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Ministerium Freyeinet befindet sich in Folge der von Rochefort aufgeworfenen Amnestiefrage in einer üblen Lage. Es hat ganz den Anschein, als würde dieselbe Mehrheit, welche sich für die Dringlichkeit des Antrages Rochefort aus— sprach, auch die Amnestie selbst annehmen.
Großbritannien. London, 26. Jan. Unterhaus. In der Adreßdebatte wird ein Amendement Barclay's, Verbesserung des Looses landwirthschaftlicher Pachter befürwortend, mit 211 ü gegen 183 Stimmen verworfen. Die Par⸗ nelliten und Chamberlain stimmten mit der Minorität, die gemäßigten Liberalen, Lord Har— tington und Goschen mit der Majorität.
Italien. Rom. Der„Moniteur de Rome“ und der„Osservatore Romano“ veröffentlichen die Antwort des Fürsten Bismarck an den Papst auf dessen Schreiben anläßlich der Verleihung des Christusordens. Der Reichskanzler spricht seinen Dank für die Auszeichnung sowie für das Schreiben aus, welches ihm um so größere Freude bereite, als es sich an eine ung des Friedens knüpfe, wozu er habe beitragen können. Der Papst sage, daß der Natur des römischen Pontifikats nichts besser entspreche, als diese friedliche Intervention. Aus diesem Grunde habe der Reichskanzler die Vermittelung ange— rufen. Die Erwägung, daß die beiden Nationen bezüglich der Kirche, welche im Papst ihr Ober— haupt verehre, nicht in analoger Lage sich be— finden, habe das Vertrauen in dessen Unpartei⸗ lichkeit nicht abschwächen können. Die Bezieh— ungen Spaniens und Deutschlands seien der— artige, daß der Friede beider Länder durch keine dauernde Meinungsverschiedenheit bedroht sei. Es stehe demnach zu hoffen, daß das Werk des Papstes von Bestand sei. Fürst Bismarck werde stets mit Freuden jede mit den Pflichten gegen seinen Herrn und sein Land vereinbare Gelegen— heit ergreifen, um dem Papste seine Erkeuntlich— keit zu bezeigen.
Türkei. Constantinopel, 24. Jan. Gadban Effendi ist mit dem bulgarischen Minister des Auswärtigen, Zanow, betreffs Unterzeichnung des die rumelische Frage betreffenden Vertrages, hier angekommen.
— Das Rundschreiben der Pforte an die Vertreter bei den Mächten behufs Herbeiführung der Abrüstung Griechenlands verweist zunächst auf die fortgesetzten Kriegsrüstungen Griechen— lands und die Schritte der Mächte in Athen. Es erinnert an die über das Verlangen Europas von der Türkei bereits gebrachten Gebietsopfer, welche die äußerste Grenze der möglichen Con— cessionen bilden; es erklärt, daß so sehr sie Ge— duld und Friedensliebe bewiesen, die Wahrung ihrer Rechte wie die Sorge für ihre Interessen ihr gebieten, bei der geringsten Provocation die Herausforderung Griechenlands anzunehmen. Ihre Ehre würde sie hierzu zwingen. Pforte macht Griechenland für die Folgen, so— wie für den schweren Nachtheil der Haltung Griechenlands für die Türkei verantwortlich, welcher Nachtheil eine Compensation erheische. Das Circular schließt: Bevor die Türkei zu diesem äußersten Mittel greift, appellirt sie an die Mächte, durch kategorische Erklärung die Demobilisirung der griechischen Truppen zu verlangen.
Serbien. Nisch, 25. Jan. Die von Seiten des Cabinets dem Könige vorgeschlagenen Frie— densbedingungen betreffen die bulgarischen Paß— schwierigkeiten, die Grenzsperre, die Regelung der Emigrantenfrage und den Abschluß einer Zoll— und Handelsconvention. Die serbischen Regier— ungskreise halten bei einigem guten Willen Bul— gariens den Friedensschluß für gesichert.
