Einzelbild herunterladen

og man zur Kirche, in der der Ortsgeistliche, Pfarrer Velte, den Altardtenst, Pfarrer Kleberger von Lardenbach die erweckliche und herzliche Predigt über Römer 12 V. 13 hielt, in welcher Redner mahnte:Nehmet euch der Heiligen Noth durft

In felerlichem Zuge z

an, im Hinblick 1) auf den Grund für die Hilfe(den Nothschrei der bedrängten Glaubensgenossen), 2) auf ihre Kraft zum ewigen Leben).

(die Liebe), 3) auf ihr Ziel(Hinführung An die gedankenresche Predigt schloß sich eine kurze, kräftige Ansprache des Präsidenten, Director Diegel, und der Rechenschaftsbericht an, den Professor Weiffenbach erstattete. Die reichliche Collecte ertrug ca. 50 M. und wurde für die evang. Gemeinde zu Pilsen, ein langjähriges Pflegkind des Wetterauer Zweig-⸗Vereins, bestimmt. Nach einer /4stün⸗ digen Pause fand auf dem benachbarten bewaldeten Haag, demHelienberg, unter dem Schatten der Bäume eine sehr stark besuchte und äußerst gelungene Nachfeier statt, bei der verschiedene Ansprachen gehalten und Flug⸗ blätter vertheilt wurden. Prof. Weiffenbach berichtete den Versammelten von dem großartig-schönen Eisenacher Gustav⸗Adolf-Feste am 8 10 September 1888, ins⸗ besondere von der erhebenden Wartburg⸗Feier am 11. September, bel der Prof. Dr. Fricke von Leipzig eine alle Hörer begeisternde und tief ergreifende Rede hielt. Auch auf die neuentstandeneMainzer Dias⸗ pora lenkte Redner die Aufmerksamkeit und empfahl schließlich die mitgebrachten guten und ungemein billigen (10 Pf.) Gust. Ad. V. 8 Büchlein, die einen so reißenden Absatz fanden, daß leicht die 5fache Anzahl Abnebmer gefunden hätte. Cand. theol. Beckel erzählte in sehr geschickter und ansprechender Weise von Anton Court i 1760), dem Wiederhersteller des Protestantts⸗ mus in Frankreich, dem Prediger derKirche in der Wüste. Director Dr. Diegel berichtete in herzbewegen der Weise von der kürzlich erfolgten Sammlung einer evangelischen Gemeinde zu Serajewo, der Hauptstadt Bosniens Den Schluß machte ein kräftiger und sehr belfälig aufgenommener Appell des Ortsgeistlichen an die Treue im ev. Glauben und das protestantische Be wußtsein. Erst in später Abendstunde trennten sich die Festbesucher von der gastlichen Gemeinde. Wir zweifeln nicht, daß Gott einen kräftige Segen von dem schönen Feste aus gehen lassen wird.

Butzbach. Die biesige freiwillige Feuerwehr läßt es an Vorbereitungen nicht fehlen, um ibren zum 10. oberhessischen Feuerwebrtage am 25. Juli hieber kommen den Kameraden angenehme Stunden zu bereiten Nach der Delegirtenversammlung wird beim Mittagessen ein Theil der Kapelle des 118. Inf.-Regts. coneertiren und nach der Uebung der biesigen Wehr findet Concert und Tanzbelustigung statt. Die Speisewirthschaft ist bewährten Händen anvertraut. Feuerwehrleute in Uniform baben selbstverständlich zu dem Festplatz freien Zutritt und andere Personen können den Festplatz gegen Lösung von Karten besuchen.

Allerlei.

