Grafen Bismarck das Großkreuz des Leopold— Ordens und dem Generallieutenaut Hahnke das Großkreuz des Ordens der eisernen Krone. Kaiser Wilhelm begab sich heute früh 7 Uhr mit dem Kronprinzen Rudolf nach dem Thier— garten bei Lainz, um dort zu pürschen. Von dort begab sich der Kaiser nach dem Lustschloß Schönbrunn, woselbst der heute früh ebenfalls eingetroffene König von Sachsen sowie Prinz Leopold von Bayern bis zu der Nachmittags erfolgten Abreise des Kaisers nach Steiermark Aufenthalt genommen hatten. Der König von Sachsen stattete nach seiner Ankunft dem Kaiser Wilhelm einen Besuch ab, den dieser sofort er— wiederte. Heute Mittag fand in Schönbrunn ein Dejeuner statt, an welchem auch die Kaiserin und die Kronprinzessin theilnahmen. Darauf verabschiedete sich Kaiser Wilhelm und beide Kaiser begaben sich alsdann mit der übrigen fürstlichen Jagdgesellschaft nach Mürzzuschlag.— 6. Okt. Aus Mürzsteg in Steiermark wird berichtet: Die Kaiser Wilhelm und Franz Joseph sowie die hohe Jagdgesellschaft nahmen Vormittags an der Hochwildjagd in der Umgebung Schwarz— bachs Theil. Die Jagd auf Gemsen wurde bis zum Eintritt besserer Witterung, auf welchen bereits morgen gerechnet wird, ausgesetzt, weil infolge des hohen Schnees in den Bergen für die Treiber die Gefahr des Abstürzens vor— handen ist.
— 6 Okt. Graf Herbert Bismarck und der Sectionschef Szögyenyt sind heute Nachmittag in Pest eingetroffen. Zu Ehren des Grafen Bismarck, der bei dem Generalconsul von Plessen abgestiegen ist, findet bei dem Ministerpräsiden— ten Tisza ein Diner statt.
— Die Stadtverordneten genehmigten den Antrag des Ausschusses auf Bewilligung von 500,000 Mark zur Errichtung einer fur Förde— rung der Volkswohlfahrt bestimmten Kaiser Friedrich⸗Stiftung, deren specieller Zweck der Kaiserin Friedrich vorzubehalten sei, desgleichen die Veranstaltung einer Sammlung zur Errich— tung eines Denkmals für Kaiser Friedrich.
— In der Angelegenheit Geffcken schwirren die krausesten Gerüchte durcheinander; thatsäch— lich hat sich Frau Geffcken an den Reichskanzler gewandt, welcher aber auf das Bestimmteste ablehnte, Schritte zu thun, welche den Gang der Untersuchung beeinflussen könnten. Der An— trag auf Entmündigung Geffckens ist von dessen Sohn, welcher Student der Philosophie ist, ge— stellt und durch den Rechtsanwalt Nolte über— reicht worden. Er stützt sich auf das Gutachten von fünf Aerzten. Als Untersuchungsrichter wurde Landrichter Hirschfeld in Berlin bestellt. Das Gerücht über die Freilassung Geffckens ist vollständig unbegründet.
— Gegenüber den englischen Zeitungsnach— richten, daß Admiral Fairfax beauftragt sei, das englische Protektorat über die Savage-Inseln zu proklamiren, bemerkt die„Nordd. Allg. Ztg.“, daß diese Inselgruppe in dem deutsch-englischen Abkommen vom 6. April 1886 als neutral er— klärt ist.
Potsdam, 6. Okt. Die Kaiserin traf mit ihren Söhnen um 4¾ Uhr hier ein und fuhr direkt nach dem Marmorpalais.
Kiel, 6. Oktbr. Die Eröffnungsfeier der neuen Marine-Akademie und Schule fand in der Aula derselben statt. Viceadmiral Blanc übernahm den Prachtbau für die Marine und übergab denselben dem Direktor des Marine— Bildungswesens, Capitän Scheering, welcher darauf einen Rückblik auf die Entwickelung des Marine⸗Bildungswesens gab und mit einem dreifachen begeisterten Hoch auf den Kaiser schloß.
