1886.
Bienstag den 31. August.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Annoncen: die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf.,
auswärtigen Einsendern(soweit L
zetztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist,
Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von werden stets per Post nachgenommen.
Für den M
Verlags-Expedit
September kann auf den„Oberhessischen Anzeiger“ bei der on mit 34 Pf., bei den Poststellen mit 50 Pf. abonnirt werden.
Betreffend: Maßregeln gegen Erkrankungen.
Amtlicher Theil.
Friedberg am 27. August 1886.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Bei der dermalen herrschenden heißen Witterung und der durch die Einquartierung bedingten größeren Dichtigkeit der Bevölkerung in einem großen Theile des Kreises erscheint es nothwendig dafür möglichst Sorge zu tragen, daß nicht durch Verabreichung von schlechten Ge—
tränken, besonders von sauren Bieren, in den
Sie wollen
öffentlichen Schanklokalen in fahrlässiger Weise Kraukbeiten hervorgerufen werden.
deßhalb alsbald und wiederholende, sorgfältige Prüfung der von den Wirthen verabreichten Getränke vornehmen, verdorbenes Bier oder ranzigen
Apfelwein sofort beschlagnahmen und uns umgehend Nachricht über solche Beschlagnah Diejenigen Wirthe, welche Bierpressionen im Gebrauche haben,
werden. dieser Apparate auf ihre Reinlichkeit von uns Gesetzes vom 14. Mai 1879 zu entnehmen. möglichst zu unterstützen.
Die Gendarmerie des Kreises werden wir anweisen Sie, bei der genauen Controle der
hmungen zukommen lassen, worauf wir das Weitere verfügen wollen Sie darauf aufmerksam machen, daß eine gründliche Prüfung Die Proben der Getränke sind von Ihnen auf Grund des§. 2 des Getränke
angeordnet worden ist.
Dr. Braden.
Deutsches Reich. Darmstadt, 28. August. Der Großherzog,
die Großherzogliche Familie, sowie Prinz Christian die Cabinete, Victor von Schleswig-Holstein, welcher eben hervorhebt, vor Allem in ihrer äußeren Politik Fürsten nunmehr auf österreichischem Laufe des monarchische und conservative Wales in treten, Mitwisser der Verschwörung gegen den eine ungeheure
Fürsten Alexander gewesen sein konnten.
hier zu Besuch weilt, statteten im gestrigen Tages dem Prinzen von Homburg ihren Besuch ab.
— In
v. Rabenau,
Berücksichtigung der Vorstellungen mehrerer ober—[machte dann einen Sp Immo⸗ kehr
hessischen Gemeinden auf Herabsetzung des biliar⸗ und Hypothekenstempels, bezw. Gebühren— ermäßigung, hat das großherzogliche Ministerium des Junern und der Justiz mehrere Punkte in Betracht gezogen, bei welchem eine Ermäßigung der Stempel und Gebühren der Staatskasse in Betracht gezogen werden könne, sofern nicht das finanzielle Ergebniß der fraglichen Ermäßiguntzen Bedenken begründe.
Berlin, 27. Aug. Der Kaiser ist mit dem König von Portugal heute Früh nach dem Tempelhofer Felde gefahren, um dort den Truppenübungen beizuwohnen. Nach einer Mit— theilung des„Meckl. Tagebl.“ wäre gestern auf den Extrazug, der den König von Portugal nach Berlin brachte, geschossen worden. Der Zug hat in der That gehalten, und wurde das Terrain abgesucht, nachdem der Schuß gefallen war. Es ergab sich, daß ein Jäger nach Rebhühnern geschossen und ein Schrotkorn den Dienerwagen getroffen hatte.
Wilhelmshaven, 26. Aug. Das Ka— nonenboot„Iltis“ ist nach sechsjähriger Reise von Ostasien wohlbehalten hier eingetroffen.
Essen, 29. Aug. Marquis Tsenug ist nach Besichtigung der Krupp'schen Werke gestern Nachmittag halb fünf Uhr von Essen über Vlissingen nach London abgereist.
Baden-Baden, 27. Aug. Unter dem Geläute aller Glocken fand nach dem Fr. J. heute der Einzug des Erbgroßherzogs nebst Gemahlin statt. Empfangen wurde der Erb⸗ großherzog auf dem Bahnhofe durch den Stadt— director Richard, Bürgermeister Seefels und die Vertreter des Stadtraths und der Stadt— verordneten. Die Stadt ist allgemein beflaggt. Der Empfang seitens des zahlreich versammelten Publikums war ein begeisterter.
