Karawelow, Stambulow und Nikiferow beseitigt. Neue Regierung bilden Radoslovow, Stollow, Geschow und Panow. Die ganze Armee ist für den Fürsten Das Land ist ruhig. Die neue Regierung für Ostrumelien unter Oberst Mitkourow ersuchte telegraphisch den Prinzen Alexander, er mötze den Fürsten beschwören, in sein Land zurückzukehren, welches ihn mit dem größten Enthusiasmus empfangen werde. Ebenso gingen aus Tirnowa und aus Philippopel Dele⸗ girte ab, welche den Fürsten aufsuchen und mit⸗ bringen wollen. Aus Widdin fuhr eine Depu tation gestern die Donau hinab, um den Fürsten abzuholen. Hofprediger Koch begleitet diese De— putation.“— Ueber Bukarest meldete W. T. B. späterhin: Der Commandant der Pacht, auf welcher Fürst Alexander sich befand, hatte Be— fehl, den Füursten unter allen Umständen in Reni zu lassen, trotzdem der Fürst den Wunsch geäußert hatte, am rumänischen Ufer gelandet zu werden. Er wurde denn auch wirklich von dem Capitän in Reni den russischen Gendarmen ausgeliefert; man hatte ihm nicht einen Diener belassen. Auf telegraphischen Befehl aus Peters— burg erfolgte sofort die Freilassung und reiste der Fürst mit seinem Bruder zunächst nach Breslau. Inzwischen waren Zankow und die anderen bestochenen russischen Schurken gestürzt worden und hat Major Panow die Regier— ungs⸗Gewalt in Sofia einstweilen übernom men. In Giurgewo wurde eine von Tirnowa datirte, von Stambulow als Präsidenten der Volksvertretung und von Mutkurow als General— Commandirenden der Armee unterzeichnete Pro— clamation erlassen, die also lautet: m Namen des Fürsten Alexander und der Volks: vertretung gebe ich kund, daß ich einstweilen die provisorische Regierung in Sofia über⸗ nommen habe und Jeden, der sich den Ge— setzen nicht fügt, stand rechtlich behandeln werde. Ich ernenne Mutkurow zum General-Comman— direnden und übertrage demselben alle Civil— und Militärgewalt, daher hat Jeder seinen Be— fehlen sich zu fügen. Ich fordere das bulgar⸗ ische Volk auf, den Thron und das Vaterland vor den Verräthern zu schützen, welche unseren heldemüthigen geliebten Fürsten vom Throne stürzen wollen, der Allmächtige kräftige die Hand des Volkes und der Armee, damit wir
gestürzt,
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den vom Volke gewählten geliebten Fürsten schützen. Es lebe Alexander, der Fürst von
Bulgarien.“ Meldungen aus Philippopel vom 24. Abends wiederholen, daß die Bevölkerung und alle rumelischen Regimenter sich begeistert für Alexander ausgesprochen haben. Karawelow bildete eine neue Regierung mit Stambulow und Nikiferow als Regenten und Stoilow, Ra⸗ dostavow, Geschow, Orochakow, Panow, Jovano—: kow als Ministern. Stoilow richtete an die Ver— treter der Mächte ein Rundschreiben, worin er die Bildung der neuen proisor. Regierung mittheilt, die Mächte bittet, diese Regierung anzuerkennen, und gleichzeitig die Hoffnung ausspricht, daß die Mächte derselben Unterstützung und Vertrauen ge— währen werden. Von der Revolution in Sofia war der Fürst vollständig überrascht worden; noch zwei Tage vor derselben langte von einer dem Fürsten nahestehenden Seite eine Nachricht in Darmstadt ein, nach welcher man in Sofia den politischen Horizont als geklärt ansah. Anderseits liegen aber in Darmstadt auch Nachrichten vor, welche es als ganz unzweifelhaft erscheinen lassen, daß die ganze Bewegung von Rußland und mit russischem Gelde geleitet wurde. Sofort, nach— dem bekannt geworden war, daß Alexander in Reni gelandet worden, und von dort auf der Lemberger Bahn über Breslau nach Darmstadt reisen wolle, ist der Hofmarschall des Fürsten, Oberstlieutenant von Riedesel, dem Fürsten
nach Darmstadt kommt oder den Bitten der ihm nachgesandten bulgarischen Deputationen zur Rückkehr nach Bulgarien nachgeben wird. An welchem Orte der Fürst nach seiner Gefangen— nahme eingeschifft wurde, ist gleichfalls noch un— bekannt. Londoner Nachrichten wollen wissen Alexander sei entschlossen, nach Darmstadt zu— rückzukehren. Prinz Ludwig von Battenberg reist heute Abend seinen Brüdern entgegen. Rußland. Petersburg, 23. Aug. Zahl⸗ reiche Offlziere im Lager von Krasnoje-Selo feierten gestern Abend die Absetzung des Fürsten von Bulgarien durch ein großes militärisches Fest mit Musik und Zapfenstreich. Die Prinzen Bozidar und Alexander Karageorgewitsch wohnten diesem Feste bei.„Nowosti“ und die russische „Petersburger Zeitung“ erachten angesichts der Anarchie in Bulgarien eine Intervention Ruß— lands für nothwendig., Letztere räth zunächst von einer militärischen Occupation ab, da die Ruhe Bulgariens allein neue Blutopfer nicht werth sei.