Montenegro. Cettinje. Ueber die Reise, welche Fürst Nicolaus von Montenegro ins Aus— land angetreten hat, wird von hier geschrieben: Das Project einer größeren Reise nach Italien, Frankreich, Deutschland, Oesterreich Ungarn und Rußland besteht beim Fürsten Nicolaus schon längere Zeit. In der Umgebung des Fürsten und in Regierungskreisen hört man den Haupt— zweck dieser Reise dahin definiren, daß der ernste
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den Ackerbau, Handel u. die Industrie hochhaltende Fürst die Elemente für die Begründung indust— rieller Thätigkeit in seinem Fürstenthume zu studiren, Informationen über die Bedingungen, unter welchen eine montenegrinische Dampfschiff— fahrts-Gesellschaft ins Leben gerufen werden könnte, zu sammeln, sich in Betreff der Mög— lichkeit der Beschaffung von Geldmitteln zu diesem Zwecke, sowie in Betreff der Anwerbung von technischen Kräften für den Ausbau von Chausseen zu orientiren wünscht. Es dürfte indessen mit diesen Absichten der Zweck des Fürsten noch nicht erschöpft sein, man nimmt vielmehr an, daß seiner Reise auch politische Motive nicht ganz fern stehen. Es heißt, der Fürst wünsche, mit den leitenden Persönlichkeiten der großen Staaten in persönliche Berührung zu treten und sich über die Ansichten der Cabinete in Betreff der Balkankrise aus erster Quelle zu belehren. Man geht vielleicht nicht zu weit, wenn man annimmt, daß den Fuͤrsten ahnliche Beweggründe leiten, wie jene, welche beim Ausbruche der Krisis den rumänischen Ministerpräsidenten Bratiano nach Wien und Berlin geführt hatten. Griechenland. Athen, 25. Jan. Die Vertreter der Mächte überreichten gestern auf Antrag Englands eine Collectivnote, welche er— klärt, die Machte würden ein Vorgehen Griechen— lands gegen die Türkei zur See nicht gestatten, da solches die Interessen des Friedens gefaͤhrde. eL 25. Jan. Delyannis beantwortete die Aufforderung Englands zur Abrüstung ablehnend. Gestern fand eine große Volksdemonstration vor dem königlichen Palais statt. In Abwesenheit des Königs antwortete Delyannis auf die Protest— Manifestation gegen das Vorgehen Englands: die Regierung werde das nationale Programm gemäß ihrer Erklaͤrungen in der Kammer aus— führen. Man befürchtet hier, daß das Zeughaus zu Salamis durch die Engländer beschossen werde; die griechische Flotte ist mit Besatzung und Kriegs— bedarf bereits von dort verlegt worden. Das Erscheinen einer englischen Flotte in den griech— ischen Gewässern würde nach der hier allgemein getheilten Ausicht den Gang der Ereignisse nur beschleunigen. Die hier befindlichen englischen Kriegsschiffe gingen heute mit versiegelten Ordres ab. Ihr Bestimmungsort ist unbekannt.
— 26. Jan. Griechenland beharrt auf seiner Weigerung, gegenwärtig abzurüsten, und scheint es sonach auf eine englische oder großmächtliche Flotten-Demonstration in den griechischen Ge— wässern ankommen zu lassen.
Rußland. Petersburg. Aus Moskau vor— liegende Mittheilungen sprechen von einem be— vorstehenden Rücktritt Bunge's und den Ersatz desselben durch den Reichsdomaͤnen-Minister Ostrowski.
Aus Stadt und Land.
C. T. Friedberg. Dank den Bemühungen mehrerer Herren und der freundlichen Unterstützung, welche dieselben Seitens des Publikums in verschiedenen Kreisen gefunden, sind für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger am Jahres-Schluß und-Anfang bei der hiesigen Vertreterschaft 80 M. eingegangen. Die Sammelboote ergaben 1885 13 M. 12 Pf.(Steinhäußer 3 M. 52 Pf., Vorschuß-Verein 2 M. 66 Pf., Hötel Trapp 2 M. 36 Pf., P. Rudelius 1 M. 90 Pf., Georg Ulrich 1 M. 7 Pf., Scheibel 66 Pf., Casino 48 Pf., Gärtner 47 Pf.) Möge durch Gewinnung neuer Mit⸗ glieder dem menschenfreundlichen Werke auch in diesem Jahre aus unserer Mitte neue Förderung zu Theil werden.
