Ausgabe 
27.1.1887
 
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Monopolen oder eine Veränderung des Wahl rechts. Das Wahlcompromiß der National liberalen mit den Conservativen sei nichts anderes als ein Appell an die Einsicht und den Patriotismus des Volkes. Windthorst weist die Behauptung zurück, daß durch das Zusam mengehen des Centrums mit den Deutsch Frei sinnigen irgend welche Identität mit diesen be dingt sei; ebenso wenig bestehe eine Identität des Centrums mit den Socialisten. Der Ver such, den Papst gegen das Centrum zu beein flussen, werde erfolglos sein; der Papst mische sich niemals in die inneren Angelegenheiten der Länder und Parteien. Freiherr v. Minnigerode betont, daß das Ansehen des Reichs im Aus lande durch den Reichstagsbeschluß herabgesetzt werde. Land werde dem Reichskanzler folgen der Devisefest und durch.

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Unter

Cremer sprach sich gegen das Verhalten der! Reichstagsmehrheit aus.

Rintelen bekämpft die derselben gemachten Vorwürfe. Der Etat des Auswärtigen Amtes, sowie eine ganze Reihe anderer kleiner Etats wird hierauf ohne erheb liche Debatte genehmigt.

24. Jan. An der hiesigen Börse circuliren heute Mittheilungen, daß dieDaily News einen Artikel enthalten, welcher nur in dem Rück tritt des französischen Kriegsministers, General Boulanger, eine Sicherheit für den Frieden sehe.

DieNordd. Allg. Ztg. erklärt eine Nachricht derDaily News, beschlossen habe, von Frankreich eine Aufklärung wegen Truppen-Ansammlungen zu fordern, für unwahr.

Wegen Verbreitung des unwahren Sen sationsgerüchtes über Oberstlieutenant Villaume, Militärbevollmächtigten bei der Kaiserlich deut

daß Deutschland

schen Botschaft in St. Petersburg, wurde heute der Redakteur der Freisinnigen Zeitung von dem Schöffengericht wegen groben Unfugs zu einer Haftstrafe von sechs Wochen verurtheilt.

Frankfurt, 22. Jan. In dem hiesigen Socilalistesprozeß wurde heute das Urtheil gefällt. Wegen Vergebens gegen die§§ 128 und 129 des Strafgesetzbuches(Theilnahme an geheimen oder solchen Verbindungen, zu deren Zwecken gehört, Maßregeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern oder zu entkräften) wur den die Hauptangeklagten Prinz, Füllgrabe und Trompeter zu je 6 Monaten, acht Angeklagte zu je 4 Monaten, zwei zu je 5 Monaten, einer zu 2 Monaten und 17 zu je 1 Monat Ge⸗ fängniß verurtheilt. Allen Verurtheilten wurde die Untersuchungshaft angerechnet. Vier Ange- klagte wurden freigesprochen. ö

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. In hie sigen maßgeblichen Kreisen ist über eine ver meintliche Verschlimmerung, geschweige denn eine Bedrohlichkeit der deutsch-französischen Be ziehungen absolut nichts bekannt. In den öster reichischen militärischen Vorkehrungen ist seit Donnerstag eine Sistirung eingetreten. Belgien. Brüssel, 24. Jan. In Jette ist die Ruhe wiederhergestellt. In der gestrigen Theatervorstellung in Gent, bei welcher viele Arbeiter anwesend waren, kam es zu Thätlich keiten im Publikum. Die Polizei nahm zahl reiche Verhaftungen vor. Vor den Eingängen des Theaters sammelte sich eine größere Menge

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Socialisten an, welche die Marseillaise sangen.

Holland Haag. Da der Marineminister Gericke auf seinem Entlassungsgesuch besteht, ernannte der König den früheren Marineoffizier Tromp zum Marineminister.

Frankreich. Paris, 24. Jan. Anläßlich des Jahrestages der Kämpfe vor Paris finden imposante Kundgebungen statt. Es werden friedliche Reden gehalten. Boulanger beant wortete die Einladung, nach Saint Quentin zu gehen, ablehnend.

