Ausgabe 
12.5.1887
 
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10. Mal. Erste Berathung der Brannkweinsteuer. Fi nanzminister Scholz führt aus, die Grundgedanken des vorjährigen Eventualentwurfs in Beibehaltung der Maisch bottichsteuer und der Branntweinmaterialtensteuer neben Einführung einer Verbrauchsabgabe, seien im vorllegen⸗ den Entwurfe dieselben geblieben. Die hauptsächlichste Abweichung bestehe in der Verschledenheit des finanziellen Effeets. Der Eventualantrag habe bel progressiver Er⸗ hebung der Verbrauchsabgaben 210 Million Reinertrag in Aussicht genommen. Der vorliegende Entwurf be ziffere den Relnertrag auf nahezu hundert Million, dle Regierung hoffe, der Entwurf werde eine baldige förder same und abschlleßende Einigung über die schwlerige Frage ermöglichen und werde sich mit ihm ein Erfolg ermöglichen lassen. Die zweite wesentliche Aenderung gegen den früheren Entwurf bestehe in der größeren Ruͤcksichtnahme auf die Interessen der Landwirlhschaft, welche durch den vorliegenden Entwurf zugleich gekräftigt und geschützt werden soll. Der Bundesrath erwog reif lich die Frage, ob der Entwurf derartig beschaffen sei, daß auch die süddeutschen Staaten sich der norddeutschen Branntweinsteuergemeinschaft anschließen könnten, ohne daß die süddeutschen Brennereien resp. die süddeutsche Landwirthschaft dabei geschädigt würden. Der Bundes rath habe die Frage in günstigem Sinne beantwortet. Der Minister erörtert die einzelnen Bestimmungen und bezeichnet als weiteren Vorzug, daß der Entwurf ab weichend vom Eventualentwurf, der eine Ermäßigung der Maischbottichsteuer vorgeschlagen hatte, nach bewährtem bayerischem System eine Reform der Steuer in Aussicht genommen habe. Die Einführung einer fakultativen Fabrikatssteuer werde vielen Klagen abhelfen. Der Ml nister stellt schließlich das möglichste weitere Entgegen kommen der Regierung in Aussicht, hofft von der Mehr heit des Hauses und der Commissionen, daß es gelingen werde, zu einem befriedigenden Resultate zu gelangen. Gamp(freicons.) bezeichnet die Vorlage als brauchbare Grundlage zu einer Verständigung, doch dürfe man aus dieser Steuer keine allzuhohen Beträge erzielen wollen. Das Gesetz werde nicht eine unerträgliche Vertheuerung des Consums, wohl aber eine ersprießliche Einschränkung desselben herbeiführen. Spahn(ultr.) erklärt, das Cen trum sei bereit, an der Branntweinsteuer-Reform thätig fördernd mitzuarbeiten. Gegen den vorliegenden Ent wurf habe er jedoch erhebliche Bedenken, zunächst gegen die Höhe der Steuerquote. Redner empfiehlt die Ver weisung der Vorlage an eine Commission von 28 Mit gliedern. Oechelhäuser(nat.⸗lib) erkennt die Noth wendigkelt der Erhöhung der Reichseinnahmen und die Zweckmäßigkeit der höheren Vesteuerung des Brannt weins an, hebt hervor, daß der vorliegende Entwurf sich von dem vorjährigen Eventuaglentwurfe vortheilhaft unter scheide. Redner befürwortet übrigens gleichfalls Com missionsberathung. Bundes bevollmächtigter bayer. Finanz minister v. Riedel hält sich im Gesammtinteresse des deutschen Vaterlandes für verpflichtet, in dieser Sache für die Vorlage das Wort zu nehmen. Man möge da raus aber nicht schließen, daß Bayern gewillt sei, sein Reservatrecht aufzugeben. Für Bayern liege der Schwer punkt in der Frage, ob die bayerischen Brenner in die

Branntweinsteuergemeinschaft eintreten sollen oder nicht.

Dle Beantwortung dieser Frage hänge davon ab, ob das vorliegende Gesetz sich derart gestalten werde, daß die Existenz der bayerischen Brennereien dadurch nicht beeinträchtigt werde. Es handele sich um 6000 Brenner, deren Interessen man ebenso Rücksicht schuldig sei, wie der Cultur des Landes. Er verlange keine Vergünstt⸗ gung für die süddeutschen Brenner, aber durch Gesetz müsse vorgesehen werden, daß die norddeutschen Bren: nereten in Folge ihrer günstigeren Verhältnisse den süd deutschen Brenner nicht unterdrücken.

Dem Vernehmen nach wurde General Kaulbars am letzten Donnerstag vom Reichs

kanzler in zweistündiger Audienz empfangen.

Ausland.

Frankreich. Paris. Ministerpräsident Goblet richtete ein sehr entgegenkommendes Schreiben an die Budget-Commission, worin er mittheilt, daß er sich der Commission zur ge meinsamen Prüfung der vorgeschlagenen Erspar nisse zur Verfügung stelle.