Aus Stadt und Land.
h. Friedberg. Die General-Versammlung des Stadtkirchenbauvereins mußte eingetretener Umstände halber auf den 6. September serschoben werden, an welchem Tage sie Abends 8 Uhr auf hiesigem Rathhause stattfinden wird. Es wird übrigens eine besondere Ein— ladung dazu erfolgen. In dieser Versammlung wird der Vorstand Mittheilung machen über alles seither Geschehene, über die Finanzen, Mitgliederzahl, den mittlerweile ein— getroffenen Bauplan, das Wesentlichste aber, was ver handelt werden muß, ist die Beschaffung der nöshigen Geldmittel. Unser Verein erfreut sich bereits der Sym— pathien vieler, namentlich auch maßgebender, einflußreicher Männer; also Glück auf!
J. Assenheim. Am 25. August hielt das Dekanat Friedberg seine Dekanatssynode dahter ab. Dieselbe nahm in der Kirche ihren Anfang um 10 Uhr und be gann mit einem Gottesdienste. Den Altardienst versah Pfarrer Hechler zu Assenheim. Die Predigt hielt Pfarrer Rasch zu Dorheim unter Zugrundelegung des Bibel⸗ wortes Amos 9, 11. Nach dem Gottes dienste ging Dekan Meyer zu den Verhandlungen der Dekanatssynode über. Es wurde der Bericht über die kirchlichen und sittlichen Zustände des Dekanats verlesen. In Manchem ist eine Abnahme des kirchlichen Lebens zu verzeichnen Dennoch läßt sich nicht verkennen, daß der Geist, der alles lenkt, auch in unserm Dekanate die Herzen noch zu gewinnen weiß. Nach Verlesung dieses Berichtes trug Pfarxer Luft zu Ostheim sein Referat vor über die Frage: Was hat zur Verbreitung guter, im christlichen Geiste gehaltener Volkslectüre zu geschehen? Correferent war Schulrath Schmidt zu Friedberg. Nach der Auffassung des Re⸗ ferenten ist die Verbreitung solcher Schriften durch Gründ— ung von Volksbibltotheken, deren Leitung der Geistliche selbst übernimmt, zu erwirken. Correferent erklärt sich mit der Ansicht, daß Volksbibliotheken zu gründen sesen, einverstanden und betont noch, daß diese Volks biblio— theken von einem Vorstand geleitet sein sollen, an dessen Spitze der Geistliche stehen soll. Am Schlusse des Dis— kussion stellt Dekan Meyer den Antrag: Die Synode beschließt, die Kirchenvorstände aufzufordern, Einricht— ungen in allen Gemeinden zu treffen, welche das berech— tigte Lesebedürfniß durch eine gesunde, im christlichen Geiste gehaltene Volksleetüre, durch Volksschriften und pertodische Blätter befriedigen. Diese Volksbibliotheken sollen geleitet sein von einem Vorstand, an dessen Spitze der Geistliche steht. Der Antrag wurde angenommen. Alsdann wurde die Frage erörtert: Ist die Confirmatfon von Pfingsten in die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten zu verlegen? Die überwiegende Anzahl der Anwesenden erklärte sich für Beibehaltung der Confirmation auf den 2. Pfingsttag. Dann stellte Pfarrer