Ausgabe 
3.5.1888
 
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7 Kühl.

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Beilage.

Oberhessischer Anzeiger.

52.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Die Hochzeit des Prinzen Heinrich mit der Prinzessin Irene ist auf unbe stimmte Zeit vertagt worden. Prinz und Prin- zessin Heinrich von Battenberg sind mit ihren Kindern in Jugenheim eingetroffen.

Darmstadt. Der Geometer 1. Kl. Schreiner wurde zum Revisions-Geometer bei dem Kataster Amt ernannt und der Baurath Heim in Mainz, auf Nachsuchen, unter Anerkenyung seiner Dienste, in den Ruhestand versetzt, der Baumeister Rein hardt aus Worms wurde zum Kultur-Ingenieur, der Rechts-Anwalt Dr. Dittmar zu Gießen zum Ministerial-Rath, der Musik-Director Felchner zu Gießen zum Musik-Lehrer bei der Landes Universität, der Sekretariats-Assistent bei der vormaligen Centralstelle für die Landwirthschaft Petri zum Sekretär bei der Oberen landwirth schaftlichen Behörde ernannt und dem Vicepräsi denten i. P. bei dem vormaligen Bezirks-Gericht Mainz Dr. Keller der Charakter alsGeheimer Justizrath verliehen, sowie der Steuer-Aufseher Loos in Mainz, auf Nachsuchen, unter Anerken nung seiner Dienste, in den Ruhestand versetzt.

Berlin, 30. April. Der Kaiser hatte eine ruhige Nacht und ist nahezu fieberfrei. Das All gemeinbefinden ist unverändert. Unter Mitwir kung des Füͤrsten Bismarck und mit Zustimmung der Kaiserin Augusta, des Kronprinzen und der anderen Agnaten ist eine Vereinbarung über die Deckung der Krankheitskosten und behufs Sicher stellung der Kaiserin Victoria und ihrer Töchter getroffen worden. Aus dem preußischen Kron Tresor sollen 16 Million Mark dazu verwendet werden. Der Director der chirurgischen Klinik im Charité Krankenhaus Geh. Rath Bardeleben ist an die Stelle von Bergmann's in der Be handlung des Kaisers getreten. Wie in ärzt lichen Kreisen verlautet, ist die Ersetzung Berg mann's durch Bardeleben auf den Wunsch Berg mann's, von der Theilnahme an der Behand lung des Kaisers enthoben zu werden, erfolgt. Der Kaiser empfing heute Abend um Uhr den Reichskanzler zu einem halbstündigen Vor trag. 1. Mai. Das Befinden des Kaisers ist heute weniger gut als vorher und als man nach dem ziemlich beständigen Fieberabfall der letzten Tage zu hoffen berechtigt war. Das Fieber zeigt seit gestern ein wenn auch geringes Ansteigen und ist heute früh nicht wie früher der normalen Temperatur gewichen. Auch der Schlaf in der letzten Nacht war unruhig und wenig erquickend. In Folge dessen fühlt sich der Kaiser heute etwas matt und angegriffen und ist auch der Appetit gering. Heute Vor

mittag wurde beim Kaiser ein Wechsel der Kanüle für rathsam erachtet und Mackenzie legte im Bei

sein aller Aerzte eine neue Kanüle ein, die nur unwesentlich von der bisherigen abweichen soll.

Der Kaiserin ist von ärztlicher Seite zur Pflicht gemacht worden, die Krankenpflege täg lich mindestens ein Mal zu unterbrechen und täglich sich in frischer Luft zu bewegen. Die Kaiserin ist zwar kräftig und gesund, aber sie greift sich nahezu über ihr physisches Vermögen an, und zu den körperlichen Anstrengungen kommen die Gemüthsaufregungen, die auf die Dauer von schädlicher Wirkung sein müssen. Auch Fürst Bismarck sieht nicht zum Besten aus: er macht gegenwärtig mit seiner blassen Gesichts farbe und seinen hastigen Bewegungen einen leidenden und nervösen Eindruck.

30. April. Der Großherzog und die Großherzogin von Baden haben heute Abend Berlin verlassen.

DieNordd. Allg. Ztg. dementirt die Nachricht, wonach bei der Zusammenkunft des Reichskanzlers mit der Königin Victoria von England die endgiltige Regelung der braun schweigischen Thronfolgefrage einen wesentlichen Theil der Unterredung gebildet haben sollte. Bei der fraglichen Besprechung ist die braun schweigische Frage mit keinem Worte auch nur gestreift worden.