Hamburg, 5. Okt. In dem Soziäalisten— prozeß wurden wegen Theilnahme an einer ge— heimen Verbindung Babst zu einer dreimonat— lichen, Würfel, Fricke, Rohde und Noack zu einer zweimonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt, die übrigen sechs Angeklagten kostenlos freige— sprochen. Die erkannten Strafen sind durch die Untersuchungshaft verbüßt.
Nürnberg. Die Abtheilung Nürnberg des
deutschen Colontalvereins beschloß in einer öffent⸗ lichen Versammlung, für die Emin-Pascha⸗Expe⸗ dition ein Comité zu bilden, dessen Thätigkeit ganz Bayern umfaßt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Das hles. „Fremdenblatt“ sagt anläßlich der beiden Kaiser⸗ toaste: Aus deuselben trete die ganze auf die innersten Empfindungen aufgebaute Festigkeit des Bundes hervor. Die Trinksprüche seien eine Kundgebung von überwältigender Macht, welche den Quaderbau beleuchte, auf welchem der Friede beider Reiche und Europa's ruhe. Beide Monarchen hätten mündlich das vor 9 Jahren geschlossene Bündniß erneuert, jedes einzelne Wort der Monarchen flöße der großen Schöpf— ung neue Kraft ein.
Schweiz. Bern. Da das Gesetz, betreffend die Erfindungspatente, innerhalb der gesetzlichen Einspruchsfrist unbeanstandet geblieben ist, so tritt dasselbe laut Erklärung des Bundesraths am 15. November in Kraft.
Holland. Haag. Die auswärts verbrei— teten Nachrichten über eine Verschlimmerung im Befinden des Königs sind unbegründet, dasselbe war vielmehr in den letzten Tagen ein im All— gemeinen befriedigendes.
Frankreich. Paris. Der Attentäter Garnier, welcher seinerzeit provisorisch in die Irrenanstalt Saint-Anne gebracht worden war, soll nunmehr in das Irrenhaus von Briere transportirt werden.
Großbritannien. London, 6. Okt. Einer Reutermeldung aus Sansibar zufolge verwehrten die Eingeborenen von Kilwa den britischen In— diern die Abfahrt auf des Sultans Schiff „Swordsman“, mit dem Bemerken, dieselben sollten bleiben und ihre Geschaͤfte fortsetzen, Keiner sollte Schaden erleiden. Den Weibern und Kindern wurde die Abreise nicht verwehrt. Die Eingeborenen erklärten, weder die Autorität des Sultans, noch die der Deutschen anzu— erkennen.
Italien. Rom, 5. Okt. Das französische Decret in Bezug auf die Fremden macht hier, als auch gegen Italien gerichtet, den ungünstig— sten Eindruck.— Die französische Regierung soll ihren Botschafter de Mouy angewiesen haben, vor der Ankunft des deutschen Kaisers Wilhelm nach Rom zurückzukehren.
Rumänien. Bukarest, 4. Okt. Der Prinz von Wales ist eingetroffen und wurde vom König, dem gesammten Ministerium, den Gene— ralen und Würdenträgern, der englischen Ge— sandtschaft und dem Bürgermeister empfangen. Die Stadt ist festlich geschmückt.
Serbien. Belgrad. Die Königin Natalie verharrt in ihrer ablehnenden Haltung; sie be— auftragte ihren Vertreter Pirotschanatz, dem Könige und dem Consistorium zu erklaren, daß sie weder die Ehelösung, noch ein Arrangement acceptire; der König müsse nachgeben. Die Kö— nigin verkehrt sehr rege mit der russischen Ge— sandtschaft in Bukarest.