Möbius zu Bönstadt den Antrag, die Synode wolle eine hohe kirch— liche Behörde ersuchen, dahin zu wirken, daß die Ent— lassung aus der Schule der Confirmation wieder nahe gebracht werde. Der Antrag wurde angenommen. Hier⸗ auf wurde von Dekan Meyer und Prof. lor. Wesffenbach folgender Antrag gestellt: In der Voraussicht, daß auch im Großherzogthum Hessen die katholische Kirche eine größere Selbstständigkeit erlangen wird, spricht die Synode des Dekanats Friedberg die Hoffnung aus, daß der Großherzog, nicht nur als Schirmherr der evangelischen Kirche alle fremdartigen Einflüsse von der Entwickelung derselben fern halten, sondern auch als Träger der obersten Kirchengewalt ihr eine möglschst freie Entfaltung ihrer Kräfte und ein stärkeres Maß freier Bewegung in Verwaltung ihrer Angelegenheiten gewähren wird. Dieser Antrag konnte wegen der vorgerückten Zelt nicht mehr zur Diskussion kommen. Dann wurde von Seminar- lehrer Wahl zu Friedberg über die Gründung und Fort— führung der Herberge zur Helmath eingehend und klar Bericht erstattet und von Kaufmann Schwarz zu Fried
nachgereist, resp. entgegengereist. Derselbe soll den Auftrag haben, den Fürsten aufzufordern, unverweilt über Rumänien, wo die Deputation ihn einholen würde, nach Bulgarien zurückzu— kehren.
Meldung über die Absichten des Fürsten einge— troffen, und erscheint es zweifelhaft, ob derselbe Vigellus zu Steinfurth gesprochen.
In Jugenheim ist noch immer keine wurden für dlese: Kammerrath Fresenlus und Kammer—
berg die Rechnung derselben vorgetragen. Hierauf wurde die Vorstandswahl der Herberge vorgenommen. Es schie— den aus Dr. A. Trapp von Friedberg und Direktor Schäfer an der Blindenanstalt zu Friedberg. Gewählt
direktor Dr. Geyger zu Assenheim. Dann wurde der
Allerlei.
Frankfurt, 25. August. Das gestern Nachmktkag über die biesige Gegend gezogene Gewitter richtete viel⸗ fache Verheerungen an. Von Darmstadt bis Arhetligen war dieselbe überschwemmt und sahen nur noch die Spitzen der Dickwurzblätter aus dem Wasser. In Sprendlingen schlug der Blitz in die Kirche, und in Langen wurden auf dem Felde zwei Kühe durch den Blitz erschlagen.
Halle a. d. 2., 24. August. Zwischen Gröbers und Schkeuditz ist heute Nachmittag 5 Uhr ein Wolken—⸗ bruch niedergegangen, der Alles in einen großen See verwandelte. Die Ernte ist vernichtet. In Elsteraue bat der Blitz mehrere große Brände verursacht. Döbeln in Sachsen it ebenfalls von einem Wolkenbruch betroffen worden, der schreckliche Verwüstungen anrichtete. Der Bahnverkehr ist unterbrochen.
Stuttgart, 26. Aug. Dle Generalversammlung der deutschen Elsenbahnverwaltungen ward heute unter dem Vorsitz Restzenstein-Berlin eröffnet und von dem württembergischen Ministerpräsident Mittnacht mit sym—⸗ pathischen Worten begrüßt.
