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Homberg, 1. Mai. Heute felerte die hiesige Taub⸗ stummenanstalt das Fest ihres 50 jährigen Bestehens.

Dresden, 4. Mai. In der Sicherheits zünderfabrik von Brückner und Zinke in Coͤlln bei Meißen fand heute Nachmittag im Arbeitsraum eine Pulverepplosion statt, durch welche zwei Arbeiterinnen getödtet und mehrere verwundet wurden

Wien. Abgeordneter Schoenerer wurde wegen Ver brechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit und wegen

Wachebeleidigung zu vier Monaten schweren Kerker, zwei Fasttagen monatlich und Adelsverlust verurtheilt. Die Antisemiten spannten den Wagen aus und trugen Schoe nerer im Triumph nach Hause. Seine Vertheidigungs rede schloß Schoenerer mit den Worten, er möchte vor den Kaiser hintreten und ihn bitten, das Volk von dem Judenjoche zu befreien. Der Stenograph Gerstgrasser wurde wegen desselben Perbrechens zu zwelmonatlichem

schwerem Keiker verurtbeilt. In Folge der Straßen

demonstratlon für Schoenerer, wobei die Antisemiten die Wacht am Rhein sangen, wurden vier Verhaftungen vorgenommen.

Wien. Die Ortentbahnlinie nach Salonicht wird am 15. Mai, diejenige nach Konstantinopel Mitte Juni eröffnet werden.

Kopenhagen. Die Eröffnung der Ausstellung ist endgiltig auf den 18. Mat festgesetzt.

Die Beurtheilung des Weggesetzes und seiner Erfolge in der Ausführung hängt zu einem guten Theil ab von der Erkenntniß der finanziellen Wirkungen dieses Gesetzes; diese aber ist im Allgemeinen noch selten und fur den ferner Stehenden schwer zu gewinnen. Bei der größen Bedeutung, welche das Weggesetz gerade für Oberhessen gewonnen hat, habe ich es darum des Versuchs werth gehalten, zunächst für Oberhessen aus den mir zur Ver⸗ fuͤgung stehenden Zahlen ein möglichst übersichtliches Bild jener Wirkungen zu entwerfen. Zur Erläuterung der dafür aufgestellten Tabellen schicke ich Folgendes voraus: Die Leistungen der Provinz aus eigenen Mitteln zur Unterhaltung und Erbauung von Kreisstraßen setzen sich zusammen aus der Hälfte der Unterhaltungskosten und aus rund einem Viertbeil der Neubaukosten aller Kreis straßen; erstere sind in Tabelle II und zwar für 1882/87 nach den Rechnungen, für 1887/89 nach den Voran⸗ schlägen der Provinzialkasse, letztere in Tabelle III aus⸗

Die finanziellen Wirkungen des Weggesetzes.

schließlich nach den Voranschlägen zusammengestellt. Da dtese Leistungen der Provinz aus eigenen Mitteln in der Hauptsache wieder durch einen Ausschlag der Provinz auf die einzelnen Kreise nach deren Steuerkapltal aufge bracht werden müssen, so erhält man den finanziellen Gewinn oder Verlust des einzelnen Kreises, wenn man die Beiträge der Provinz zur Unterhaltung(II) oder zur Erbauung von Kreisstraßen(III) vergleicht mit dem Antheil am Steuerausschlag der Provinz, welchen zu diesem Zweck der einzelne Kreis zu leisten hat. Dieser Antheil läßt sich mit Hilfe der Tabelle J, welche die Vertheilung der gesammten Ausschläge der Provinz auf die einzelnen Kreise seit Inkrafttreten des Weggesetzes anglbt, leicht und ohne nennenswerthe Fehler ermitteln, wenn man annimmt, daß die Beiträge der Provinz nach II und III von den einzelnen Kreisen in demselben Ver⸗ hältniß aufzubringen waren, wie der Gesammtausschlag

