Ausgabe 
6.11.1888
 
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selbst war eine Zeit lang fieberkrank. Die Ex⸗ pedition war von 600 auf 250 Mann herabge schmolzen. Stanley hoffte damals Wadelai im Januar zu erreichen. Von da ab fehlt bekannt lich jede Nachricht über die Expedition.

Großbritannien. London. Die englische Regierung soll auf dem Punkte stehen, die Operationen gegen die Sklavenhaͤndler an der ostafrikanischen Küste zu beginnen und die ver schiedenen Missionsvereine benachrichtigt haben, daß es anläßlich dieser Maßregel wünschens werth wäre, wenn alle Europäer die Stationen auf dem Festlande sofort räumten.

Italien. Rom. Die deutsche Regierung hat dem Vatican ihre Unterstützung betreffs der Unterdrückung der Sklaverei in Afrika zugesagt. Cardinal Lavigerie trifft demnächst hier ein, um mit dem Papst die Einzelheiten dieser Ange legenheit zu besprechen.

Türkei. Konstantinopel. Einer Meldung desBerl. Tagbl. von hier zufolge hat die Pforte ein Rundschreiben an die Mächte er⸗ lassen, worin sie versichert, daß alle Gerüchte über eine Allianz zwischen der Türkei und Ruß land unbegründet seien. Die Politik der Pforte habe als Grundlage die Erhaltung des Friedens und der Freundschaft mit allen Regierungen.

Serbien. Belgrad. Die Königin Natalie bereitet, wie es heißt, Proteste mit der Auffor derung, für ihre Rechte einzutreten, an die or⸗ thedoxen Synoden in Bukarest, Athen, Peters burg und das Patriarchat in Konstatinopel vor, wo die Schriftstücke durch persönliche Vertreter übergeben werden sollen, es gilt jedoch als sicher, daß in Bukarest, Athen und Konstantinopel den Protesten wegen Unzuständigkeit keine Folge ge geben wird.

2. Novbr. Gelegentlich der vorgestrigen Illumination warf Jemand aus der Volksmenge mit Steinen nach den Fenstern der österreichischen Gesandtschaft. Die sofort eingeleitete Unter suchung ergab keinerlei demonstrative Absicht, da auch Fenster anderer unbeleuchteter Häuser mit Steinen beworfen worden waren. Der Zwischenfall blieb ohne weitere Folgen, da die Angelegenheit sofort freundschaftlich beigelegt wurde.

3. Nov. Der König eröffnete heute den Verfassungs⸗Ausschuß. Auf Antrag des Königs wurde fast einstimmig beschlossen, nicht die gegenwärtige Verfassung zu revidiren, sondern eine ganz neue auszuarbeiten. Es wurde ein neungliedriges Subcomité(drei Mitglieder aus jeder Partei) gewählt, dessen Sitzungen der König zeitweise präsidirt. Sonst präsidiren die Vicepräsidenten des Ausschusses. Die Sitzungen des Subcomités finden im Magistratssaale, die Plenarsitzungen im Konak statt.

Griechenland. Athen, 1. Nov. Nach dem gestrigen Tedeum fand großer Empfang im königlichen Schlosse statt unter unaufhörlichen Kundgebungen der vor dem Palais versammelten Volksmenge. Die Illumination verlief glänzend.

Rußland. Petersburg. Einem Telegramm desRegierungsboten aus Moskau vom 1. d. zufolge traf das Kaiserpaar dortselbst Nachmit⸗ tags ein und fuhr mit den Kindern in die Kathedrale, um vor dem Iwerschen Mutter gottesbilde eine Andacht zu verrichten. Hierauf begaben sich die Majestäten nach dem Kreml, zu dem Tschdowschen Kloster und der Uspenski Kathedrale. Sodann reiste die kaiserliche Familie nach Gatschina ab. DemGrashdanin zufolge ent gleiste bei dem jüngsten Unfall des Hofzuges, welcher nur 40 Werst in der Stunde lief, zuerst der Wagen des Verkehrsministers, hierauf folgte die Lokomo tive und zertrümmerte die weiteren Waggons. Der Boden des kaiserlichen Wagens wurde heraus gerissen. Die kaiserliche Familie stürzte auf den Bahndamm, wo sie vom Wagendach bedeckt wurde. Der Diener, welcher eben dem Kaiser Kaffee reichte, sowie der Hund des Kaisers

wurden getödtet. Die Großfürstin Olga wurde aus dem Wagen geschleudert und glitt den Bahn damm hinab, blieb jedoch unverletzt, ebenso wie

Minuten unter den Trümmern liegend hervor gezogen wurde.

