Ausgabe 
4.10.1888
 
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Der Großerzogliche Fiscus beabsichtigt

Friedberg den 2. October 1888.

Sonntag den 7. October, Nachmittags

Tief- und Drillkultur halten wird. Zu dieser Versammlung wer

ergebenst eingeladen.

Bekanntmachung. Betreffend: Die fiscalische Seewiese in der Gemarkung Friedberg, hier deren Verbesserung.

auf der in der Gemarkung Friedberg belegenen Seewiese eine Bewaͤsserungsanlage zu errichten. Wir bringen dies unter dem Hinweise zur öffentlichen Kenntniß, daß Pläne und Beschreibung der Anlage 14 Tage lang, vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet, auf unserer Schreibstube zu Jedermanns Einsicht offenliegen und Frist bei Meidung des Ausschlusses bei uns vorzubringen sind.

Bekanntmachung

Einwendungen gegen die Anlage innerhalb dieser

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

3 Uhr, findet in Groß⸗Karben im Saale des Gastwirths Iser eine Versammlung der Sektion Vilbel des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Friedberg statt, in welcher Landwirthschaftslehrer Dr. Tobisch einen Vortrag über künstliche Düngung,

den nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern alle Freunde der Landwirthschaft

Der Sektionsvorsitzende: Stahl.

Anusschreiben. Um Auskunft über die dermaligen Aufenthaltsorte des Johannes Löwer von Langenstein und des Valentin Zimmer von Nieder Mörlen wird

ersucht.

Der Großherzogliche Amts anwalt: E

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Okt. Der Kaiser ist, wie man demFr. J. schreibt, mit dem Erbgroßherzog von Baden um 4½¼ Uhr in Lindau eingetroffen und wurde bei der Landung von dem Generaldirektor der Eisenbahnen, den Spitzen der Behörden und dem Officiercorps empfangen. Seine Majestät fuhr in dem von der Prinzessin Ludwig ge⸗ sandten Wagen nach dem Bahnhofe, woselbst sich der Erbgroßherzog verabschiedete. Um 4 Uhr reiste der Kaiser nach Kempten weiter. Derselbe wurde überall von dem herbeigeströmten Volke mit endlosem Jubel begrüßt. Die Schiffe im Hafen halten geflaggt, die Straßen waren pracht⸗ voll geschmückt, die Vereine und die Schulen bildeten Spalier. 2. Okt. Der Kaiser ist gestern Abend 9 Uhr unter den Salutschüssen der Geschütze in München eingetroffen und vom Prinzregenten, allen bayerischen Prinzen, den Ministern, der Generalität und den beiden Stadtcollegien am Bahnhofe empfangen worden. Der Kaiser und der Prinzregent umarmten und küßten sich wie derholt. Der Kaiser begrüßte dann die übrigen Auwesenden, erwiederte auf die Ausprache des Oberbürgermeisters, welcher den Willkommen gruß der Stadt überbrachte, etwa Folgendes: Er sei erfreut, Gelegenheit zu haben, die bayrische Hauptstadt zu sehen, die Hauptstadt jenes Lan⸗ des, das in der Geschichte des deutschen Reiches eine so bedeutende Rolle gespielt, dessen Fuͤrsten⸗ haus eines der bedeutendsten sei im deutschen Reiche. Er hoffe die Kraft zu besitzen, um im Geiste seines Großvaters die Geschicke des Reiches zu lenken. Der Kaiser dankte dann noch herzlich für den schönen Empfang und bat, seinen Dank der gesammten Bevölkerung Mün⸗ chens mitzutheilen, wobei er dem Oberbürger meister die Hand reichte und fuhr dann mit dem Prinzregenten in einem Wagen, welchen eine Ehrenescorte der schweren Reiter geleitete, unter unausgesetzten Jubelrufen der dichtgedrängten Volksmassen nach der Residenz. Am Abend fand großer Zapfenstreich vor dem Residenzschlosse statt. Der Kaiser erschien wiederholt neben dem Prinzregenten am offenen Fenster und dankte, stets von begeistertem Jubel begrüßt. Auf dem Residenz⸗Schlosse weht die Kaiser-Standarte. Sämmtliche Zeitungen bringen Fest-⸗Artikel. Nach dem Zapfenstreich fand ein Galadiner statt, woran der Kaiser, sämmtliche Mitglieder

