Ausgabe 
17.11.1887
 
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1887.

Honnerstag den 17. November.

130.

Oberhessischer Anzeiger.

und Freitag Abend ausgegeben.

Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch

Areisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Annoncen: die einspaltige Petitzeile 15 Pf.,

die tt 7 lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 1 auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns 5 7 0 f 10

Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

der Marie Weingärtner von Groß Zimmern wird ersucht

Erledigung. Mein unterm 3. September er Friedberg den 15. November 1887.

Ausschreiben. Um Auskunft über den dermaligen Aufenthaltsort des Andreas Schmidt von

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg. Ernannt und verpflichtet wurde: Gottfried Nierbauer von Ober-Erlenbach als Hasenaufseher für die Feldjagd der Gemarkung Ober-Erlenbach

Queck, Konrad Fet von Deckenbach, Ludwig Dietz von Höingen und

Am 7. l. Mts, kam dem Konrad Stang, Flaschenbterhändler zu Vilbel, ein werthvoller Vogel, sog. Perleneule,

abhanden. Um Recherchen nach demselben und dem Verbringer wird ersucht. folgtes Ausschreiben gegen Georg Wissner von Königsberg ist durch Gendarm Steinbach in Friedberg erledigt.

Der Großherzogliche Amtsanwalt. Wagner.

Vom Kronprinzen. Dr. M. Schmidt aus Frankfurt, der am

eintraf, hatte die Vertreter der Presse einge

Iffnungen gemacht:In San Remo waren die Aerzte verpflichtet, über das Leiden des Kron tinzen Nichts in die Oeffentlichkeit zu bringen.

3 1 In Berlin entschied man sich dann für rück * n altlose Offenheit; man hielt es für nützlich, nl, Man ie Sache richtig und offen zu sagen. Ich bitte die Vertreter der Presse, in ihren Zeitungen ahin zu wirken, daß das Gezänk süber Operiren

1 der Nichtoperiren aufhört. Prinz Wilhelm, em ich mich auf der Reise nach San Remo

% em Montag Abend hier anschloß, machte mir

nterwegs Mittheilung von Allem, was vorher er esschehen war. Dienstag Abend Uhr kamen ir in San Remo an, Prinz Wilhelm rief die

u. Künnich. erzte zu einer Besprechung zusammen und wir onferirten dort den Abend über. Den andern koltn Norgen um 10 Uhr sah ich den Kronprinzen, 1 zlerst. Der Kehlkopf war durch ein Oedem so geschwollen, daß man die innere kranke Stelle

In ertech zicht, oder kaum, sehen konnte. Der Patient agte nicht über Schmerzen und sah sehr wohl

1 4. us. Ich hatte ihn zwei Jahre nicht gesehen and fand ihn absolut unverändert; bei der Kon- filtation war er unendlich liebenswürdig und

5 utselig. Es wurde Eis angewandt; am andern Häute age war darauf, wie vorauszusehen, die Ab⸗ 1 wellung des Oedems eingetreten, und man * gro vnnte den Kehlkopf fast ganz übersehen. Dabei ellte sich die traurige Gewißheit heraus, daß

ahl. ie Neubildung unter dem linken Stimmbande ß und sogar in kleinen Anfängen sich auch

uf der rechten Seite zeigte. Wir zogen uns

rauf in das Nebenzimmer zurück, um noch

kumal die Uebereinstimmung der Aerzte zu kon-

satiren, und dann wurde, wie schon bekannt,

sturch Professor Schrötter dem Kronprinzen der Sachverhalt in schonender Weise mitgetheilt, daß nämlich die augenblickliche Kehlkopfhaut

, Entzündung veranlaßt sei durch eine Neubildung. 2 Der Kronprinz, der merkwürdig gefaßt war, unserstaßt. kitließ uns dann, und auch die Kronprinzessin

lexabschiedete uns mit Thränen in den Augen, koch in überaus freundlicher Weise. Der Kron Finz schickte uns nachher den schriftlichen Be heid, daß er die Vornahme der Operation ucht wünsche. Dies ist sein eigener Entschluß, er Raiser hat, wie mir dessen Leibarzt mit lleilte, keine Einwirkung darauf gehabt. Es nurde dann ein Telegramm an das Staats inisterium aufgesetzt, unterzeichnet von sämmt (ben Aerzten. Prinz Wilhelm drückte den Bunsch aus, daß ich persönlich nach Berlin hen möge, um dem Kaiser Bericht zu erstatten. Jach meiner Abreise kam noch ein Telegramm 2 Kassers an, des Inhalts, daß er mich zu

15. November aus Berlin in Frankfurt wieder

Aden und denselben folgende authentische Er-

chen wünsche. Ich war in anderer Stellung

zum Kronprinzen berufen als Schrötter und Krause. Diese waren am Sonntag schon von Mackenzie citirt worden, während ich im Auf trage des Kaisers hinging. Sonntag Nach mittag 2 Uhr wurde ich vom Kaiser in Audienz empfangen, gemeinsam mit Geh. Rath Berg mann und dem Leibarzt Generalarzt Leuthold. Die Audienz dauerte eine halbe Stunde. Der Kaiser

war ganz unterrichtet davon, daß die Krankheit Krebs sei, und ließ sich von uns nochmals Vor

