Bonnerstag den 15. Dezember.
Oberhessischer
nzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
. 988. Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Krei auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
se 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.
Ernannt und verpflichtet wurde: Heinrich Wilhelm Vogt von Reichelsheim und Philipp Fritz VIII. von Holzhausen als Fleischbeschauer.
N 9 Deutsches Reich. lumen 0 Berlin, 11. Dez. Der Kaiser ist durch
f aan eine leichte Unpaͤßlichkeit verhindert gewesen, dem 2 ae beutigen Festmahle, welches zu Ehren des Kron— e Erben prinzen von Griechenland gegeben wurde, beizu—
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wohnen. Er speiste allein und empfing erst nach dem Diner den Kronprinzen von Griechenland. — Der„Reichsanzeiger“ meldet: Ein Brief Radolinski's aus San Remo spricht den Wunsch des Kronprinzen aus, daß im Hinblick auf den langwierigen Charakter seiner Krankheit und bei t und Vista der gegenwärtig eingetretenen entschiedenen Besse— tumtln, if rung die Festlichkeiten und Vergnügungen des mu 9 Winters in hergebrachter Weise überall statt— en, waschledern, f finden möchten. Achte, leinen— 12. Dez. Das bereits gehobene Unwohl— ndact u. z Tsein des Reichskanzlers bestand in einer Darm— kolik. Er bedarf nur noch der Ruhe und der Diät. Dem Bundesrath ist das Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich— Ungarn wegen Verlängerung des Handelsver— trags zugegangen, wonach letzterer bis 30. Juni 1888 in Kraft bleibt. Im Falle keiner der [beiden Staaten bis 15. Februar 1888 die Ab— sicht kundgibt, die Wirkungen des gedachten Ver— [trages aufhören zu lassen, bleibt derselbe bis aun be zum Ablauf eines Jahres von dem Tage, an Kammic l. welchem der eine oder andere der vertrags— schließenden Theile ihn gekündigt haben wird, e in Kraft. In der beigegebenen Denkschrift wird betont, daß die Anbahnung neuer Vertragsver— 19-1 b hältnisse mit Oesterreich auf weiterer Grundlage 32 im Auge behalten werde. ee g— 12. Dez. Der Reichstag erledigte in 1. Windecken erster Lesung die Vorlage über die Einfüh- 60 Flunder rung der Gewerbeordnung in Elsaß Lothringen und beschloß, die zweite Lesung im Plenum vor— ler Aal, zunehmen. Der Gesetzentwurf über den Aus— 6 Klinge. schluß der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhand— Ibücküng er lungen wird nach längerer Debatte, an eine 14 ellen 1 gliedrige Commission verwiesen. Der Gesetzent, 8 rertsch wurf, betreffend die Abänderung der Wehrpflicht 2 Umklap
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ist dem Reichstage zugegangen. Danach zerfallen Landwehr und Landsturm in je zwei Aufgebote. 1 Die Landwehr des ersten Aufgebots beginnt nach U abgelegter Dienstpflicht im stehenden Heer und . dauert 5 Jahre, daran schließt sich ein zweites Aufgebot der Landwehr und dauert bis zum
6 N 39. Lebensjahr. Zum Landsturm gehöxen alle 0 gedienten und nicht gedienten Heerespflichtigen
bis zum 45. Lebensjahr. Das zweite Aufgebot . 1s der Landwehr unterliegt keinen Friedensübungen
und keiner Controlversammlung; die sonstige
Controle wird ihm möͤglichst erleichtert. Zur erstmaligen Aufstellung der Listen haben sich alle . Gedienten, die 1850 oder später geboren sind, sechs Wochen nach Inkrafttreten des Gesetzes zu melden. Das Gesetz wird eine sehr erhebliche Verstärkung der Wehrkraft des Deutschen Reiches m Kriegsfalle zur Folge haben. Es stehen dann in Zukunft 19 Jahrgänge— anstatt der seit⸗
15 „ volle herigen 12 Jahrgänge— ausgebildeter Maun⸗ rene schaften zur Verfügung.— 13. Decbr. Der 2 Reichstag begann heute die zweite Lesung der
Metreidezollvorlage, und zwar zunächst der Zölle auf Weizen und Roggen. Bei der Abstimmung werden die Zollsätze der Regierungs-Vorlage
(6 Mark für Weizen und Roggen) mit 238 gegen 108 Stimmen abgelehnt.
