die Tribüne, tiefe Stille herrschte im Hause. Der Ministerpraͤsident vermochte kaum zu sprechen. „Ich habe die schmerzliche Pflicht“, sagte er, „anzuzeigen, daß Paul Bert auf dem Felde der Ehre gefallen ist. Frankreich verliert an ihm eines seiner hingebendsten Kinder.“ Kasimir Perier, welcher der Sitzung präsidirte, sprach hierauf einige Worte des Bedauerns. Dann wurde die Sitzung unter anhaltender Bewegung geschlossen.
Großbritannien. London, 13. Nov. Der Generalrath der socialdemokratischen Föde— ration beschloß, am 21. Nov. auf dem Trafal— garsquare eine neue Arbeiter-Kundgebung zu veranstalten.
Spanien. Madrid. Die Befürchtungen betreffs neuer Unruhen in Spanien scheinen nicht grundlos zu sein. Der„K. Z.“ wird von hier gemeldet: Die militärischen Maßregeln, die in der vergangenen Nacht getroffen wurden, wirken beängstigend; aus der Provinz laufen beun— ruhigende Nachrichten ein. In Cadix weigerten sich, wie der Correspondent des Fr. I. bestätigt, 700 nach Cuba bestimmte Soldaten sich einzuschiffen.
Serbien. Nisch, 13. Nov. Die serbische Skupschtina genehmigte gestern fast einstimmig das Budget in der Generaldebatte und Specialdebatte.
Bulgarien. Sofia, 13. Nov. Der König von Dänemark telegraphirte an die bulgarische Regierung, er könne unter den gegenwärtigen Umständen in die Wahl Waldemars nicht ein— willigen. Die Regentschaft demissionirte infolge dieser Antwort. Die Sobranje hat jedoch nur die Entlassung Karawelow's angenommen, der wie früher den Fürsten Alexander, so jetzt Bul— garien verrathen habe, während die Demission Stambulow's und Mutkurow's zurückgewiesen und anstatt Karawelow der bisherige Kammerpräsi— dent Zsivkow zum Regenten ernannt wurde.
Rußland. Petersburg, 12. Nov. Die „Polit. Corresp.“ meldet von hier: Das russische Cabinet that bisher bei den Mächten noch keinen Schritt, um denselben die Candidatur des Fürsten Nicolaus von Mingrelien zu notificiren; das— selbe habe jedoch in der Voraussetzung, daß Waldemar die Wahl ablehne, bei dem augen— blicklich im Kaukasus sich aufhaltenden Fürsten von Mingrelien angefragt, ob er zustimme, daß seine Candidatur vorgeschlagen werde, sobald diese Frage auf die Tagesordnung gelange.
Asien. Rangun. In der Nacht vom 8. Nov. steckte eine Bande von Freischärlern das Dorf Pagan in Brand, wodurch die Hälfte desselben eingeäschert wurde. Als die Garnison ausrückte, flüchteten die Brandstifter in das Dschungel. Heftiger Regen beeinträchtigt die Thätigkeit der Expedition. General Roberts kam heute hier an.
Bombay, 12. November. Hier eingegangene Einzelnheiten über die Unterdrückung des Ghilzai-Aufstandes besagen, daß, als General Gholam Hyder Khan zum Entsatz von Ghuzni vorrückte, er im Shenidahan-Paß von den Re— bellen umzingelt wurde, daß es ihm aber dennoch gelang, dieselben zu zersprengen und am nächsten Tage Ghuzni zu erreichen. Später rückte der General wieder aus, griff die Rebellen an und schlug sie, wobei deren Verluste so groß waren, daß er im Stande war, als Zeichen seines Sieges zehn Wagenladungen mit abgeschnittenen Köpfen nach Kabul zu senden.
Amerika. Chicago. Eine Meldung, daß der Streik unter den Fleischverpackern hierselbst sein Ende erreicht habe, ist eine irrthümliche. Die Führer der Streikenden und die„Ritter der Arbeit“ erklären, daß die Lage der Dinge unverändert bleibe.
Aus Stadt und Land.