Am 28. ds. wurde ein Vertrag zwischen dem Sultan Chalifa von Sansibar und dem kaiserlichen General-Consul Michahelles unter zeichnet, wonach die gesammte Verwaltung ein schließlich der Zölle in dem Küstenstriche, welcher vor der deutschen Interessensphäre liegt, der Deutsch ostafrikanischen Gesellschaft auf die Dauer von 50 Jahren verpachtet wird.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 30. April. Der frühere ungarische Finanz-Minister Graf Szapary soll Minister des Innern in Ungarn werden. Ueber die gestrige gemeinsame Minister Couferenz verlautet, Graf Kalnoky habe ein Ex posé über die europäische Situation gegeben, welches, ohne daß es eine Kriegs-Gefahr con statirte, doch einen erusten Eindruck machte. Der von den Delegationen zu verlangende außeror dentliche Credit wird 54 Million betragen.

30. April. Im Abgeordnetenhaus stand heute der Antrag Liechtenstein, betreffend die confessionelle Schule, zur Berathung. Der Ab geordnete Krzepek rief in seiner Rede den Radi kalen und Antisemiten unter der jubelnden Zu stimmung der gesammten Linken zu: Ihr Be ginnen ist die Corruption des Wissens; das deutsch-böhmische Volk ist zum Aeußersten ent schlossen, wenn Sie den Antrag annehmen. Wir hoffen, daß der Kaiser eingreifen wird, wenn

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die Gefahr erscheint, daß uns die geistigen Güter geraubt werden. Stürmischer Beifall der Linken folgte diesen Worten.

Frankreich. Toulouse, 30. April. Gestern Abend wurde vor dem Clubhaus der Studirenden in Toulouse abermals eine boulangistische Kund gebung veranstaltet, doch kamen in Folge behörd licher Maßregeln keine ernsteren Zwischenfälle vor⸗

Großbritannten. London. Es verlautet, Graf Karolyi beabsichtige seinen Posten als öster reichisch-ungarischer Botschafter am Hofe von St. James, den er seit dem Rücktritt des Grafen Beust vor zehn Jahren bekleidet, niederzulegen. Der Graf ist Doyen des diplomatischen Corps in London.

Italien. Rom, 30. April. Nach dem Grünbuche über Afrika verlangte die Regierung in den Friedensverhandlungen mit dem Negus die Anerkennung des Protektorats über Assaorta und Habab; ferner den unbestrittenen Besitz Sa hatis, Uaas und der Gebietszone im Umkreise eines Tages-Marsches. Ghinda solle den Abes syniern, das Ailet-Thal den Italienern gehören; später solle ein Freundschafts- und Handels-Ver⸗ trag abgeschlossen werden. Der Negus machte keine Gegenvorschläge.

Den Kammern ist gestern das Grünbuch über Massauah zugegangen, welches 236 Schrift stücke umfaßt und über die Verhandlungen vom 29. Okt. 1884 bis 4. April 1888 Bericht gibt.

Türkei. Konstantinopel. Die türkischen Be hörden haben kürzlich ein kleines Schiff, welches mit zehn Griechen an Bord, bei Cassandra landete, mit Beschlag belegt und die genannten zehn Per sonen verhaftet, da gegen dieselben der Verdacht vorlag, daß sie sich zu Agitationszwecken nach Macedonien begeben wollten.

Die Truppensendungen nach der ostrume lischen und macedonischen Grenze dauern fort. Auch hat der Ministerrath in Erwägung ge zogen, die Besatzung auf Kreta zu verstärken, um die Unruhestifter kräftigst niederhalten zu können.

Rußland. Riga. Aus den russischen Ost seeprovinzen werden Meldungen laut, welche das Vorgehen der russischen Behörden gegen die an den Rechten und Gebräuchen der protestantischen Kirche festhaltenden und dem Eindringen des Orthodoxismus standhaft entgegentretenden Pasto ren als äußerst rigoros erscheinen lassen. Es werden Ausweisungen ohne gerichtliche Urtheile, nur auf Grund administrativer Erkenntnisse decretirt und sofort in Vollzug gesetzt. Diesen Maßnahmen erlagen bereits drei protestantische Pastoren aus den Ostseeprovinzen, namentlich Holst, Dobner und Christoph, welche aus dem Lande ausgewiesen und in Astrachan, Saratow und im Gouvernement Archangelsk internirt wurden.