— 12. Dez. Die Budgetcommission erledigte heute das Ordinarium des Militäretats, ohne Abstriche vorzunehmen, auch wurde der noch zurückgestellte Kasernenbau in Kehl gutgeheißen, da sich die Grundlosigkeit der in einer Gegen— petition hervorgehobenen Bedenken herausgestellt hatte. Damit ist der ganze Militäretat fertig— gestellt, abgesehen von der Frage der Vermeh— rung der Cadettenanstalten, welche am Mittwoch behandelt werden wird. Auf den von einigen Mitgliedern geäußerten Wunsch, unser Magazin— Gewehr kennen zu lernen, zeigte der Kriegs— minister ein solches vor und erklärte der Com— mission seinen Gebrauch.
Leipzig, 12. Dez. Der Landesverraths— prozeß gegen Cabannes hat heute begonnen. Die Anklage lautet auf Landesverrath, Bestechung, Diebstahl, Beiseiteschaffung amtlicher Urkunden und Auslieferung derselben an das französische Kriegsministerium. Angeklagter bekennt sich schul— dig, will sich aber seiner schweren Handlungs— weise nicht bewußt gewesen sein.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Das„Alte Wiener Tagblatt“ meldet, Erzherzog Albrecht werde nächstens zur Truppeninspection nach Ga— lizien reisen. Der Statthalter Galiziens, Za— leski, ist in Wien eingetroffen. Graf Julius Andrassy wird in den nächsten Tagen in Wien erwartet, doch verlautet, diese Reise werde keine besondere politische Bedeutung haben.
— 13. Dez. Unter dem Vorsitz des Kaisers fand heute in der Hofburg eine zweite Militär— conferenz statt, an welcher Erzherzog Albrecht, der Kriegsminister, der Generalstabschef Baron Beck und der Sectionschef des Kriegsministeriums theilnahmen.
Graz. Die Verhaftung eines Anarchisten wird von hier gemeldet. Der Bäcker Alois Weis wurde wegen Hochverraths dem Landge— richte eingeliefert. Wiewohl erst 26 Jahre alt, gilt derselbe dennoch als einer der verwegensten Anhänger der„Propaganda der That“.
Schweiz. Bern, 12. Dez. Das Militär⸗ Departement ordnete die Durchführung der Or— ganisation des Landsturms in allen Landestheilen bis spätestens Ende Januar 1888 an.
Frankreich. Paris, 12. Dez. Dem Sena— tor und ehemaligen Finanzminister Tirard ist es endlich gelungen, die ihm von dem Präsidenten der Republik übertragene Mission auszuführen und ein Ministerium zu bilden, das sich morgen vor der Kammer präsentiren wird. Es über— nimmt Faye den Unterricht, de Mahy die Marine, Loubet die Arbeiten, d'Autresme den Handel und Viette den Ackerbau. Zum Kriegsminister wurde General Logerot ernannt. Die der Kammer zugehende Botschaft betont die Erhaltung des äußeren Friedens und die Versöhnung der Par⸗ teien im Innern.
Italsen. Rom, 12. Dez. Der italienische Botschafter in Petersburg, Graf Greppi, wurde durch ein königliches Deeret zur Disposition des Ministerlums gestellt. Das„Fr. J.“ bemerkt
hierzu: Da jüngst davon die Rede war, daß auch italienische Diplomaten an der bekannten Fälschungsgeschichte Theil hätten, so ist man ver⸗ sucht, die unvorbereitete Abberufung des Grafen Greppi damit in Verbindung zu bringen.
Rumänien. Bukarest, 10. Dez. Das Kriegsministerium beschloß, größere Versuche mit dem Manlichergewehre zu machen. General Brialmont wurde zur sofortigen Inspection der Festungen aus hierher Brüssel berufen. Der General lehnte aber mit Rücksicht auf die Maas— befestigungsarbeiten ab.— Nach einer Meldung der„Polit. Corr.“ steht die Auflösung des Ab— geordnetenhauses bevor.
