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Beilage.

Oberhessischer Anzeiger.

2 66.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Rechtsanwalt Brentano di Tremezzo in Friedberg wurde für sich und seine ehelichen Nachkommen in den Adelsstand des Großherzogthums erhoben, dem Förster Engel in Kranichstein der Charakter als„Wild-Meister“

verliehen und die Forst-Accessisten Frank zu,

Laubach, Fritz zu Butzbach, Guntrum zu Darm— stadt, Heyer zu Gießen, Hoffmann zu Darm— stadt und Schaͤfer zu Darmstadt zu Forst⸗Asses— soren ernannt.

— 5. Juni. Der Kronprinz von Griechen— land traf gestern Nachmittag, von Heidelberg kommend, auf Station Bickenbach ein, wo der— selbe von dem Großherzog empfangen wurde. Der Kronprinz nahm in Seeheim an der Tafel theil und kehrte Abends nach Heidelberg zurück

Berlin, 4. Juni. Bei dem Kaiser ist der Appetit im Zunehmen begriffen, womit auch eine erfreuliche Hebung der Kräfte verbunden ist.— 4. Juni. Der Kaiser litt Vormittags etwas an Kopfschmerz, der des Nachmittags ziemlich ge— schwunden war, so daß der hohe Herr Nachmittags 6 Uhr mit der Kaiserin eine Ausfahrt von Pots— dam bis vor Bornstädt machte. Darauf ver— weilte der Kaiser noch einige Zeit im Park.— 5. Juni. Der Kaiser hatte eine gute Nacht. Derselbe ist um 10 Uhr aufgestanden und be— gab sich auf die Terrasse. Der Kopfschmerz ist geschwunden. Die„Voss Ztg.“ meldet, daß, wie schon einmal in San Remo, auch in Char— lottenburg Mitte Mai im Halse des Kaisers wildes Fleisch aufgetreten sei, sich aber seit vier bis fünf Tagen wieder im Verfall befinde, so— daß es jedenfalls in einigen Tagen ganz ver— schwunden sein werde.

— Die Nachrichten über Ministerkrisenge— rüchte, auch was einzelne Minister betrifft, be— stätigen sich nach dem Fr. J. nicht. Wenn frei— sinnige Zeitungen die Nichtpublikation des Ge— setzes über die Verlängerung der Legislaturpe— rioden mit der Brandrede Richter's in Verbin— dung bringen, so bemerken wir demgegenüber, daß die Unterzeichnung des Gesetzentwurfs durch den Kaiser in der That am Sonntag, also am Tag, nachdem Richter seine Rede, gehalten, erfolgt ist. — 5. Juni. Die seit einigen Tagen verbreiteten Gerüchte über eine Cabinets-Krisis wegen der Nichtveröffentlichung des Legislaturgesetzes ent— behren dem Vernehmen nach jeder Begründung. Die„Köln. Ztg.“ dementirt officiös ebenso die Nachricht von der Demission des Grafen Stol— berg als Hausminister, resp. dessen Ersatz durch Stosch; letzterer könne überhaupt krankheitshalber eine verantwortliche Stellung nicht annehmen.

— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ bemerkt auläß— lich eines Artikels des„Garaschdanin“, welcher den Vertrag von San Stefano als Ursache von Rußlands unbequemer Lage auf der Balkanhalb— insel bezeichnet, daß zum ersten Male in der russischen Publicistik ein unbefangenes, auf That—

sachen gegründetes Urtheil über die durch Gortscha— kow sanctionirte Thätigkeit Ignatiew's laut wird. Stuttgart, 2. Mai. Großfürst und Groß— fürstin Sergius sind zum Besuche des Königs— paares hier eingetroffen und haben in der Villa Berg Wohnung genommen.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. Das offi ciöse„Fremdenblatt“ bringt einen scharfen Ar— tikel gegen die ungarische Opposition, wegen der neuerlichen Anfragen, welche dieselbe gestern über die Pariser Ausstellungs-Angelegenheit an die ungarische Regierung richtete, und bestätigt die von Wien aus während der letzten Tage ver— breitete Darstellung über die voͤllige Ueberein— stimmung Kalnoky's mit Tisza's erster Rede. Bezüglich der gestrigen Bemerkungen Tisza's wird von autoritativer Seite Gewicht darauf gelegt, daß Tisza nur abermals Gelegenheit nahm, eine Mißdeutung seiner ersten Rede zu— rückzuweisen.

— Die„Amtszeitung“ veröffentlicht einen Beschluß des Finanzministeriums vom 3. d. Mts., wonach die Ausfuhr von Pferden aller Art in das Ausland wieder freigegeben wird.