Ausland. Oesterreich-Ungarn. „Fremdenblatt“ weist auf das
Wien. Das entschiedenste
1 einem
Folge des Antrages der Abgeordneten ö Schroeder und Mohn, sowie in sbesuchte heute früh den Minister
regierungsseitig eingegebenen Artikel Füͤrsten, Koch, über Jassy und Czernowitz ein—
die Behauptung einzelner Blätter zurück, daß getroffen, um den Fürsten zu erwarten. Ueber welche, wie das„Fremdenblatt“ den rührend herzlichen Empfang, der dem Boden
Principien ver- wurde, liegen Mittheilungen vor, denen zufolge Menschenmenge am Bahnhof angesammelt war, die den Fürsten mit brausen— Fürst Bismarck den und begeisterten Willkommrufen begrüßte. Giers' und Der Fürst selbst schlen überwältigt von diesem
aziergang; nach der Rück- ersten Beweise menschlicher Herzlichkeit; er hob
Franzensbad, 27. Aug.
empfing der Fürst den Besuch Giers', ein Kind, das ihm einen Blumenstrauß über— welcher zwei Stunden bei ihm verblieb. Um reichte, empor und küßte es. Am 27. August, 1 Uhr begaben sich Fürst Bismarck und Frau ssofort nach Ankunft des Fürsten Alexander, be— zu Giers zum Dejeuner. Die Abreise Bis— suchte denselben der commandirende General marck's erfolgte heute Nachmittag. Die Ankunft Herzog Wilhelm von Württemberg. Der Fürst in Berlin erfolgt heute Nacht erwiederte den Besuch Abends um 8¼ Uhr.
Frankreich. Paris. Eine regierungs Bei der Ausfahrt aus dem Hotel und bei der seitige Mittheilung der„Agentur Havas“ be- Anfahrt vor dem Palais des Herzogs wurde sagt, die Nachricht von dem Abbruch der diplo- der Fürst von einer zahlreich versammelten matischen Beziehungen zwischen Frankreich und Menschenmenge wiederum mit lebhaften Hoch—
rufen begrüßt. Vor der Wohnung des Bulgaren—
dem Vatican sei mindestens verfrüht.
Großbritannien. London, 27. August. fürsten fanden vielfache Ovationen statt. Am Abend Unterhaus. Der Antrag Edwards auf Ver⸗ brachte man ihm einen Fackelzug, viele Häuser llagung des Hauses, damit Zeit gewonnen waren illuminirt. Die ganze bulgarische Armee, werde, einen Protestantrag gegen die Ent⸗ mit Ausnahme des Strumsky-Regiments, welches
sendung des Generals Buller nach Irland ein-⸗[bei der Gefangennahme des Fürsten betheiligt zubringen, wurde mit 241 gegen 146 Stimmen war, forderte die Rückkehr des Fürsten Alexander.
abgelehnt. General Buller ist heute Abend Im Volk und im Militär wird mit Befriedigung von Dublin nach dem Suden von Irland davon gesprochen, daß dem Metropoliten Klement
bei Uebernahme der Regierung von Karaweloff
abgereist. ö N Regierungsseitig werden ins Gesicht gespien wurde, weil er als Ober⸗
Serbien. Belgrad.
alle Zeitungsnachrichten von einer angeblichen haupt der Kirche eidbrüchig war. Wie man Mobilisirung der serbischen Armee wiederholt hoͤrt, hatte Prinz Ludwig von Battenberg,
welcher am Mittwoch Abend von Darmstadt
Bulgarien. Sofia, 28. August. Fürst nach Wolfsgarten und von da nach kurzem Alexander und sein Bruder Prinz Franz Joseph Aufenthalt nach Frankfurt abgereist war, in sind gestern um 9 Uhr früh mit dem Courier-[ Homburg eine längere Conferenz mit dem Prinzen zuge aus Rußland in Begleitung des Vice- von Wales, wobei der Letztere entschieden die Gouverneurs von Kischeneff, eines Geheim- sofortige Rückkehr des Fürsten nach Sofia be— polizisten und des Majors Oglio aus Woloczysk fürwortet haben soll. Der englische Gesandte in Podwolozischa eingetroffen. Das Verhalten am Darmstädter Hofe hatte heute Morgen eine der russischen Behörden war dem Fürsten gegen- längere Unterredung mit Prinz Alerander von über sehr kühl, die gewünschte Beistellung eines Hessen. Später war auch der Großherzog von Salonwagens wurde ihm verweigert. Auf der Hessen bei dem Prinzen. Prinz Ludwig von genannten Grenzstation fand ein sehr freund- Battenberg ist gestern Abend in Lemberg einge— licher Empfang statt, und wurde auch seitens troffen. Der Fuͤrst Alexander hat von Lemberg der Galizischen Karl-Ludwigsbahn ein Salon- aus seinem Vater die Kunde zugehen lassen, daß wagen beigestellt. Die Weiterreise nach Lem-er nach den gepflogenen Unterhandlungen nach berg erfolgte um 9 Uhr 40 Min., die Ankunft Bulgarien zurückzukehren gewillt und gleichzeitig daselbst um 2 Uhr 30 Min. Nachmittags. In- dorthin abgereist sei. Fürst Alexander von Bul⸗
In⸗ zwischen waren dort bereits der Hofmarschall garten hat nach dem Fr. J. Lemberg denn auch mit einem Sonderzug verlassen. Er reist über
für vollkommen unbegründet erklärt.
Baron von Riedesel und der Hofprediger des


