenke. Der Vorsitzende wünscht alsdann eine bessere Betheiligung der betreffenden Landwirthe.

Worms, 8. Oct. Der Rhein ist sehr hoch und be droht bereits die Ufer. In Ludwigshafen hatte der Rhein gestern schon die Wege oberhalb der Stadt, die am Fluß hinziehen, überfluthet.

Allerlei.

Homburg, 6. Okt. Während es bereits gestern in den Höhenlagen des Taunus heftig schneste, ging die Temperatur während der Nacht unter Null. Starker Reif und dünne Eiskrusten waren auf exponirten Stellen heute früh in nächster Umgebung bemerkbar.

st. Frankfurt. Zwischen der Intendanz des Frank⸗ furter Opernhauses und der berühmten Sängerin Frau Pauline Lucca, ist eine endgültige Vereinbarung erfolgt, derzufolge die Künstlerin an einem oder zwei Abenden im Frankfurter Opernhause auftreten wird. Das erste Gast⸗Spiel dieses illüstren Gastes findet Dienstag den 16. October statt, für eine eventuelle zweite und letzte Vorstellung ist der 19. Oetober in Aussicht genommen. Frau Pauline Lucca wird am 16. October die Titelpartie in Bizet'sCarmen singen.

Eppstein. Eine von Frankfurt hier angekommene Zigeunerbande wurde gestern Abend verhaftet. Dieselbe stand im Verdachte, ein 3jähriges Kind gestohlen zu haben, auf dessen Auffinden der Vater 500 M. Belohnung aus⸗ gesetzt hat. Das Kind befand sich jedoch nicht in der braunen Gesellschaft, die dadurch immerhin noch nicht von dem auf ihr ruhenden Verdacht frei ist, da weitere Theile der Bande sich in Nachbarorten aufhalten sollen. Die Polizei hat ein scharfes Auge auf die Bande.

Fulda, 5. Oktbr. Die höheren Berge der Rhön zeigen seit gestern beschneite Häupter und auch in ein⸗ zelnen Thälern fiel bereits heuer der erste Schnee.

Lahr, 8. Okt. Seit gestern herrscht im Schwarz- wald und in den Vogesen stellenweise heftiger Schneefall.

Dr. Friedrich Möller.

Am vorigen Samstag haben wir den Realschuldirektor l. P. Dr. Friedrich Möller, in langem Trauerzuge zur letzten Ruhestätte gebracht. Den zahlreichen Freunden und Verehrern des Entschlafenen, sowie den Schülern des selben, seten die nachfolgenden Zeilen gewidmet. Dr. Fr. Möller wurde am 24. Juni 1826 zu Wörrstadt in Rhein⸗ hessen geboren. Seinen ersten Unterricht genoß er in

begrüßt worden. Nach einer Andacht in der liches ö Kirche wohnten der Kaiser und die Kaiserin*

dem

worden war. Jahre lang das Gymnasium zu Darmstadt. Im Herbst 1844

bezog er die Unkversttät Gleßen, um sich dem Studlum

Zu seiner wel⸗

teren Ausbildung begab er sich 1846 nach aa ö t

der orientalischen Sprachen zu widmen.

wo er zugleich als ordentliches Mitglied das phllologis

glied des philologischen Seminars. Einen

amen für Gandidaten des Gymnasiallehramts.

Jahres 1858 wirkte er als provisorischer Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Oppenheim) und wurde von

Realschule zu Biedenkopf versetzt. am Gymnasium zu Gießen ein, in welcher Stellung er schule wurde er im Herbst 1865 ernannt. Schwere

suchten, zwangen ihn, zu Ostern dieses Jahres um Ver⸗ setzung in den Ruhestand zu bitten. stellerische Thätigkeit bewegte sich vornehmlich auf dem

Verstorbene war als Mensch, wie er war als Lehrer und Direktor, das ist in diesen Blättern bei seinem Scheiden