T. Friedberg. Der diesmalige Winterkursus hiesiger Acker bauschule wurde am 2. d. Mts., 9 Uhr Vormittags, eröffnet. Außer einem Vertreter des Anstaltskuratortums, sowie der Mehrzahl der Lehrer und Schüler, waren dazu ein Theil der Eltern der letzteren und sonstige Interessenten erschienen. Nach Ansprache Seitens des Kuratoriums—⸗
Delegirten, sowie des Anstalts-Dirigenten wurden die
Schüler von den betr. Klassenvorstehern in ihre Klassen ein⸗ geführt, dort mit ihren nächsten Obliegenhelten bekannt gemacht und darauf für den Vormittag entlassen, wo—
Lehrmittel der Ackerbauschule besichtigten. Der Unter⸗ richt begann am Nachmittag. Gegenwärtig wird die untere Klasse von 11, die obere von 6 Schülern besucht. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieses Jahr die Gesammt; zahl der Schüler um einen, der Zugang dagegen um drel Schüler stärker Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß in diesem Jahr das Schulgeld wesentlich herabgesetzt und ein bedeutend höherer Stipendtenbetrag bewilligt wurde. Man ist hiernach wohl berechtigt zu sagen:„Die Wetterauer Landwirthe wissen im allgemeinen die Ge— legenheit, welche ihnen durch die hliesige Ackerbauschule geboten wird, ihren Söhnen eine theoretische Fachbildung angedeihen zu lassen, noch immer entfernt nicht genügend zu würdigen und sind nur wenig von der Verpflichtung durchdrungen, ihren im Gutsbesitz nachfolgenden Söhnen nicht nur zu gestatten, sondern dleselben nöthigenfalls sogar zu zwingen, eine Schule zu besuchen, welche sie in den Stand setzt, die wachsenden Schwierigkeiten ihres Berufes mit gesteigerter Leistungsfähigkelt zu bekämpfen.“
Gießen. Das Schwurgericht für das 4. Quartal 1886 wird Montag den 13. Dezember seinen Anfang nehmen. Zum Vorsitzenden desselben ist Landgerichts rath Dr. Gilmer bestellt worden.
Lich, 10. Nov. Gestern Abend wurde ein hlesiger, sehr vermögender Bürger, dessen im freien Felde(an der Straße Lich Laubach) lagernder Strohhaufen in voriger Woche wegbrannte, als der Brandstiftung ver— dächtig gefänglich eingezogen.
Alsfeld. Die landwirthschaftliche Winterschule da— hier, zu deren Besuch sich 19 Schüler angemeldet hatten, wurde am 2. d. Mts. eröffnet. Gegenwärtig sind fünf Schüler in der oberen und elf in der unteren Klasse. Der Unterricht wird von zwei Fachlehrern und funf Hilfslehrern ertheilt.
Allerlei.
Hanau. Dieser Tage wurde bei Baggerarbeiten im Main bei Kesselstadt ein aus einer Packung derber Basalthausteine und Latten nebst eingerammten Pfählen, die durch Querbalken verbunden sind, gebildeter Pfeiler angeschnitten, genau gegenüber der Stelle des hessischen Ufers, wo bereits vor 10 Jahren römische Fundamente aufgefunden wurden. Die Construktion des Pfellers, Die Beschaffenheit der Größe der durch und durch tief schwarz gefärbten Eichenpfähle und Balken, vor Allem auch die Form und Größe der gefundenen Pfahlschuhe, stimmen genau mit den an den Römerbrücken bei Mainz und Klein-Krotzenburg überein. Der Alterthumsforscher Dr. Koch hat constatirt, daß man es hier mit den Ueber— resten einer alten Römerbrücke zu thun habe.
Halle, 12. Nov. Gestern in später Abendstunde ist der Magdeburg-Schönebecker gemischte Zug entgleist. Mehrere Wagen und das Geleise sind beschädigt und einige Verletzungen vorgekommen, ob schwere, ist noch nicht ermittelt. Die früh von dort kommenden Züge kamen hier deßhalb mit einer Stunde Verspätung an.
Pest. Die Epidemie Commission dahier hat die Cholera offietell als erloschen erklärt, gleichwohl müssen die Vorsichtsmaßregeln weiter in Kraft bleiben. Dieselben haben bisher seit 12. September täglich 500 Gulden gekostet und werden nun einigermaßen eingeschränkt wer den. Im Choleraspital befinden sich noch 41 Kranke. Gefährlicher von Tag zu Tag wird die Blatternepidemie; gegenwärtig befinden sich an 300 Blatternkranke in den Spitälern, die Zunahme beträgt täglich 8 bis 10 pCt. Anschläge des Mazistrats fordern die Bevölkerung zu Impfungen und sonstigen Vorsichtsmaßregeln auf.
Paris, 11. Nobo. Nach amtlichen Berichten sind die Eisenbahnverbindungen zwischen beiden Rhoneufern wieder hergestellt. Mehrere Brücken über die Durance sind von den Fluthen fortgerissen. Weitere Unfälle werden befürchtet. Der Regen fällt in Strömen. In Marseille verwüstete die Meeresfluth das Pradoquartler. Auch in Alx, Tarascon, Valence und Arles ist die Lage eine bedrohliche. Zwischen Genua und Nizza ist die Elsenbahn unterbrochen. Der Arbeitsminister Millaud hat sich nach den nothleidenden Departements begeben.
