der türkische Botschafter Saadulla Pascha gestern dem Grafen Kalnoky eine Convention betreffend den Suezkanal. Unmittelbar danach erhielt Graf Kalnoky seitens der hiesigen Botschafter Frank— reichs und Englands gleiche Mittheilungen.
Belgien. Brüssel, 5. Juli. Der Graf von Paris ist heute von Ems wieder hier ein— getroffen.
Holland. Haag. Das„Berl. Tagbl.“ mel— det von hier: Das von der Regierung vorgelegte Vormundschaftsgesetz bestimmt, daß im Falle des Ablebens des Königs die Königin Emma allein die Vormünderin der minderjährigen Prinzessin von Oranien sein soll; jedoch soll ihr ein seitens der Kammern gewählter Vormundschaftsrath zur Seite stehen. Die einstimmige Annahme des Gesetzes ist unzweifelhaft.
Dänemark. Kopenhagen, 7. Juli. Das sächsische Königspaar traf gestern Abend hier ein. Am Bahnhof wurde dasselbe durch die Mit— glieder des königlichen Hauses, höhere Offiziere, Hof⸗ und Staatsbeamte empfangen. Auf der Fahrt nach dem Absteigequartier Schloß Amalien— burg escortirten Gardehusaren. Heute findet ein Ausflug nach Frederiksborg, morgen ein Diner bei dem König im Schloß Bernstorff, später Thee⸗Gesellschaft bei dem Kronprinzen zu Charlottenlund statt. Am 9. Juli erfolgt die Weiterreise nach Schweden.
Norwegen. Christiana, 6. Juli. Das Storthing beschloß mit 64 gegen 50 Stimmen, das beantragte Mißtrauensvotum gegen das Ministerium nicht zu berathen.
Großbritannien. London, 6. Juli. Die Ordre zur probeweisen Mobilisirung der Flotte ist gestern ergangen.
— Im Oberhaus erklärte Salisbury, daß durch das Abkommen von 1884 der Einfluß Englands und Deutschlands in Sansibar ge— theilt sei. Dieses Abkommen sei das beste Ar— rangement, welches im Interesse der Humanität, der Civilisation und des Handels getroffen wer— den konnte. Salisbury glaubte, Deutschland wünsche ebenso wie England die Beseitigung des Sclavenhandels, und erinnert sich keines Instruments, wonach Deutschland das Thal der großen Seen annektirte. Der Einfluß Englands in Sansibar werde durch das Abkommen mit Deutschland in keiner Weise vermindert. Einige Ansprüche Portugals konnte England nicht an— erkennen, die Unterhandlungen dauerten jedoch noch fort.
— Ein Prozeß O' Donnell's gegen die„Times“, wegen in den Veröffentlichungen über den Mord im Phönixpark in Dublin enthaltenen Verleum— dungen, wurde heute beendet. Die Jury gab ihren Wahrspruch zu Gunsten der„Times“ ab.
Italien. Rom. Die„Tribuna“ hält die Nachricht von der demnächstigen Reise Crispi's nach Deutschland aufrecht.
— Wie es heißt, bereitet der Papst eine Encyklika über die Trennung zwischen Kirche und Staat vor.
— Wie dem„Berl. Tgbl.“ gemeldet wird,
cireulirt hier das auch von der hiesigen Presse verzeichnete Gerücht, Kaiser Wilhelm werde im Laufe des Herbstes den König Humbert in Monza besuchen.
Serbien. Belgrad, 6. Juli. Wie das „Fr. J.“ aus sicherer Quelle vernimmt, haben die Verhandlungen über die Familienverhältnisse des Königs Milan ihren Abschluß dahin ge— funden, daß nach langen Verhandlungen mit dem z. Z. unter der Leitung des Metropoliten von Serbien tagenden Consistorium die Synode die von dem König von Serbien beantragte Ehescheidung gebilligt hat. Der Kriegsminister General Protitsch wurde mit der besonderen Mission beauftragt, der in Wiesbaden weilenden Königin Natalie die von der obersten Kirchen— behörde bestätigte Ehescheidung mitzutheilen und den serbischen Thronfolger in sein Vaterland zu bringen. Die Nachricht von der er— folgten Ehescheidung rief in Belgrad und im ganzen Lande eine große Aufregung hervor. Infolge der Ehescheidung hatte der Minister des Innern, Miatowitsch, seine Demission ein— gereicht. Es ist dem König aber gelungen, Miatowitsch dem Cabinet Christitsch zu erhalten und dadurch vielleicht weiteren Differenzen vor— zubeugen. Kriegsminister Protitsch und der Bischof Dimitry sind zu Verhandlungen mit der Königin Natalie bereits in Wiesbaden einge— troffen. Dem„Fr. J.“ wird jedoch von Wies— baden aus bestimmt versichert, daß die Nachricht von der erfolgten Ehescheidung des Königs Milan und der Königin Natalie irrig ist. Eine Entscheidung in dieser Angelegenheit ist noch nicht getroffen; es finden vielmehr weitere Unterhandlungen statt, welche eine Aussöhnung des königlichen Paares nicht ausschließen.— 8. Juli. Am 25. Juni telegraphirte die Kö— nigin von Wiesbaden aus an den Metropolitan Theodor:„Da die heilige Synode nicht com— petent ist in Ehescheidungsfragen und da diese Procedur allen Gesetzen des Landes zuwider ist, so protestire ich auf das energischste gegen dieses Unrecht und diese Ungesetzlichkeit. Natalie“. Die Königin hat sich geweigert, den Bischof Dimitri zu empfangen und ist derselbe daraufhin heute von Wiesbaden wieder abgereist.
