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nur mehr die Erzeugung des über den vollen Kriegsstand hinaus vorsichtshalber bereit zu haltenden Reservevorrathes erübrigt.
Frankreich. Paris, 23. Aug. Die„Lan⸗ terne“ meldet, daß die Probe-Mobilisirung eines französischen Armee-Corps Ende dieser Woche erfolgen werde; als das bestimmte Corps wird das 17. in Toulouse bezeichnet.— Die Session der Generalräthe ist heute eröffnet worden.
Bulgarien. Sofia, 23. Aug. Der feier— liche Einzug des Prinzen Ferdinand in die Stadt erfolgte gestern Abend. Ein Theil der Bevölke— rung hatte den Prinzen schon außerhalb der Stadt erwartet. Dieser, lebhaft begrüßt, begab sich nach der Ankunft in die Stadt und nahm die Bewillkommnung durch den Buͤrgermeister und die Deputationen entgegen. Er erwiederte auf die Ansprache des Bürgermeisters, er sei in Erfüllung seines Versprechens nach Bulgarien gekommen. Er rathe den Bulgaren Weisheit, Mäßigung und Einigkeit an. Was die inter— nationalen Beziehungen anlange, so sei ein gutes Verhältniß zu der suzeränen Türkei wesentlich, deren Geneigtheit er durch seine Loyalität dem Lande zu verschaffen hoffe. Alsdann begab er sich nach der Kathedrale, wo ein Tedeum statt— fand, und dann unter dem Hurrahrufen der Bevölkerung nach dem fürstlichen Palais.
Rußland. Petersburg. Im Mai wurde etwa 20 Studenten angerathen, nicht mehr nach Petersburg zurückzukehren; während des Som— mers wurden gegen 30 in der Residenz und Um— gegend zurückgebliebene Studenten theils ver— haftet, theils unter Gendarmeriebegleitung in die Heimath befördert, mit dem Verbot der Wiederkehr; außerdem wurden sechs bei ihren Eltern im Innern des Reichs die Ferien ver— bringende Studenten verhaftet. Neuerdings sind 128 aus verschiedenen Reichsgegenden stammende Studenten aus der hiesigen Universität verwiesen. Unter diesen, wegen Nihilistenumtriebe gemaß— regelten Studenten befindet sich kein Deutscher. Stadthauptmann General Gresser conferirt fast täglich mit der Universitätsobrigkeit. Unter dem Landvolk und in den Fabriken sind in letzter Zeit die Nihilisten-Agitationen wieder besonders be— merkbar.
Amerika. Washington. Aus Colorado in Nord⸗Amerika wird eine Indianer-Erhebung ge— meldet. Der Stamm Ule beschritt den Kriegs— pfad. Die Truppen erhielten Befehl, sich in Marschbereitschaft zu halten.
Aus Stadt und Land.
r. Bad⸗Nauheim, 23. August. Von den 6 ent— flogenen Schwänen sind am Montag Abend 5 wieder auf dem Teiche angekommenen. Einer davon hatte einen ab— gebrochenen Schirmgriff um den Hals; der noch fehlende Schwan wird jedenfalls eingefangen worden sein. Bei Ortenberg wurden sie für Schneegänse gehalten, außer— dem haben sie sich, wie der Hanauer Anzeiger berichtet, auf dem Main bei Groß Steinheim aufgehalten und sind von da nach Gelnhausen zu geflogen, von wo sie alsdann, jedenfalls in Folge von Hunger, ihre alte Hetmath wle— der aufsuchten.
st. Dorheim, 23. August. Gestern brannte hier ein dem Oeconom B. gehöriger großer Strohhaufen auf freiem Felde ab. Man vermuthete Brandstiftung durch drei von B. entlassene Arbeiter, deren Verfolgung sofort eingeleitet wurde und zur Verhaftung derselben in einer Wirthschaft in Friedberg führte. Da sich bei dem so fortigen Verhör Verdachtsmomente gegen die Verhafteten nicht ergaben, wurden sie sofort entlassen und vermuthet man nun, daß durch spielende Kinder der Brand entstand.
Niederweisel, 23. August. Am Samstag Nach⸗ mittag gegen 5 Uhr brach, wie der„W. B.“ meldet, in der Neugasse in einer dortselbst gelegenen Scheune Feuer aus. Trotzdem Hilfe rasch zur Stelle war, konnte es doch nicht verhindert werden, daß die Scheune gänzlich niederbrannte. Das in derselben lagernde Heu und das kürzlich eingefahrene Korn bot dem verheerenden Element reiche Nahrung Vlele Spritzen der Umgegend waren auf der Brandstätte erschienen. Außer dem Gebäude war nichts versichert.
Allerlei.
Salzburg, 22. Aug, Infolge gewaltiger Regen⸗— güsse ist der Verkehr auf den Bahnen nach Ischl, Inns⸗ bruck ꝛc. gestört. Die Salzach ist über die Ufer getreten; die Ueberschwemmung hat jedoch den Höhepunkt bereits überschritten.