Kassel, 18. Jull. Ein geheminißvolles Attentat wurde derK. Zig. zufolge auf den gestern Nachmittag hier einlaufenden durchgehenden Frankfurt- Berliner Schnellzug begangen. In der Näbe der Station Neu stadt faßte sich der auf der Maschine stehende Locomotlo führer Seebach von hier mit den Worten:Nun, was ist denn das? plötzlich an den Hinterkopf und sank blut überströmt zu Boden. Bei der näheren Untersuchung ergab sich, daß S. eine schwere Verletzung am Kopfe er⸗ halten hatte, die von einem Schuß herzurühren scheint. Der Heizer führte den Zug langsam bis nach Treysa weiter, wo der Verletzte ärztlich verbunden wurde und bis auf Weiteres zurückgelassen werden mußte. Näheres über den geheimnißvollen Vorfall ist noch nicht bekannt und muß erst durch die Untersuchung klar gestellt werden.

Jena, 16. Juli. Hier ist es in vergangener Nacht zwischen 20 Corpsstudenten und 100 Burschenschaftern auf dem Elchplatze zu einer ernsten Prügelei gekommen, wobei die Corpsstudenten sehr erhebliche Verletzungen an Kopf und Brust erlitten haben.

Halle a. S., 17. Juli. Bei Deutschenbora, auf der Eisenbabhn Leipzig-Dresden, entgleiste gestern Abend ein Personenzug. Zwei Gepäckwagen stürzten über die Böschung, ein Wagen vierter Classe wurbe zertrümmert. Die Maschine fuhr tief in den Bahnkörper. Der Maschinen⸗ führer und ein Wagenwärter siand schwer verletzt.

Berlin. Die Schulden der Stadt Berlin belaufen sich gegenwärtig auf 157,500,000 M., wovon in diesem Jahr Millson M. zur Amortisation gelangen werden. Auf den Kopf der Bevölkerung Berlins entfällt eine Schuldenlast von 111112 M., während in Paris auf den Kopf 60, M. und in Wien 170 M. entfallen.

Wien, 19. Juli. In Fiume sind in den letzten 24 Stunden 4 Cbolergerkrankungen und 2 Cholera todesfälle vorgekommen, in Triest 2 Erkrankungen und 1 Todesfall.

Aus der Berliner Verbrecher welt.

Mit allen anderen Weltstädten, wie Paris und London, theilt Berlin das Schicksal, daß sich hier ein weitverzweigtes, unausrottbares Verbrecherthum organisirt hat, welches eine

Welt für sich bildet, seinen eigenen Kodex besitzt, seine besondere Sprache redet und in seiner festgegliederten Gemeinschaft eine beständige Gefahr für alle Klassen der Gesellschaft re präsentirt. Nur zuweilen gewinnt das Publikum