Pest, 4. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm das Branntweinsteuergesetz in zweiter Lesung an. Morgen findet die 3. Lesung und darauf Schluß

der Session statt.

Belgien. Brüssel, 4. Juni. Während der König heute die Industriestadt La Louvière besuchte, riefen zahlreiche Socialisten:„Es lebe die Republik!“ und sangen die Marseillaise.— Der Graf von Paris ist hier eingetroffen. Sein Besuch bezweckt die Gewinnung des Herzogs von Aumale für die plebiscitäre Bewegung. Der Prätendent reist morgen nach Ems. f

Frankreich. Paris, 4. Juni. Boulanger erschien heute Mittag in der Kammer, begleitet von einigen befreundeten Deputirten. Derselbe brachte einen Antrag, die Revision der Verfassung betr. ein und verlangte das Dringlichkeitsverfahren. Nach der Rede Boulanger's, die zum Schluß von heftigen Zwischenfällen begleitet war, ergriff Floquet das Wort, um die Angriffe gegen die Regierung zurückzuweisen. Die Regierung be— halte sich vor, seiner Zeit eine Vorlage bezüg— lich der Verfassungsrevlfion einzubringen. Bou— langer wolle durch der Antrag nur die Unge— duld seiner Wähler beschwichtigen, da er fürchte, sich den Beinamen eines nichtsthuenden Dictators zuzuziehen. Die Kammer verwarf die Dring— lichkeit mit 377 gegen 186 Stimmen.

— Der Senat genehmigte die Emission der Panama⸗-Obligationen.

Großbritannien. London. Das Unter— haus nahm den Antrag, die Regierung zur Aus— gabe von 2,600,000 Lst. zur Vertheidigung der Häfen und Kohlenstationen zu ermächtigen, mit

1

206 gegen 85 Stimmen an.

Italien. Mailand, 4. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin von Brasilien sind mit vier Aerzten nach Aix-les-Bains in Savoyen abgereist.

Rom. Prinz Amadeus verlobte sich mit der Prinzessin Lätitia Bonaparte, Tochter des Prinzen Napoleon.

Aus Stadt und Land.

r. Friedberg. Den Soltsten des Samson Concerts, 2 Sängerinnen und 3 Sängern, wird die Auf— gabe zufallen, die Einzelpartten des Oratoriums durch— zuführen; es steht mit Sicherheit zu erwarten, daß sie sich derselben auf das Beste entledigen werden. Drei der mitwirkenden Solisten sind uns von früher bekannt: Frl. Meta Buff(Sopran) von Gießen bot uns in dem vor— jährigen Kircheneoneert des Musikvereins schöne Leistungen ihres Könnens; Jacob Geissell(Bariton), Franz Waß⸗ muth(Baß), beide von Hanau, sind zwei Namen, die einen sehr guten Klang bei uns haben und wovon der erste dem Musikverein als Ehrenmitglied und treue viel— bewährte Stütze angehört. Frl. Johanna Pfann müller (Alt) von Darmstadt und Nieola Dörter(Tenor) von Mainz treten zum ersten Male vor unser Publikum; es geht Beiden der Ruf voraus, daß sie neben schöner Stimm- anlage technische Fertigkeit und künstlerische Bildung be— sizen. Der durch Zöglinge des Lehrer-Seminars ver— stärkte Chor, dem es in„Samson“ nicht an Arbeit fehlt, wird mit den übrigen Mitwirkenden wetteifern, das herr— liche Werk Händel's in würdiger Weise wiederzugeben.

i. Groß⸗Karben. Der Artikel aus„Groß-Karben“, die Bezirkslehrerversammlung bei Müller-Marchand betr., bedarf insofern einer Berichtigung, als die Versammlung nicht Samstag den 9. Jult, sondern nächsten Samstag den 9. Juni, Nachmittags 2½ Uhr stattfindet. Zahl⸗ reiche Betheiligung ist sehr erwünscht.

Ober⸗Seibertenrod. Ein gewiß einzig dastehen der Vorfall ist dahier vorgekommen; einem hiesigen Land⸗ wirth gebar eine Kuh 4 todte Kälber: 3 Mutterkälber und 1 Ochsenkalb. Die Kälber waren 9 Wochen zu früh geboren, hatten aver die Größe von ausgetragenen Kälbern. Die Kuh ist Vogelsberger, der Deckbulle Simmenthaler Raee.

Gießen. Am letzten Sonntag zog ein heftiges Ge— witter über unsere Stadt und hat dabei ein Hagelwetter auf dem Höhenstrich zwischen hier und Leihgestern arg gehaust. Im Laubwalde ist der Boden mit abgeschlage— nen Zweigen und Blättern dicht bedeckt. An den Nadel- wäldern lagen in den Gräben noch heute Morgen die angesammelten Hagelkörner mitunter mehrere Centimeter hoch. Während auf der Jenseite nach Leihgestern hin die Felder gar nicht gelitten haben, ist diesseits in der Nähe der Wälder der Roggen vollständig zerschlagen und bis nach der Aktienbraueret hin noch merklich beschädigt.

