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Deutsches Reich. Darmstadt. Der Gerichtsschreiber-Asp. Suppes in Bad⸗Nauheim wurde zum Hilfsge- ichtsschreiber in Vilbel bestellt. Die Forst⸗ ktessisten Hämmerle zu Gießen und Steinmetz b Mainz wurden zu Forstassessoren, der Mili branwärter Diacont aus Neu-Isenburg zum Füreaudiener bei der Station Eberstadt ernannt. Berlin, 30. Juni. Die Besserung in dem kefinden des Kaisers macht andauernd die funstigsten Fortschritte. — 30. Juni. Mackenzie nahm gestern eine
ne weitere Operation kaum Anlaß mehr ist. lach der Operation ging sofort ein Expreßbote uch Berlin ab, mit dem von Mackenzie aus m Kehlkopf entfernten Stück, welches Prof. lirchow mikroskopisch untersuchen wird. Der Fonprinz zog sich, seit er in England ankam, de unbedeutende Erkältung zu, welche eine hinge Congestion in der Kehle veranlaßte, brigens ist das Befinden des Kronprinzen aus— zeichnet. Die deutschen Aerzte des Kronprinzen ohnten der Operation, die in der Wohnung
LVackenzie's stattfand, bei. — 30. Juni. Der Bundesrath stimmte in
jetz und dem Gesetz über die Unfallversicherung er Seeleute mit den vom Reichstage beschlos— nen Aenderungen zu. Die vom Reichstage bei r Berathung des Branntweinsteuergesetzes be— 9 sclossenen Resolutionen überwies der Bundes— ih dem Reichskanzler. 1 1 Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Die Sresse“ meldet: Der Abschluß eines Handels— üctrages zwischen Oesterreich und Sansibar iht bevor, wozu der Sultan von Sansibar die Ritiative ergriffen hat. Der Vertrag beruht f der Basis der Meistbegünstigung. Belgien. Brüssel. Nachdem die Frage
c Maasbefestigung in beiden Kammern zu Funsten der Regierung erledigt ist, sollen die usführungsarbeiten unverzüglich in Angriff nommen werden. Man hofft, bis zum 15. Juli h durch die Befestigungen nothwendig werden— In Expropriationen durchzuführen und dann mit In Arbeiten selbst beginnen zu können. Bulgarien. Sofia. Die bulgarische Re— ung theilte den Vertretern der Mächte mit, Sobranje werde sich lediglich mit Verwal— uurgsangelegenheiten befassen.
Rußland. Petersburg. Wie der„K. Z.“ zen hier berichtet wird, sind dortselbst am Dienstag ur Nihilisten gehängt worden.
— Gutem Vernehmen nach soll das Verbot —— in diesen Tagen aufgehoben dirden. Warschau, 26. Juni. Eines der tüchtigsten Mit— feder der Warschauer Geheimpolizei ist ermordet irden. Dieses Mitglied der Geheimpolizei, ie junge hübsche Frau, begab sich vor zwei Aschen nach Suwalki, um das Treiben der
tigen polnischen Sozialisten und russischen Igilisten zu beobachten. Die Geheimpolizistin, che reichlich mit Geld und Waffen ausge⸗ Ret war, erfuhr, daß die Sozialisten und listen sich im Städtchen Kinerischki zu ver— sameln pflegen. Die Frau begab sich nach h erischki, doch schon am nächsten Tage nach er Ankunft in Kinerischki fand man sie mit ichmettertem Schädel außerhalb der Stadt ikten auf dem Felde todt liegen. Asien. Simla, 29. Juni. Gestern fand Treffen zwischen den Truppen des Emirs Afghanistan und den aufständischen Ghilzais Istadeh statt. Die Truppen des Emirs anden unter Gholam Hyder Khan. Die ilzais wurden besiegt, und erlitten empfind—
de Verluste.
zeiger.
2 77.
