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Das Parlament ist jetzt wie folgt zusammen gesetzt: 314 Conservative, 77 liberale Unionisten, 189 Gladstonianer, 84 Parnelliten. 5 Sitze sind unbesetzt. Mit dem Sprecher zählt das Haus 670 Mitglieder. Die Unionisten besitzen eine Majorität von 118 über die vereinigten englischen und irischen Home-Ruler und die Conservativen sind nur um 36 Stimmen überhaupt in der Minorität.

21. Aug. Heute wurden die diploma tischen Schriftstücke bezüglich der Batumfrage mitgetheilt. Es ist daraus Folgendes hervor zuheben: Rosebery depeschirte am 3. Juli an den englischen Botschafter Morier in Petersburg, er habe gegenüber Staal(dem russischen Bot schafter in London) bestritten, daß Rußland sich der in dem Artikel 59 des Berliner Vertrages übernommenen Verpflichtung(Batum als Frei hafen zu behandeln) entledigen könne, weil die selbe eine freiwillige Erklärung des russischen Kaisers sei. Das Protokoll ergebe, daß die Verpflichtung den Charakter eines feierlichen Ver trages zwischen dem Kaiser und den anderen Mächten habe. Rosebery's Depesche vom 13. Juli an Morier sagt, England könne das Vorgehen Rußlands nicht anerkennen. Dasselbe würde ähnliche Vereinbarungen künftig schwierig, ja unmöglich machen. Giers hält in einer Depesche vom 27. Juli an Staal die Ansicht aufrecht, daß die freiwillige Erklärung des Kaisers eine Verbindlichkeit nicht begründe und hebt die Fälle hervor, wo der Berliner Vertrag verletzt worden sei, insbesondere denjenigen, welcher die jüngsten Unruhen auf der Balkanhalbinsel hervorgerufen habe. Giers schließt, Rußland wünsche fort gesetzt die Aufrechthaltung des Friedens und hoffe, die Mächte, welche dessen Grundlagen garantirten, würden selbst dieselben respectiren.

Spanien. Madrid. In der Hauptstraße von Vigo fand eine Explosion einer Dynamii Patrone statt, durch welche mehrere Personen schwer verwundet wurden.

Türkei. Constantinopel. Die im Rildiz Kiosk geführte Untersuchung über den Musel manen, welcher einen Mordversuch auf den Groß vezier machte, ist zum Abschluß gebracht worden. Es ist erwiesen, daß das Verbrechen nicht politischer Natur war, sondern nur die Be friedigung persönlicher Rache zum Zweck hatte. Der Attentäter wurde ins Polizeiministerium überführt, wo ihm der Prozeß gemacht werden wird Er wird mehrere Jahre Zuchthaus erhalten.

Bulgarien. Sofia, 22. Ang. Von hier kommt die überraschende Kunde, daß eine Verschwörung ausgebrochen, Fürst Alexander verhaftet und eine provisorische Regierung proclamirt worden ist. Fürst Alexander, dessen persönliche Eigen schaften ein besseres Schicksal verdient hätten, stand seit einiger Zeit in der Luft zwischen Rußland, welches ihn in die Stellung gebracht und England, welches ihn erst gewonnen und dann im Stich gelassen hatte, seit es feststand, daß England weder für eine Balkanfrage, noch selbst für Konstantinopel, sondern nur für Indien Krieg führen werde, und seit dieser Zeit war Alexander's Stellung eine hoffnungslose. Die Türkei hat die russische Uebermacht genugsam gefühlt, um keinen isolirten Kampf gegen Ruß land, namentlich nicht Bulgariens halber, zu wagen, es ist sozar als sicher anzunehmen, daß man in Konstantinopel Kenntniß von der ge planten Absetzung des Fürsten Alexander hatte. An der Spitze der provisorischen Regierung stehen Zankoff und Karaweloff, also die Chefs der beiden feindlichen Parteien, wodurch die Gefahr innerer Unruhen, die eine Einmischung Rußlands zur Folge haben könnten, beseitigt erscheint. Karaweloff gilt als ein leidlich ge⸗ bildeter Südslave und genaß bisher das Ver trauen des Fürsten in einem, wie es scheinen will, sehr wenig verdienten Maße. Dagegen ist Zankoff nichts weiter als eine russische Drahtfigur und die von ihm beeinflußte Presse im Lande hat nachgerade an Urwüchsigkeit der Sprache in der Verhetzung des Volkes gegen den Fürsten, dessen Politik eine geradezu nihili

stische genannt wurde, das Unglaubliche geleistet. Der Fürst wurde bei der Truppenbesichtigung bei Widdin gefangen genommen, seine Absetzung ist proclamirt. Derselbe hat bereits die Grenze bei Lom Palanka verlassen.