Aus Stadt und Land.
k. Friedberg. Unser Mitbürger Dr. Weckerling hat eine Vorrichtung zum Anrufen einer beliebigen einzelnen Station in einer Reihe von elektrisch mit einander ver— bundenen Statlonen erfunden und sich ein Patent darauf genommen. Hoffentlich gelingt es ihm, dasselbe nun auch zu verwerthen.
Büdingen. Der frühere Landtags-Abgeordnete Schaum zu Herrnhaag, welcher durch den gegen ihn ver— handelten Betrugs-Prozeß in letzter Zeit viel von sich reden machte, ist unter Hinterlassung der Caution von 20,000 Mark flüchtig geworden und wird steckbrieflich ver— folgt. Er soll bekanntlich wegen Verleitung zum Meineid 15 Monate Zuchthaus absitzen.
Alsfeld. Vorigen Mittwoch wurde hier das zehnte evangel. Kirchengesangfest abgehalten. Es wirkten eirea dreihundert Sänger und Sängerinnen aus Oberhessen mit. Seminar⸗Lehrer Schmidt aus Friedberg dirigirte; die Leistungen waren vorzüglich und die Wirkung der Chöre
und Choräle überwältigend. Die höchsten Kirchenbehörden Hessens waren bei der Festlichkelt anwesend.
2 Bensheim. Der Hauptverein der Gustav-Adolf⸗ Stiftung für das Großherzogthum Hessen hält seine 45. Jahres⸗Versammlung hier ab. Das Fest soll zu⸗ gleich eine Gedächtnißfeter der vor 25 Jahren geschehenen Einweihung der Kirche hier sein. Dem Programm ent⸗ nehmen wir: Am 10. Juli Empfang der Gaͤste; Abends 6 Uhr: Vorversammlung des Verwaltungsraths und der offlelellen Deputirten. Geselllge Vereinigung. Am 11. Juli: Festgottesdienst mit felerlichem Zuge in das Gotteshaus. Festprediger: Pfarrer Velte aus Melbach. Gemein sames Mittagessen.
Mainz, 6. Juli. Wegen eines Unglücksfalles in der Martin'schen Badeanstalt, woselbst zwei Frauenzimmer ertranken, ist Seitens der Staatsanwaltschaft gegen die von der Bürgermeisterei eingesetzte Commission, welche vor Eröffnung der Badesaison die Badeanstalt untersucht und Alles in gutem Zustande befunden hat, Anklage wegen Vergehens gegen den§. 222— fahrlässige Tödtung eines Menschen— eingelettet worden. Der betr. Paragraph lautet:„Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Gefängniß bis zu 3 Jahren bestraft. Wenn der Thäter zu der Aufmerksamkeit, welche er aus den Augen setzte, vermöge seines Amtes, Berufes oder Gewerbes besonders verpflichtet war, so kann die Strafe bis auf 5 Jahre erhöht werden“.
O Bingen, 5. Juli. Die seiner Zelt unterbrochenen Vorarbeiten zum Hassiafeste sind nunmehr wieder aufge⸗ nommen worden und sind die einzelnen Commissionen bereits in voller Thätigkeit. Aus dem an sämmtliche Krieger⸗Vereine des Großherzogthums versandten Pro— gramme entnehmen wir das Folgende: Samstag, 14. Juli: Nachmittags 5 Uhr Zusammenkunft der Vereine im Partser Hofe, 5 Uhr Abmarsch nach dem Festplatze, woselbst Militär Concert. Sonntag, 15. Jul: Morgens 6 Uhr Tagesreveille. Empfang der eintreffenden Vereine und Kameraden am Bahnhof und an den Landungsbrücken. 9¼ Uhr Abmarsch in Rüdesheim nach dem National- denkmal; nach Beendigung des Festaktes daselbst Abstieg und Rückfahrt nach Bingen. Um 1 Uhr gemeinsamer Mittagstisch im Partiser Hof. 21/2 Uhr Aufstellung auf dem Rheinqual zum Festzuge durch die Stadt auf den Festplatz. Vor dem Festplatze auf dem Fruchtmarkte Ab⸗ nehmen der Parade durch den Verbandspräsidenten Oberst Gerlach. 4 Uhr: Beginn des Concertes auf dem Fest⸗ platze. Montag, 16. Juli: Tagesreveille: 8 Uhr Aus- flug nach dem Rochusberge und dem Scharlachkopfe; Sammelpunkt:„Englischer Hof“. Frühschoppen auf dem Festplatze. Nachmittags von 4 Uhr an: Militär- Concert, Tanz und Volksbelustigung auf dem Festplatze.
