Monarchen auf das herzlichste und begaben sich dann in das Königszimmer, wo die Begrüßung durch die Spitzen der Behörden erfolgte. Auf die Bewillkommnungsansprache des Oberbürger— meisters Georgi erwiederte der Kaiser mit huld— vollen Dankesworten. Die Monarchen verließen darauf den Bahnhof, bestiegen die Hofequipagen und fuhren unter dem brausenden Jubelrufe der unabsehbaren Menschenmenge durch die reichge— schmückten Straßen nach dem Festplatz. Bei herrlichem Wetter fand sodann die Feier der Grundsteinlegung des Reichsgerichtsgebäudes statt. Staatssecretär v. Schelling verlas die Urkunde, der bayerische Gesandte in Berlin, Graf Lerchen— feld, überreichte dem Kaiser die Kelle. Der Kaiser sprach bei den Hammerschlägen die Worte: „Zu Ehren des allmächtigen Gottes, dem Recht zum Schutz.“ Der König von Sachsen sprach: „Gott zur Ehre, dem Reiche zum Ruhm, dem Recht zum Schirm.“ Superintendent Pank, assistirt von einem reformirten und einem katho— lischen Geistlichen, hielt hierauf eine Ansprache. Nach derselben brachte der Präsident des Reichs— gerichts, Simson, nach einer kurzen Ansprache ein Hoch auf den Kaiser aus. Sodann fand Concert im neuen Gewandhaus statt, nach wel— chem um 4 Uhr die Rückreise des Kaisers nach Berlin erfolgte.
Stuttgart, 31. Okt. Der im vorigen Jahre verhaftete Anarchist Etter, ein geborener Württemberger, wurde in der heutigen Landge— richtsverhandlung zu 2½ Jahren Zuchthaus ver— urtheilt wegen Vergehens gegen das Dynamit— gesetz. Die Verhandlung fand bei Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.
Ausland.
Belgien. Brüssel. Die Nachricht von der Ermordung Stanley's wird von dem Emin— Expeditionscomité für unbegründet erklärt.
— Der Herzog von Aumale gründete eine selbstständige, gegen den Grafen von Paris ge— richtete royalistische Partei.
Dänemark. Kopenhagen. Auläßlich des Jubiläums des Königs sind als officielle Besuche angemeldet: Der Großfürst-Thronfolger von Rußland, Prinz Heinrich von Preußen, die Kronprinzen von Oesterreich, Schweden und Griechenland. Auch der Prinz von Wales wird erwartet.
Frankreich. Paris. Die Verfassungsrevi— sions⸗Commission beschloß mit 6 gegen 1 Stimme die Frage, ob die Verfassung zu revidiren sei, zu bejahen und vertagte sich darauf bis nächste Woche.
— Dem„Gaulois“ zufolge stellte General Miribel, vom Kriegsminister zur Auskunft über seine in Nancy gehaltene Rede aufgefordert, in Abrede, die von der Presse ihm zugeschriebenen Aeußerungen gethan zu haben. Miribel soll nämlich darauf getoastet haben, daß er bald in Deutschland einmarschiren werde.
Serbien. Belgrad, 1. November. Ein von dem angesehensten Theile der Belgrader Bevölkerung dem König dargebrachter Fackel— zug ist glänzend verlaufen. Eine unabsehbare Menschenmenge folgte demselben. Der König erschien mit dem Kronprinzen auf dem Balkon des Palais, von begeistertem Zurufen stürmisch begrüßt. Großhändler Pavloitsch begrüßte Na— mens der Bürger den König und dankte fur den die wärmste Fürsorge für das Volk be— kundenden Schritt der Verfassungs-Revision. Er versicherte, alle Parteien würden bei der schwierigen Arbeit der Reviston den König be— geistert unterstüzen. Der König dankte herz— lichst und hob hervor, wie nothwendig die Einig— keit aller Parteien sei. Er versicherte, es sei sein sehnlichster Wunsch, das serbische Volk glück— lich zu machen. Hierzu wolle er alle Kräfte aufbieten, wie ein Mensch, der, selber im Leben unglücklich, darin seinen Trost finde, daß er an— dere zu beglücken suche. Er hege den innigsten Wunsch, dem Vaterlande nützlich zu sein und alles zu thun, was das Glück, die Wohlfahrt und die Größe Serbiens fördern würde.
Griechenland. Athen, 31. Okt. Hun⸗ dertein Kanonenschüsse verkündeten heute Morgen
um 6 Uhr den Beginn der Festlichkeiten anläß⸗ lich des Regierungsjubiläums des Königs. Das Wetter war prächtig. Eine ungeheure Menschen— menge flutete auf den Straßen, die prachtvoll dekorirt sind. Heute Mittag begab sich der König mit sämmtlichen Mitgliedern der könig— lichen Familie und allen zur Jubiläumsfeier ein⸗ getroffenen fremden Fürstlichkeiten zum Tedeum nach der Kathedrale. Auf dem Wege durch die festlich beflaggten Straßen wurde der König von der zahlreichen Volksmenge enthusiastisch begrüßt. Beim Verlassen der Kathedrale hielt der König tiefbewegt eine Ansprache an die Volksmenge, in welcher er sagte, er habe sein Leben der Größe und dem Wohlergehen Griechenlands ge— weiht, das er über alles liebe.