Rom, 18. August. In ganz Italien herrscht eine fürchterliche Hitze. Dle anhaltende Dürre macht sich in empfindlicher Weise geltend. Auch in Spanten hat die Hitze eine fast unerträgliche Höhe erreicht.
Die Handschuh⸗Industrie. Aus: Feserstunden im häuslichen Kreise.
Die Verwendung der Handschuhe ist bis auf die früheste Zeit zurückzuführen, da schon alle Völkerschaften Vorderasiens den Gebrauch der— selben kannten. Auf den egyptischen Denkmälern werden lange Handschuhe unter anderen Gegen— ständen als Tribut von jenen dargebracht. Ebenso trugen die Perser Fingerhandschuhe von kost— barem Pelzwerk und Homer erzählt vom alten Laertes, daß Hirten- und Arbeitsleute stierlederne Schienen und derbe Handschuhe dem ritzenden Dorn zur Abwehr gebrauchten. Auch bei den Griechen fand der Handschuh Eingang, und ob— gleich derselbe als Zeichen der Weichlichkeit galt, wurden doch in späteren Zeiten beim Mahle sogenannte Fingerlinge sehr gebräuchlich. Diese Fingerlinge(digitalia) sinden wir, von Griechen— land herübergetragen, auch bei den Römern, welche gleichfalls die Speisen ohne Gabel, mit der Hand zum Munde führten; jedoch trug man hier auch Handschuhe zum Staate, und endlich wurde er bei dem kriegerischen Hand— werk, zum Schutz gegen die Schwerter der Feinde eingeführt. Vornehme römische Frauen trugen auch an der Tunika lange Aermel, (manicae), die bis über die Hand herabhingen und so den Handschuh ersetzten, und nach Virgil bedienten sich auch die Landleute im Winter dieses Bekleidungsstückes. Aus dem römischen Kriegshandschuh entwickelte sich dann im Mittel— alter der mit Schuppen besetzte Ritterhandschuh, welcher einen wichtigen Theil der Rüstung aus— machte und bald Gegenstand des ausgedehnten Luxus wurde. Die alten Skandinavier, die Germanen der späteren Zeit, die Franken ꝛc. kannten und verwendeten die Handschuhe sowohl im täglichen Verkehr, als auch auf der Reise und auf der Jagd; natürlich war je nach der Verwendung ihr Stoff und ihre Beschaffenheit verschieden. Seine symbolische Bedeutung als Schirm und Schutz war es, die dem Handschuh auch das Wohlgefallen der Priesterschaft erwarb, die ihn bei Abhaltung der Investitur und der feierlichen Messen zu tragen pflegte. Eine Art Handschuhe, Chirotheken genannt, befindet sich auch unter den noch erhaltenen Krönungsinsignien der deutschen Kaiser, in der k. k. Schatzkammer zu Wien. Diese Handschuhe sind aus einem dichten, rothpurpurfarbenen Seidenzendel zu— sammengenäht, außerhalb reich mit Laubzierathen in Gold- und Perlenstickerei nebst kleinen email— lierten Goldblechen, innerhalb aber mit Gold— zierathen in romanischem Stile bedeckt. Als Theile des geistlichen Ornats gehören die Chiro— theken ausschließlich der abendländischen Kirche an und erscheinen als bischöfliche Würdenzeichen hier schon im sechsten Jahrhundert. Der heilige Karl Borromäus schreibt für die bischöflichen Handschuhe die Anwendung der vier liturgischen Farben, mit Ausnahme der schwarzen, vor. Im 13. Jahrhundert aber kam der Handschuh schließlich in den Dienst des schönen Geschlechts, das zunächst leinene Handschuhe trug, die bis zum Ellbogen hinaufreichten. Auf die Leinwand— handschuhe folgten gewirkte und noch später die ledernen, die eigentlich erst unter Ludwig XIV. in Frankreich rechte Würdigung fanden. Nach Deutschland ist die Handschuhfabrikation etwa in den ersten Jahrzehnten des siebenzehnten Jahr— hunderts gekommen, wo es Erlangen, Halber— stadt und Magdeburg waren, in denen französische Flüchtlinge, meist aus Grenoble stammend, diesen Gewerbezweig heimisch machten. Unter der Re— gierung der Königin Elisabeth hat man in Eng— land einen ungeheuren Luxus mit Handschuhen entfaltet: die Königin selbst trug meist Hand— schuhe, die mehrere tausend Mark kosteten.
