Scilage.
Deutsches Reich. Dar mstadt, 25. Nov. Zu Ehren unseres
Erbgroßherzegs, der heute sein 18. Lebensjahr
vollendet und somit in die Rechte der Groß—
jährigkeit eintritt, sind viele Häuser Darmstadts
mit festlichem Fahnenschmuck geziert. Der Erbgroßherzog, seither Secondelieutenant à la suite des 1. Großherzogl. Infanterie-Regiments Nr. 115, tritt nunmehr bei diesem Regiment zum Dienste ein.
Berlin, 25. Nov. Die Thronrede zur Eröffnung des Reichstags besagt: Wenn auch die Politik des Reiches eine fortgesetzt friedliche ist, dürfe doch Deutschland, im Hinblick auf die Heereseinrichtungen der Nachbarstaaten, auf die Erhöhung der Wehrkraft in der Friedenspräsenz— staͤrke nicht länger verzichten, und es wird eine Gesetzesvorlage dem Reichstag zugehen, wonach die Heeresverstärkung bereits mit Beginn des neuen Etatsjahres eintreten soll. Die Erhöhung der Matrikularbeiträge und auf dem Wege des Kredits bereitzustellende Mittel werden sich nicht vermeiden lassen. Der Kaiser verzichtet darauf, die eigene Ueberzeugung von der Nothwendig— keit der bisher vergebens erstrebten Steuerre— form von neuem zur Geltung zu bringen, so— lange das Bedürfnis nicht auch im Volke zur Anerkennung gelangt sein und bei den Wahlen Ausdruck gefunden haben wird. Die Thronrede kündigt Uufallversicherung der Seeleute und Bauarbeiter an; erst nach ihrer Durchführung könne dazu übergegangen werden, den arbeiten— den Klassen die Fürsorge auch für den Fall des Alters und der Invalidität zuzuwenden, wozu aber die Mittel bei der derzeitigen Steuergesetz— gebung nicht verfügbar seien. Die Beziehungen des Reiches zu allen Staaten seien freundlich und befriedigend. Die Politik des Kaisers werde unausgesetzt bestrebt sein, nicht nur dem deutschen Volke die Segnungen des Friedeus zu bewahren, sondern auch für Erhaltung der Einigkeit unter allen Mächten den Einfluß im Rathe Europas zu verwerthen, welcher der deutschen Politik aus ihrer Friedeusliebe, aus dem dadurch er— langten Vertrauen anderer Regierungen, ins⸗ besondere aus der engen Freundschaft erwächst, welche den Kaiser mit den beiden benachbarten Kaiserhöfen verbindet. In der hierauf fol gen— den ersten Sitzung erfolgt, behufs Vorbereitung der Präsidentenwahl, der Namensaufruf, Da⸗ durch ergibt sich die Anwesenheit von nur 197
5 Mitgliedern. Zur Beschlußfähigkeit sind 199 Mitglieder erforderlich. Die Sitzung muß des⸗ — halb vertagt werden. In der Begründung zur 2 Septennatsvorlage wird ausgeführt, es erscheine 2 geboten, in Rücksicht der zur Zeit herrschenden
Verhältnisse mit der Vermehrung unserer Streit—
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Oberhessischer Anzeiger.
kraͤfte bereits jetzt vorzugehen, eine Verspätung der Eutschließung könnte verhängnißvoll werden. Eutschieden wird in dem Eutwurfe für die Bei— behaltung der dreijährigen Dienstzeit eingetreten.
— 25. Nov. Die„N. A. Z.“ schreibt: Zwischen den Vertretern Rußlands und Deutsch— lands in Sosia fand keine Besprechung wegen Uebernahme des Schutzes der russischen Unter— thanen statt, sondern ließ die russische Regier— ung, dem diplomatischen Brauche entsprechend, in Berlin den Wunsch aussprechen, daß der deutsche Generalconsul die russische Vertretung übernehme. Eine Instruction seitens des Con— suls in Sofia wurde jedoch noch nicht eingeholt. Das„Journal de St. Petersbourg“ glaubt zu wissen, infolge der Abreise Kaulbars und aller russischen Consuln aus Bulgarien und Ostrumelien habe die russische Regierung den Schutz der russischen Unterthanen in Bulgarien Deutschland anvertraut und unterstellte nur in Ostrumelien, wo keine deutschen Consulate bestehen, die russischen Unterthanen dem Schutze Frankreichs.
Leipzig, 25. Nov. In dem heute beim Reichsgericht verhandelten Diätenprocesse gegen die Reichstagsabgeordneten Dirichlet und Hasen— clever hat das Reichsgericht die eingelegte Re— vision verworfen.
Ausland.
Serbien. Belgrad, 25. Nov. Milan's Rückkunft erfolgte bereits gestern in Folge des Eintreffens eines russischen Specialcouriers aus Wien, welcher der Ueberbrinzer wichtiger De— peschen war. Thatsächlich conferirte gestern der russische Gesandte mit dem Minister des Aeußern.