Aus Stadt und Lond. m. Friedberg. Der Verein für innere Mission ver— anstaltet nächsten Montag den 4. Juli ein Missionsfest auf dem Gleiberg bei Gießen, wobel Nachmittags 2 Uhr Hofprediger Stöcker aus Berlin die Fesipredigt halten wird. Vormittags 9½ Uhr findet in Gießen in Stein's Garten eine gesellige Vereinigung statt, wozu alle Freunde der Sache eingeladen sind. f. Ockstadt. Die am 26. l. Mts. stattgefundene Fahnenweihe des Gesangvereins Frohsinn verltef in schöner Weise. Das Ort hatte resch geschmückt. Der
Empfang der auswärtigen Vereine war ein herzlicher und wurden sämmtliche Vereine nach der Begrüßung
mit Musik zum Festplotz geleitet. Es waren 28 Vereine zum Feste erschienen. Um 2 Uhr sammelten sich sämmt— liche Vereine an der Straße nach Ober Rosbach zu behufs des Festzuges. Ehrenreiter führten den Zug, sodann folgte der hiesige Kriegerverein, Musik, die Fest— damen mit der gewidmeten Fahne, zu beiden Seiten 6 Ehren reiter, das Comité mit dem Ortsvorstand, 18 Vereine, Musik und der Rest der Vereine. Auf dem Festplatze angekommen, begrüßte Vürgermeister Dlenst sämmtliche Fesigäste Namens der Gemeinde. Lehrer Nieolat dankte speeiell den Gesangvereinen für ihre Theilnahme am Feste. Lehrer Jeckel' hielt dle Festrede. Hierauf folgte gesellige Vergnügung mit Gesaͤngen ein— zelner Vereine. Es waren zum Feste sovlel Besucher erschienen, daß der Festwirth nicht alle befriedigen konnte
und strömte eine Masse in die Wirthschaften Ockstadt's
um sich zu erquicken.
Abends fand Feuerwerk und Tanzvergnügen statt.
Da die Ockstädter Sonntags sich
nicht vlel an der Unterhaltung betheiligen konnten, so fand Montags eine Nachfeter statt, die ebenfalls mit
einem Zug mit Musik zum Festplatz begann.
Gießen, 28. Juni. Schwurgericht. Konrad Mar— steller Ehefrau von Gruͤningen, welche unter der Anklage stand, sich in einer Verhandlung der Strafkammer dahter eines Meinelds schuldig gemacht zu haben, wurde heute in nichtöffentlicher Sitzung frelgesprochen, da die Ge— schworenen die Schuldfrage verneinten.— 29. Juni. Heinrich Wilker von Rainrod bet Alsfeld hatte sich wegen Branbstifstung vor dem Schwurgerichte zu ver— antworten. Die Geschworeuen bejahten die auf fahr— laͤssige Brandstiftung gerichtete Schuldfrage und es er— folgte darauf Verurtheilung des Angeklagten in eine Gefängnißstrafe von 2 Monaten.
Allerlei.
Köln, 30. Juni. Erzbischof Cremenz vollzog heute in Anwesenheit des Domcapltels und aller hohen Be— hörden die Taufe der Kaiserglocke, welche seit dem Dombaufest im Jahre 1880 stillschwieg; sie erhielt den kirchlichen Namen Glorkosa.
Pirmaseas, 27. Juni. Heute Nacht wurde der 17 Jahre alte Schuhmacher Georg Jacobi von dem eben— falls 17jährigen Ludwig Ullmer erstochen. Der Mörder ist verhaftet.
Barmen, 28. Juni. Wle die„Barm. Ztg.“ be richtet, entgleisten am Sonntag Morgen gegen 8 Uhr auf der Strecke Vohwinkel-Steele beim Einfahren in den Bahnhof Nierenhof der vierte und fünfte Wagen des von Vohwinkel abgelassenen Personenzuges. Der vierte Wagen schlug um, kam auf die Seite zu liegen und wurde, bis der Zug zum Stehen gebracht war, mitge chlelft. Die in demselben befindlichen Fahrgäste schwebken in größter Lebensgefahr. Es ist jedoch Niemand verletzt worden.
Seminarlehrer Johs. Wahl.