aus sensationellen Gerichtsverhandlungen einen flüchtigen Einblick in das dunkle, unheimliche Getriebe dieser im ganz besonderen Sinne ezelusiven Kreise. Daher mag es wohl kommen, daß Diejenigen, die es unternehmen, das Lesepublikum in das Labyrinth der Ver⸗ brecherwelt einzuführen, stets das lebhafteste Interesse finden werden. Ein Werk, das nicht nur durch den gewählten Stoff, sondern nament lich durch die gründliche, ernste Behandlung desselben, durch die Klarheit und Uebersichtlich keit der Darstellung ganz besondere Beachtung verdient, ist soeben unter dem Titel:Die Verbrecherwelt von Berlin von O. 8. im Ver lage von J. Guttentag(D. Collin) erschienen. Der Verfasser, anscheinend ein höherer Kriminal oder Gefängniß-Verwaltungsbeamter, hat offen bar aus Quellen geschöpft, die sehr wenigen zu Gebote stehen; die tiefste Sachkenntniß der einschlägigen Verhältnisse, das gewissenhafteste, langjährige Studium der geschilderten Kreise tritt auf jedem Blatte zu Tage. Auch in dem glatten, gedrungenen, jede überflüssige Ab schweifung vermeidenden Stil liegt etwas von der Korrektheit des Beamten. Zudem hat das Werk den Vorzug, daß der Autor nicht nur den Finger an die wundesten Stellen des ge sellschaftlichen Organismus legt, sondern auch mit praktischen Vorschlägen zu ihrer Heilung hervortritt. Die Quverture des Buches bildet gleichsam der Prozeß Dickhoff, der hier in geradezu meisterhafter Darstellung wieder vor Augen geführt wird. Im Weiteren erschließt der Verfasser die verborgensten Höhlen des Verbrecher- und Gaunerthums unseren Blicken, zeigt uns alle Abstufungen und Spezialitäten desselben, und es fehlen in dieser anmuthigen Galerie weder der gefährliche Einbrecher, der schwere Junge, noch der dandyhafte Bauern fänger, der einen Zugereisten aus Treuenbrietzen beim Kümmelblättchen rupft, noch der Schwindel Auktionator, der seine Tomback-Uhren,die nie alle werden, in die Tasche zu praktiziren weiß, und die Verlorene, die ihren Zuhälter im Kleiderschrank verbirgt. Einige Stellen, die wir aus dem inhaltreichen Buche herausgreifen, mögen hier Platz finden. Von den Unter schlupfen, in welchen die Verbrecher ihre Zeit verbringen, ehe sieauf Arbeit gehen, heißt es:Die Verbrecherhöhlen sind fast ausnahms los in Kellern belegen, die mit ihren Fenstern so wenig über das Niveau der Straße empor ragen, als es die polizeilichen Vorschriften über die Räumlichkeiten der Schankwirthschaften nur irgend zulassen. Die Wirthe verschmähen es, große Schilder an der Front des Hauses anzubringen und Abends die buntfarbigen La ternen anzustecken, welche sonst in Berlin dem Publikum zu verrathen pflegen, daß es hinter ihnen noch einen wachenden Wirth findet, der bereit ist, es zu erquicken. Nur ein matter Lichtschein dringt durch die Gardinen der Fenster, au dem der Uneingeweihte arglos vorübergeht, der aber genügt, um dem Stammgast zu be weisen, daß er nicht fehlgeht. Es bedarf auch keiner besonderen Anlockungsmittel, denn wer hier gern gesehen ist, der findet den Weg von selbst, und wer zu diesen nicht zählt, der soll eben ferngehalten werden. Man steigt einige Stufen hinab und findet ein, auch zwei niedrige Zimmer mit verräucherten Decken, roh getünchten Wänden und einem armseligen Mobiliar. An kleinen Tischen sitzt da gruppenweise von einander getrennt eine Anzahl Menschen, an denen weiter nichts Auffallendes ist, als daß man sie vielleicht als eine bunte Gesellschaft bezeichnen könnte. Denn haben da den einen Tisch gänzlich zer lumpte und reduzirte Gesellen inne, so macht sich dicht daneben ein Kleeblatt breit, das ge schniegelt und gebügelt, mit dem Monocle im Auge, tadelloser Wäsche und feinem Cylinder hut auf dem Kopfe in diese Umgebung schlecht zu passen scheint, und an einem dritten Tisch haben sich ein paar Individuen placirt, die nach Kleidung und resolutem Auftreten dem Handwerkerstande anzugehören scheinen. Auch

0 7 5 das Verbrecherthum hat eben seine Varietäten. Während jene dem nächtlichen angehören, sind die anderen apler und Bauernfänger, und diese thatkräftige Einbrecher. Auch das weibliche Element fehlt nicht, aus- nahmslos Damen, welche sich hier von ihren nächtlichen Spaziergängen und Abenteuern er⸗ holen, auch wohl von ihren Zuhältern eine Rolle in irgend einem auszuführenden Ver⸗

sonderliches. Sie rauchen, trinken Schnaps

trolchthume

1 brecherstück zugetheilt erhalten. Das Benehmen aller dieser Leute bietet äußerlich nichts Ab.