Bulgarien. Sofia, 25. Nov. Einer Mel— dung der„K. Z.“ aus Varna zufolge, ist die Anfrage der Pforte, ob die Bulgaren geneigt sein würden, den Dadian von Mingrelien zum Fürsten zu wählen, von der bulgarischeu Regent— schaft mit einer entschiedenen Verneinung beant— wortet worden. Das Eingreifen der Türkei in die bulgarische Frage scheint von den Bulgaren nicht gut aufgenommen zu werden. Der türkische Vorschlag, die Regentschaft möge abdauken und an ihre Stelle solle der Sultan als Suzerän neue Regenten ernennen, ist der„K. Z.“ zufolge ebenfalls entschieden abgelehnt worden.— Gestern wurde ein Complot der Junkerschule gegen die Regentschaft entdeckt. Der Stadteommandant ließ das Institut umzingeln und eine Unter— suchung einleiten.
Nußland. Petersburg, 25. Nov. General Kaulbars wurde zur mündlichen Berichterstattung von Constantinopel nach Petersburg berufen.
Amerika. New Vork. Dem obersten Ge— richtshof des Staates Illinois wurde ein Gesuch unterbreitet, die Hinrichtung der sieben in
Chicago zum Tode verurtheilten Anarchisten aufzuschieben. Aus Stadt und Lond. Friedberg. Seit einigen Tagen liegt auf den
höchsten Spitzen des Vogelsbergs Schnee, der Taunus ist noch frei.
Allerlei.
Usingen, 24. Nov. Heute Nacht brannte es in der Untergasse im Fr. Heller'schen Hause. Leider wurde das Feuer, das allem Anscheine nach in den unteren Räumen eines Seltenbaues ausgebrochen war, erst be— merkt, als die Flamme zum Dach hinausschlug. Es war im ganzen Nebenbau des Hauses nichts mehr zu retten und sind sämmtliche Mobtlien dem Brande zum Opfer gefallen; ebenso die in der Werkstätte befindlichen Holz- ꝛc. Vorräthe.
Berlin, 25. Nov. Vergangene Nacht wurde der vor der Reichsdruckerei stehende Militärposten von vier bis fünf Strolchen insultirt. Der Posten verhaftete einen derselben, welchen sodann die Uebrigen zu befreien suchten. Als der Verhaftete floh, schoß der Posten und verwundete denselben am Unterschenkel.
Duisburg, 24. Nov. Der Personenzug Deutz⸗ Hannover fuhr nach der Fr. Z. heute Morgen 9 Uhr 40 Min. bei Bahnhof Duisburg dem von hier nach Hoch— feld gehenden Güterzug in die Flanke. Vier Passagtere sind erheblich verletzt, andere haben Contusionen. Vom Fahrpersonal wurde Niemand verwundet. Die Wagen sind stark beschädigt. Der Grund des Unfalls ist wahr— scheinlich falsche Weichenstellung und dichter Nebel, der die Gefahr nicht erkennen ließ.
Herberge zur Heimath.
Mit herzlichem Danke bescheinigen wir den Empfang des Erlöses aus„H. A. Köstlins Im Felde“: von der 1. Auflage 441 M. 93 Pf., von der 2. Auflage bis jetzt 152 M. 52 Pf. Mit ersterem Betrag sind die Druck— kosten der zwei Auflagen gedeckt worden, also ist bis jetzt als Erlös des Vuͤchleins rein in der Kasse ver— blieben 152 M. 52 Pf. Weitere Versendungen und Be— stellungen haben noch viele stattgefunden.
Dekan Meyer, Vorsitzender. G. Schwarz, Rechner.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg Evangelische Gemeinde. 1. Ad vent. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Dr. Weiffen bach. Gottesdienst in der Stadtkirche. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Schott. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 9½½,ʒq.Uhr: Herr Pfarrer Dr. Weiffenbach. Abendmahl. Abends 5 Uhr: Herr Pfarrer Meyer.
Katholische Gemeinde. Samstag Nachmittag von 4 Uhr an Beicht. Sonntag Morgen 6 Uhr: Beicht; 5/7 Uhr: Austheilung der heil. Communion. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht. 7 Uhr: Jubiläums-Andacht.
JIsraelitische Gemeinde. Sonntag den 28. November 1886: Neumond Cislev.
Samstag Abends 4 Uhr 55 Min.
Sonntag Morgens 7 Uhr. Sonntag Nachmittags 8,44 Uhr.
In der Strassache
egen den Karl Schnautz, Taglöhner in Bad Nauheim, 42 55 Ruhestörung und Beleidigung, hat das 5 Schöffengericht zu Bad⸗Nauheim am 4. Nov. 188 für Recht erkannt: Der Angeklagte Karl Schnautz von 1 Bad⸗Nauheim, 28 Jahr alt, verheirathet, evangellsch, Taglöhner, wird wegen Beleidigung des Statlons⸗ Assistenten Föhr zu Bad Nauheim in eine Wannen strafe von fünf Tagen und wegen Ruhestörung 0 groben Unfugs in eine Haftstrafe von zwel Tagen, 5 in die Kosten des Verfahrens verurtheilt. Zugleich 115 dem Beleldigten die Befugniß zuerkannt, den Urthells— tenor innerhalb vierzebn Tagen, von der Zustellung an erechnet, einmal im Oberhessischen Anzeiger auf 11 des Angeklagten bekannt machen zu lassen. Die 8 kelt der Abschrift der Urthellsformel wird beglaublg und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt. Bad⸗Nauheim den 15. November 1886. 4415 Schü ß, 5 5 f Gerichtsschreiber des Großherzoglichen Amts ger ts.
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