Egypten. Suakim. Die Lage ist unverän⸗ dert. Das feindliche Feuer gewinnt täglich an Genauigkeit; in der Nacht am 27. d. schlugen fünf Granaten in einem der Wasserforts ein und durch das Platzen einer derselben wurden zwei englische Lieutenants, ein egyptischer Offi— cier und vier Kanoniere leicht verwundet. Die Rebellen dehnen ihre Laufgräben fortgesetzt aus.
Rußland. Petersburg. Der Unfall des Hofzuges, in welchem das Kaiserpaar sich be— fand, erfolgte während das Kaiserpaar im Speise— wagen frühstückte. Kriegsminister Wannowski, Graf Scheremetja und Direktor Stjernwald sind leicht verletzt. Außerdem sind dreißig Personen verwundet, siebzehn getödtet und 7 Waggons zersplittert worden. Der dem kaiserlichen Zuge folgende Gepäcktrain wurde nach der Kata— strophe ausgeplündert. Niemand glaubt an einen Zufall, sondern nur an ein wohlvorbereitetes Nihilisten-Attentat, obgleich ein solches officiell natürlich abgeleugnet wird.
Charkow, 1. Nov. Als der Kaiser mit der kaiserlichen Familie gestern Vormittag auf der Durchreise nach Moskau hier anhielt, wurden dieselben von der Bevölkerung mit unbeschreib— licher Begeisterung begrüßt. Die Majestäten besuchten die in den hiesigen Heilanstalten Unter— gebrachten, bei dem Eisenbahnunfall am 29. Okt. verwundeten, Personen der kaiserlichen Begleitung. Die Freude der Bevölkerung, als sie den Kaiser und die Kaiserin wirklich unversehrt sah, äußerte sich in der herzlichsten Weise. Der Kaiser war sichtlich gerührt und sagte, er werde diesen Em— pfang nie vergessen. Unter endlosem Hurrah und feierlichem Gesange der Volksmenge setzte der kaiserliche Zug gegen Mittag die Fahrt fort.
Amerika. New⸗Pork. Der Haß gegen den britischen Gesandten hat folgende Ursache. Durch die Sorglosigkeit des britischen Gesandten in Washington, Lord Sackville, der sich in einem unglücklichen Augenblicke in eine Falle locken ließ, schrieb er an einen naturalisirten Bürger englischer Abkunft, Namens Murchison, wohnhaft in Po— mona, Californien, als Antwort auf ein an ihn gerichtetes Schreiben einen etwas abfälligen Brief über die amerikanische Politik und ist in Folge dieses Lärmes der amerikanischen Presse die Sache zu einer bedeutenden Staatsaffaire aufgebauscht worden. Einer Meldung des Reuter'schen Bu— reaus zufolge übermittelte der amerikanische Ge— sandte in London, Phelps, dem Staatssekretär Bayard die Depeschen, in welchen die Ansichten der amerikanischen Regierung über den Zwischen— fall Sackville auseinandergesetzt werden. Bayard theilte Lord Sackville im Auftrage des Präsi— denten Cleveland mit, daß aus den der eng— lischen Regierung bereits mitgetheilten Gründen sein(Sackville's) ferneres Verbleiben auf seinem Posten für die Regierung der Vereinigten Staa— ten nicht mehr annehmbar und deshalb für die Beziehungen beider Länder nachtheilig sein würde.
Aus Stadt und Land.
Grünberg, 30. Oetbr. Heute Abend wurde nach dem„Gr. A.“ ein junger, kräftiger Mann, der vlerund— dreißigjährige Maurer Schlldwächter, durch eigenes Ver⸗ schulden von einem jähen Tode ereilt. Derselbe steckte in einer Metzgerei einen Fetzen rohes Fleisch mit der Aeußerung„Könnt Ihr denn das auch?“ in den Mund. Das Fleisch, das ein Gewicht von etwa 75 Gramm hatte, blieb im Schlunde stecken und führte nach wenigen Mi⸗
nuten den Erstickungstod herbei.
Offen bach, 31. Oetbr. heute Nachmittag eine Wand an einem Neubau ein; neun Arbeiter trugen dabei Verletzungen und zwar thellweise sehr schwere davon.
Bingen, 31. Oetbr. hlesigen Bahnhofe einem Rottenarbeiter durch eine Rangir⸗ maschine beide Beine abgefahren. Der Zustand des Ver⸗ unglückten, welcher aus Ingelheim stammt, ist hoffnungslos.
Allerlei.