Rußland. Petersburg. Nach einer Mel— dung aus Jekaterinodar vom 3. Oktober zogen die Kubankosaken in feierlicher Weise mit ihren historischen Emblemen vor dem Zaren und dem Thronfolger auf, um denselben, namentlich letz terem als Hetman aller Kosaken, zu huldigen. Später empfing das Kaiserpaar Deputationen von Kosaken und Eingeborenen, welche werth— volle Geschenke, worunter 9 prachtvolle Pferde, darbrachten.
— Das Gesetz, betreffend die Erleichterung der Getreide- und Mehlausfuhr aus den Hafen des Baltischen, Schwarzen und Asow'schen Meeres durch zollfreie Zulassung der dazu erforderlichen ausländischen Säcke ist veröffentlicht worden. Ein weiteres Gesetz gestattet ausländischen Aktien⸗ Gesellschaften, wenn sie in Rußland nur aus— ländische Fabrikate verkaufen und ausländischen Schifffahrts-Compagnien, welche im Verkehr mit Rußland stehen, den Geschäftsbetrieb in Rußland ohne besondere kaiserliche Genehmigung.
Aus Stadt und Land.
Frledberg den 8. Oetober. Für die mit der Bahn fahrenden Schüler der Realschule und des Progymnastums ist, wie wir hören, von Kassel eine höchst bedeutsame und erfreuliche Nachricht eingetroffen, die auch weitere Kreise, insbesondere solche, denen die Erziehung der Jugend am Herzen liegt, interesstren dürfte. Auf eine Eingabe des Lelters der Anstalt, Dr. Curschmann, an die Eisenbahn⸗ Dlrectlon Hannover, hat nämlich das Königliche Elsen⸗ bahn⸗Betriebsamt der Main⸗Weser⸗-Bahn die in Frage kommenden Statsonen angewiesen dafür zu sorgen, daß Schüler und schulpflichtige Kinder, soweit dies möglich ist, in besonderen Wagenabthellen und getrennt von Ex wachsenen befördert werden. Wer da weiß, welch schwere sittliche Schädigungen die empfängliche Kinderseele durch unpassende und garstige Worte und Reden aus dem Munde Mitreisender erleiden kann, der wird es der Königlichen Behörde aufrichtig Dank wissen, daß sie einen von Eltern und Lehrern tlefgefühlten und schon oft ge— äußerten Wunsch so freundlich erfüllt hat.
Friedberg, 8. Oet. Aus dem Garten des neuen Kreisamtes wurde uns heute von Gärtner Gottmann eine schöne Apfelblüthe vorgezeigt.
Offenbach, 4. Oct. Der Gastwirth K. in der Loulsenstraße dahier zahlte am letzten Samstag einem Obsthändler aus einer Gemeinde bei Seligenstadt 156 M. für gellefertes Obst aus, worunter sich vermeintlich ein Hundertmarkschein befand. Später kam K. zur Ueber zeugung, daß er anstatt eines Hundertmarkscheins einen Tausendmarkschein der Frankfurter Bank dem betref⸗ fenden Händler ausgehändigt hatte. Der um 900 M. Geschädigte reiste am Sonntag in begreiflicher Bestürzung zu jenem Geldempfänger, der jedoch bestimmt behauptete, den Schein zu Frankfurt bei einem ihm unbekannten Odenwälder Handelsmann um 100 M. gegen klingende Münze umgewechselt zu haben, da er denselben gleichfalls für einen Hundertmarkschein gehalten hätte. Sache der bereits angerufenen Gerichtsorgane wird es nun sein, den Thatbestand aufzuklären und namentlich den großen Un⸗ bekannten zu ermitteln. Thatsächlich vollzog gestern Vor⸗ mittag die Sellgenstädter Gendarmerte in der Wohnung des fraglichen Händlers auf Reguisition der Darmstädter Staatsanwaltschaft eine Haussuchung, die indessen erfolg⸗ los blieb.
Allerlei.
Bern, 4. Oktbr. Auf sämmtlichen schweizerischen Eisenbahnen, ausgenommen Lausanne⸗Lyß, ist der Per⸗ sonenverkehr wieder aufgenommen. Nach den einlaufen⸗ den Berichten richtete das gestrige Hochwasser an vielen Orten erheblichen Schaden an.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 6. Octbr. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80— 1.00. Eier 2 St. 13 Pf.