Ober⸗Mörlen. Der kürzlich in Frankfurt ver⸗ storvbene Frhr. von Wetzel, früher Besitzer des hlesigen Schlosses, soll der katholischen Kirche dahler 8000 Mk. vermacht haben.
Darmstadt, 25. Jan. Maler Fach ist heute seinen schweren Verletzungen erlegen. Hiernach kann jetzt von einem Raubmord Versuch keine Rede mehr sein, sondern es liegt das vollendete Verbrechen des Raubmords vor, dessen sich die Theilnehmer schuldig gemacht haben. Der in Isenburg verhaftete Gotthold Kern soll sich früher schon einmal hier herumgetrieben haben. ö
Allerlei.
Königstein. Der Firma J. Ph. Keßler zu Frank, furt a. M. ist dem„Staatsanzeiger“ zufolge die Er⸗ laubniß ertheilt worden zur Vornahme genereller Vor⸗ arbeiten für eine Eisenbahn von Cronberg nach Königstein.
Mos ach(bei Blebrich), 25. Jan. Ein gräßliches Verbrechen setzt die Bewohnerschaft unseres Ortes in fieberhafte Aufregung. Ein schon bejahrter Einwohner
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W 2 N 25 175
und vermögender Mann, Namens Schneld
mordet aufgefunden. Wie man hört, hatte derselbe ver schiedene tödtliche Wunden, so z. B. am Kopfe und in
der Gegend des Herzens. Ob der Mord in räuberlschen
Absicht geschehen, konnte man nicht erfahren; bis zur Stunde fehlt jede Spur von dem Thäter. Dortmund, 22. Jan. Nach zweitäglger Verhand⸗ lung sprach gestern das hiesige Schwurgericht das Todes⸗ urtheil aus gegen die Wittwe des Fabrskarbelters Joseph Cster aus Cörnerfeld bel Hörde. Die Angeklagte hatte,
weil sie einem Anderen zugethan war, ihren Mann mittelst.
Phosphor vergfftet. 27
Dortmund, 23. Jan. Auf der einer belglschen Genossenschaft gehörenden Zeche„Gneisenau“ bel Alten⸗ derne stürzte gestern ein mit Aus bauschut aufstelgender Förderkorb in die Tlefe zurück, wo zehn Bergleute den Gegenkorb beluden. Zwei derselben blieben sofort todt, drei wurden schwer verwundet.
Lüttich. In den Ardennen und der ganzen Provinz Lüttich ist eine solche Masse Schnee gefallen, daß viele Dörfer völlig eingeschneit sind, und die Verbindung von dem einen zum andern unmöglich geworden ist.
Pest, 25. Jan. Die Direktion der Südbahn theilt mit: Gestern Morgen fand vor Groß-Kanieza ein Zu⸗ sammenstoß dreler Bahnzüge statt, indem der Prag-Hofer Postzug an den Güterzug anstieß und der von Fiume kommende Eilzug zwischen beide Züge hineinfuhr. Eine Frau wurde getödtet, eine Frau und ein Zugrevisor leicht verletzt
St. Gallen, 25. Jan. Der frübere schweizerische Gesandte in Wien, der berühmte Verfasser des„Thter— lebens der Alpenwelt“, v. Tschudi, ist heute hier gestorben.
Bern. In Pery(Berner Jura) wurde in einem Stalle ein vierzehnjähriger Knabe entdeckt, der, wie es scheint, sein ganzes Leben darin war gefangen gehalten
worden. Er war ganz verwahrlost und konnte nicht sprechen. ä New Pork. Nach einem Telegramm aus Phila⸗
delphia sind in Folge des Strikes in den Kohlenberg— werken von Pennsylvanien 5000 Bergleute, meist Ungarn, beschäftigungslos. Es herrscht große Noth und viel Unruhe. Der österreichische Consul in Pitts burg ist eifrig bemüht, den Nothleidenden zu helfen.
