Bekanntmachung.
Generalbersammlung des landw. Vereins von Oberhessen pro 1887 betr.
Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des landw. Vereins von Oberhessen soll am Samstag den 29. October l. J., von Vormittags 11½ Uhr an, im Gasthaus„Zum Einhorn“ in Gießen abgehalten werden.
Verhandlungen werden sein: 1. Rechenschaftsablage. 2. Die Revision der Wiesenpolizekordnung.
3. Die Errichtung einer landw. Versuchsstation resp. einer Filiale der Darm⸗
städter landw. Versuchsstatlon in Gießen.
4. Die Errichtung einer Lehranstalt im Hauswesen für junge Bauernmädchen. 5. Die Lebensversicherung im Dtenste der Landwirthschaft, insbesondere den Abschluß eines bezüglichen Vertrages für den landw. Verein von Oberhessen mit
der allgemeinen Versorgungsanstalt in Karlsruhe.
6. Die Frage der Gründung von Landes- resp. Provinzial-Viehzucht⸗Verelnen. Nach§. 32 der Statuten muß jedes Mitglied, welches in der Versammlung
Gegenstände der
Der auf den 29. d. von Oberhessen soll um 10 Uhr eine Ausschußsitzung vorangehen. Friedelhausen den 1. October 1887. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen: Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.
elnen Vortrag zu halten wünscht, diese Absicht vor Beginn der Versammlung dem Präsidium zu erkennen geben; schriftliche Mittheilungen müssen wenligstens einige Tage vor der Versammlung bei demselben eingereicht werden. ladet hiermit alle Vereinsmitglieder, wie auch alle Freunde der Landwirthschaft zu dieser Versammlung hiermit ergebenst ein. Friedelhausen den 1. October 1887. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen: Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.
Der Unterzeichnete
M. anberaumten Generalversammlung des landw. Vereins
Sonntag den 16. October a. c. findet zu Melbach im Saale des Herrn Philippi eine landwirthschaftliche Versammlung statt. Tagesordnung: m) Kann die Gründung von Zuchtvereinen zur Hebung unserer Rindviehzucht beitragen? 2) Duͤngung der Winterhalmfrüchte.
Referent Landwirthschaftslehrer Hannemann.
Um zahlreiche Betheiligung bittet
Reitz, Bürgermeister.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Prinz Heinrich von Preußen wird nach seiner Rückkehr von Baveno, woselbst er zum Geburtstage seines Vaters, des Kron— prinzen(18. October), einzutreffen gedenkt, noch bis Ende November d. Is. am Großherzoglichen Hofe dahier verweilen und dann erst von hier sich wieder nach Kiel begeben. Ueber den Zeit— punkt der Vermählung des Prinzen mit der Prinzessin Irene verlautet jetzt mit ziemlicher Bestimmtheit, daß dieselbe erst im Herbst des Jahres 18888 stattfinden solle.
— 10. Oct. Fürst Alexander ist mit seinem Bruder Franz Joseph von Battenberg gestern Mittag nach England gereist.— Ihre Großh. Hoh. Prinzessin Victoria begibt sich demnächst nach Malta zu ihrem Gemahl, dem Prinzen Ludwig von Battenberg, welcher daselbst beim englischen Mittelmeergeschwader stationirt ist.
Mainz, 10. Oct. Durch einen Erlaß des großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, d. d. 7. October, wird das bischöfliche Klerikal— Seminar als Ersatz der theologischen Studien an einer staatlichen Universität anerkannt. Das Seminar soll am 25. d. M. wieder eröffnet werden.
Berlin. Der Reichskanzler beantragt beim Bundesrath den Zollanschluß von Geestemünde zu derselben Zeit zu verwirklichen, wenn Bremen mit Bremerhaven angeschlosse wird.
Leipzig, 10. Oct. Das Leipziger Reichs— gericht verurtheilte Neve zu fünfzehnjährigem Zuchthause und 10 Jahre Verlust der Ehren— rechte wegen vorbereitender Handlungen und Aufforderungen zum Hochverrath, Zuwiderhand— lungen gegen das Sprengstoffgesetz, Verbreitung verbotener Druckschriften und Meineid.
München, 10. Oct. Die Abgeordneten— kammer lehnte mit allen gegen zwei Stimmen die dauernde Feststellung des Malzaufschlages, sowie die von Diehl und Sartorius zu Gunsten der Kleinbauern gestellten Anträge auf Steuer— abstufung ab, und nahm mit 135 gegen 2 Stimmen die von der Commission beantragte zweijährige Weiterbewilligung des Malzaufschlags an.
