man mit Recht, die böhere Schule sei keine Kinderbe— wahranstalt, aber damit könnte man doch nur einem An⸗ sinnen der Eltern auf ausnahmsweise Mehrbeschäftigung der Schüler durch die Schule begegnen, während es sich hier doch umgekehrt um den Plan handelt, eine durch besondere locale Verhältnisse und Bedürfnisse zu recht⸗ fertigende Ausnahme von der regelmäßigen Beschäftigung der Schüler einzuführen. Kann schon deßhalb nicht die Praxis der Darmstädter und Gießener Anstalten als Beweismittel gelten, so fällt die Thatsache doppelt ins Gewicht, daß selbst in diesen Orten über die eingeführte Neuerung vielfach geklagt wied, selbst von solchen Eltern, welche sich für den Vorschlag unterzeichnet hatten. Die Furcht vieler Eltern, den Wuͤnschen von Lehrern zuwider erscheinen zu muͤssen ist unbegründet, aber menschlich. Jedenfalls existirt sie, so daß, wenn hier objeettve Wahr⸗ heit gewünscht wird, dies nur durch geheime Stimmen— abgabe erreicht werden kann.
v. Nieder-Weisel. Am 29. August fand dahier die Synode des Dekanats Friedberg statt. Dieselbe wurde durch einen Gottesdienst, zu dem sich auch eine größere Anzahl von Gemeindegliedern eingefunden hatte, eröffnet, bel welchem Pfarrer Hechler von Assenheim die Predigt über I. Cor 1, 28—31 hielt. Nach einem be⸗ grüßenden Worte leitete Dekan Meyer von Friedberg die Verhandlungen ein und trug hierauf den Rechenschafts— bericht vor, der ein im Ganzen erfreuliches Bild von den religiös kirlichen und sittlichen Zuständen des Dekanats entwarf. Pfarrer Schrimpf von Butzbach behandelte so— dann in einem Referate die Frage:„Was kann innerhalb des Dekanates von kirchlicher Seite zur heilsamen An— wendung des neuen Gesetzes vom 9. Juni 1887 über die Unterbringung jugendlicher Uebelthäter und nerwahrloster Kinder geschehen.“ Das Resultat der daran sich an— schließenden Diskussion war die Aunahme einer vom Referenten vorgeschlagenen Resolution, die es den Mit— gliedern der Synode zur Pflicht macht, die Wirksamkeit des Vereins der„Mathildenstiftung“ nach Kräften zu unterstützen— Als weiterer Gegenstand der Tagesord— nung folgte die Wahl des Dekanatsausschusses. Die Wahl des Dekans, die alle Stimmen bis auf eine auf den seitherigen Dekan vereinigte, zeugte von großer Ein— müthigkeit. Durch die übrigen, weniger einmüthigen Wahlen wurden zu Mitgliedern des Dekanats ausschusses ge— wählt, beziehungsweise wiedergewählt: Pfarrer Walz in Bad⸗ Nauheim(als Stellvertreter des Dekans), sowie Pfarrer Schrimpf in Butzbach und die seitherigen weltlichen Mit— glieder: J. Wießler in Butzbach und Gebringer in Bad— Naubeim; zu Ersatzmännern wurden gewählt: Pfarrer
Vigelius in Steinfurth und Büurgermelster Steinhäußer in Friedberg.— Nach Beendigung der Synode vereinigten sich die Synodalen zu einem gemeinsamen Mittagessen, bei welchem Professor Dr. Weiffenbach von Friedberg einen sehr interessanten, dankbar aufgenommenen Bericht über die Verhandlungen der Landes synode in den letzten Jahren erstattete.
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Allerlei.
Dresden, 5. Sept. Es ist starkes Hochwasser ein⸗ getreten. Der Pegel-Stand ist gegenwärtig 2,10 Meter über Null; bis Abends wird ein weiteres Steigen um einen Meter erwartet.
Halle a. d. S., 4. Sept. An der heutigen Haupt⸗ versammlung des Gustav Adolfs-Vereins nahmen mehr als 500 auswärtige Gäste Theil. In 2 Kirchen, welche überfüllt waren, fand gleichzeitig Eröffnungs⸗Gottes⸗ Dienst statt.— 5. Sept. In der heutigen ersten öffent⸗ lichen Versammlung des Gustav Adolf-Vereins wurde von dem Schriftführer v. Criegern ein Bericht erstattet, der eine erfreuliche Steigerung der Vereinsthätigkeit in allen Orten eonstatirt. Die Gesammt-Einnahme betrug über 900,00 Mark, 100,000 Mark mehr als im Vorjahre. Die Zahl der Theilnehmer von auswärts ist seit gestern noch erheblich gestiegen.
Essen. Fuͤr die deutsche Expedition zur Befreiung Emin Pascha's hat Krupp, wie die„Köln. Zeitg.“ er— fährt, die Summe von 50,000 Mark beigesteuert.