Portugal. Lissabon, 8. Mai. In der vergangenen Nacht wurde der Schiffslieutenant und Deputirte Ferrera-Alida auf Befehl der Re gierung verhaftet und an Bord eines Kriegs schiffes gebracht, weil er in einem Wortwechsel mit dem Marineminister den letzteren ohrfeigte. Ferrera-Alida gehört der ministeriellen Partei an. Nach portugiesischen Gesetzen müßte die That mit dem Tode bestraft werden.

Bulgarien. Sofia. Von hier verlautet, daß bald nach Rückkehr der Regenten das Decret zur Einberufung der ordentlichen(kleinen) So branje erlassen werden wird. Man erwartet, die Kammer werde nicht auseinandergehen, ohne die Vereinigung Bulgariens mit Ostrumelien und die absolute Unabhängigkeit des Fürstenthums pro clamirt zu haben. Die russische Regierung werde nichts thun, um dies zu verhindern, da sie entschlossen sei, die Politik deslaisser faire zu adoptiren.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Nach einer Entscheidung des Reichs gerichtes sind Gartenbesitzer befugt, die Katzen, welche in ihrem Garten den Singvögeln oder dem Geflügel nach stellen, als Raubthiere zu behandeln und zu tödten.

Allerlei.

Pest, 9. Mai. Ueber die Stadt ging gestern Abend ein furchtbares Gewitter nieder. Das massenhaft nieder strömende Wasser drang in viele Kellerwohnungen ein. In einzelnen Vorstädten standen ganze Gassen unter

Wasser. Ein Arbeiter, der sich unter eine Eiten brücke geflüchtet hatte, wurde vom Blitz getötet. Pest, 8. Mal. Bei einem orkanartigen Sturme gestern in Kurttes, einer Gemeinde des Arader Comitgl ein heftiger Brand zum Ausbruch, welchem hundertfünfss Wohnhäuser und Wirthschaftsgebäude und eine Dam. mühle zum Opfer fielen. 17

Handel und Verkehr. Postkarten. Ueber den Aufbrauch offener geduk⸗ ter Karten mit dem VermerkPostkarte hat das Neseiz postamt unter'm 28. v. M. entschteden, daß es unsiclt, haft ist, Formulare zu offenen gedruckten Geschäftskartg, auf deren Vorderseite der VordruckPostkarte du Ueberklebung verdeckt worden ist, gegen Entrichtung i Drucksachenportos in den Verkehr zu bringen. Dagegn hat das Reichspostamt genehmigt, daß der etwa vorhah dene Vorrath an derartigen Kartenformularen innerbell des Reichs gebiets(also nicht nach Bayern und Würten berg) als Drucksachen versandt werden dürfe, wen das WortPostkarte im Vordruck der Vorbersese kräftig durchstrichen und durch das WortDrucksachl ersetzt worden ist.

Friedberg, 9. Mai. Fruchtpr. Walzen M. 19, Korn M. 14., Gerste M. 1314., Hafer M. 10 bis 12.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 gig; = 200 Zollpfd. f Friedberg, 10. Mai. Buttermarkt. Butter koste per Pfd. M. 0.80 0.90. Eier 2 St. 9 Pf. 1 Grünberg, 7. Mai. Fruchtpr. Welzen M. 18.3, Korn M. 14.20, Gerste M. 13.00, Hafer M. 11.0 Erbsen M. 14.40, Kartoffeln M. 4.20.

Gießen, 10. Mali. Auf dem

Hühner per St. M. 1.10 1.50, Hahnen per St. M. 10 bis 2.00, Enten per Stück M. 2.00 2.30, Ochse fleisch per Pfd. 62 64 Pf., Kuh- und Rind flessch 8

5062 Pf., Kalbfleisch 4046 Pf., Kartoffeln per 100 ff M. 3.80 5.00, Zwiebeln per Etr. M. 4.00- 4.50.

Sabbathfetler vom 14. Mal 1887. Freitag Abends 7 Uhr 5 Min. Samstag Morgens 8 Uhr.

Samstag Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgang 8 Uhr 30 Min.

Morgens 6 Uhr, Abends 8 Uhr 25 Min.(Omergeb

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N* 9 Konkurs-Verfahren.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Wittwe des David Speyer II., Gütchen, geb. Kassel, von Heldenbergen ist zur Prüfung der nachträglich an gemeldeten Forderungen Termin auf Mittwoch den 25. Mai 1887, Vormittags 10 Uhr, vor dem Großher zoglichen Amtsgerichte hlerselbst anberaumt.

Friedberg den 6. Mai 1887.

Weber,

Gerichtsschreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts.

1794

Holz⸗ und Pfriemen⸗ Versteigerung.

In dem Domanialwalddistrikt Burgwald, Schlag XIV, werden Montag den 16. d. Mts. 5250 gemischte Weich laub⸗, 450 Dorn- Wellen und 3650 Gebund Pfriemen versteigert. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Forst haus Winterstein.

Großherzogliche Oberförsteret Ober Rosbach. 1795 Strack. Bekannt Bekanntmachung. Betreffend: Coneurs über das Vermögen des Jacob Hahn J. von Ober-Mörlen.