in I. Danach ist für die Leistungen der Provinz in II,

III und IV der Antheil der einzelnen Kreise an dem entsprechenden Ausschlag berechnet, und der Unterschled zwischen dem letzteren und der Gesammtleistung der Provinz für den einzelnen Kreis stellt eben den Gewinn oder Verlust des Kreises aus dem betreffenden Theil des Weggesetzes, beziehungsweise daraus dar, daß die Kreise die aus der Unterhaltung und Erbauung ihrer Krelsstraßen erwachsenden Lasten nicht allein, sondern unter ebenmäßiger Heranziehung der Provinz aufzubringen haben. Danach zeigen die folgenden Tabellen in vielfach überraschender Weise, wie bedeutsam gerade diese finan⸗ zielle Seite des Weggesetzes ist, und in welch erheblichem Umfang die auf dem Gebiet der Nachbarschaftsstraßen gewollte Entlastung der Aermeren durch die Reicheren, ebenso wie bezüglich der Landgemeinden durch die Städte, so bezüglich der armen durch die reichen Kreise der Provinz erreicht worden ist.

ö 1

5 ö 0 5 Büͤ⸗ Frled⸗ Lauter⸗ Buͤ⸗ Fried⸗ Lauter⸗ Jaht. Alsfeld. dingen. berg. OGleßen. ö bach. Schotten. Provinz. Jahr. guet dingen. berg. Gießen. hach Selen Provinz. M. M. M. M. M. M. M. M. M. M. M. M. M. M. I. Ausschlag der Provinz auf die Kreise: III. Beiträge der Provinz aus eigenen Mitteln zur Erbauung bon 1882/8 160 0 15024 288060 25435 8713 8050 99070 Kreisstraßen: 1888/1 18019 20783] 40149 36622 11997 11030 138600 9 18480 21215 41300 36316 12244 11245 140800 1882/9 20913 46922 508613 h 13044 e 175871 1885/6 17940 20422 40195 39112 116867 108664 140000 1 00 1886/7 19322 22160 43630 42684 12629 11575 152000 J 1887/8 2402 27747 54349 99505 15741 14576 190000 Ausschlag: 22547 25332 50699, 45284 4482 2072 1888/9 2641 30490 59907 5985 17261 1607 240000 ergsbt fur Fress: 1634 2099007518022 1781 495 188275 157240 1578477 308336 203588 90252 83215 T7070

II. Beiträge der Provinz zur Unterhaltung der Kreisstraßen:

IV. Beiträge der Probinz zur Erbauung und Unterhaltung:

Beiträge in II.. 142888 153638 172356 206522 818740 105569 862847

e bee e e e e e e ee e e e

188% 21313 21935 22500 25755 10104 12155 103762 1 169801 200560 222969 236731 94918 119738 1038718

1885/6 76006 15705 23548 29283 13233 1293 128316 des Kresses am

1886 /? 26956 19708 24154 31912 14373 18852 135955 5

1887/8 25968 23220 29746 34888 15652 20375 149850- Aneschlag: 133189 158188290186 284882 87575 80746 2

1888/9 27200 24708 28875 37623 16107 20843 155356 ergibt für Kress: 30632 T7402 76275FIas 755 T5899 q

. ö 0 N*

12 142888 153638 1728560 206522 81874 105569 862847 dazu V. Beiträge aus dem Staatszuschuß zur Erbauung von des Krelses am Kreisstraßen: Aussschlag: 110622 127226 248530 2366480 72747 67074 1 1882/9 19850 33737 46198 29305 16704 10515, 156309 ergibt für Kress: 32206 T2877 76777 3026 T5917 J+ 38495 ergsöt für Kress: T0482 138 230027 18848 2407 T9505 JCI56300