Wien, 5. Septbr. Wie die Blätter melden, richtete das Hochwasser große Verheerungen an. In Obernberg, Ried, Waitzenkirchen, Riedau und Pigharting drang das Wasser in die Häuser und überfluthete weite bebaute Landstriche, alle eingeheimsten Feldfrüchte wegschwemmend. Zahlreiche Brücken wurden fortgerissen und der Verkehr an vielen Stellen unterbrochen. Die Ortschaften Schwert— berg und Josefsthal sind besonders hart mitgenommen. Aus Budweis liegen ähnliche Meldungen vor. Der Katser besichtigte die verwüsteten Stadttheile und spendete den Ueberschwemmten 5000 fl. In Preßburg riß das Hoch wasser 11 fruchtbeladene verankerte Schleppschiffe weg.
Paris, 5. Sept. Laut Mittheilung der Eisenbahn— Gesellschaft ereignete sich ein Eisenbahn Unglück gestern Nacht 21, Uhr zwischen Blaisy und Dijon. Der Ex⸗ preßzug Nr. 11, von Paris kommend, entgleiste auf freiem Geleise und machte beide Geleise unfahrbar. Der aus Italien kommende Expreßzug Nr. 276 stieß auf den ent gleisten Zug und entgleiste ebenfalls. Der Locomotlvführer und 8 Reisende des Zuges Nr. 11 wurden getödtet, acht andere Reisende wurden verwundet nach Dijon gebracht.
Rom, 4. Sept. Das itallenische Packetboot„Mattro Bruzzo“ stieß gestern Abend in den Gewässern von Porto Maurizio mit dem französischen Packetboot„Salvador“ zusammen. Das Schicksal des letzteren ist unbekannt. Ersteres erhielt ein großes Leck oberhalb der Wasserlinte. Zwei Passagiere sind todt, einer ist verwundet,
Handel und Verkehr.
Butzbach, 5. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.15—0.00., Käse per Pfd. 40— 45 Pf., Eier 2 Stück 11 P
Frankfurt, 5. Septbr. Wochenmarkt. Erbsen, ganze per Pfd. 12— 16 Pf., do. geschälte 14— 18 Pf., Linsen 18—28 Pf., weiße Bohnen 20—22 Pf., hiesige Kartoffeln per Gescheld 10-12 Pf., krause Endipten 5— 10 Pf., Butter per Pfd. M. 1.15— 1.30, Eler das Stück 5—6 Pf., Radieschen 2 Pf. das Päckchen, Salatböhnchen 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 30—60 Pf., Kopfsalat per Stück 3—5 Pf., Zuckerschoten per Pfd. 18— 20 Pf., neue Erbsen per Pfd. 20— 25 Pf., neue grüne Bohnen per Pfund 6—8 Pf., Romainsalat 10— 20 Pf., neuer Wirsing per Stück 10— 15 Pf., Zwiebeln per Pfd. 7—9 Pf., Einmachgurken 100 Stuck M. 0.70— 1.20, neue Gurken 4— 15 Pf., neue Kohlraben per Stück 5—6 Pf., neue
Carotten das Päckchen 10— 12 Pf., neues Weißkraut
per Stück 10—15 Pf., neue Rotherüben per Portion
15— 20 Pf., Aepfel per Pfd. 20 Pf., Birnen per Pfund
5— 10 Pf., Zwetschen 20—25 Pf., Nüsse 100 Stück
50— 80 Pf., Mauskartoffeln per Gescheid 25 Pf., Melonen
das Stück M. 1—3, Perlzwiebeln per Liter 50 Pf.,
kleine Essiggurken 100 Stück 60— 70 Pf.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg
Ebangelische Gemeinde.
15. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Velte. Gottesdienst in der Stadtkirche.
Vormittags 10½½ Uhr: Herr Candidat Reinhardt. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Gombel. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Dr. Weiffenbach. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Pfarrer Dr. Welffenbach. Katechtsmuslehre.
Katholische Gemeinde. Samstag von 5 Uhr an Beicht. Sonntag Morgen 6 Uhr: Beicht; 7 Uhr: Austhetlung der hl. Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
2 Uhr: Christenlehre und Andacht.
Grasversteigerungen.
Montag den 10. September, Vormittags 10 Uhr anfangend, wird in der Wirthschaft der Frau Höres Wittwe zu Bauernheim das diesjährige Grummetgras von der Markwiese
und
Dienstag den 11. September, Vormittags 9 Uhr be— ginnend, wird das diesjährige Grummetgras von der bei Friedberg gelegenen Seewiese, letzteres an Ort und Stelle, versteigert.
Ober⸗Ros bach, 1. September 1888.
Großherzogliche Oberförsterei Ober Rosbach. 3141 Strack.
Immobiliar-Versteigerung.
Montag den 10. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, soll in hiesigem Rathhaus ein zu dem Nachlasse des Peter Fritz gehörendes Grundstück, 750 qm haltend, in der Schlockergasse gelegen, zum Letztenmale an den Meist— bietenden versteigert werden.
Friedberg den 7. September 1888.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. 3178 Stein häußer.
Pferch⸗Versteigerung.
Mittwoch den 12. September d. J., Vormittags 11 Uhr, sollen auf hlesigem Rathhause 1015 Schaf⸗ pferche öffentlich melstbietend versteigert werden.