des königlichen und herzoglichen Hauses sowie

Prinz Ernst von Meiningen Theil nahmen. Der Kaiser führte die Königin-Mutter. Die Rundfahrt des Kaisers mit dem Prinzregenten dauerte anderthalb Stunden und erstreckte sich auf die äußeren Stadttheile durch den Aus stellungspark. Es fanden jubelnde Kundgebungen des Publikums statt. Der Kaiser verlieh dem ersten Bürgermeister den Rothen Adlerorden 2. Klasse und dem zweiten Buͤrgermeister den Rothen Adlerorden 3. Klasse. Der Prinzregent verlieh an das Gefolge des Kaisers mehrfache Auszeichnungen. Bei dem Galadiner im Ball⸗ saale erhob sich gegen Ende der Tafel der Prinz⸗ regent und dankte dem Kaiser Wilhelm für den Allerhöchsten Besuch auf's herzlichste, trank auf das Wohl des Kaisers und der Kaiserin Augusta Victoria. Die Musik des Leib⸗Regiments spielte

die preußische Nationalhymne. Der Kaiser er⸗ wiederte sofort mit etwa folgenden Worten: Der Hintritt seines Vaters und Großvaters habe ihm angesichts der schweren Pflichten große Sorgen auferlegt. Wie jedoch 1870 das baye⸗ rische Königshaus und das bayerische Volk hoch⸗ herzig den Impuls zur deutschen Einigung gaben, so sei es der Prinzregent gewesen, welcher bei seinem Regierungsantritt als erster mit hoch⸗ herziger Bundesfreundschaft die Sorgen ihm erleichtern half. Es sei nothwendig für unser Volk, angesichts der großen Aufgaben, welche ihm erwachsen, daß die deutschen Fürsten treu zusammenstehen. Er gelobe hier mit Hohen⸗ zollerntreue dem Prinzregenten und dem baye⸗ rischen Königshause Bundesfreundschaft. Mit dankbarem Hinblick auf den großartigen und herzlichen Empfang fordere er Alle auf, das Glas zu erheben und auf des Prinzregenten Wohl zu trinken.

DieNordd. Allg. Ztg. bemerkt zu der Thatsache des begeisterten Empfanges, der dem Kaiser in Süddeutschland überall zu Theil ge worden:In dieser Thatsache drückt es sich aus, wie fest im Herzen des deutschen Volkes die 1870 begründeten Institutionen des deutschen Reiches und des deutschen Kaiserthums wurzeln. Diese Thatsache bietet nicht nur der Gegenwart schwerwiegende Garantien, sie enthält auch für unsere Zukunft erfreuliche Büͤrgschaften, und dessen dürften sich unsere Freunde mit uns erfreuen.

Der Zeitpunkt für die Vermählung des griechischen Thronerben mit der Prinzessin Sophie ist nach einer derPol. Corr. zugehenden Mit⸗ theilung bisher nicht festgestellt, sie dürfte aber bald nach Ablauf des Trauerjahres für weiland Kaiser Friedrich III. erfolgen.

1. Oktbr. Professor Geffcken hatte am Sonntag vor dem Oberstaatsanwalt in Hamburg ein dreistündiges Verhör zu bestehen, dem heute eine Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter folgen sollte.

Kiel, 1. Okt. Die Kaiserin Friedrich traf heute Abend hier ein. Dem Vernehmen nach wird dieselbe einige Zeit hier verweilen.

Stuttgart, 1. Okt. Der König richtete ein Handschreiben an den Oberbürgermeister Hack, in dem es heißt: Mit besonderer Befriedigung blicke Ich auf die letzten Tage und deren fest⸗ lichen Glanz zurück, womit die Stadt Stuttgart Se. Maj. den deutschen Kaiser beim ersten Be⸗

suche an Meinem Hoflager empfangen hat. Schöner und großartiger denn je war der Will⸗ komm, welchen Schwaben Meinem erhabenen Gaste entgegenbrachte, ein Zeichen, wie Unser

