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mäßigen Heirathsgutes von der Besteuerung; 3) Heranziehung der Pension der zur Dispo sition gestellten Offiziere in gleichem Maße, wie jetzt schon die Pension der verabschiedeten Offi ziere herangezogen wird.

Die europaͤischen Machte scheinen geneigt zu sein, dem Fuͤrsten Alexander von Bulgarien eine goldene Brücke zum Rückzutzze zu bauen; man stellt die sofortige Sanctiontrung des kürkisch bulgarischen Abkommens in Aussicht, falls Fürst Alexander den Widerstand gegen seine vorlaufig für fünf Jahre projectirte Ernennung zum Ge neralgouverneur Ostrumeliens aufzibt.

In Kreisen, welche als gut unterrichtet gelten koͤnnen, wird versichert, daß die Stellung des Finanzministers Scholz auch nicht einen Augenblick für erschüttert gegolten hat; in den gegentheiligen Gerüchten hat man mehr die Wünsche einzelner Gruppen als begründete That sachen zu erblicken.

20. Marz. Nach der gestern Abend statt gehabten Auflosung einer stark besuchten social demokratischen Versammlung auf dem Andreas platz, in welcher der Abg. Bebel sprach, fand eine größere Menschen-Ansammluug statt, welche nicht ohne Mühe zerstreut wurde; von der Waffe wurde jedoch kein Gebrauch gemacht. Zwei Beamte wurden mit Schnee- und Eis⸗ stücken beworfen, ohne jedoch dadurch verletzt zu werden. Zwei Personen wurden verhaftet, fünf weitere Ruhestörer sistirt.

Verschiedene Abgeordnete versichern, die Regierung beabsichtige eine Branntwein Con⸗ sumsteuer, eine abgestufte Maischraumsteuer und eine erhöbte Exportvergütung. Die officsöse Angabe von der Moglichkeit eines Nothgesetzes bezüglich der Branntweinsteuer wird für einen Fuͤhler gehalten; auch ist über Verhandlungen mit den verbündeten Regierungen über darauf bezügliche Plane noch nichts bekannt.

Dresden, 20. Maͤrz. Die Königin Carola ist mit der Prinzessin Josepha heute Nachmittag zu längerem Aufenthalt nach Meran abgereist.

Karlsruhe, 21. Marz. Den letzten Nach richten zufolge verbrachte der Erbgroßherzog eine ruhige Nacht und ist dessen Befinden heute früh zufriedenstellend.

Ausland.

Belgien. Brüssel, 21. März. Für heute sind in den Vorstädten von Brüssel mehrere socialistische Meetings angekündigt. Die für den Schutz der öffentlichen Ordnung gebildeten Abtheilungen der Bürgergarde sind deshalb ein beordert, die Polizeimanuschaften und die Gens darmerie sind consignirt. Es ist der formelle Befehl ertheilt, jeden Volkshaufen, welcher in die Stadt einzudringen sucht, unter Anwendung von Gewalt auseinander zu treiben. Aus Jemappe werden nicht unerhebliche Ruhestör ungen gemeldet. In der vergangenen Nacht kam es zwischen den Arbeitern und der Gen darmerie zu einem Zusammenstoß, wobei mehrere Gendarmen verwundet wurden, 10 Personen wurden verhaftet.

Lüttich, 19. März. Gestern Abend fanden hier anläßlich der Feier des Jahrestages der Variser Commune ernstliche Ruhestörungen statt. Ein Haufe aus der niederen Volksklasse hatte sich den Sozialisten angeschlossen und die Menge plünderte und verwüstete viele Kaffeehaͤuser, zer trümmerte die Fenster vieler Häuser und zer störte sämmtliche Läden in der Leopoldstraße. Die Banden durchzogen die Straßen mit dem Rufe:Nieder mit den Kapitalisten! Nieder mit den Bourgeois! Die Polizei, Gensdarmen und die Bürgergarde machten mehrfachen Gebrauch von den Waffen. Es gab viele Verwundete und wurden etwa hundert Verhaftungen vorgenom men. Heute Nachmittag blieben die Läden ge schlossen, da eine neue Plünderung befürchtet wurde. Der Strike in Seraing läßt neue Ruhe störungen befürchten.

Frankreich. Paris, 19. Marz. Die Feier des Jahrestages der Commune ging mit den üblichen Banketten und den üblichen Brand reden der ehemaligen Communarden, der Social

revolutionäre und Anarchisten in Scene. Größere Unruhen kamen nicht vor; Louise Michel pilgerte von Lokal zu Local.

Großbritannien. London, 19. März. Der gestrige Meinungsaustausch zwischen Glad stone, Chamberlain und Trevelyan ist resultatlos geblieben. Der Rücktritt Chamberlain's und Trevelyan's dürfte kaum vermieden werden.