25. Jau. In dem heute stattgefundenen Ministerrathe wurde bezüglich der Nachricht der Daily News constatirt, es liege kein Anzeichen

Baden.) Das Mittelalter mit seiner bewegten Zeit leistete

vor, wodurch derartige vom militärischen wie vom diplomatischen Gesichtspunkte völlig unrich tige Mittheilungen gerechtfertigt erscheinen konnten.

Der Pariser Correspondent desDaily Telegraph erfaͤhrt, Boulanger werde niemals einen Angriff auf Deutschland befürworten. Der General soll emphatisch erklärt haben, selbst wenn die übrigen Minister dafür wären, Deutsch land den Krieg zu erklären, würde er lieber sein Portefeuille niederlegen, als sich an einer solchen

Maßregel betheiligen. Boulanger betheuerte, daß kein Mann, kein Pferd und keine Kanone nach der französischen Ostgrenze dirigirt wurde. Türkei. Constantinopel, 25. Jan. Zankow wurde von allen Botschaftern außer dem eng- lischen empfangen. Der letztere erklärte, er werde Zankow Nachricht geben, ob und wann er ihn, empfangen werde. Der deutsche Botschafter ver sprach, alles zu thun, um die Mission Zankow's zu erleichtern. Die Pforte weigert sich jedoch, auf einige Forderungen Zankow's einzugehen. Bulgarien. Sofia. Nach derAgence Havas aus London zugehenden Meldungen stimmten die Mächte der Aufforderung Ruß land's zum Austausche ihrer Ansichten über die bulgarische Frage zu. England allein habe einen Vorbehalt gemacht über die Reihenfolge der zu behandelnden Fragen; es sei in erster Reihe dafür, die Frage der Fürstenwahl zu regeln, während Rußland vor allem den Rück tritt der gegenwärtigen Regierung verlange. Amerika. Washington, 25. Jan. Der Senat nahm mit 46 gegen 1 Stimme eine Vorlage an, welche den Präsidenten ermächtigt, das Recht der amerikanischen Fischer in den canadischen Gewässern energisch zu vertheidigen. Die Senatoren Ingalls(Kansas) und Frije (Maine) sprachen sich auf das entschiedenste gegen das Verfahren Englands aus und bezeich- neten als Zweck der Vorlage, Eugland kundzu thun, daß die Fortsetzung seines Verhaltens zu kriegerischen Verwickelungen führen könne.

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Aus Stadt und and. g

h. Friedberg. Der Arzt in Bad-Nauheim und Frankfurt a. M., Dr. Th. Schott, hat, ersucht vom Vorstande hiesigen Volksbildungsverein, am 26 d. Mts. in unserer Stadt vor einer großen Zuhörerschaft einen Vortrag über die Wirkungsweise der Bäder gehalten, der, wie er hier mit dem größten Interesse entgegen- genommen wurde, auch skizzirt Viele interessiren dürfte und über den wir darum folgendes Referat erstatten. Die stets wachsende Verwendung der Bäder in ihren verschiedenen Formen, sowohl im häuslichen Leben, in der öffentlichen Gesundheitspflege, als auch besonders inf der medieinischen Behandlung einer Menge von Krank heiten rechtfertigen wohl die Wahl des Themas. Schon im grauen Alterthum, besonders aber bei Arabern, Römern und Juden wurden Bäder nach genauen Vorschriften als Reinigungsbäder, sowie zur Heklung von Krankheiten verwandt.(Thermen der Römer, wie Wiesbaden, Baden