Das Schlußverzeschniß liegt bei der Gerichtsschreiberei hiesigen Amtsgerichts zur Einsicht der Betheiligten offen. Die Summe der Forderungen beträgt 8260 M. 21 Pf., der zur Vertheilung verfügbare Massebestand 1321 M. 63 Pf. und der Prozentsatz 16.

Bad⸗ Nauheim den 9. Mai 1887.

Der Coneurs-Verwalter Richard Wörner.

9 118* Arbeits⸗Vergebung. Samstag den 14. d. Mts., Nachmittags um 2 Uhr, soll die zur Weiterchausstrung eines Wegs nöthige Planirarbeit, veranschlagt zu 175 Mark, in der Gemarkung Ockstadt, an Ort und Stelle öffentlich vergeben werden. Zusammenkunft an dem Rathhause zu Ockstadt um Uhr. Friedberg den 10. Mai 1887.

1791

H. Zörb,

1807 Bezirks bauaufseher.

Arbeits-Vergebung.

Samstag den 14. d. Mts., Nachmittags Uhr, sollen auf dem Gemeindezimmer zu Ossenheim nach stehende Arbeiten und Lieferungen öffentlich vergeben werden:

Maurerarbeit, veranschlagt zu

Cementlieferung

Sandlieferung

Lieferung von hydr. Kalk

Friedberg den 10. Mai 1887.

40 Mark, 1 18

Zörb II., Bezirks bauaufseher.

Arbeits-Vergebung. Samstag den 14. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr,

werden auf dem Gemeindezimmer zu Bauernheim nachstehende Arbeiten und Lieferungen öffentlich vergeben: Pf

1798

68

Maurerarbeit, veranschlagt zu

Stelnhauerarbeit(Rockenberger Sandsteine)

Schlosserarbeit

Zimmerarbeit

Pflasterarbelt

Lieferung von zugerichteten Basaltpflaster

steinen Lleferung von Pflastersand Friedberg den 10. Mai 1887. Zörb II.,

1812 Bezirks bauaufseher.

5 Arbeits⸗Vergebung.

Montag den 15. d. Mts., Nachmittags um 1 Uhr, sollen in dem Gemeindehause zu Wölfersheim nach stehende Arbeiten und Lieferungen öffentlich vergeben werden: M. Pf.

Maurerarbeit, veranschlagt zu

Pflasterarbeit

Maurer-, Pflaster- und Chaussirstein

lieferung

Sandlieferung

Schwarzkalklieferung

Zerschlagen von Unterhaltungssteinen

Friedberg den 10. Mal 1887.

1806

2 56

H. Zörb, Bezirks Bauaufseher.

Arbeits-Vergebung.

Die Arbeiten und Lieferungen zur Erbauung ein Schulhauses in der Gemeinde Pohl⸗Göns sollen auß PI.

M. 2988 45 1766 40 4012 23 1290 2859 68 1298 50

dem Submissionswege vergeben werden:

Maurerarbeit, lt. Kostenüberschlag

Steinhauerarbeit

Zimmerarbelt

Dachdeckerarbeit

Schreintrarbelt

Schlosserarbeit

Glaserarbeit

Weißbinderarbeit

Spenglerarbeit

Tapezierarbeit

Pflasterarbeit

Lteferung von Schwarz- und Weißkalk 12 Cement 45

geschliffenen Sandsteinplatten 111

glasirten Thonröhren 105

555 42

2920 274 80 49

** 7 7

* 1 eisernen Trägern

sprechender Aufschrift: Submission auf versehen an Großherzogliche Bürgermeisterel Pohl-Gön einzusenden. Die Eröffnung der Offerten findet in Gegenwart der erschienenen Submittenten statt.

zeichneten eingesehen werden. Butz bach den 9. Mai 1887.

Metzger, Bezirks⸗Bauaufseher.

daß wir Herrn J. Mai in Friedberg für Frledberz und Umgegend den Verkauf unserer Siedesalze(Speise n Vleh⸗ und Gewerbesalz) übertragen haben und fügen

Steinsalz produztren. Salzungen, 23. Aprll 888, Achtungsvollst Saline und Soolbad Salzungen. 1772 Hauck.

noch zu vermiethen, eventuell kann Küche hergerlcht werden. Näheres im Hause selbst. 172²⁸

bis 56 Pf., Schweinefleisch 54 60 Pf., Hamme flesss

Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg

in einzelnen Metern, sowie ganzen Stücken portofre(

1765

* Die Offerten sind verstegelt, frankirt und mit ente bis zum Montag den 16. d. Mts., Vormittags 10 Uh

Zeichnungen, Kostenanschlag und Bedingungen können an den Tagen dieser Woche auf dem Büreau des Unter?

Wir bringen hiermit zur gefälligen Kennknißnahme,

noch ausdrücklich hinzu, daß wir nur Sledesalze, keln

3 Zimmer im zweiten Stoch

im Hause des verstorberen Krelsbaumeisters Reuß sind

Oseabel 0 Nee -s .- bt z u Stn Juslaͤdt Edna 90 sel

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Iffebac 109

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Wochengottesdienst von Sonntag den 15. 12 N

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