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1886.

Dienstag den 23. November.

M138.

berhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch

und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Annoncen: die einspaltige e Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben)

welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per

Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von

Post nachgenommen.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes, hier die Versicherungspflicht der Speicherei

und Kellereibetrlebe und der Spediteure.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien

Diejenigen von Ihnen, welche mit Erledigung unserer Verfügung vom 11. v. Mts., werden hieran mit Frist von drei Tagen bei Meidung unangenehmer Verfügung erinnert.

Friedberg den 19. November 1886.

des Kreises.

Kreisblatt Nr. 121, noch im Rückstand sind, Dr. Braden.

Betreffend: Den Ausbau der sog. Hohen Straße als Kreisstraße in der Gemarkung Melbach. 9 Die zu rubrieirtem Ausbau nöthige Chaussirarbeit soll auf dem Submissionswege nochmals vergeben werden. Pläne, Voranschlag und Bedingungen liegen auf dem ureau des Bezirksbauaufsehers Zörb J. dahier bis zum 26. d. Mts. zur Einsichtnahme offen, woselbst auch Offerten bis zum 27. d. Mts., Nachmittags um 4 Uhr,

einzureichen sind. Friedberg den 19. November 1886.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.

ür die Gemeinden Wölfersheim, Beienheim, Melbach, Weckesheim und

glied für diese Gemeinde ernannt und verpflichtet.

Be an un td m ach u n g

Betreffend: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs⸗Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2) Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum ein jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen.

3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat(nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburts

b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormunds mit

während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüusten und zu verpflegen;«. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen(Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizeiobrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; d. das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b.: daß in dem Einwilligungs-Attest

die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den 9 0 U

Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf. Zu pos. d.: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeuguisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen J. Ordnung, sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz ordnung(J. Theil der Wehrordnung vom 28. September 1875 Regierungsblatt Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen.

Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der§ö9. 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Erfatzordnung verwiesen.

Großherzoglich Hessische Prüfungs-Commission

für einjährig Freiwillige zu Darmstadt.

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zeugniß;

der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fahigkeit,

den Freiwilligen

Dr. er,

Deutsches Reich.

Darmstadt. Das Regierungsblatt Nr. 27 enthält die Verordnung, die Verwaltung des Civildiener-Witwen-Justituts betreffend.

Berlin, 19. Nov. Die Kronprinzessin und Prinzessin Victoria, welche gestern wieder hier ein⸗ trafen, statteten heute dem Kaiser einen Besuch ab.

DieNat. Ztg. verzeichnet ein Gerücht, wonach der Kriegsminister zurücktreten und das Commando des 6. Armeecorps übernehmen werde. Von verschiedenen Seiten wird das Gerücht je doch als müßige Erfindung bezeichnet.

An Zöllen und Verbrauchssteuern sind bis 31. Oct. vereinnahmt 5,844,056 M. mehr als im gleichen Zeitraume des Vorjahres, an Tabaksteuer 224,250 M. mehr, an Zuckersteuer 33,933,236 M. mehr, an Branntweinsteuer 1,795,712 M. weniger, an Brausteuer 545,742 M. mehr, im Ganzen 39,324,387 M. mehr, an Wechselstempel 103,512 M. weniger, an Stempel für Werthpapiere 982,090 M. mehr, für Kauf und Anschaffungsgeschafte 2,536,297 M. mehr, für Loose 164,088 M. mehr.

Staatsminister v. Bötticher hat als Stellvertreter des Reichskanzlers eine Bekannt machung erlassen, wonach die Eröffnung des Reichstages am 25. d. M., Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des königlichen Schlosses statt. finden wird. Zuvor wird wie immer Gottesdienst

abgehalten. 72 Cottbus, 21. Nov. In dem vor dem hiesigen

die Rädelsführer des Spremberger Krawalls wegen Landfriedensbruchs bezw. Aufruhrs und Auflaufs sind die Angeklagten Saebischka zu 2 Jahren, Korn zu 1½½ Jahren, Hoffmann, Franke und Just zu je 1 Jahr, Warmulla zu 9 Monaten, Brosig und Dubran zu je 8 Mo naten, und Wonneberger zu 6 Monaten Ge fängniß verurtheilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. DerN. Fr. Pr. zufolge stimmte Fürst Bismarck der Candidatur des Fürsten Nikolaus von Mingre lien für den bulgarischen Fürstenthron zu, ebenso Italien; England äußerte Bedenken; Oesterreich wird, wenn sonst eine Einigung der Mächte erzielt wird, keine ernstlichen Schwierigkeiten machen. Ueber den Eindruck der Kalnoky'schen Rede herrscht lebhafte Befriedigung. Die Er⸗ nüchterung Rußlands in Folge dieser Rede wird als ein politischer Gewinn betrachtet.

Pest, 19. Nov. Im Budgetausschuß der österreichischen Delegation gab Kalnoky folgende Erklärung ab: Das Programm der öster reichischen Balkanpolitik beruhe auf der Rechts basis des Berliner Vertrages und strebe die Er haltung friedlicher Zustände behufs Erstarkung der Balkanstaaten an. Die erste Durchbrechung dieses Prinzips bildeten die Philippopeler Er eignisse. Kalnoky erkennt an, daß die bulgarische

Schwurgericht stattgefundenen Prozesse gegen

Unton weder den Interessen Oesterreichs, noch

denen Europas widerspreche, für die Durchführ ung derselben sei aber Oesterreich Ungarn allein nicht maßgebend. Da die Orientfragen durch die Lösung der bulgarischen Krisis nicht abge schlossen seien, muͤsse Oesterreich-Ungarn mit mög⸗ lichster Geduld in der Haushaltung der Mittel vorgehen, vor Allem sei eine friedliche Lösung der Schwierigkeiten anzustreben. Das Verhält niß zu Deutschland sei seit 1879 unverändert geblieben, eher weiter entwickelt und gekräftigt worden. Das Vertrauen und die Zuversicht beider Staaten in das Bündniß, das übrigens nicht blos mündlich existire, sei vollkommen und beiderseitig; dasselbe werde dadurch viel stärker, daß auch die gegenseitigen Interessen die Ueber zeugung begründet haben, daß jeder Staat ein vitales Interesse an dem Fortbestande des an deren als starke unabhängige Großmacht habe. Kalnoky legt großen Werth auf ein freundschaft liches Verhältniß zu Rußland, ohne daß dadurch die Beziehungen zu Deutschland, die übrigens ganz anderen Charakters seien, irgendwie alte

rirt würden. Das Budget wurde unverän dert angenommen. Belgien. Brüssel, 20. Nov. Seit zwei

Tagen ist Gent der Schauplatz eruster Arbeiter unruhen. Im Laufe der gestrigen Nacht besetzten 800 Spinnereiarbeiter den Industrieplatz und mußten mit Waffengewalt auseinander getrieben

werden. Hierbei wurden ein Polizeicommissär und mehrere Gendarmen, sowie verschiedene Ar

beiter erheblich verwundet.