Friedberg den 7. September 1888. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg.
Steinhäußer.
Arbeits-Vergebung.
Montag den 10. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, sollen uachstehend verzeichnete Arbeiten und Lieferungen auf dem Rathhause zu Melbach öffentlich vergeben werden:
Dachdeckerarbeit und liefern der Schiefer,
3177
veranschlagt zu 25,00 M., Glaserarbeit 2,80„ Maurer⸗ und Weißbinderarbeit 2000„
Melbach am 6. September 1888. Großherzogliche Bürgermeisterei Melbach.
3182 ahn.
Grummetgras⸗Versteigerung. Montag den 10. d. Mts., Vormittags um 10 Uhr anfangend, soll das Gemeinde-Grummetgras von den Gemeindewiesen an Ort und Stelle versteigert werden. Inheiden den 5. September 1888. Großherzogliche. Inheiden. eltz.
3164.
1 Jagdpulver und Schrote
nebst Zubehör billigst bei Ph. Dan. Kümmich. 3174
Mobiliar-Versteigerung.
Dienstag den 11. September l. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, werden die Mobilien des verstorbenen Georg Hensel II. dahter in dessen Behausung gegen Baar— zahlung versteigert:
3 vollständige Betten mit Bettstellen,
1 Kleiderschrank,
2 Tische, Bänke, Stühle und allerlei Maurerhand—
werkzeug,
2 neue Wanduhren,
1 neuer Kastenschlebkarren und sonstige Haus- und
Küchengeräthschaften. Rödgen am 4. September 1888.
J. A.: Großherzogliches Ortsgericht Rödgen 3146 Luft.
Obst⸗ Versteigerung.
Montag den 10. September, Morgens 9 Uhr, sollen die der Gemeinde Leidhecken gehörigen, sehr gute Honig⸗ birnen, circa 50 Väume, versteigert werden.
Die Zusammenkunft ist im Ort.
Leidhecken den 4. September 1888.
Großherzogliche Bürgermeisterei Leid hecken. 3156 Weil. Verstei 8⸗Anzei Versteigerungs-Anzeige.
Montag den 10. September l. J, Vormittags 9 Uhr anfangend, soll der Nachlaß des verstorbenen Herrn Jlakob Burck in dessen Behausung, Restauration„Zur Windeck“ an der Stadtkirche, bestehend in:
2 Sophas, Tischen, Stühlen, Sesseln, 1 Brandkiste,
2 Glasschränken, 1 Kleiderschrank, Commoden, 2 Seere—
tären, Spiegeln, Weißzeug, Bettwerk, 2 Fenstervorhängen,
2 Uhren, Bildern, Büchern, Teppichen, 1 Badebütte,
Porzellan, Glas, Küchengerätben u dergl. m, öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert werden.
Friedberg am 5. September 1888.
In Auftrag: 182
Nußbaumbohlen,
6 bis 10 em dick, trocken, gradfadig, breit und rein, kauft und erbittet Offerte(H. 62756 k.) I.. Wack, Cassel.
Verloren.
Ein schwerer goldener Ring mit großem ächten Blut⸗ stein ist verloren worden. Der Finder wird gebeten, denselben gegen eine Belohnung bet der Exped. d. Anz. abzugeben. 3159
Hansmann ⸗Kaffee empfiehlt a 130, 140, 150, 160, 180 Pf. per Pfund 3175 Ph. Dan. Kümmich.
„ Möbelmagazin von J. Pfeffer 8 Metzendorf in Friedberg nächst dem Bahnhofe,
große Auswahl aller feineren und gewöhnl. Möbel. Billigste Pretise, reellste Bedienung.
Mobiliar versteigerung
wird Montag den 10. September l. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, auf Antrag der Erben des verstorbenen Herrn Forstmeister Herpel im Hause des Herrn Hrch. Waltz zu Friedberg(gegenüber dem Bahnhof) fortgesetzt und kommen Bettwerk, eine große Parthie Weiß zeug, Kleidungsstücke, 1 Sopha, 1 Kleiderschrank, 1 Brandkiste, 2 Sessel, Tische, Stühle, 1 Regenfaß, 1 Bettlade und sonstige Haus- und Küchengeräthschaften zum Ausgebot. Friedberg im September 1888.
JA. Franz Joseph Nees, 3168 Auctionator.
Filz- u. Seidenhüte, Regenschirme& Spazierstöcke
in größter Auswahl bei
2979 Fritz Schmidt, Kaiserstr.
Corsetten
in großer Auswahl zu billigen Preisen empfiehlt 3096 M. Holler.
Patronenhülsen für Lefauchenx und Centralfeuer äußerst billig bei 3000 Carl Damm, Usagasse.
Kinderwagen und Felocipede 288 bei G. M. Reuß.
Eine frische Sendung eee
Patent- Portlant-Cement
ist wieder eingetroffen. Jean Huber.
3152
Vos die Pre Fr.
Spꝛechssu
E gesucht 3 awer 1½ dahin i eigneten!
Ge. Hoffman Frankfun 860 an Ir. 0 In ku; (Preis 1
93
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in Silbe lark eg.