Kiel. Am 2. September geht das ganze Manöver— geschwader nach der Nordsee und kehrt Mitte September nach der Ostsee zurück. Es werden alsdann in der Zeit vom 19. bis 24. September große Uebungen, wie An- griffe auf Befestigungen, verbunden mit Landungsma⸗ növern ꝛc., im östlichen Theile der Ostsee vorgenommen und bierbei Danzig, Elbing, Pillau ꝛc. berührt werden. Nach diesen Manövern geht das Geschwader nach Kiel. Paris, 24. August. Das gestrige Hagelwetter hat auch in Reims und in der Umgegend furchtbar gewüthet: die ganze Ernte gilt für verloren In Reims stürzten drei Häuser ein. In Paris ertranken zwet Maurer, die in einem Abzugscanal vom Wetter überrascht worden waren. Der Schaden wird allein in der Umgegend von Paris auf mehrere Millionen geschätzt.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 25. Aug. Wochenmarkt. Erbsen ganze 50 kg 18—22 M., Bohnen, welße 14— 22 M., Linsen 20-30 M., Eier 100 Stück M'. 5— 5.50, Butter 75 bis 30 M., ½ kg M. 1.20— 1.40, Spinat 40— 50 Pf. die Portlon, breite Bohnen die Portion 10— 15 Pf., Brockel⸗ bohnen 610 Pf., Schneidbohnen 3—7 Pf.7 Zucker⸗ schoten 18—20 Pf., franz. Sellerie 5070 Pf., Eskarol 56 Pf., frische Erbsen per Pfd. 8— 15 Pf., Zwiebeln der Centner 4—5 M., Meerrettig 12—20 Pf., Romain- salat 10— 12 Pf., Feldgurken 100 Stück M. 1.20, Salat⸗ gurken 4— 10 Pf., Kohlraben 3 Pf., Blumenkohl 40 bis 60 Pf., Weißkraut 15— 20 Pf., Rothkraut 20—30 Pf., Wirsing 10— 12 Pf., Orangen 100 Stück 15 M., Citronen 100 Stück 10 M., Preißelbeeren das Pfd. 15—20 Pf. Frankfurt, 26. Aug. Fruchtbericht. Hles. Weizen⸗ mehl Nr. O M. 31.50-32.50, Nr. 1 M. 27.— 28, Nr. 2 M. 25.— 26., Nr. 3 M. 23.—24., Nr. 4 M. 17.— 17.50, Nr. 5 M. 15.— 16. Milchbrod- und Brodmehl im Ver⸗ band M. 49.— 52. Norddeutsche und westfälische Weizen— mehle Nr. 00 M. 21.50— 21.75 per Sept. Dez. ab Mühlen. Roggenmehl Nr. 0 M. 22.50— 23.50, Nr. 0/ M. 21.50 bis 22.50, Nr. 1 M. 18.—19., Nr. 2 M. 16.— 16.50. Roggenkleie M. 4.50 4.75, Weizenkleie M. 4.—4.25(bel Abnahme von mindestens 200 Centner an). Malzkeime M. 4.10—4.20, Heu M. 2.50— 2.75, Stroh M. 2.— 2.25 per Centner, Moostorfstreu prima M. 1.30, Spelzenspreu M. 1.20, Sesamkuchen M. 5.40, Rapskuchen M. 6.—6.25. Rüböl im Detail M. 48.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg Evangelische Gemeinde. 10. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 10½ Uhr: Herr Candidat Schick, Nachmittags 1½ Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 9 Uhr: Herr Kirchenrath Baur. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Kirchenrath Baur. Katechismuslehre.
Donnerstag den 2. Sept. deutsches Nationalsest. Gottesdienst in der Stadtkirche, Vormittags 9½ Uhr: Herr Pfarrer Dr. Köstlin. (Colleete für die Invaliden und die Hinterbliebenen gefallener Soldaten des Krieges 1870/71.)
scatholische Gemeinde. Samstag Nachmittag von 5 Uhr an Beicht. Sonntag Morgen 6 Uhr: Beicht; ⅝7 Uhr: Austheilung der heil. Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht. 7 Uhr: Jubiläums-Andacht.
Israelitische Gemeinde. Dienstag den 31. Aug. u. Mittwoch den 1. Sept. 1886; Nenmond Ellul. Beginn: Montag Abends 7 Uhr 25 Min. Dienstag Morgens 6 Uhr. Dienstag Nachmittags 5 Uhr(Minchagebet). Dienstag Abends 7 Uhr 25 Min. Mittwoch Morgens 6 Uhr.
Voranschlag berathen und das Schlußgebet von Pfarrer
Mittwoch Nachmittags 5 Uhr(Minchagebet). Mittwoch Abends 7 Uhr 25 Min.
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