DerRegierungsbote meldet, daß beim Bahnunfalle der Kaiser an dem Fuße und die Kaiserin an der Hand verwundet wurden, was jedoch dieselben nicht verhinderte, für die Ver⸗ unglückten zu sorgen. Scheremetlew wurde ein Theil eines Fingers abgerissen und die Brust verletzt. Das Hoffräulein Golenitschew wurde am Fuße beschädigt, Daschkow, Wannowski, die Generaladjutanten Danilowitsch und Tscherevin erlitten erhebliche Kontustonen. Stjernwall wurde derart am Fuße verletzt, daß er auf einer Bahre in den Sanitätswagen gebracht werden mußte. Von den Bedienten sind 21 getödtet und 37 verwundet. Der Direktor der kaukasischen Eisen bahnen, Staatsrath Alennikow in Odessa, soll sich erschossen und einen an die Adresse des Zaren gerichteten Brief hinterlassen haben.

Aus Stadt und Land.

7 Friedberg. Wir machen unsere evangelischen Mitbürger einstweilen darauf aufmerksam, daß am Abend des 10. November, als des Geburtstages Dr. Martin Luther's, auf Beschluß des Vorstandes des hiesigen Local⸗ Vereins desEvangelischen Bundes in einem demnächst noch zu bestimmenden Locale eine solenne Feier zu Ehren des Luther Tages und zur dankbaren Erinnerung an den Reformator stattfinden soll, bel der gewiß ein zahlreicher Besuch der Genossen und der Freunde desEvangellschen Bundes erwartet werden darf. Professor Dr. Gottschick von Gießen hat es gütigst übernommen, bei genannter Gelegenheit einen Vortrag über Luther zu halten, und schöne Gesanges Aufführungen unter der bewährten Leitung des Seminarlehrers Schmidt werden die Feierlichkeit er⸗ höhen. Nähere Mittheilungen folgen noch.

2 Friedberg. Die Leser des Oberh. Anzeigers dürfte es auch heute noch interessiren, daß bereits am 13. Oetbr. die feierliche Aufnahme der zu den gebliebenen 7 neu hinzu⸗ gekommenen 13 Candidaten der Theologie in das hiesige Predigerseminar stattfand. Bel dieser Gelegenbeit sprach der Director der Anstalt, Geh. Kirchenrath Dr. Diegel, in sehr eindringlicher Weise über Ev. Lucae Cp. 2, V. 34a, indem er nachwies, wie verantwortungsvoll die Aufgabe des Geistlichen sei, durch Predigt und überhaupt im Amte Jesum Cbristum in der rechten Weise an die Gemeinde heranzubringen, und daß er das nur dann vermöge, wenn er es an sich selber erfahren habe, daß Jesus Christus zum Auferstehen gereicht. Die Namen der Neueingetre⸗ tenen sind: von der Au, Clotz, Fischer, Hoffmann, Horn, Ad. Köhler, Lehr, Möbus, Porth, Reinhardt, Renner, Sack, Wolf. Die Vorlesungen und Uebungen haben am 15. October begonnen.

2 Friedberg. Unser Stadtkirchenbau Verein hat kürzlich sein erstes Legat erhalten, indem die jüngst verstorbene Frau Adam Söllner I. Wittwe dahter in edelster und dankenswerthester Weise demselben 100 M. vermacht hat. Der Wunsch unseres vor einigen Wochen im Anzeiger veröffentlichten Artikels hat somit zum ersten Male seine Erfüllung gefunden, und wir wollen hoffen, daß dieses schöne Beispiel nicht vereinzelt bleiben, sondern zahlreiche Nachfolge finden werde. Der edelen Geberin aber sei herzlicher Dank in ihr Grab nachgerufen!