Danach ergeben die Tabellen für die einzelnen Kreise Folgendes: Durch die Heranziehung der Provinz haben bei der Unterhaltung der Straßen gewonnen Schotten 38,495 M., Alsfeld 32,266 M., Büdingen 26,412 M., Lauterbach 9,127 M.; verloren Friedberg 76,174 M., Gießen 30,126 M., während bei der Er bauung der Kreisstraßen gewonnen haben Bü⸗ dingen 20,990 M., Schotten 495 M.; verloren haben Steßen 18,022 M., Lauterbach 1,784 M., Alsfeld 1,634 M., Friedberg 45 M., sodaß bei Erbauuug und Unter- haltung zusammen gewonnen haben Buͤdingen 47,402 M., Schotten 38,990 M., Alsfeld 30,632 M., Lauterbach 7,343 M., verloren haben Friedberg 76,219 M., Gießen 48,148 M. Der Umstand, daß die Provinz außer ihren eigenen Leistungen zum Neubau von Kreisstraßen auch über den Staatszuschuß verfügt, legt es nahe, die vor liegenden Vergleiche zu erweitern durch Tabelle V, und die danach erfolgte Berechnung von Gewinn und Verlust aus IV, einschließlich der Beiträge aus dem Staatszu⸗ schuß in V, wodurch sich erhöht der Gewinn von dingen auf 81,139 M., Alsfeld auf 50,482 M., Schotten auf 49,590 M., Lauterbach auf 24,047 M. und vermindert der Verlust von Friedberg auf 30,021 M., Gießen auf 18,843 M. Im Allgemeinen zeigen die Tabellen noch Folgendes: 1. Der Schwerpunkt des Gesetzes bei der Heranziehung der Provinz liegt in finanzieller Hinsicht nicht auf dem Gebiet des Straßen baues

(175,871 M. Beitrag aus eigenen Mitteln der Provinz), sondern auf demjenigen der Straßenunterhaltung (862,847 M. Beitrag). 2. Bei richtiger Auswahl und Uebung beim Neubau von Kreisstraßen stehen für die einzelnen Kreise größere Beiträge zur Unterhaltung eines vorhandenen, verhältnißmäßig dichten Straßen⸗ netzes kleinere Beiträge zur Ergänzung desselben durch Neubauten gegenüber, und umgekehrt(Alsfeld, Gleßen und Schotten im Gegensatz zu Friedberg, während dingen bis jetzt beim Neubau unverhältnißmäßig viel, Lauterbach unverhältnißmäßig wenig erhalten hat.) Ab⸗ gesehen von diesen allgemeinen Regeln ist zur Erläute⸗ rung des Ergebnisses noch zu bemerken: 3. Elnerseits wird der Verlust Frledbergs verschärft durch die geringe Ausdehnung der dortigen Krelsstraßen(151 km), der⸗ jenige Gießens gemildert durch deren große Ausdehnung (276 km), während andererseits der kllometrische Unter⸗ haltungsaufwand beider Kreise sich zur Zeit verhält wie 383 M.(Friedberg) zu 273 M. Gießen; bei den Leist⸗ ungen zur Erbauung von Kreisstraßen dagegen ist ein Verlust Friedbergs nach 2. nahezu verschwunden. 3. Eben⸗ mäßlg ist der beträchtliche Gewinn der Kreise Schotten, Alsfeld und Büdingen namentlich durch die Ausdehnung des Straßennetzes(197 resp. 248 und 226 km) in diesen Kreisen veranlaßt, wozu für den Krels Büdingen noch ein namhafter Gewinn aus der Erbauung von Kreis⸗ straßen kommt. 5. Der bei dem kleinen Steuerkapital

des Kreises verhältnißmäßig kleine Gewinn von Lauter⸗ bach ist einerseits veranlaßt durch die geringe Ausdehnung des Straßennetzes(125 km), anderseits durch den ge⸗ ringen Umfang der dort bis jetzt beschlossenen Neubauten; das Verhältniß wäre noch ungünstiger, wenn nicht wenig⸗ stens der, zur raschen Instandsetzung der vorhandenen Kreisstraßen beanspruchte, vergleichsweise hohe kilometrische Ansatz von zur Zeit 257 M. unbeanstandet geblieben wäre. Gegenüber den vlelfachen Angriffen, welchen gerade die im Weggesetz erfolgte Heranziehung und Ver⸗ mittelung der Provinz ausgesetzt war, zeigen abgesehen von allen an deren Gesichtspunkten die obigen vergleichenden Tabellen, von welch' wohlthätiger finanzieller Wirkung schon dieser Schritt gewesen ist; die absolute Höhe der einzelnen Leistungen aber rechtfertigt auch den Schluß, daß eine solche Gesammtleistung nimmer⸗ mehr erzielt worden wäre, wenn dle einzelnen Kreise auf die eigene Kraft und den eigenen Elfer wären angewiesen worden. Lediglich die Entlastung der ärmeren und der Wetteifer aller Kreise im Rahmen der Provinz können diese Ergebnisse erklären, was um so erfreulicher ist, als zwar von mancher Seite uber zu kleine, von keiner aber über zu große Leistungen auf dem Gebiete unseres Kreis⸗ straßenwesens Klage geführt wird, nirgends also etwa in blindem Eifer des Guten zu viel geschehen ist. Gnauth.