und Bier, unterhalten sich und spielen Karten. N

Sobald ein nicht zu ihnen Gehöriger das Lokal

betreten hat, wird er beim besten Willen und 95

bei der größten Aufmerksamkeit Nichts entdecken,

was ihn auf den Gedanken bringen könnte, 1 daß er es hier mit lauter Verbrechern zu thun

habe. Aber sobald der Eindringling den Rücken gekehrt hat, ändert sich die Szene. einer einen Beutel mit Geld aus der Tasche und vertheilt den Inhalt an seine Komplicen von der letzten That, dort steckt man die Köpfe zusammen und beräth eifrig die Pläne für die nächste; Streit kommt dabei nur selten vor, und ist er entstanden, so wird er bald durch das eindringliche Zureden eines besonders An⸗ gesehenen geschlichtet. Jetzt betreten durch die Hinterthür vom Hofe aus eiligst zwei neue Gesellen den Raum, sie reißen sich falsche Bärte ab und werfen sie in's Feuer, dann tragen sie schleunigst ein Bündel in die Privatwohnung des Wirths, wo sie es verbergen, tauschen mit einander die Kleider, und im nächsten Augen blick sitzen sie mit der größten Seelenruhe an einem der Tische und trinken ihr Glas Bier, als ob sie da schon stundenlang gesessen hätten. Die Vorderthür öffnet sich, ein Kopf wird in der Spalte sichtbar und ruft nur das einzige Wort:Lampen!, um alsbald wieder zu ver schwinden. Im Nu ist das Lokal wie aus gefegt. Durch Vorder- und Hinterthür hat sich Alles hinausgestürzt, der Wirth trägt die stehen gebliebenen Gläser zusammen, setzt sich hinter seinen Ladentisch und nimmt ein so sauertöpfisches Gesicht an, als wollte er Jedem, der nun eintritt, ein Lied über die schlechten Zeiten vorsingen. Denn wer nun eintritt, ist die Polizei, aber sie findet das Nest leer. Der Wirth weiß von gar nichts; er hat den ganzen Abend über nur zwei Gäste gehabt, und die sind schon längst gegangen. Er ist überhaupt in jeder Beziehung ein Prachtstück. Schweigend steht er Stunde

für Stunde hinter seinem Ladentisch und verkauft

seine Speisen und Getränke gegen klingende Münze. Es ist ihm anscheinend gleich, was Jemand verzehrt, ob vlel oder wenig. Er duldet die ganze

Nacht hindurch einen Menschen, der für fünf

Pfennig Schnaps genießt, ja er weist ihn nicht hinaus, wenn er gar Nichts zu sich nimmt. Weiß er doch, daß es auch manchmal anders kommt, daß dieselben Menschen, die jetzt keinen Nickel in

der Tasche haben, ein andermal die Taschen f

voll Goldstücke haben, daß dann um Mitter⸗ nacht die Thüren und Fensterläden fest ver schlossen werden, und im Hinterzimmer eine

wilde Orgie beginnt, die bis zum frühen Morgen andauert, und bei der selbst der Champagner Nur von einem will er nie etwas wissen, und das ist

ein nicht unbekanntes Getränk ist.

das Creditgeben, denn er ist sich sehr wohl be

wußt, daß alle seine Gäste morgen für eine 0 lange Reihe von Jahren in's Zuchthaus wandern

Hie . Die

Hier zieht 1

1 Eäuerlin 0 Reauheln Jol. mit

ind eine

ab für wege vel den 9. 4 baum.

Itankirt bachtung

n Gegen

dunen egteten

e

erfolgte hoben. Bad

5

Die fangen spig, v

3 617¹ 400

40

Lal Ob

können, und daß es dann mit Bezahlung der

Zechschulden gute Wege hat.(Fortsetzung folgt.) Handel und Verkehr.

Friedberg, 20. Juli. Fruchtpr. Waizen M. 18.00 bis 18.25, Korn M. 14.50 14.75, Gerste M. 12 18 50.,

Hafer M. 13.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Ko. 200 Zollpfund.

Friedberg, 21. Juli. Buttermarkt. Butter kostete N

per Pfd. M. 0.850.95, Eier 1 Stück 6 Pf.

Grünberg, 17. Juli. Fruchtpr. Weizen M. 17.30, 0

Korn M. 13.70, Gerste M. 11.60, Hafer M. 12.40, Samen M. 20., Kartoffeln M. 3.40.

Gießen, 20. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. Pe. 0.75 0.90, Eier 2 Stück 11 Pf.,

Käse per St. 59 Pf., Tauben per Paar M. 0.45 0.70,

10

1

H