Am Montag den 27. Juni wurde, wie in diesen Blättern bereits mitgetheilt, Seminarlehrer Wahl be— graben. Kaum war jemals in unserer Wetterau, in unserer Provinz, ja in unserem ganzen Lande ein Name mehr gekannt, ein Mann mehr geliebt und geehrt als der Verstorbene. Der Bedeutung dieses Mannes entsprach die Theilnahme des Publikums aus engeren und weiteren Kreisen an feine Ehrenfeier, denn als solche im schönsten und großartigsten Sinne des Wortes gestaltete sich seine Beerdigung. Schier endlos war die Reihe der Leid— tragenden, welche durch directe persönliche Beziehungen des Dankes und der Verehrung an den Vorstorbenen geknüpft gewesen waren, noch imponirender fast die Zahl der Körperschaften und Vereine, welche Vertreter geschickt hatten, um dem Verstorbenen als ihrem Mitgliede oder Mitarbeiter und Förderer den Tribut ihrer Anerken— nung trauernd nachzurufen; selbst Augen, die oft genug dem Tode nahe in's Antlitz geschaut, mußten gerührt werden durch die Ueberfülle von Kranzes- und Blumen⸗ spenden, welche aus dem Inneren von Familien in das Haus zusammengeströmt waren, das er durch sein plötz— liches Scheiden zu einer Stätte des Jammers gemacht hatte. Johannes Wahl war geboren am 18. August 1821 zu Ober-Ohmen als Sohn eines Landwirthes. Kaum 15 Jahre alt, entschied sich der begabte Knabe für die damals noch weit mehr als jetzt dornenvolle Bahn des Volkslehreramtes, er kam nach; Friedberg„ welches von nun an fast ununterbrochen die Stätte seiner Heimath und seines Wirkens werden und bleiben sollte. Er be suchte zunächst ein Jahr lang die Privat-Lehr⸗ Anstalt des Lehrers Hanstein, wurde dann für 2 Jahre Schüler des hiesigen Lehrerseminars, welches er wohlvorbereitte
für den Lehrerberuf verließ, um nach kurzem Wirken als Hilfslehrer an der Hanstein'schen Anstalt zu Fried⸗ berg und an einer Privatschule zu Lauterbach als Hilfs— und später definitiv angestellter Lehrer wieder an die— jenige Anstalt zurückzukehren, der er selbst den größten Theil seiner Bildung verdankt und an der es ihm be— schieden sein sollte für die Ausbildung des gesammten hessischen Lehrerstandes bis zu seinem Ende mit Segen zu wirken. Die ganze Reihe der hessischen Lehrer, die vom Jahre 1843 bis heute aus dem Lehrerseminar zu Friedberg hervorgegangen, kennt das Wirken Wahl's an dieser Anstalt, und wie sie es noch heute schätzt, das beweist die Theilnahme so ungemein vieler, zum Theil von weither zugereister Schüler an seinem letzten Ehrentage. Was Wahl in seinem Berufe gewesen, das bewies auch der an seinem Grabe gesprochene schöne und warme Nachruf seines Vorgesetzten und Freundes, des dermaligen Directors des Lehrerseminars. Bei aller Fülle der Begabung gerade für das Lehramt und bei aller Freude an diesem seinem Berufsfache vermochte der Entschlafene gleichwohl in der Hingabe an dasselbe nicht das volle befriedigende Bethätigen und Ausleben aller in seinem Wesen vereinigten bedeutenden Kräfte zu finden. Wahl war erfüllt von einem überaus warmen Gefühl für das Schöne, Gute und Rechte in der ihn umgebenden Welt; im selben Verhältniß natürlich von Empfindlichkeit gegen Erscheinungen von entgegengesetztem Charakter. Nimmt man hierzu die sein ganzes Wesen beherrschende überaus große Neigung zur Thätigkeit, ja ein fast bis zur Begeisterung gesteigertes Streben nützlich zu sein und Andere glücklich zu machen, vielleicht auch ein gewiß erlaubtes Verlangen, den Dank für sein Wirken im Spiegel der ihm werdenden Anerkennung und Schätzung lesen zu können,— nimmt man hierzu ferner die dem Verstorbenen in so hohem Grade