New⸗Pork, 22. Jan. Seit Sonntag haben westlich vom Felsengebirge Stürme gewüthet, wie sie dort noch nicht beobachtet worden sind. Der Orkan erreichte seinen Höhepunkt am Mittwoch, an wechem Tage er eine
Morgen von selner Haushälterin in seiner Wohnung er
Geschwindigkeit von 82 Meilen in der Stunde hatte. Vezablun Häuser wurden entdacht, schwache niedergeweht, Kirch— Id, in den thürme zertrümmert, sämmtliche Telegraphenpfosten um⸗ unbeschrä geworfen, Wagen von den Elsenbahnschienen geschleudert. Vilb Das Gebäude des„Mechanies Institute“ in San Fran⸗ 4 eisco ist theilweise zerstört. Mehrere Personen wurden lebensgefährlich verletzt. Schwere Regengüsse über⸗ 863 schwemmten die Keller, sprengten die Abzugskanäle und 8 unterspülten an vielen Stellen die Elsenbahndämme. ö 2 Handel und Verkehr. du a Friedberg, 26. Jan. Fruchtber. Waizen M. 16.50 Rosbach bis 16.75, Korn M. 14.50— 14.75, Gerste M. 14— 15, fi der er Hafer M. 13.00— 13.50. Alle Preise verstehen sich auf eümmt 100 Ko.= 200 Zollpfund. g Vie Friedberg, 27. Jan. Buttermarkt. Butter kostete
der Pfd. M. 0.70 0.80, Eier 1 St. 7 Pf.
Buß bach, 23. Jan. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 90—95 Pf., Käse per Pfd. 45— 46 Pf., Eier 1 St. 7 Pf.
Grünberg, 23. Jan. Fruchtpr. Walzen M. 16.40, Korn M. 13.40, Gerste M. 12.40, Hafer M. 12.80, Erbsen M. 15.
Gießen, 26. Jan. Auf dem heutigen Markt kosteten Butter per Pfd. M. 0.80— 0.90, Eier 1 St. 7—8 Pf., Käse per St. 5—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.60 bis 1.10, Hühner per Stück M. 1.00— 1.50, Habnen per Stück M. 1.—2., Enten per Stück M. 1.50— 2.20, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh⸗ und Rind⸗ fleisch 54—56 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel⸗ fleisch 50—62 Pf., Kalbfleisch 48—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50— 4, Zwiebeln per Ctr. M. 5—6.
Gießen, 20. Jan. Der heute und gestern dahler abgehaltene Viehmarkt war mit 1160 Stück Rindvieh und 129 Stück Schweinen befahren. Der Handel bei ersteren war zwar lebhaft, jedoch machte sich ein Unter⸗
schled in den Preisen nicht merklich, bei Schweinen waren 1 die Preise in Folge der starken Nachfrage hoch. Nächster
Markt Dienstag den 9. und Mittwoch den 10. Febr. d. J. Frankfurt, 25. Jan. Fruchtbericht. Hiesiges Waizenmehl Nr. 0 M. 31—32, Nr. 1 M. 26— 27, Nr. 2
M. 24—25, Nr. 3 M. 2228, Nr. 4 M. 16—17, Nr. 5 M. 15—16, Milchbrod- und Brodmehl im Ver⸗
band M. 49—51, norddeutsches und westfälisches Waizen⸗
mehl Nr. 00 M. 28, Roggenmehl Nr. 0(hiesiges) M. 23
bis 23.50, do. Nr. 0/1 M. 2121.50, do. Nr. 1 M. 19 bis 19.50, do. Nr. 2 M. 17, Walzen ab unserer Um⸗
gegend M. 16.50 16.75, fret ab Bahnhof hier M. 17
bis 17.15, do. fremder ie nach Qualität M. 17.25 18.50, Roggen, hiesiger M. 14.7515, Gerste, Brauerwaare
M. 15.50— 19, do. zu Mahlzwecken M. 12., Hafer stark f
bereznet mit Geruch M. 11.50— 12, do. mittel M. 13. bis 13.25, do. prima M. 14— 14.25, Raps 22.50— 22.75, Roggenklete M. 4.50, Waizenkleie M. 4. per Centner. (Die Preise verstehen sich bet Abnahme von mindestens 200 Ctr.) Rüböl im Detall M. 54. Stimmung fest.
Frankfurt, 25. Jan. Viehmarkt. Angetrieben
waren 379 Ochsen, 11 Bullen, 408 Kuͤhe, Stiere und 7 Rinder, 295 Kälber, 157 Hämmel und 192 Schweine.
Die Preise stellten sich folgt: Ochsen 1. Qual, pro
100 Pfd. Schlachtgewicht M. 60— 62, 2. Qual. M. 5055,