Volk die Verehrung und Zuneigung, welche es für den Großvater und Vater des Kaisers Wil⸗ helm hegte, aus vollem Herzen auf den Enkel und Sohn der verewigten Monarchen über⸗ tragen hat. Die Huldigungen, welche dem Kaiser dargebracht wurden, empfanden Wir, die Königin und Ich, als einen Uns gewordenen Be⸗ weis treuer Anhänglichkeit an Uns. Ich genüge einem Bedürfnisse meines Herzens, indem Ich der Stadt und den Vereinen Meinen gnadigen und wärmsten Dank für ihre in so erhebender Weise

bethätigte Liebe und Treue aus spreche.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 1. Oktbr. Ein Erlaß der Polizeidirektion an die Bewohner der Straßen, die Kaiser Wilhelm bei seiner An⸗ kunft durchfahren wird, ordnet an, daß falls Dekorirungen der Häuser beabsichtigt werden, nur Fahnen in den österreichischen und den ungarsschen, sowie in den deutschen Reichsfarben, dann in den Landesfarben der Kronländer oder in der Wiener Stadtfarbe zu verwenden. Die Anbringung der schwarz⸗ roth goldenen, sogen. deutsch⸗ nationalen Trikolore sei nicht am Platze, daher nicht gestattet.

Dänemark. Kopenhagen, 1. Oct. Der Reichstag wurde ohne Thronrede eröffnet. Das bisherige Präsidium beider Kammern wurde wiedergewählt.

2. Oct. In dem Folkething des Reichs⸗ tags wurde heute vom Finanzminister ein An⸗ trag zu dem Finanzgesetz für das Etatsjahr vom 1. April 1889 bis zum 31. März 1890 vor⸗ gelegt. Die Gesammt⸗ Einnahmen werden da⸗ rin auf 54542043 Kronen, die Ausgaben auf 57884287 Kronen geschätzt, es ergibt sich ald daraus ein Deficit von 3342244 Kronen.

Frankreich. Paris, 1. Oktbr. Minister Goblet hielt bei dem Banket in Friville-⸗Escar⸗ botin bei Abbeville anläßlich der Einweihung einer Schule für Schlosserei eine Rede, worin er bemerkte, es wäre vergebens, zu versuchen, die Unruhen zu leugnen, welchen Frankreich sich ausgesetzt sehe, nachdem die bedauerliche Wahl Boulanger's erfolgt sei, welche unerwartet ge⸗ kommen sei, und die Zukunft bedrohe. Wohin anders könne die Politik Boulanger's führen, als zur Wiederholung irgend eines verabscheu⸗ ungswürdigen Abenteuers. Redner erinnert an Alles, was die Republik für das Land gethan habe; er bestreite nicht, daß Reformen wün⸗ schenswerth seien.

Präsident Carnot unterzeichnete ein Decret, wonach alle Fremden, welche in Frankreich an⸗ sässig sind oder sich ansässig machen wollen, den Ortsbehörden ihre Anwesenheit anzeigen und den Nachweis ihres Namens, ihrer Nationalität, Pro⸗ fession, Existenzmittel, sowie des letzten Wohn⸗

ortes beibringen müssen. Das neue Reglement bezieht sich indessen nur auf Fremde, welche sich

definitiv in Frankreich niederlassen wollen. Das⸗ selbe betrifft keineswegs Fremde, welche sich nur vorübergehend, wegen ihrer Geschäfte, oder zum Vergnügen in Frankreich aufhalten.

Italien. Rom. Der österreichisch-ungarische Geschäftsträger überreichte Crispi die Insignien des ihm vom Kaiser von Oesterreich verliehenen Großkreuzes des Stephanordens nebst einem liebenswürdigen Schreiben Kalnoky's.

Rußland. Petersburg, 1. Oktbr. Das Kaiserpaar, der Großfürst Thronfolger und der Großfürst Georg sind gestern in Wladikawkas eingetroffen.

Aus Stadt und Land. Friedberg. Am 10. Septbr. l. J. fand diesmal ausnahmsweise im Festsaale des Prediger⸗Seminars die feierliche Entlassung von 12 Candldaten der Theologse statt. Geh. Kirchen rath Direktor Dr. Dlegel hielt die warme und sehr erbauliche Entlassungs⸗Ansprache und

ä

erthellte sodann den Scheldenden die Entlassungsurkunden.

Hlerauf sprach im Namen der Abgehenden Candidat