verliehene Gabe der kostlich-heiteren wie der ernst und nachhaltig⸗ anregenden Rede, endlich der sein ganzes Wesen un— mittelbar beherrschenden Freundlichkeit und Liebens⸗ würdigkeit,— so sieht man ein Charakterbild entstehen, dessen Träger ein für sein gemeinnütziges und öffent⸗ liches Wirken ungemein gut ausgerüsteter Mensch wer⸗ den mußte. Und so war es wirklich. Wahl war in der That ein Mann von ungewöhnlicher Art und von geradezu seltenem Einfluß auf das ihn umgebende Leben. Unglaublich groß ist die Zahl der privaten und öffent⸗ lichen Angelegenheiten, welche Wahl im besten Sinn des Wortes zu„seinen eigenen“ und mit Hilfe seines überaus glücklichen Ordnungs- und Geschäftssinnes meist auch glücklich durchzuführen wußte. Seit lange her wußte Jeder, der sich auf dem Gebiete unserer öffent⸗ lichen Angelegenheiten bethätigen wollte, daß er ent⸗ weder mit Wahl Schulter an Schulter vereint oder w ider ihn stehen müsse als Gegner. Wo Wahl stand, stand er ganz und völlig, und seine Kampfesweise konnte scharf werden. Trotzdem war auch von seinen Gegnern Keiner, der an seinem Grabe nicht völlig versöhnt ge— standen hätte, denn Wahl war ein guter Mensch. Herzensgüte und aufrichtige Frömmigkeit waren, wie noch die letzten ernsten Lebensstunden in wahrhaft er— hebender Weise zeigten, die das Wesen und den Charakter des Verstorbenen in grundlegender Weise bestimmenden Züge. Von diesen Gesichtspunkten aus muß der Ab— schiedsblick auf dies reiche und eigenartig gestaltete Lebensbild fallen. Es wird lange Zeit dauern bis wir aufhören, ihn zu vermissen, unsere Liebe bleibt ihm allezeit. Die Beerdignngsfeier entsprach dem Charakter und der Bedeutung des oben kurz gezeichneten Lebens— ganges. Choralmusik der Dilettantenkapelle dahier er⸗ öffnete und schloß den eigentlichen Trauergang, feier⸗ licher Gesang des Sängerchors des Seminars empfing den für hiesige Verhältnisse geradezu großartigen Zug der Leidtragenden am offenen Grabe. Kirchenrath Baur gab in einfacher, würdig⸗-schöner Weise, unter Zugrunde⸗ legung des biblischen Gedankens:„Dienet einander, ein Jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat“, ein gedrängtes Bild des Lebensganges des! Verstorbenen, wobei er darauf hinwies, daß Herzensgüte, Drang zu gemeinnütziger hilfreicher Wirksamkeit und ächte Fröm⸗ migkeit die schönen Grundlagen für die schöne, erfolg⸗ reiche Lebensgestaltung des Verstorbenen gewesen Fien. Hierauf folgte als schoͤnster Beweis für die große Aus— breitung und Vielseitigkeit des Wirkens und der Be— ziehungen des Verstorbenen die Niederlegung der ihm von Corporationen und Vereinen gewidmeten Ehren— kränze. Die begleitenden Ansprachen drangen ersichtlich aus tieftrauerndem Herzen und oft ließ die thränen— erstickte Stimme kaum die Worte verstehen. Es erschienen mit Kranzesspenden der hiesige Kirchenvorstand(Kirchen— rath Baur), das Friedberger Lehrerseminar(Director Schäfer), die Großloge der verbündeten Freimaurer— logen des Großherzogthums Hessen(Director Brand von Mainz), die Freimaurerloge zu Friedberg Dr. Lorenz), das Lehrerseminar zu Bensheim(Director Mühr), das Lehrerseminar zu Alzey(Seminarlehrer Weinel), das Predigerseminar zu Friedberg(Director Diegel), die Realschule zu Friedberg(Reallehrer Wiesehahn), der Stadtvorstand zu Friedberg(Bürgermeister Steinhäußer), der Gesangverein Liederkranz(Stadtrath Koob), der Mainthal-Sängerbund(Taubstummenlehrer Schneider), der Kriegerverein(Kaufmann Bindewald), die Acker bauschule(Professor Tobisch), außerdem die Casino Gesellschaft zu Friedberg und die Gesangvereine Froh