Verloosung.

Bayerische Thlr. 100⸗Loose von 1866. Ge⸗ winn⸗Ztehung vom 1. Mai 1888. Heimzahlung am 1. Juni 1888. Nr. 109652 à 300,000 M. Nr. 109289 a 48,000 M. Nr. 53355 18,000 M. Nr. 91520 a 4800 M. Nr. 38504 91649 128639 154963 à 2400 M. Nr. 7996 24004 33202 44290 5717279409 91647 132759 a 1200 M. Nr. 5081 5090 5269 5276 5288 7957 7985 25727 30910 33210 33240 35825 35847 44255 44281 44662 44663 46609 46625 53360 57151 60514 61988 64927 66760 66784 66790 66793 69894 70266 70273 70471 74013 74928 83369 83381 83384 83385 91544 98319 98323 102752 106454 108262 109686 109699 115840 117721 119395 123243 126594 130649 132766 132769 134508 134536 135902 140471 140487 142037 142045 155787 155790 159615 a 600 M. Auf alle übrigen in den am 1. März 1888 gezogenen Serken

enthaltenen und hler nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von je M. 300.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 5. Mal. Buttermarkt. Butter kostete ver Pfd. M. 1.00 1.20. Eler 2 Stück 9 Pf.

Butzbach, 5. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete ver Pfd. M. 1.050.00., Käse per Pfd. 4045 Pf., Eier 1 St. 5 Pf.

Gießen, 5. Mal. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.95 1.00, Eler 1 St. 5, 2 St. 9 Pf., Käse per Stück 49 Pf., Tauben per Paar M. 0.70 0.90, Hühner per Stück M. 0.85 1.00, Hahnen per Stück M. 1.70 2.20, Enten per Stück M. 2.002.50., Ochsen⸗Fleisch per Pfund 5664 Pf., Kuh- und Nind⸗ Fleisch 45 50 Pf., Schweinefleisch 5060 Pf., Hammel⸗ Fleisch 5464 Pf., Kalbfleisch 40 46 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.75 6.00, Zwiebeln per Centner M. 13.00 14.00.

Frankfurt, 4. Mat. Heu⸗ und Strohmarkt. Heu pro 100 Kilo M. 9 9.60, Stroh pro 100 Kilo M. 5 bis M. 5.60, Butter pro 50 Kilo M. M. 95100,

Eier das Hundert M. 44.20, Erbsen 100 Kilo M. 17.50 bis 21.50, do. geschälte M. 20 30, Linsen M. 28 45, welße Bohnen M. 19 23, Mohrrüben 50 Kilo M. 67, Kartoffeln pro 100 Kilo M. 67, neue Malteser Kar⸗ toffeln 50 Kilo M. 1113, Eskarol M. 15- 20, Kopf⸗ salat M. 12 18, französische Radieschen per Pack M. 1.50, frische Aepfel 50 Kils M. 30, franz. Erbsen per Centner M. 50 60, franz. Bohnen per Pfund M. 1.50, Spargeln per Centner M. 60 70.

Frankfurt, 5. Mal. Wochenmarkt. Erbsen ganze per Pfd. 12 16 Pf., do geschälte 1418 Pf., Linsen 18 28 Pf., weiße Bohnen 18 20 Pf., Kartoffeln hundert Kilo M. 6.7., neue Malteser Kartoffel per Pfund 14 bis 16 Pf., Butter per Pfd. M. 1.10 1.30, Eler das Stück 45 Pf., Radieschen 34 Pf. das Päckchen, Römisch Kohl per Portion 50 60 Pf., Blumenkohl per Stück M. 0.601., deutscher Kopfsalat per Stück 14 bis 18 Pf., franz. Zuckerschoten per Pfd. 7080 Pf., En⸗ divien 1830 Pf., Eskarol 1015 Pf., neue Erbsen per

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