19. Maͤrz. Unterhaus. Staatssecretär Hippert theilte bei der fortgesetzten Berathung des Budgets mit, daß gegenwärtig 103 verschie dene Schiffe im Bau begriffen seien, darunter 20 gepanzerte und 54 Torpedoboote. Die Kosten be laufen sich im Ganzen auf 13,100,000 Lst. Vor laͤufig seien keine weiteren neuen Schiffe in Aus sicht genommen. Die PositionLoͤhnung wurde nach mehrstündiger Debatte mit 2,900,000 FLst. angenommen.

Manchester, 18. Maͤrz. Eine von den Stadt behoͤrden abgegebene Erklärung, daß sie den Ar beitern augenblicklich keine Arbeit geben könnten, rief heute eine Kundgebung von Arbeitern her vor. Ein großer Haufe versammelte sich vor dem Stadthause. Hier von der Polizei zer streut, begab sich ein Theil der Arbeiter in drohender Haltung durch die Straßen, in denen die bedeutendsten Kaufläden sich befinden, zer trümmerte die Fenster eines großen Modewaaren geschaͤfts und machte Anstalten, die Juwelier laͤden zu plündern. Es gelang der Polizei, dies zu verhindern. Drei der Unruhestifter wurden verhaftet.

Serbien. Belgrad, 18. März. Im heu tigen Ministerrathe schlug Garaschauin die De mission des Cabinets vor. Wie verlautet, wird der selbe, obschon seine Freunde der Demission wider rathen und die Ausschreibung der Skupschtina Wahlen empfehlen, morgen dem Könige die De mission überreichen.

Bulgarien. Sofia, 19. März. Der K. Zig. wird von hier gemeldet, Füͤrst Alexan der erkenne nur das Abkommen an, welches er und der Sultan unterzeichnet haͤtten. Dieses Abkommen aber habe die Pforte später gänzlich abgeändert ohne des Fürsten Zustimmung, und dazegen richte sich der Widerspruch des Fürsten. Wollten die Großmächte trotzdem dem Fürsten eine Vereinbarung aufzwingen, so werde sich dieser seiner der Türkei gegenüber eingegangenen Verpflichtungen für entbunden erklären. Außer dem verwahre sich Fürst Alezander dagegen, daß dieses Abkommen eintürkisch-bulgarisches ge nannt werde, er bestehe vielmehr auf der richtigen Bezeichnung eineseuropäischen Machtspruchs.

Rumänien. Bukarest. Sämmtliche De putirte des Arrondissements Foksani in der ru mänischen Abgeordnetenkammer haben ihre De mission genommen, weil die Kammer die Ver legung des Appellationsgerichts von Foksani nach Jassy votirte.

Rußland. Petersburg. Das BlattParis willaus zuverlässiger Quelle wissen, Ruß- land ziehe langsam bedeutende Streitkräfte in Bessarabien zusammen und zwar zu dem Zweck, auf den Fürsten Alexander, dessen Haltung durch England ermuthigt werde, einen Druck auszu üben. Auch in Bukarest soll man officiösen Nachrichten zufolgesehr ernstliche Verwickel ungen befürchten.

Egypten. Kairo, 19. März. Es verlautet auf das Bestimmteste, daß mehrere englische Regimenter die Ordre erhalten haben, nach Unteregypten zurückzukehren, und daß Assuan den äußersten von englischen Truppen besetzten Posten bilden werde.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 20. März. Heute fand im Saale des Hötel Trapp die Prüfung der Ackerbauschüler statt, zu welcher sich, außer zahlreichem Publikum aus Stadt und Umgegend, Ministerlalrath Jaup von Darmstadt eingefunden hatte. Die Schule war von 14 Schuͤlern im letzten Winter besucht, von welchen 8 entlassen wurden. Drei der jungen Leute wurden prämlirt, einer wegen seiner hervorragenden Lelstungen vom Curatorlum mit einem Andenken beehrt. Ministerkalrath Jaup sprach sich sehr anerkennend über dle Leistungen der Anstalt und die erzielten Resultate aus und hob hervor, daß er sich, wo solche Thatsachen sprächen, nicht genug über den

große Opfer für die Schule brachten. Es wäre doch wohl an der Zelt, daß die Landwirthe in Anbetracht der Nothlage der Landwirthschaft elnsehen möchten, wilevlel auch ein solches Instltut zur Hebung des Wohles der Landwirthe beltragen könne. Nach der Prüfung fand ein gemeinschaftliches Mittagsmahl statt, nach welchem noch dle Ausstellung in der Ackerbauschule be sichtigt wurde.

h. Dorhelm, 20. März. Bet der heute statt⸗ gehabten Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bei; geordnete Reuß mit großer Majorktät gewählt.

7 Vilbel. Auch hler wurde diesmal der Geburtstag unseres Kaisers festlich begangen und zwar hauptsächlich durch den Mustkverein Concordia und die Turngesellschaft, welche am Abend des 22. März einen Fackelzug vom Vereinslscal bis zum Amtsgerichts zebäude veranstalteten. Nach demselben fand geselliges Zusammensein im Thuy'schen Saale statt.

Nidda. Am 16. März schoß Forstwart Stier in der Harb eine Wildkatze von ansehnlicher Größe.