Rußland. Petersburg. DerPol. Corr. wird von hier geschrieben: Am 1. September beginnen die großen Manöver im Militärbezirke Warschau, woselbst bereits mehr als 40,000 Mann der verschiedenen Waffengattungen con centrirt sind und auch zu Manöverzwecken pro visorische Befestigungsarbeiten ausgeführt wer den. Es ist bestimmt, daß Kaiser Alexander III. diesen Manövern beiwohnen wird, und wahr scheinlich wird derselbe bei dieser Gelegenheit den Besuch des Prinzen Wilhelm von Preußen erhalten.

Amerika. New-Vork. In dem Proeesse gegen die Anarchisten in Chicago, welche die Unruhen im Mai verursachten, wurden sieben Angeklagte des Mordes für schuldig erklärt und zum Tode verurtheilt. Einer erhielt eine fünf zehnjährige Gefängnißstrafe. Das Publikum be grüßte das Urtheil sehr beifällig.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. In aller Kürze, voraus sichtlich am 30. August, soll die erste Generalversammlung des hiesigen Stadtkirchebauvereins stattfinden. Bei dem großen Interesse, das dieser Verein erweckt und ver dient, und nachdem wie im Oberh. Anz. kürzlich ausführlich berichtet wurde durch den Besuch hervor ragender Meister und Kenner der Baukunst die Aufmerk samkeit weiterer Krelse auf unsere Stadtkirche gelenkt worden ist, darf gewiß auf eine sehr zahlreiche und rege Betheiligung an dieser Versammlung gerechnet werden.

B. Friedberg, 22. August. Zur Erinnerung an die Schlacht bei Gravelotte feierte heute der hiesige Vete ranen- und Mllitär-Verein sein Stiftungsfest in der alt hergebrachten würdigen Weise. Früh morgens zogen die Mitglieder mit wehender Fahne hinaus zum Friedhof, wo an den geschmückten Gräbern nach den weihevollen Klängen eines Chorals der Präsident des Vereins, Binde wald, in ernsten warmempfundenen Worten der ruhmreich gefallenen Brüder gedachte. Um 10 Uhe begann der Festgottesdienst in der Stadtkirche. Auch hier war die Gedenktafel neu bekränzt, und gespannt lauschte die große Zahl der Andächtigen den eindringlich mahnenden Worten des Predigers Prof. Dr. Weiffenbach. Redner ging aus von dem Satze, mit dem jüngst ein Franzose das bai rische und damit im Grunde genommen das gesammle deutsche Volk zu charakterisiren versucht hat:Dies Volk glaubt vielleicht an keinen Gott mehr, aber an ein Vater land, und darin liegt seine Stärke. Glücklicherweise sind diese Worte und das ist ächt französisch mehr geistreich als wahr, und zum Beweise dessen zeigte uns der Redner, wie ohne Glauben kein sittliches Bewußtsein, ohne sittliches Bewußtsein keine Vaterlandsliebe und ohne diese keine nationale Stärke möglich sei. Und fürwahr wenn man aus der Art Feste zu feiern auf den Character eines Volkes schließen darf, so zeigte uns auch der heutige Tag die Unwahrheit jenes gallischen Ausspruches. Am Morgen Gott und den Todten die Ehre, am Mittag freuen wir uns dankend der Lebenden, die uns zu der Höhe er hoben, auf der wir gegenwärtig stehen. Die Mittags feier begann mit einem Zuge durch die Stadt, nach welchem sich, vom herrlichsten Wetter begünstigt, auf Windeckers Felsenkeller ein reges und unterhaltendes Leben entwickelte. Das erste Hoch, vom Präsidenten Bindewald ausgebracht, galt hier natürlich Katser und Großherzog. Sodann gedachte in warmen, von Herz zum Herzen gehenden Worten Prof. Dr. Köstlin des deutschen Heeres, dem wir nicht nur die Siege vor 16 Jahren, sondern auch den Frieden seit 16 Jahren verdanken. An dritter Stelle sprach cand. theol. Loos, in dessen begeisternde, dem deutschen Katserriche gewidmete Worte die Versammlung mit enthusiastischem Hoch einstimmte Den letzten Toast endlich brachte Seminarlehrer Wahl auf Deutschland aus, und die Liebe und Treue, mit der wir alle an unserm Vaterlande hängen, fand in den Worten des Redners begeisterten Ausdruck. Die schönen und zahlreichen Musikstücke wurden unter Leitung des Musikdirektors Krauße von der Kapelle des Gießener Infanterieregiments ausgeführt und trugen nicht wenig zur Erhöhung der Feststimmung bei. So können wir auch heute wieder mit voller Befriedigung auf einen Tag zurückblicken, der dem Andenken jener erhabenen Zeit gewidmet war, die einst spätere Geschlechter mit dem selben Staunen erfüllen wird, mit dem wir heute auf die sagenhaften Thaten der Helden der Vorzeit blicken.