wissenschaftlich nicht viel; trotzdem wurde eine Menge neuerer Bäder bekannt(Karlsbad, Lenk, Wildbad Gastein u. s. w.) Nähere Kenntniß der Zusammensetzung der Bäder erlangte man erst mit Hülfe der Chemie und vollständige Analysen sind erst das Produkt unseres Jahrhunderts; seitdem erst kann man von einer wahren Wissenschaft sprechen. Die Bäder wirken nach drei Richtungen: 1) mechanisch, 2) thermisch, 3) chemisch. Mechanische Wirkung. Die Schwere des Bad wassers, welche pio Körperoberfläche ein Plus von 17 bis 20 Centner beträgt, wirkt nur vorübergehend; sie zeigt sich in erschwerter Athmung, welche aber bald vorbei ist. Den Ausgleich erklärt weder Physik, noch Physio logie. Ferner besteht die mechanische Wirkung in Auf lockerung der Hornschichte und Auflöfung der Drüsen sekrete, der Schweißbalg- und Haarbalgdrüsen der Haut, also in der Reinigung der Körperoberfläche und im Oeffnen der sog. Poren. Diese Erleichterung der Haut athmung ist wichtig, wie es die Experimente zelgen; wenn nämlich die Hautathmung unterdrückt wird, so sterben die Thiere durch Blutüberfüllung der Lungen. Elektrische Ströme gehen von der Flüssigkeit durch den Körper und wirken auf die Nerven beruhigend. Ueber die thermische Wirkung führte Redner etwa aus: Wasser ist ein besserer Leiter als Luft; dadurch kommt es, daß Luft von 20300 C. gleich einem Bad von 30 370 C. ist(indtfferentes Bad). Beide verhalten sich bezüglich der Wärmeabgabe und unserer Empfindung gleich. Redner geht dann ausführlich auf die Wirkung der kalten und warmen Bäder, auf Athmung, Puls, Stoff wechsel u. s. w. ein, das Resumé lautet: Die Kälte erfrischt durch Anregung der Körperfunktionen. Die Wärme erleichtert die Funktionen. Dies ist der Haupt unterschled zwischen der Kaltwasser- und Thermalmethode und Redner begründete dies auch durch ein Beispiel,

schied. lassen, so ist die eigentliche Erklärung und Beweisführung

indem er zeigt, daß ein Mensch mit elnem langere Zelt unthätigen Muskelsystem eine günstige Wirkung vom kalten Bad verspüre, während ein Mann mit ermüdetem Muskel⸗ system ein warmes Bad nehmen müsse(Napoleon J. nahm statt Ruhe und Schlaf ein warmes Bad und setzte den Marsch fort.) Bezüglich der chemischen Wirkung der Bäder(röcterte Redner etwa Folgendes: Hier hat der größte Streit bis zur allerjüngsten Zeit geherrscht und erst in den allerletzten Jahren wurde er geschlichtet. Zwel Parteien standen sich gegenüber, die eine sagte: Die Stoffe gehen durch die Haut ins Innere des Körpers; die andere behauptet das Gegenthell. Die früheren Untersuchungsmethoden, insbesonde die Wägemethode, waren zu fehlerhaft. Jetzt weiß man, daß Nichts durch die Haut durchgeht von den festen Stoffen und doch blelbt die Wirkung auf die Korper. Gasförmige Stoffe mit ihren leicht beweglichen Molekülen gehen durch die Haut, z. B. CO2, CO, SU, Leuchtgas u. s. w. Feste oder flüssige Stoffe, die gasförmig werden können, gehen auch und zwar durch die unversehrte Haut. Versuche von Dr. Th. Schott mit Auflegen von Quecksilbersalben und Nachweis des Quecksilbers im Harn auf elektro lytischem Wege, was gelang, selbst wenn die Haut ganz unversehrt und eine Elnathmung von Seiten der Lungen gänzlich ausgeschlossen war, haben die Richtigkeit der aufgestellten Behauptung bewiesen. Feste Stoffe aber, die einfach gelöst sind, gehen nicht durch. Sie wirken nur auf die obersten Nervenenden der Haut, während die Versuche von Beneke(vermehrter Eiweiß umsatz durch 9% ige Bad-Nauhelmer Bäder), von Clemens(größere und längere Auslaugung von Cl Na Kochsalz nach längeren und eoneentrirten Salzbädern), sowie die Experimente von Röhrig und Zuntz(3% ges Soolbad macht im Ver hältniß zum Süßwasserbad stärkere Orydattlon, indem 15, 30% mehr Sauerstoff verbraucht und 25 1% mehr COꝛ gebildet werden), schon mit Sicherheit den Unter zwischen Sool- und Süßwasserbädern erkennen