Arbeits-Vergebung.

Die zur Herstellung von Gossenpflaster nöthigen Ar

beiten und Lieferungen sollen Samstag den 5. d. Mts., Nachmittags um 5 Uhr, auf dem Rathhause zu Ockstadt öffentlich in Accord gegeben werden:

Pflasterarbett, veranschlagt zu M. 200., Sandlieferung 126. Anfahren von Pflastersteinen5 Aufsetzen von Pflastersteinen 3 6 Friedberg den 1. Mat 1888. Zörb, 1723 Bezirks bauaufseher.

Arbeits⸗Vergebung. Samstag den 5. d. Mts., Nachmittags um 1 Uhr, werden auf dem Gemeindehaus zu Melbach die nachver

zeichneten Arbeiten und Lieferungen öffentlich in Accord

gegeben: Maurerarbeit, veranschlagt zu M. 28.50, Stelnhauerarbeit aus Rockenberger Sandstein 1% 50, Pflasterarbeit 87., Pflastersandlieferung 42., Pflastersteinlleferung 63., Zerschlagen von Basaltsteinen 70. Frlebberg den 1. Mal 1888. Zörb, 1724 Bezirksbauaufseher.

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. 0 * Holzversteigerung. Mittwoch den 9. Mai d. J., Vormittags 10 Uhr, kommt in dem Cleeberger Markwald, Distrikt Burgberg Ab, nachstehendes Holz zur Versteigerung: 86 Stück Eichenstämme von 15,0 Festmeter,

61 Eichen Derbstangen, 22 Nadelholzstämme von 5,0 Festmeter, 20 Nadelholz-Derbstangen,

16 Raummeter Eichen Scheit- und Knüppel, 5 Buchen⸗ Stück Eichen⸗Wellen, Buchen⸗ 387 Raummeter Buchen-Stockholz, Das Holz liegt unmittelbar an dem Vieinalweg, welcher von Espa nach Bodenrod führt. Der Anfang geschleht bei Nr. 592 des Stamm holzes. Cleeberg den 26. April 1888. Der Bürgermelster 1706 Keil.

Mitiwoch den 9. Mal l. J., Vormittags 11 Uhr, soll die Herstellung von Trottolrpflaster mit Materkal lieferung für die Gemeinde Vilbel, veranschlagt zu 880 M., auf dem hlesigen Rathhause an den Wenigstnehmenden in Accord gegeben werden.

Vilbel den 1. Mat 1888.

Großherzogliche Bürgermeisterei Vilbel. Hinkel.

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Holzversteigerung.

Die am 23. April im Hausener Gemeindewald abge haltene Holzversteigerung hat die Genehmigung nicht erhalten und soll das Holz anderweit Montag den 27. Mai unter denselben Bedingungen nochmals versteigert werden.

Hausen den 30. April 1888.

Großherzogliche Bürgermeisteret Hausen. 1731 Häuser. *** 8 95 U Mobiliar⸗Versteigerung.

Donnerstag den 3. Mai l. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, werden in der Behausung der Frau Major Römheld Wittwe wegzugshalber 1 Sopha, 2 Bettstellen mit Matratzen, 2 Nachttlschchen, 1 kl. Bettlade, Tische, kl. Schränke, kl. Sopha und 12 Stühle, 1 Meßgeräth, Gartentisch, Gartenbänke ꝛc. ꝛe., 1 runder Tisch, Pterers Lexikon, Bucher, Bilder, Gewehr, Flinte, Säbel, 2 Offizter Revolver neuesten Systems, Porzellan, Nippsachen, 1 Oleanderstock, 1 Fahne und 1 Badewanne, sowie allerlei Haus- und Küchengeräthschaften versteigert.

N

Friedberg im April 1888. N A. Franz Joseph Nees, 1684 Auettonator.

Ein braver Junge kann in die Lehre treten bet

1620 Friedberg. Ch. Cordes, Schreiner.