Gießen, 6. Oetbr. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.85- 1.05, Eier 1 St. 6 Pf., 2 St. 13 Pf., Käse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 6.50— 0.60, Hühner per Stück M. 0.90— 1.00, Hahnen per Stück M. 0.60— 1.00, Enten per Stück M. 1.30— 1.80. Ochsen-Fleisch per Pfund 60—68 Pf., Kuh und Nind⸗ Fleisch 45—54 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel⸗ Fleisch 54—64 Pf., Kalbfleisch 40— 46 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.00— 7.00, Zwiebeln per Centner M. 4.50—5.50., Weißkraut per Stück 8 Pf.
Frankfurt, 6. Oct. Erbsen ganze per Pfd. 16 bis 20 Pf., do. geschälte 18—22 Pf., Linsen 18—28 Pf. weiße Bohnen 20— 22 Pf., hiesige Kartoffeln per Gescheld 10-12 Pf., krause Endivien 3— 10 Pf., Butter per Pfd. M. 0,90— 1.10, Eier das Stück 6—7 Pf., Salak⸗ böhnchen 50 Pf., Blumenkohl 20— 50 Pf., Kopfsalat per Stück 3—5 Pf., Erbsen per Pfd. 15—20 Pf., grüne Bohnen per Pfd. 15— 20 Pf., Romainsalat 10-15 Pf., Wirsing per St. 6—12 Pf., Zwiebeln per Pfd. 7—9 Pf., Elnmachgurken 100 Stück M. 0.70— 1.20, Gurken 3 bis 4 Pf., Kohlraben per Stück 4— 6 Pf., Carotten das Päckchen 10— 12 Pf., Paradiesäpfel per Pfd. 30 Pf., Weißkraut per Stück 8— 20 Pf., Feldgurken per Stück 3—4 Pf., Rotherüben per Portion 15—30 Pf., Aepfel per Pfd. 20 Pf., Birnen per Pfd. 5—10 Pf., Zwetschen 20—25 Pf., Nuͤsse 100 St. 50 60 Pf., Mauskartoffeln per Gesch. 20—25 Pf., Perlzwiebeln per Liter 50 Pf., kleine Essiggurken 100 Stück 60— 70 Pf., Feldhuhn M.! bis 1,50, Hasen M. 3—4.
Lauterbach. Seit dem 1. Oktober ist zwischen Grebenhain und Herbstein eine tägliche vlersitzige Per- sonenpost eingerichtet worden. Abgang aus Grebenhaln um 3 Uhr 50 Min. Nachmittags, Abgang aus Herbstein 8 Uhr 40 Min. Vormittags.
Literarisches.
Daheim. Die soeben erschienene Nr. 1 enthält: „Daheim“. Zum 25. Jahrgang. Gedicht von Karl Gerock.— Tino Photinus. Roman von Bernhardine Schulze⸗Smidt.— Aus den Werkstätten der Goldschmlede⸗ kunst Pforzheims. Von Dr. Edm. von Freyhold.— Unsere Flotte vor 25 Jahren und jetzt. Von Reinhold Werner.— Kaiser Wilhelm II. und sein Sohn Kron⸗ prinz Wilhelm. Nach dem Bilde von Hans W. Schmidt. — Die zweite englische Revolution. Von Gottlob Egel⸗ haaf. Mit drei Porträts und einer Illustration.— Ein Gefangener. Nach dem Bilde von Otto Pilz.— Am Familientisch: Sinnen und Spinnen von E. Rau. Ge⸗ dicht von Frida Schanz.— Gesundheitsrath.— Hin urd Her.— Aus der Redaktion.— In unserer Spiel⸗ ecke.— Erste Beilage: Aus der Zeit— fur die Zeit. Zweite und dritte Beilage: Frauen⸗Daheim.
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