b. Friedberg. Mit Freuden ergreifen wir die Ge⸗ legenhest, um den Lesern des Anzeigers von einem beab⸗ sichtigten Unternehmen Kenntniß zu geben, das sich ge⸗ wiß allseitiger Zustimmung erfreut. Der Pachter von Windeckers Felsenkeller, Musiklehrer Kruse aus Bad⸗Nau⸗ heim, der uns schon selther mit seinen Kunstleistungen erfreute, beabsichtigt nämlich eine Jugend⸗Kapelle zu gründen. Es können in diese Kapelle anständige Schüler aller Instrumente, mit und ohne musikalischen Vorkenntnissen, mit elterlicher Erlaubniß aufgenommen werden und zwar vom achten Jahre an. Die Uebungsstunden würden, eine genügende Betheiligung vorausgesetzt, an den schul⸗ freien Mittwoch- und Samstagnachmittagen statthaben und würde hlerfür der geringe Betrag von 50 Pf.(für den Schüler und Unterrichtsstunde) erhoben werden. Für die vorgeschritteneren Schüler und Dilettanten würde Mittwoch Abend 8 Uhr Ensemblespiel stattfinden und hierfür von sämmtlichen Schülern pro Stunde M. 2.50 zu zahlen sein. Ein von Eltern und Schülern zu bil⸗ dendes Comité hätte dann die Statuten zu entwerfen und öffentliche Aufführungen anzustreben, womöglich schon zu Weihnachten dieses Jahres. Wir hoffen, daß dem strebsamen Unternebmer sein Vorhaben gelingen möge und wird die Redaktion des Anzeigers ebenso wie Musiker Kruse selbst gerne bereit sein, nähere Auskunft zu geben und Anmeldungen entgegenzunehmen. Theilnehmen könnten sowohl hiesige als auswärtige Knaben und junge Leute. Es sollte uns freuen, wenn das gemeinnützige Unter⸗ nehmen Anklang fände und zu Stande käme.

Allerlei.

Cassel, 31. Okt. Ein tragischer Vorfall wird aus Fritzlar gemeldet. Der Hauptmann Hoffbauer erschoß sich gestern Abend vor dem Abschiedsessen, welches die Offiziere des Artillerie-Regiments anläßlich seiner Ver⸗ setzung nach Königsberg veranstalteten. Die Beweg gründe der That sind unbekannt.

Berlin. Nach einer Bekanntmachung der hiesigen Oberpostdlrektlon sind am 27. Okt. zwei für das hiesige

der Großfürst Michael, welcher nach mehreren

Stadtpostamt bestimmte Briefbeutel, der eine aus Paris,

der andere von der Bahnpost 1, Hannover-Berlin, ge⸗ stohlen und im Spandauer Schifffahrtseanal wleder auf; gefunden worden. DemHamburger Corresp. zufolge wurden die Berliner Postdtebe in Hamburg verhaftet. Der eine nennt sich Bohlmann, helßt aber Schröder und war früher Postassistent bei dem betreffenden Amte, Schröder wollte bel dem Bankhaus Ellas Kalmann (Neuer Wall) die Coupons einlösen. Der Bankler schöpfte aber Verdacht, bestellte Schröder auf eine spätere Zelt und benachrlchtigte die Pollzet, welche Schröder verhaftete. Dessen Compliee wurde im Hötel angetroffen, wie er dle Coupons in einen Koffer verpackte. Die Werthsumme der gestohlenen Papiere ist anscheinend eine sehr bedeutende.

Berlin, 2. Novr. Die heutige Wagenauffahrt der Studenten zu Ehren Gerhardt's und Bergmann's verlief äußerst imposant. Außer der Universität nahmen andere wissenschaftliche Institute, wie die Berg⸗Akademle, dle Thierarzneischule und die Gymnastalverbände Theil. Der Zug umfaßte gegen 60 vier- und zweilspännige Wagen. Die Studenten in Vollwichs und Halbwichs fuhren in einer langen Wagenreihe vor den Wohnungen Gerhardt's und Bergmann's vor, wo Studlosus Loose eine Ansprache hielt. Vor dem Hause des Professors Gerhardt, der gegenwärtig auch das Rektorat der Universität bekleidet, machte der Zug zuerst Halt; eine Deputatson begab sich zu Sr. Magnssicenz und der Führer derselben hielt an den Rektor folgende Ansprache:Einmüthig haben sich die Vertreter der gesammten Studentenschaft unserer Uni⸗ versität heute hier versammelt, um Zeugniß abzulegen von der Liebe und Verehrung, mit der sie ihren Lehrern zugethan ist. Schwere Anschuldigungen sind in jüngster Zeit gegen Eure Magnificenz und Ihren Herrn Collegen, Professor v. Bergmann, erhoben worden und eine schwere Schmach ist dadurch der deutschen Wissenschaft wider⸗ fahren; aber der Verleumder hat sich selbst gerichtet, und in hellerem Lichte als je zuvor strahlt der Ruf unserer deutschen Wissenschaft. Wir, die studirende Jugend der alma mater Berolinensis, die wir in dem unsern Lehrern angethanen Schimpf uns selbst beleidigt fühlten, haben nie an Ihnen gezweifelt und wir freuen uns, daß unser Vertrauen in so glänzender Weise belohnt ist. Und so bitten wir Eure Magnificenz, unsere Huldigung als ein Zeichen unserer unwandelbaren Treue und Hingebung zu unseren hochverehrten Lehrern gütigst entgegennehmen zu wollen.