Bingen. Das gewiß sehr seltene Erelgniß, daß in einer Familie die grüne, silberne und diamankene Hochzeit stattfindet, trug sich gestern in dem benachbarten Sprend⸗ lingen zu. Der Sohn des dortigen Gastwirths Machemer wurde nämlich getraut, während die Eltern an demselben Tage ihre silberne und die noch ruͤstigen Großeltern ihre diamantene Hochzeit feierten. Der ganze Ort nahm an dem dreifachen Famtlienfeste Antheil.

Allerlei.

Nassau. Nach den glaubwürdigen Angaben hiesiger Einwohner trelbt sich ein Wolf in unseren Wäldern umher. Ein Mann traf auf einem Gange durch den Wald ein Thier, das er anfangs für einen Schäferhund

hielt, und deßhalb von selnem Fraß, über den es sich

hergemacht hatte, forttreiben wollte. Erst als sich der vermeintliche Hund daraufhin aufstreckte, gewahrte der Mann zu seinem Schrecken, daß er in der That einen Wolf vor sich hatte. Trotz späterer Nachforschung seitens der Jäger ließ sich der Wolf jedoch nicht weiter verfolgen. Daß aber zwei Wolfe in den Waldungen zwischen hler und Montabaur gesehen worden sind, dafür wollen sich Jäger verbürgen, die ihre Spuren genau ermittelt und verfolgt haben, freilich ohne diese gefährlichen Thlere, die bei großem Frost und starkem Schnee öfter über den Rhein herüberkommen, vor die Augen bekommen zu haben.

Nordhausen. Am ganzen Südharz, in Sachsa, Lauterberg, Andreasberg, Zorge, Hohegeiß u. s. w. herrscht eine Diphtherttis-Epidemie in so hohem Grade, daß allent⸗ halben die Schulen haben geschlossen werden müssen.

Fraustadt. Seit Sonntag befindet sich unsere Stadt in großer Aufregung. Eine Bauerngutsbesitzerin in Allen dorf ist gefänglich eingezogen worden, well sie im Ver⸗ dacht steht, nach einander ihre vier Ehemänner verglͤftet zu haben; ihr vierter Mann verstarb am 3. März plötz⸗ lich. Heute hat sich eine gerichtliche Commission nach Altendorf begeben, um die Exhumskrung der Leichen vor⸗ zunehmen.

New Bork. In Carrolton(Mississippi) drangen während einer Gerichtsverhandlung gegen mehrere Neger, wegen eines an einem Weißen begangenen Mordversuchs, ca. 50 Weiße in den Gerichtssaal, todteten 13 Neger und verwundeten eine große Anzahl.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 20. März. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80 0.90, Eier 2 St. 11 Pf.

Gießen, 16. März. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.85 1.00, Eier 2 Stück 9 Pf., Räse per St. 58 Pf., Tauben per Paar M. 1.00, Hühner per Stück M. 0.85 1.50, Hahnen per Stück M. 1.30 2.00, Enten per Stück M. 1.70 2.20, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 6264 Pf., Kuh⸗ und Rindsleisch 5456 Pf., Schweinefleisch 52 60 Pf., Hamme lfleisch 5066 Pf., Kalbfleisch 4550 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00- 4.50, Zwiebeln per Ctr. M. 8.00.

Gießen. Auf dem am 16. und 17. d. Mts. ab⸗ gehaltenen Viehmarkt waren aufgetrieben: 1223 Stück Nindvieh und 331 Stuck Schweine. Die Preise bei

Zuchtvteh blieben unverändert, dagegen waren Schweine Nächster

und Kälber billiger als am letzten Markte. Markt Dienstag den 6. und Mittwoch den 7. April d. J.

Frankfurt, 19. März. Auf dem heutigen Heu und Strohmarkte waren 68 Wagen angefahren. Hen kostete pr. 50 Kilo M. 3.30 4.10, Stroh M. 2.30 2.70. Butter en gros 50 Kilo M. 85.90., Eler das Hundert M. 5. 6.50, Kartoffeln 100 Kilo M. 4.50 5.50.

Repertsir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dlenstag den 23.: Der Rattenfänger von Hameln.

Mittwoch den 24.: Geschlossen.

Donnerstag den 25.: Johann von Paris. Herr Nach baur als Gast. Hlerauf: Uriella.

Freitag den 26.: Vorstellung bet ermäßigten Preisen. Hamlet. Außer Abbonn.

Samstag den 27.: Don Juan.

Sonntag den 28.: Carmen. José: Herr Nachbaur als Gast.

Schauspielhaus.

Dienstag den 23.: Alexandra,

Mittwoch den 24. Prinz von Homburg.

Donnerstag den 25.: Drei Paar Schuhe.

Freitag den 26.: Boeegeelo.

Samstag den 27.: Drel Paar Schuhe.

Sonntag den 28.: Der Prinz von Homburg.

elgentlich recht geringen Besuch der Anstalt wundern müsse, zumal der Staat und der landw. Verein doch

Außer Abonn.

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