Allerlei.
Köln, 6. Juli. Die„Köln. Ztg.“ meldete s. Z. Fürst Reuß ältere Linle habe 155 1 gebe 805 92 reusischen Landes für ein Kaiser Wilhelmsdenkmal her. Die„Köln. Ztg.“ widerrief zwar später, doch der Fürst verklagte den Redakteur Dr. Schmits wegen Beleidigung. Heute war die Sache vor der Strafkammer anhängig. Der Staatsanwalt beantragte 3 Monat Haft; die Ver⸗ theidigung plaidirte für eine kleine Geldstrafe, erstens wegen geschehenen sofortigen Widerrufs und dann, well die bekannten Gesinnungen des Fürsten Reuß die Mög⸗ lichkeit einer solchen Aeußerung nicht ausgeschlossen hätten. Das Urtheil wird in 8 Tagen gesprochen.
Lissabon, 6. Juli. Der englische Dampfer„New— comen“ fuhr gestern Abend bei Cap Roca die deutsche Bark„Luise“ in den Grund. Die Mannschaft der„Luise“ wurde gerettet.
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Bekanntmachung.
Vom 10. d. Mts. ab wird der jetzt um 1132 von Bad⸗Nauheim fahrende Zug 307 bereits 1180 von dort abgelassen.
Hannover den 4. Juli 1888. 2531 Königliche Eisenbahn-Direktion.
Aufgebotsverfahren.
Den Kindern der in den 1840er Jahren verlebten Stephan Dietz Eheleute von Ober-Mörlen, als: Heinrich Dietz, geboren 1805, Peter Dietz, geboren 1807, Ger⸗ trudis Dietz, geboren 1809, Karl Dietz, geboren 1811 und Conrad Dietz, geboren 1815, ist aus dem Nachlaß ihrer Eltern Vermögen im jetzigen Betrag von etwas über 200 Mark zugefallen. Die Ersteren sind seit länger als 50 Jahren unbekannt wohin ausgewandert und ver⸗ schollen. Auf Antrag ihrer Verwandten
1. Philipp Volter Ehefrau, Marla Anna, geb. Born,
von Ober⸗Mörlen, 2. Johannes Born II. von da, 3. Wendelin Becker III. Ehefrau, Katharina, geb. Born, von Cransberg werden obige Stephan Dietz Kinder und beziehungsweise deren Leibes- oder Testamentserben, sowie etwaige ander⸗
weitige Erbinteressenten aufgefordert, um so gewisser im Aufgebotstermin Mittwoch den 19. September 1888, Vormittags 9 Uhr, ihre Erbrechte an das obenerwähnte, von dem unter— zeichneten Gerichte verwaltete Vermögen geltend zu machen und die Erbschaft anzutreten, als sie sonst für verschollen erklärt, mit ihrem Erbrechte ausgeschlossen und das Ver— mögen den Antragstellern ohne Kaution überwiesen würde. Bad-Nauheim den 25. Juni 1888. Großherzogliches Amtsgericht Bad Nauheim.
Bauer. 5 3 MK Gläubiger-⸗Aufforderung. Ansprüche an den Nachlaß der Jacob Berdel J. Wwe. von Ober-Mörlen sind in 8 Tagen dahier anzumelden, sonst werden sie bei der Nachlaßregulsrung nicht berücksichtigt.
Bad⸗Nauheim den 5. Juli 1888. Großherzogliches Amtsgericht Bad⸗Nauheim.
„ Bauer. 2536 Schũ tz.
Verz. Wassereimer
2545 bei Theis& Mäller.
2534
Holzversteigerung.
Freitag den 13. Juli l. J., Vormittags 10 Uhr, werden in dem Freiherrlich v. Ritter'schen Walde bei Hof Haselheck versteigert: 42/10 Raummeter Eichen⸗Schälknüppel, 3656 Wellen Eichen-Schälreisig und 42/10 Raummeter Eichen⸗Stöcke. Die Zusammenkunft ist im Schälschlag an der Usinger Straße. Friedberg den 6. Juli 1888. In Auftrag der Freiherrlich von Ritter'schen Guts—
Verwaltung zu Rüdesheim. 2520 Heidt.
rbeiter gesucht.
Bei dem Materkalzug der im Bau begriffenen Neben⸗ bahn Stockheim— Gedern finden fleißige Arbeiter gegen hohen Taglohn mehrwöchige Beschäftigung. Meldungen nimmt der Großherzogliche Baumeister Simon in Hirzenhain entgegen. Nidda, 25. Juni 1888.
Großherzogliche Baubehörde für Nebenbahnen. 2421 Stahl.
10 Uhr musikaltischer
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