Berlin. Kaiser und Kanzler sind derK. Ztg. zufolge auf Wunsch des Kaisers während dessen letzter Anwesen⸗ heit in Frledrichsruh gemeinsam photographirt worden.

Görlitz. Auf Anordnung des Staatsanwaltes ist auch hier Mackenzie's Schrift beschlagnahmt worden,

Küsnacht. Im Jahre 1882 wurden hier die Ehe⸗ leute Schultheß ermordet und beraubt. Jetzt erst ist es gelungen, den Thäter ausfindig zu machen. In Buenos⸗ Ayres wurde nämlich vor»Irzem ein Bauernknecht aus Zürich verhaftet, weil er mit dem Küsnachter Morde prahlte. Zwei schweizerische Beamte reisen demnächst über den Ocean, um den Verbrecher heimzuholen.

Paris, 1. Nov. Heute Nacht 1 Uhr 36 Minuten wurde in Digne(Nieder⸗Alpen) ein Erdbeben verspürt. 3. November. In den Kohlen-Gruben von Cam: pagnae(Departement Aveyron) fand elne Exyplosion schlagender Wetter statt. Es heißt, daß 40 Personen getödtet seien; 19 Leichname sind bereits aufgefunden.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 3. Novbr. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.700.80. Eier 1 St. 8 Pf.

Butzbach, 3. Novbr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.800.85., Käse per Pfund 45-46 Pf., Eier 1 Stück 7 Pf.

Gießen, 3. Novbr. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.80 0.83, Eier 1 St. 67 Pf., 2 St. 13 Pf., Käse per St. 48 Pf., Tauben per Paar M. 0.40 0.60, Hühner per Stück M. 0.90 1.00, Hahnen per Stück M. 0.90 1.10, Enten per Stück M. 1.30 1.70, Ochsen-Fleisch per Pfund 60-68 Pf., Kuh- und Rind Fleisch 4554 Pf., Schweinefleisch 5060 Pf., Hammel. Fleisch 5464 Pf., Kalbfleisch 45 50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.00 7.00, Zwiebeln per Centner M. 5.006.00., Weißkraut per Stück 37 Pf., Gänse per Pfund 48 54 Pf.

Frankfurt, 3. Novbr. Wochenmarkt. Erbsen ganze per Pfd. 12 18 Pf., do. geschälte 1418 Pf., Linsen 1828 Pf, weiße Bohnen 16-18 Pf., hiesige Kartoffeln per Gescheid 1012 Pf., krause Endivien 510 Pf., Butter per Pfd. M. 0.90 1.10, Eiter das Stück 6 bis 7 Pf., Radieschen 2 Pf. das Päckchen, Blumenkohl 40 bis 70 Pf., Kopfsalat per Stück 35 Pf., Sellerieköpfe 520 Pf., franz. Sellerie 40 50 Pf., Romainsalat 10-15 Pf., Wirsing per St. 1012 Pf., Zwiebeln per Pfd. 7-9 Pf., Kohlraben per Stück 46 Pf., Carotten das Päckchen 10 12 Pf., Weißkraut per Stück 8 15 Pf., Rotherüben per Portion 2030 Pf., Aepfel per Pfund 15 20 Pf., Birnen per Pfd. 510 Pf., Zwetschen 8 10 Pf., Nusse 100 St. 5060 Pf., Mauskartoffeln per Gescheld 2025 Pf., Perlzwiebeln per Liter 50 Pf., kleine Essiggurken 100 St. 60 70 Pf., Spinat 3050 Pf., weiße Ruͤben 2 Pf., Feldhuhn M. 1.502., Hasen M. 3. 8.70, Gänse das Pfund 70 Pf., Rosenkohl 40 70 Pf., franz. Kopfsalat das Stuck 1215 Pf., Schwarzwurzel 50 bis 70 Pf.

Berloosungen. Braunschweig, 1. November. Serienziehung der Braunschwelgischen 20 Thaler⸗Loose: 312 439 480 848 1427 1485 1560 1581 1895 1902 1911 1916 2239 2451 2530 2551 2646 2916 2958 3166 3498 3848 3922 4691

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