H. Bauernheim. Begünstigt von schönem Wetter feierte am 15. und 16. August der hiesize Gesangvereln die Einweihung seiner neugestifteten Vereinsfahne, ver bunden mit einem Sängerfest. Um 2 Uhr Nachmittags am 15. wurde durch die Festdamen die neue Fahne ab geholt; inzwischen hatte sich am nördlichen Eingange unseres Ortes der Festzug arrangirt und zog derselbe mit einigen Festreitern und einem Musikeorps an der Spfstze, durch den geschmückten Ort nach dem Festplatz. Hier angekommen, wurde von dem hiesigen Gesangverein, unter Leitung seines rührigen Dirigirten Heng aus Friedberg der neuelnstudirteFestgruß gesungen, worauf

Nachdem noch Oeconom Müller von Dorheim mlt treffenden Worten des Zwecks der Gesangverelne und der unerschüttlichen Einigkeit des hlesigen Gesangvereins gedachte, wurde in feierlicher Welse die neue Fahne dem Verein überreichs Hierauf folgten die Gesangsvorträge der Vereine von Fauerbach, Södel, Dornassenheim, Dorheim, Reichelsheim, Ober-Mörlen, Nieder-Florstadt, Vingenheim, Weckesheim, Nieder-Mockstadt, Ossenheim und Ockstadt. Sämmtliche Vorträge wurden gut aus geführt. Nach Beendigung der Gesangsvorträge, begab man sich in die von Gastwirth Thuy in Vilbel her gestellten Zelte und fand man sich allseitig sehr befriedigt. Am 16. August fand Nachmittags um Uhr abermals ein Festzug vurch das Ort auf den Festplatz statt, wo⸗ selbst Abends ein von Feuerwerker Walther aus Frank furt a. M. arrangirtes Feuerwerk abgebrannt wurde.

? Vilbel. Bei der am 19. August dahier statt⸗ gehabten Wahl eines Krelstagsmitgliedes, wurde Georg Kalbhenn dahter mit 9 Stimmen gewählt.

e. Ober⸗Erlenbach. Bet der am 21. August dahter stattgehabten Krelstagswahl wurde das seitherige Kreis ausschußmittzlied, Pachter J. Grimm zu Vilbel, wieder gewählt.

Gleßen, 20. Aug. Gestern Abend wurde eine Frau aus Flensungen, welche in Begleitung ihres Sohnes im Walde Holz las, von einem Jäger aus Stockhausen auf dem Anstand auf Rehe erschossen. DerJäger hat die Frau für ein Reh angesehen und ging der Schuß der Unglücklichen durch den Kopf, so daß dieselbe auf der Stelle todt blieb.

Mainz. Generallieutenant Graf Schlippenbach ist zum Gouverneur von Mainz ernannt.

Allerlei.