Baden⸗Baden, 10. Oct. Der Kaiser ging gestern Vormittag nicht aus, er arbeitete in seinem Cabinet und empfing den Besuch der Großherzogin, auch das Dejeuner nahm derselbe zu Hause ein. Nachmittags nach 3 Uhr machte der Kaiser eine Spazierfahrt, nahm um 5½ Uhr das Diner mit der Großherzogin und den Prinzen Hermann, Gustav und Alexander von Weimar, dem Fürsten und den Prinzen von Hohenzollern und Statthalter Fürsten Hohenlohe ein.
Straßburg. Für die durch den Rücktritt des bisherigen Vertreters des Westcantons der Stadt Straßburg nothwendig gewordene Neuwahl eines Mitglieds des unterelsässischen Bezirkstags, ist von Elsässern und altdeutschen Mitgliedern des Gemeinderaths, Bürgermeister Back als Can— didat aufgestellt.
. Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Wiener „Allgem. Ztg.“ erhielt eine Pariser Depesche, nach welcher Großfürst Nicolaus seine äußerste Entrüstung über seinen angeblichen Toast bekunde. Der„Figaro“ habe seine Worte stark übertrieben. — 9. Oct. Der König von Griechenland
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ist heute nach Gmunden abgereist. von Serbien machte heute dem Minsterpräsi— denten Grafen Taaffe einen Besuch.
— 11. Oct. Der Reichsrath nahm heute wieder die Sitzungen auf.— Im Abgeordneten— hause legte die Regierung einen Gesetzentwurf, betreffend den Schutz des fremden Eigenthums gegen Gefährdung durch Bergbau und Ersatz— leistung für Bergschaͤden vor. Abg. Polak brachte eine Interpellation ein wegen der Zuckersteuer— vorlage, Abg. Rieger eine solche an die Gesammt— regierung wegen des die Mittelschulen betreffenden Erlasses des Unterrichtsministers v. Gautsch.
Belgien. Brüssel. Aus guter Quelle wird gemeldet, daß der eben hier weilende Kaiser Dom Pedro die Regierung Brasiliens nicht mehr übernehmen werde. Seine Abdankung zu Gunsten seiner ältesten Tochter, der Gräfin von Eu, dürfte Eude dieses Jahres erfolgen.
Frankreich. Paris, 10. Oct. Den Nach— richten aus Tanger zufolge ordnete der Sultan von Marocco, dessen Befinden wieder besser ist, wegen der Ermordung des französischen Com— mandanten Schmitt an, eine Entschädigung von 100,000 Frances zu zahlen. Das Panzerschiff „Courbet“ ist heute früh von Toulon nach Tanger abgegangen.
— Das„Journ. des Debats“ meldet, die Regierung habe in Folge mehrerer in den De— partements allzu leichtfertig und ohne Grund für den Verdacht der Spionage vorgenommenen Verhaftung von Ausländern den Departements— behörden anempfohlen, bei der Anwendung des Spionagegesetzes künftig mit großer Umsicht zu Werke zu gehen und keinerlei Maßregeln zu ergreifen, die der freien Bewegung der Aus— länder auf französischem Gebiete entgegenständen, es sei denn, daß sehr ernste Gründe für eine Schuld der betreffenden Personen vorlägen.
— Gestern wurde der General Caffarel aus dem Gefängniß der Rue du Cherche Midi nach seiner Wohnung gebracht, um hier einer Haus— suchung beizuwohnen. Er vermochte kaum die vier Treppen hinaufzusteigen und ließ sich, oben angelangt, in einen Lehnstuhl sinken, wo er, ohne ein Wort zu sagen, mit erloschenem Blick den Operationen der Polizei folgte. Diese be— mächtigte sich einer Menge Briefschaften, welche in große blecherne Büchsen gepackt und nach der Präfektur geschafft wurden.
Italien. Rom, 10. Oct. Die Eröffnung des Parlaments findet am 16. d. statt.— Die „Ag. Stefani“ erklärt gegenüber einer Depesche aus Varna, worin behauptet wird, daß bei der Zusammenkunft in Friedrichsruh auch die Frage einer Gebietserweiterung zu Gunsten Italiens und zum Nachtheile der Türkei erörtert worden sei, diese aus russischer Quelle stammende Nach— richt verfolge den Zweck, bei der Pforte Miß— trauen gegenüber dem Einfluß Italiens im Con— cert der europäischen Großmächte zu erwecken. Die Behauptung, man habe in Friedrichsruh über territoriale Compensationen verhandelt, sei eine völlig willkürliche, indem auch Italien seit 1877 die Achtung vor den Verträgen vertheidigt und sich gegen jede Theilnahme seitens der Großmächte an einem Ländererwerb auf der Balkanhalbinsel erklärt habe.