Fulda. Ueber den Brand in Hünfeld lesen wir noch weiter: Verluste an Menschenleben sind, wle schon berschtet, nicht zu beklagen, dagegen hat manches Stück Vieh in den Flammen den Tod gefunden. Zahlreiche Mobilten sind gerettet worden und llegen zerstreut in den Gärten. In den vier verbliebenen Wirthschaften wimmelte es von Menschen; Feuerwehr, Militär und Bürger wog⸗ ten bunt durcheinander. In den Gastzimmern lagen die Menschen auf Tischen, Stühlen und auf dem Boden und schliefen; die Wartesääle im Bahnhof zeigten dasselbe Bild. Die Anfregung im Orte ist natürlich eine unge⸗ heure; man fragt sich tausendmal, was aus den obdach⸗ losen Menschen werden soll, namentlich da der Winter vor der Thür steht, der das Bauen unmöglich macht. In jedem noch unversehrt dastehenden Hause brannte die ganze Nacht Licht und hielt wenigstens Einer Wache. Man befürchtete, und nicht mit Unrecht, das Feuer würde noch weiter um sich greifen. Die Feuerwehr war die ganze Nacht auf dem Brandplatz und die Spritzen ar⸗ beiteten an einzelnen Stellen unaufhörlich. Während der ganzen Nacht stürzten Häuserreste krachend zusammen. Das Bild, welches Hünfeld diese Nacht bot, war ein grauenerregendes; das Unglück ist so groß, daß es jeder Beschreibung spottet. Man muß es gesehen haben, um es vollständig fassen zu können. An Wasser hat es, wie man vielfach anzunehmen scheint, nicht gefehlt. Zwar sollen einzelne Spritzen nicht haben bedient werden können, indeß muß demgegenüber bemerkt werden, daß so viel Spritzen zur Stelle waren, daß sie gar nicht alle in Aktion treten konnten. Das Unglück ist so groß, daß sich die Nächsten- und Menschenllebe regen muß, wenn dem Elend nur einigermaßen gesteuert werden soll. (Zunächst dürften wohl, außer Geldgaben, warme Kleider am meisten nothwendig sein. Wir erklären uns wleder⸗ holt zur Annahme von Gaben bereit. Die Redaetfon.)
Breslau. Wie der„Kreuzztg.“ von hier geschrieben wird, ist die Mackenzie⸗Schrift in Liegnitz neuerdings mit Beschlag belegt worden.
Rom, 31. Okt. In der letzten Nacht brach in einem großen, mit alten Möbeln gefüllten Parterresaale des Qulrinals eine Feuersbrunst aus, welche sämmtliche Gegenstände verzehrte, aber infolge sofortiger Rettungs⸗ arbeiten auf den Saal lokaltsirt blieb. Die Entstehungs⸗ ursache ist unbekannt, der Schaden verhältnißmäßig nicht bedeutend. In dem ausgebrannten Saal scheinen sich Fackeln und Pech befunden zu haben. Der anstoßende Saal enthält das Silberzeug und Bronzen des Hofes im Werthe von einer Million Lire.
Für die Brand ⸗Beschädigten in Hünfeld gingen bereits ein: Von Director Schäfer an der Blinden⸗ Anstalt M. 10., Ungenannt M. 20. Um weitere Gaben wird freundlichst gebeten. Die Redaetion.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg Evangelische Gemeinde. Samstag, 3. November. Stadtkirche, Nachmittags 2 Uhr: Vorbereitungspredigt und Beichte. 23. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Dr. Weiffenbach.
Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 10⅛ Uhr: Herr Pfarrer Velte. Abendmahl. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Cand. Gustav Naumann,
Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Dr. Weiffen bach,
Katholische Gemeinde. Samstag von 4 Uhr an Beicht. Sonntag Morgen 6 Uhr: Beicht; 3/7 Uhr: Austheilung der hl. Communkon. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.
DP 5
Der Trost der Mütter beim Keuchhusten der Kinder. Wer kennt wohl nicht die gefürchtete, epidemische Krank— heit, die mit katarrhalischen Affeetkonen beginnt und pro⸗ gressive in den heftigsten Krampfhusten ausärtet, der Erbrechungen und Blutungen aus Nase und Mund her⸗ vorruft? Der Keuchhusten ist ein Schrecken für die Mütter, eine Marter für die Kinder. Die Wissenschaft hat kein Heilmittel, wohl aber die Natur ein Linderungsmittel, und zwar in den Sodener Mineral⸗Pastillen, die, in warmem Wasser aufgelöst und öfters verabreicht, das beruhigende, das lösende Mittel sind, das diese lang⸗ wierige Krankheit, die zuweilen Lugenentzündung, selbst Schwindsucht im Gefolge hat, in kürzester Zeit lindert. Bedarf es der Weisung mehr für eine vorsorgende Mutter, als daß diese Pastillen, die auf Grund wissenschaftlicher Erprobungen als das diesbezüglich beste, gehaltreichste und heilkräftigste Medleament bezeichnet und empfohlen werden, pro 85 Pf. die Schachtel in allen Apotheken, Droguerten und Mineral-Wasserhandl. zu haben sind. (Beim Einkaufe verlange man nachdrücklichst ächte Sodener Mineral⸗Pastillen und achte, ob deren Schachteln mit ovaler blauer Schlußmarke mit dem Faesimile Ph. Herm. Fay versehen sind.) 3938
In der Waldstraße stürzte
Heute Vormittag wurden im
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