Allerlei.

Berlin. Eine vor kurzem eingetretene Erkrankung der Fürstin Bismarck war eine sehr ernste. Die Fürstin litt an einer Luftröhrenentzündung und am Samstag vor acht Tagen hatte das Fieber einen so hohen Grad er reicht, daß Prosessor Schweninger es für geboten erach— tete, den Reichskanzler nach Berlin berufen zu lassen. Die in den letzten Tagen eingetretene Besserung ist glück licherweise so anhaltend, daß die Fürstin aus jeder Ge— fahr ist und zeitweilig das Bett verläßt.

Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbath- und Neumondfeier vom 9. Juni 1888. Neumond Tamus.

Beginn: Freitag Abends 7 Uhr 15 Min. Samstag Morgens 8 Uhr. Samstag Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgang 9 Uhr 5 Min.(Neumond.) Wochengottesdienst von Sonntag den 10. Juni an Morgens 6 Uhr, Abends 9 Uhr.

Edietalladung.

Der verstorbene Heinrich Hilgenreiner von Okarben hat folgende in der Gemarkung Okarben gelegenen, auf den Namen„Renneberg, Steuer—

renovator“, im Grundbuch ohne Erwerbtitel einge— tragenen Immobilien: Flur V. Nr. 196 Acker, stößt auf die Wolfskehle, 5 ne, daselbst, „ VIII.„ 82„ stößt auf die Pfingstwelde, VIII.„ 203„ am Riedberg,

* bescheinigtermaßen über 30 Jahre im ungestörten Besitz gehabt und wird von den Erben des Besitzers behauptet, daß ihr Rechtsvorgänger die betreffenden Grundstücke als Elgenthum ehemals erworben habe.

Weiter ist auf den Namen des Heinrich Hilgen— reiner und Ehefrau das in der Gemarkung Okarben gelegene Grundstück:

Flur J. Nr. 178 Grabgarten hinter dem Ort,

mit dem Erwerbtitel Kauf vom 9. Mal 1877 beschränkt g

eingeschrieben und kann bezüglich desselben, obwohl Zahlung des Kaufschillings erfolgt sein soll, der qulttirte Kaufbrief nicht beigebracht werden.

Mit Rücksicht hlerauf werden alle dlejenlgen Personen, welche an die bezeichneten Grunstücke Ansprüche erheben

können, hierdurch aufgefordert, solche innerhalb drei Monaten dahler zur Geltung zu bringen, als sonst das Eigenthum, bezw. die Zahlung des Kaufschllligs als nachgewiesen angenommen und das weiter Erforderliche angeordnet werden wird. Vilbel den 1. Juni 1888. Großherzogliches Amtsgericht.

1 Wegelin.

Oeffentliche Aufforderung.

Ansprüche an den Nachlaß des verstorbenen Martin Abermann von Ober-Mörlen sind binnen 8 Tagen bet unterzeichnetem Gerichte anzumelden, wenn sie bei Regu lirung der Nachlaßverhältnisse berücksichtigt werden sollen.

Bad Nauheim den 31. Mat 1888.

Großherzogliches Amtsgericht Bad-Nauheim. Bauer.

gesucht zur Vesorgung von tüchtigen Arbektern, welche im Pflasterstein-Bruchbetriebe er⸗

fahren sind. Anmeldungen an Rudolf Mosse, Magde⸗ burg, unter V. U. 678 erbeten.(Mag. a. 1245.) 2112

2116 Schütz.

Immobiliar-Versteigerung.

Donnerstag den 7. Juni l. J., Vormittags 11 Uhr, sollen in hiesigem Rathhause die Immobilien des ver— storbenen Franz Weckerling zum dritten und letzten Male an den Meistbtetenden versteigert werden.

Bei entsprechenden Geboten soll die Genehmigung ertheilt werden.

Friedberg den 1. Juni 1888.

Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Steinhäußer.

Arbeits-Vergebung. Für die Gemeinde Ober-Rosbach ist die Her— stellung einer Wasserleitung mit Laufbrunnen de. zu ver⸗— geben, veranschlagt zu ea. 3100 Mark. Offerten nimmt der Unterzeichnete entgegen. Friedberg den 5. Juni 1888.

2083

Zöͤrb, 2180 Bezirksbauaufseher.

Ein Monatmädchen

per sofort gesucht. Bei wem? sagt die Expedition des Anzeigers. 2093