Der König
Bulgarien. Sofia, 10. Oct. Die Wahlen zur Sobranje wurden in Sofia und größten— theils auch in der Provinz ruhig vollzogen. In Sofia beobachtete die oppositionelle Partei Zankoff-Karaveloff Wahlenthaltung. Die vier Regierungscandidaten, darunter Stambuloff und Stranski wurden hier fast einstimmig gewahlt. In Plewna und Rahowa kam es zu blutigen Cravallen der Regierungs-Anhänger mit den Zankofftsten, wobei mehrere Personen todt blieben. Das Gesammt-Resultat der Wahlen wird un— gefähr 250 Anhänger der Regierung und 40 Mit— glieder der Opposition aufweisen.
Afghanistan. Kabul. Nach einer dem „Russ. Inv.“ zugegangenen amtlichen Nachricht ist Eyub Khan in Ghusni, einer der bedeutendsten Städte der Provinz Kabul, eingetroffen.
Aus Stadt und Land.
C. T. Friedberg. Gemeinderathssitzung vom 10. Oet. Die Vorlegung der Realschul Rechnung für 1886/87 gibt keinen Anlaß zu Bemerkungen.(Folgende Hauptbeträge seien aus dieser Rechnung hier angeführt: fester Beitrag der Stadt 8600 M., Staatsbeitrag 16,718 M., Schul⸗ geld 13,054 M.). Die Gas Commission hat Einsicht genommen von der Führung der Bücher durch den Gas— Verwalter Brucker und sprscht sich hierüber, sowie über die techntsche Seite seiner Thätigkeit lobend aus. Dem Gesuch von D. Loeb in Bad-Nauheim um Aufstellung einer automatischen Personenwaage in die Allee soll Statt gegeben werden; 7½¼0 o der Einnahme fließen in die Stadtkasse. Zum Schlusse macht der Vorsitzende die Mittheilung, daß Gartenschütze Briel gekündigt hat und seit dem 5. d. Mts. den Dienst nicht mehr versieht. Neu⸗ Ausschreiben der Stelle bleibt vorbehalten.
Friedberg. In den Landesausschuß für die Ein⸗ kommensteuer auf 1888/91 hat der oberhessische Pro— vinzialausschuß als Mitglieder gewählt die Herren Stadt⸗ verordneter Vogt-Gießen, Bürgermeister Bopp-Bellers⸗ beim, Georg Steinhäußer Friedberg; als Ersatzmitglieder die Herren Bürgermeister Stöpler Lauterbach und Mühlen⸗ besitzer W. Erk Nidda.
Butzbach. Die Kartoffel Ernte, schreibt der W. B, die sich ihrem Ende zuneigt, hat alle Erwartungen über⸗ troffen. Sowohl in Güte als in Menge muß dieselbe als eine vorzügliche bezeichnet werden. Knollen von 2 Pfund Gewicht sind keine Seltenheit. Der Preis ist deßhalb ein billiger, das Malter(200 Pfund) Kartoffeln kostet 3 Mark bis 3 Mark 50 Pf.
Dortelweil. Montag Nacht ¼ Uhr brach in der Scheuer des Pächters Rupp Feuer aus, welches sämmtliche Frucht und Futter, was in großer Menge vorhanden war, gänzlich einäscherte. Durch die reich⸗ haltige Nahrung griff das Feuer noch weitere 4 Scheuern an, welche auch in kürzester Zest ein Raub der Flammen wurden. Von Vieh wurde alles gerettet bis auf 2 Rinder und ca. 12 Schweine, die in den Flammen umgekommen sind. Zwei Arbeiter werden vermißt und ist noch nicht festgestellt, ob sie in den Flammen umgekommen oder sich entfernt haben. Entstehungsursache ist bis jetzt noch unbekannt.
H. Wickstadt. Das landw. Casino zu Friedberg veranstaltet jetzt fachliche Vorträge, zu denen der Zutritt auch Nichtmitgliedern frei steht. Der Vorsitzende des Casino's, Landw. ⸗Lehrer Dr. Toblisch, hat zunächst am vorletzten Sonntag im Hötel Trapp eine Reihe zu⸗ sammenhängender Vorträge über das Leben der Cultur pflanzen begonnen. Derselbe führte aus, daß es viele landw. Fragen gäbe, welche sich in einem Elnzelvortrage nicht ordentlich behandeln ließen, weil es der Zuhörer⸗ schaft großenthells an den nöthigen Vorkenntnissen fehle, daß es demnach wünschenswerth sei, derartige Gegen: stände in einer Reihe zusammenhängender Vorträge zu besprechen, machte aufmerksam, daß nur ein möͤglichst tiefer Einblick in das Leben der Culturpflanzen gestakte, die thunlichste Rentabilität des Pflanzenbaues zu erzielen, und zeigte, daß zur Gewinnung genannter Kennkniß die landw. Praxis nicht ausreiche, hierzu vielmehr die Chemie und Pflanzenanatomte herangezogen werden müsse. Hler⸗ auf erläuterte der Vortragende die allgemeinen chemischen
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