trag halten. Der Kaiser war tief ergriffen. Vorher war ich auch von der Prinzessin Wil helm empfangen worden. Nachher fand eine Sitzung im Staatsministerium des königlichen Hauses statt unter Beiziehung der Aerzte, welche den Kronprinzen früher behandelt haben, Dr. Ger hardt, Bergmann, Tobold, Wegener und Dr. Land graf, welcher letztere den Kronprinzen nach Eng land begleitet hatte. Im Ministerium mußte ich Bericht erstatten, welcher zu Protokoll ge nommen und in die Akten des königlichen Hauses

niedergelegt wurde. Auch die Aerzte, welche

früher die Behandlung geführt hatten, wurden um ihre Ansicht gefragt und erklärten ihre Uebereinstimmung. Ueber das, was jetzt ge schehen wird, gab Dr. Schmidt folgende Aus kunft:Der Kronprinz bleibt in San Remo, weil die Hauptsache ist, sein Allgemeinbefinden so lauge wie möglich so gut zu erhalten, wie es jetzt ist. Darum soll er in der prächtigen Luft von San Remo bleiben, wo er außer ordentlich gut untergebracht ist. Von einer halbseitigen Exstirpation kann gar keine Rede sein; wenn man operirt, so müßte man den ganzen Kehlkopf herausnehmen, eine Operation, die an und für sich recht gefährlich ist, indem ein Viertel der Patienten direkt an den Folgen der Operation stirbt; dieselbe schützt aber auch nicht gegen Rezidive. Die Stimme würde auch nach der Operation durch einen künstlichen Kehl kopf ziemlich leidlich zu machen sein, aber das Tragen des Apparats ist unangenehm. Wenn die Athemnoth zunehmen sollte, so wird man genöthigt sein, den Luftröhrenschnitt zu machen. Wann diese Nothwendigkeit eintritt, das ist nicht zu bestimmen, es kann sein, daß sie in wenigen Tagen eintritt, vielleicht auch erst in fünf bis sechs Monaten. Wenn die Verschlim merung eine so allmähliche ist, daß man die Nothwendigkeit der Operation vorhersehen kann, so wird auf Wunsch der kronprinzlichen Herr⸗ schaften Professor von Bergmann die Operation ausführen. Ein Assistent des Genannten, Dr. Bra⸗ mann, geht, nachdem gestern die Genehmigung hierfür von San Remo eingetroffen ist, dorthin, um im Falle einer plotzlich eintretenden Noth wendigkeit die Operation zu machen. Schwel lungen, wie sie in Toblach zuerst da waren und vorlge Woche sich wiederholten, können wieder auftreten und einen sehr raschen operativen Ein⸗ griff innerhalb weniger Stunden erfor

derlich machen. Darum haben wir darauf ge⸗ drungen, daß ein guter deutscher Chirurg dort ist. Ueber die voraussichtliche Dauer des Leidens kann man absolut nichts sagen. Es sind Fälle bekannt, die viele Jahre gedauert haben. Manche enden schneller, das entzieht sich der Be rechnung. Doch kann man sagen, daß eine akute Gefahr momentan nicht vorliegt, und das Allgemeinbefinden des Patienten bisher ein ganz vortreffliches ist. Die Schwellungen werden wahrscheinlich von Zeit zu Zeit wiederkehren, bedingen aber nicht gerade eine Verschlimmerung der Krankheit. Sie gehen mehr oder weniger vollständig zurück, mit der Zeit vergrößert sich aber die Geschwulst und dadurch wird mit größter Wahrscheinlichkeit Athemnoth bedingt. Schließlich erklarte br. Schmidt noch, daß Mackenzie in Uebereinstimmung mit den deut schen Aerzten war und fügte hinzu, der Kaiser habe über sein eigenes(des Katsers) Befinden sich sehr befriedigend ausgesprochen.

Deutsches Reich. Berlin. 14. Nov. Die Kaiserin wird, so bald der Gesundheits-Zustand die Reise gestattet, nach Berlin zurückkehren. Heute treffen der Großherzog und die Großherzogin von Baden in Coblenz bei der Kaiserin ein.

Prinz Wilhelm wird dem Kaiser von Rußland bis zur Grenze nach Wittenberge ent gegenfahren. Im Gefolge des Zaren werden sich befinden der Generaladjutant Tscherevine, der Hofmarschall Fürst Obolensky, Oberst Schere metjeff, im Gefolge der Zarewna die beiden Comtessen Golenitscheff und Koutousoff. Giers wird nicht nach Berlin kommen.

Der Militäretat ist jetzt dem Bundesrath zugegangen, dem Vernehmen nach enthält er un wesentliche Neuforderungen.

Im Prozesse gegen die 7 Mitglieder des hiesigen socialistischen Centralcomités haben die Verhafteten die angeforderte Caution von je 1000 Mark erlegt und sind darauf aus der Haft entlassen worden.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 14. Nov. In der Plenarsitzung der ungarischen Delegation wurden die Budgets des Aeußeren und der Marine angenommen.

Frankreich. Paris, 13. Novbr. Das Journal officiel veröffentlicht heute die Er nennung des Generals Gillon zum Platzeomman danten von Paris an Stelle des Generals Thi baudin, welcher in die Reserve versetzt wurde. General Boulanger ist hier eingetroffen.

14. Nov. Die Stellung Grevy's gilt mehr und mehr für unhaltbar. DemJournal des Döbats zufolge erklaͤrte Grevy zwar heute Vormittag noch, er werde nicht zurücktreten, selbst wenn der Antrag auf gerichtliche Verfol

gung Wilson's in der Kammer eingebracht und