dafür doch erst das Verdienst des verstorbenen Bruders des Redners, des Dr. Aug. Schott. Derselbe wies nämlich nach, daß durch Mutterlaugenbäder eine direkte Reizung eines von Professor Langerhans entdeckten, in der Haut weitverzweigten Nervensystems stattfinde und zwar wurde dleser Nachweis durch Blutdruckuntersuchungen geliefert, welche die Richtigkeit auf's Unzweifelhafteste darlegten. Redner bespricht zuletzt den Standpunkt, den man nunmehr in der Wissenschaft einnehme und die Hauptgrundzüge der heutigen Anschauungen rekapitulirend, hofft er, die ihm gestellte Aufgabe gelöst zu haben. Großer und lauter Beifall beim Schluß des gediegenen Vortrags zeigte dem Redner, wie sehr er es verstanden, die Zuhörer zu fesseln und deren Interesse an dem Gegen stande zu erregen. Der Vorstand des Volksbildungs

vereins aber wünscht, daß uns Redner im nächsten Winter

wieder mit einem Vortrag erfreuen möge

C. T. Friedberg, 24. Jan. Gemeinderathssitzung. Auf Grund der vorliegenden Gebote wurde der Firma Mayer J. Hirsch die Lieferung eines Nachtwächtermantels ertheilt. Dem Ersuchen Großh. Kreis baumeisters Kranz betreffs des von der Stadt zu erwerbenden Geländes soll in der Weise entgegengekommen werden, daß der gleiche Preis für das von Genanntem abzugebende und das an ihn seitens der Stadt zu verkaufende Ge lände behufs Erbauung eines Hauses gerechnet werden soll. Die Beschlußfassung über den Tauschvertrag zwischen A. Flohr und der Stadt, ebenso über den von A. Flohr eingereichten Bauplan wurde ausgesetzt, um die Absicht der Bauleitung über Einzelheiten vorher kennen zu lernen. Der Aenderung der Füllein richtung, wie sie von dem Pachter des Schwalheimer Sauerbrunnens geplant wird, wurde zugestimmt unter der Bedingung, daß wenigstens 6 Fuͤllkrahnen angebracht werden. Nach Anweisung ver schtedener Rechnungen wurde die Sitzung geschlossen.

r. Dorn-⸗Assen heim, 25. Jan. Feuerrufe er⸗ schreckten gestern Nachmittag die Einwohnerschaft. Es branate in dem Räucherschornstein des Metzger. Rur der Geistesgegenwart des Spritzenmeisters Eichler ist es zu danken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb und die dicht dabeistehenden gefüllten Oekonomie gebäude nicht erreichte.

Vilbel. Vom 16. bis 21. Januar sind dabtier 15 neue Erkrankungen an Unterleibstyphus vorgekommen, so daß sich deren Zahl nunmehr auf etwa 130 beläuft; der Krankheit erlegen sind im Ganzen 4 Personen, 2 Männer und 2 Weiber in dem Alter von 70, 20, 36 und 39 Jahren, und zwar nach durchschnittlich zwei wöchentlicher Dauer der Krankheit. Die etwa seit dem 10. Januar nach vorausgegangenen Einzelerkrankungen beobachtete rapide Verbreitung der Krankheit über den ganzen Ort legte die Vermuthung nahe, daß der allgemein als Trinkwasser benutzte gemeinheitliche Brunnen am Ratbhause die Infektionsquelle abgegeben hätte. Der selbe, eine kohlensäurehaltige Quelle, die jedoch lediglich im Ort getrunken und niemals versendet wird, wurde alsbald geschlossen, um untersucht zu werden. Es liegt keinerlet Besorgniß vor, daß die Krankheit von hier ver schleppt werden könnte; ebenso braucht sich Niemand ab halten zu lassen, hierher zu kommen, wenn er hier Geschäfte hat.

Allerlei. Venedig, 24. Jan. In der letzten Nacht wurde hier ein heftiges Erdbeben verspürt; bisher sind keinerlei Schäden bekannt geworden.

Verlonsungen. Hessische Lud wigs⸗Eilsen bahn⸗Gesellschaft, proc. Prtorktäts⸗Obligattonen von 1868/69,

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