Das Material, aus welchem heutzutage die Handschuhe verfertigt werden, ist ein sehr ver— schiedenes. Pelzwerk, Seide, Wolle, Baumwolle, Leinen, hauptsächlich aber Leder, werden zur Herstellung verwendet. Von den Ledersorten dienen insbesondere Reh-, Hirsch- und Schaf— leder, sowie Bock-, Gems- und Kalbleder diesem Zwecke. Die allbekannten Glacehandschuhe(glanz—
lederne, romanische, Erlanger Handschuhe), deren
Fabrikation bei weitem die größte Wichtigkeit hat, 0 werden namentlich aus Ziegenfellen, die feinsten“ f l aus Ziegenlammfellen, minderfeine aus Lamm⸗. und die geringsten aus Schaffellen hergestellt. 1 Von allen Ländern ist die Lederhandschuh⸗ N fabrikation in Frankreich am bedeutendsten. Hier nen werden jährlich mehrere Million Felle von Ziegen 900 kenn, zu Handschuhen verschnitten. Die ersten größeren e Fabriken entstanden im vorigen Jahrhundert in At Grenoble, Blois, Paris, Vendome, Beziers 1. 1. 0 Den weitesten und größten Ruf erlangten die ser, Handschuhe von Blois, die so fein gearbeitet n A. waren, daß sie in Eier- und Nußschalen ver- en 4 packt, verkauft werden konnten. Luneville be— daehe Fn schäftigt zur Zeit gegen 10,000 Arbeiter mit der n e, Fabrikation von Handschuhen und in Paris sind n per* mehr als 200 kleinere und größere Etablissements 0 dieser Art in regem Betriebe. Schon zu Anfang 1 0 der fünfziger Jahre sollen in Frankreich über 1 00 15 4
40,000 Menschen in der Handschuhindustrie be— schäftigt worden sein, die z. B. im Jahre 1851 für ca. 40 Million Franken Waare produzirten. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß die Produktion in der Gegenwart im Verhältniß zu jenen Zahlen ganz enorm gestiegen ist.
Nächst Frankreich hat die Fabrikation von Handschuhen auch in England und Deutschland große Verbreitung gefunden. Das Königreich Sachsen liefert übrigens die beste Qualität Felle von Ziegenlämmern, wie endlich auch in Sachsen sehr billige, besonders nach England exportirte Baumwollhandschuhe gefertigt werden.
Was die Produktion von gewebten und Wollstoffhandschuhen betrifft, so ist gegenwärtig England entschieden tonangebend und Frankreich um vieles überlegen. Auch Brüssel ist seit etwa fünfundzwanzig Jahren ein ganz bedeutender Lieferungsort für diesen Industriezweig geworden. Ebenso großen Aufschwung hat die Handschuh— fabrikation auch in Amerika genommen, indem dort eine ungeheuere Menge von Bukskin- und Daumenhandschuhen hergestellt werden. In den letzten Jahrzehnten hat sich auch die dänische Handschuhfabrikation bedeutenden Ruf erworben. Tiroler Handschuhe werden in jüngster Zeit, ihrer guten Haltbarkeit und sauberer Arbeit wegen, gern gekauft. Was nun endlich die Herstellungsweise der Glacehandschuhe, deren Konsum von allen Hand— schuharten am größten ist, betrifft, so vollzieht sich in der Regel folgender Prozeß. Das durch eine Art Weißgerberei zugerichtete Leder wird zunächst gefärbt und sodann auf der Fleischseite mittels scharfer Klingen bearbeitet, damit es eine gleichmaͤßige Stärke erhält. Hierauf schneidet man dasselbe in Streifen von reichlich doppelter Handbreite, reckt diese in der Längenrichtung aus, legt je sechs derselben auf ein sogenanntes Fach, auf welchem die Umrisse der Handschuh⸗ theile als scharfe Stahlschneiden emporstehen und schneidet sie durch den Druck einer Presse alle gleichzeitig aus, worauf aus Obertheilen, Untertheilen und Daumenstücken die Handschuhe zusammengenäht werden. Bewunderungswerth war früher die Geschicklichkeit der französischen Handschuhmacher, die ihre Fabrikate fast aus— schließlich nach dem Augenmaße ausschnitten. Heute sind wohl überall jene Fächer(Formen, Punzen) im Gebrauche. Die frühere Hand— arbeit bei dem Zusammennähen der einzelnen Theile auf der Handschuhnähkluppe ist gegen— wärtig durch die Maschinennäherei auf besonderen Handschuhnähmaschinen fast vollständig verdrängt, nur ganz hochfeine Waare wird noch auf dem sogenannten Handstepper gefertigt.
Was schließlich den Preis der Handschuhe anbetrifft, so läßt sich eine allgemein gültige Norm nicht aufstellen, da sich derselbe nicht nur nach dem dazu verwendeten Material überhaupt, also Pelz, Leder, Wolle, Seide ꝛc., sondern auch nach der Qualität desselben insbesondere richtet. Aus alledem wird man leicht ersehen,
daß die Handschuh-Industrie ein ziemlich aus⸗ gebreiteter und lohnender Erwerbszweig ist, der sich bei steigender Kultur zu immer größerer
Blüthe emporschwingen muß.
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