wiederholt zum Ausdruck gekommen. Ein treues und wohlthuendes Bild vom Wesen und Leben des Heimge⸗ gangenen haben auch die belden Redner am Grabe, Dekan Meyer und Reallehrer Opel, gezeichnet. Ein langjähriger ferner Freund und hoher Verehrer Möllers, der auf dem Gebiete der Sprachforschung in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Herausgeber der ZeitschriftReform, Dx. Frikke in Wiesbaden, schrieb auf die ihm zugegangene Trauer⸗ botschaft, er habein dem Verewigten stets einen edlen Menschenfreund, sowie einen hochbegabten Gelehrten ver⸗ ehrt und habe sich glücklich geschätzt, durch herzliche Freundschaft mit demselben verbunden zu sein; sein Hin⸗ scheiden sei für ihn ein großer Verlust, und auch der Verein, dem er angehörte, verliere in Möller eine der bedeutendsten Stützen. Wir aber, die wir dem Ver⸗ storbenen Jahre und Jahrzehnte hindurch näher gestanden, und die wir so innig gewünscht haben, daß ihm nach so wechselvollem, arbeltsreichem Leben vergönnt sein möchte, noch eine Reihe von Jahren in guter Gesundheit und heiterer Muße unter uns zu weilen; wir stimmen schmerzerfüllt in den Ruf ein, mit dem der letzte Sprecher am Grobe seine Rede schloß: Vale! Vale! Vale! Sit tibi terra levis!

*) Es duͤrfte Manchem interessant sein zu erfahren, daß der berühmte Erbauer des neuen Reichstagsgebäudes Wallot, ein geborener Oppenheimer, ein Schüler Möllers war und zwar ein so dankbarer Schüler, wie es wenige gibt; noch bis in die letzte Zeit pflegte Wallot alljährllch seinem vormaligen Lehrer auf Neujahr, gewöhnlich in längerem Schreiben, zu gratultren.

Isratlitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfeier vom 13. Oetober. Beginn: Freitag Abends 4 Uhr 50 Min. Samstag Morgens 8 Uhr 15 Min. Samstag Nachmittags 3 Uhr 30 Min. Sabbathausgang 5 Uhr 55 Min. Wochengottes dienst von Sonntag den 14. Oetober an Morgens 6 Uhr 30 Min., Nachmittags 4 Uhr 30 Min.

Bekanntmachung.

Die am 2. d. Mts. abgehaltene Versteigerung von 600 Malter Eßkartoffeln ist nicht genehmigt und soll die Lieferung

Freitag den 12. d. Mts., Vormittags 11% Uhr, durch schriftliches Angebot vergeben werden.

Die Angebote sind versehen mit der Aufschrift:An⸗ gebot auf Kartoffellieferung bis zu obigem Tage kosten⸗ frei hlerher einzureichen.

Die Bedingungen liegen auf der Geschäftsstube der Direktion zur Einsicht offen.

Marlenschloß den 6. October 1888.

Großherzogliche Landeszuchthaus-Direktion. Bornemann.

3644

2 2 Versteigerung.

Das Gebäude der seitherigen Toupie hollandaise an der Terrassenstraße zu Bad Nauheim, ein einstöcklzer Fachwerksbau, 17,35 Meter lang, 5,75 Meter breit, mit Pappbedachung, soll Donnerstag am 11. Oetober d. J., Vormittags 10 Uhr, im Rathhaussaal an den Meist⸗ bietenden auf Abbruch versteigert werden. Nähere Aus⸗ kunft geben die Eigenthümerinnen der Toupjie, bei welchen auch die Versteigerungsbedingungen zur Einsicht offen, liegen.

Bad⸗ Nauheim den 5. Oetober 1888.

Nidda, wohin sein Vater 1829 als Kreisphyfikus versetzt

Großherzogliches Ortsgericht Bad⸗Nauheim. 3629 Wörner.

Vom 15. Lebensjahre an besuchte er drel

minar besuchte, kehrte indes ein Jahr später nach Gießen und ward hier ebenfalls auf ein Jahr ordent⸗

lan, academischer Lehrer für orientalische werden, gab er auf und unterzog sich den Nach⸗

er 1849 sein Probejahr am Gymnasium zu Gießen absolvirt hatte, ward er Lehrer des Französischen und. Englischen an einem Privatinstitute zu Gelnhausen. Von Herbst 1851 bis Frühjahr 1853 war er Erzieher auf einem adligen Gute im Herzogthum Lauenburg, vom Frühjahr bis Herbst 1854 Lehrer der klassischen Sprachen an einem Privatinstitut zu Jugenheim in Rheinhessen. Vom November desselben Jahres bis zum Schlusse des

da als definitiver erster Lehrer und Dirigent an die Auf Reujahr 1861 trat er als ordentlicher Lehrer der klassischen Sprachen 4 Jahre verblieb. Zum Direktor der Friedberger Real- körperliche Leiden, die ihn in den letzten Jahren heim

Möllers schrift⸗

aus dem Amte und unmittelbar nach seinem Ableben

Gebiete der Sprachkunde und Sprachgeschichte. Wie der

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