Bulgarien. Sofia, 11. Dez. Zwischen Stambulow und Mantow fand eine Aussöhnung statt. Stambulow beklagte sich Mantow gegen— über, daß die Hof-Coterie, welche den Fürsten Ferdinand umgebe, gegen ihn intriguire.
— Mit Zustimmung der Pforte ist Vulko⸗ witsch zum ständigen Agenten Bulgariens in Konstantinopel ernannt worden.
Rußland. Kiew. Ein Ministererlaß verfügt die Einführung der russischen Unterrichtssprache in den deutschen Kirchenschulen Südrußlands.
Aus Stadt und Land.
C. T. Friedberg. Gemeinderaths-Sltzung vom 12. Dez. Der Voranschlag hiesiger Realschule für 1888/89, welcher vorgelegt wurde, gab zu keinen Bemerkungen Anlaß. Unter den Einnahmen erscheinen M. 17510.— Staatsbeitrag, M. 8600.— städtischer Beitrag, M. 11000.— Schulgelv.— Von Gemeinderath Ruuhs war folgen— der Antrag gestellt worden:„Nachdem bis jetzt der von dem Gemeinderath Hirsch eingebtachte Antrag wegen Er— bauung eines städtischen Schlachthauses unerledigt ge⸗ blieben ist, stelle ich im Hinblick auf die bei der Vor— berathung zum nächsten Gemeindevoranschlag klar ge— wordene Finanzlage unserer Stadt den Antrag: Der Gemeinderath wolle beschließen: 1. die Errichtung eines städtischen Schlachthauses soll nicht länger verschoben, sondern sofort zur Ausführung gebracht werden; 2. mit der nach Vollendung der hierzu erforderlichen Baulich— keiten und Einrichtungen elnzuführenden Schlachthaus— ordnung soll gleichzeitig ein nicht allein das Schlachtvieh, sondern auch andere geeignete Verbrauchsgegenstände be— treffendes Oetrot zu Gunsten der städtischen Einkünfte ins Leben gerufen werden; 3. der Entwurf einer Schlacht⸗ haus ordnung und eines Prospekts für Oetroi-Verwaltung soll mit möglichster Beschleunigung ausgearbestet und dem Gemelnderath zur Berathung und Beschlußfassung vorgelegt werden.“ Dieser Antrag rief eine längere Debatte hervor und führte zur Fragestellung durch den Vorsitzenden, ob überhaupt der Einführung von Oetroi näher getreten werden solle und ob mit der Prüfung der Frage und Berichterstattung hierüber die früher ge⸗ wählte Schlachthaus Commission, welche aus 5 Mit⸗ gliedern besteht, beauftragt werden solle. Die Mehrheit des Gemeinderaths entschied sich für Prüfung der Frage und deren Ueberweisung an genannte Commission.— Bei— geordneter Jöckel und Gemeinderath Falck wurden als weitere Vertreter der Stadt mit Ruͤcksicht auf eine Ver— handlung gewählt, zu welcher die Einladung von der Staatsregierung aus Anlaß der Erwerbung des Friedberg— Hanauer Bahngebäudes ergangen ist.— Ueber die Ver⸗ thellung der Kosten, hervorgerufen durch die hinter dem Rathhause stattgehabte Kanalisirung wurde eine Auf— stellung des Stadtbaumetsters mitgetheilt und gutgeheißen. Der Rest der Sitzung betraf eine nicht öffentliche Verhandlung.
7 Frledberg. Unter Bezugnahme auf unseren früheren Artikel erlauben wir uns, unsere Bitte um freundliche kleine Gaben fur die Bescheecrung des „Feterabends für Lehrlinge“, am 18. Dezember, Abends ½8 Uhr, im gewöhnlichen Lokal, zu wiederholen. Auch sonstige Geschenke für den„Feierabend“ überhaupt (Bücher, Spiele u. dgl.) werden mit herzlichem Danke entgegengenommen.