Oberstein, 19. Aug. Die ganze Gegend ist durch ein schauerliches Verbrechen in große Aufregung versetzt. Vor vierzehn Tagen ist hier bei Gelegenheit eines Festes ein siebenjahriges Mädchen spurlos verschwunden. Man vermuthete allgemeln, daß dasselbe von Zigeunern, welche sich damals hier aufhielten, geraubt worden set, aber alle Nachforschungen, die man anstellte, blieben erfolglos. Heute nun wurde die Leiche des Kindes in einem eine Viertelstunde von der Stadt entfernten, zu einem Fabrik gebäude gehörigen Brunnen aufgefunden. Das Kind ist laut Seetionsbefund zuerst vergewaltigt und dann durch Zertrümmerung des Hirnschädels ermordet worden. Als der That verdächtig wurde ein junger in Oberstein be schäftigter Arbeiter, Jakob Schindler, verhaftet.

Weimar. Hiesige Blätter bringen folgende Schreckens botschaft aus dem zwei Stunden von Weimar gelegenen Bad Berka: Allgemeine Theilnahme erregte unlängst der hier unter Symtomen der Vergiftung erfolgte plötzliche Tod eines jungen blühenden Mädchens, der Tochter einer achtbaren Familie aus Rudolstadt. Der Verdacht der beklagenswerthen Eltern lenkte sich sofort auf den Bräutigam ihres Kindes, einen Handlungsreisenden F. Schuls aus Köthen; die seitens der Staatsanwaltschaft in Weimar eingeleitete Untersuchung führte alsbald zur Verhaftung des Verbrechers, der nach Mittheilung der genannten Behörde seine ruchlose That bereits einge standen bat und nunmehr seiner wohlverdienten Strafe entgegensieht.

Karlsruhe, 18. Aug. Bauunternehmer Bernhard Kirchenbauer ist gestern Abend, nachdem die Hauptarbelten an dem eingestürzten Neubau beendet worden waren, verhaftet worden.

Petersburg. Einer Meldung aus Saratoff zu folge ist der WolgadampferVera auf der Fahrt bei Roandoe verbrannt. 200 Personen sind umgekommen; davon sind 4 verbrannt und die übrigen ertrunken.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 21. Aug. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.95 1.05, Eier 1 Stück 6 Pf.

Gießen, 21. August. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.70 0.85, Eier per St. 56 Pf. Käse per St. 5 10 Pf., Tauben per Paar M. 0.45 0.65, Hühner per Stück M. 0.85 1.30, Hahnen per Stück M. 0.45 1.00, Enten per Stück M. 1.20 1.60, Ochsen⸗ flelsch per Pfund 6264 Pf., Kuh⸗ und Rindfsleisch 52 56 Pf., Schweinefleisch 54-60 Pf., Hammelfleisch 50 66 Pf., Kalbfleisch. 4650 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.00 5.00, Zwiebeln per Ctr. M. 4. 5.

Gießen. Der am 17. und 18. d. M. abgehaltene Viehmarkt war stark befahren und meistens von Vieh Vogelsberger Race, welches gut genährt war. Es waren aufgetrieben: 1 Pferd, 1581 Stück Rindvieh und 372 Stück Schweine. Der Handel war lebhaft, welches sich am Tage vor dem Markte schon zeigte und wurden viele Käufe an Handelsleute aus Bayern abgeschlossen. Nächster Markt Dienstag den 31. Aug. und Mittwoch den 1. Sept.

Homburg, 20. August. Marktpreise. Kartoffeln (neue) per Malter M. 45, per Gescheid 9 10 Pf. Eier per Stück 6 und 7 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.10, 2. Qual. M. 1.00.

Frankfurt, 21. Aug. Wochenmarkt. Butter 75 bis 80 M. Eier das Hundert 4.505 M. Essiggurken 100 Stück 6070 Pf., Einmachgurken das Hundert M. 1.50., Blumenkohl 100 Stück 50-80 M. Bohnen 50 Kilo 4 M. Kartoffeln 100 Kilo 4 M. Zwiebeln 50 Kilo 10 12 M. Welßkraut das Hundert 20 M.

Schiffs bewegung der Postdampfschiffe der Hamburg⸗ Amerikanischen Packetfahrtactiengesellschaft.Moravfa, 28. Juli von New⸗Nork, 14. August in Stettin an⸗ gekommen;Saxonia, 26. Juli von St. Thomas, 15. August in Hamburg angekommen;Suevta, 5. Aug,

Lehrer Döll zu Weckeshelm dle Festrede hielt, welche mit einem enthusiastischen Hoch aufgenommen wurde.

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