Marseille, 12. Nov. Ein Personenzug zwischen Peypin und Sisteron wurde heute Vormittag durch einen 300,000 Kubikmeter umfassenden Bergrutsch des Berges Montgerves verschüttet. Vier Personen sind todt, zahl— reiche verwundet.
Madrid, 13. Nov. Ein heftiger Wirbelsturm hat schwere Unglücksfälle in Cartagena verursacht. Mehrere Personen sind verletzt, die Schiffe im Hafen haben viel gelitten, mehrere sind untergegangen, der Leuchtthurm ist fast zerstört.
Lissabon, 12. Nov. In der Provinz Beira Alta wurden gestern mehrere Erdstöße verspürt.
London, 12. Nov. In den oberen Thälern von Vorkshire wurde am Mittwoch durch unaufhörlichen heftigen Regen arges Unheil angerichtet. Die Fluͤsse traten aus ihren Ufern und überschwemmten die benach barten Ländereien. Zwei Farmer, die unweit Lougton den Fluß Swale zu überschreiten versuchten, wurden von ihren Pferden gespült und ertranken. Ihre Leichen wurden später zugleich mit einer Anzahl todter Schafe aufgefischt. In Swaledale fanden fünf Männer und vier Kinder ihren Tod im Wasser, indem das Fährboot kenterte, in welchem sie über den Fluß setzen wollten.
Rom, 11. Nov. Der Po und dessen Zuflüsse, so— wie die Etsch steigen. Einer Meldung aus Genua zu— folge stürze die Brücke bei Albenge ein, wodurch ein Last— zug in's Wasser stürzte; fünf Personen wurden getödtet. In Folge des Austretens des Bormideflusses ist die Gegend zwischen Marengo und Alessandria überschwemmt.
gegen die Gäste unter Führung mehrerer Lehrer noch die
St. Petersburg. Wie der hiesige Correspondent der„Kr. Ztg.“ berichtet, hat die Zarin ein Collier vier—
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relhiger orientalischer Perlen, das Werth repräsentirt, der Schwester des durch einen Irr⸗ thum des Zaren getödteten Adjutanten, Grafen Reutern, bestimmt. Die Katserin ließ die Dame zu sich laden, und als man ihr den Bericht brachte, daß die Comtesse sofort nach dem Begräbnisse ihres Bruders nach Basel gereist sei, befahl sie, ein Kurler müsse das von ihr be⸗ stimmte Geschenk überbringen, welches sie der Post nicht anvertrauen wolle. In das Schloß des Collters ließ dle Zarin einen Brillantstein fassen, den sie einem Ringe entnommen, der das Brautgeschenk ihres ersten Verlobten, des Großfürsten Thronsolgers Nikolaus gewesen. In einem Briefe, den die Zarin dem Geschenke beifügte, schreibt sie an die Comtesse:„Meine Schmuckkassette hat nichts Kostbareres für mich, als den Ring, den ich Dir geopfert habe.“
Handel und Verkehr.
Friedberg, 13. Nov. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.90—0.95, Eier 1 Stück 7—8 Pf.
Gießen, 13. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.00— 1.05, Eier per St. 7—8 Pf., Käse per St. 5—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.55—0.70, Hühner per St. M. 0.85 1.10, Hahnen per St. M. 0.50 bis 1.30, Enten per Stück M. 1.30—1.70, Ochsen⸗ flelsch per Pfund 62-64 Pf., Kuh⸗ und RNindfleisch 54 56 Pf., Schwelnefleisch 56—60 Pf., Hammelfleisch 50-66 Pf., Kalbfleisch 46—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00—5.50, Zwiebeln per Ctr. M. 3.504.
Homburg, 13. Nov. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 4.50—5.00, per Gescheld 9— 10 Pf. Eier per Stück 7 und 8 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.10, 2. Qual. M 1.00.
Frankfurt, 13. Nov. Wochenmarkt. Auf dem Kartoffelmarkt waren 25 Wagen zugefahren. Das Malter kostete M. 5.—5.50. Auf dem Kraut-Markt waren 18 Wagen angefahren. Der Centner Weiskraut kostete M. 5.—6., Sauerkraut der Ctr. M. 8.— 10., Eier das Hundert M. 5.50—7., das Stück 7—10 Pf., Butter M. 82.—85.— Heu 100 Kilo 5.— 5.80, Stroh M. 4.60 bis 5.— Der hiesige Gänsemarkt, so schreibt das„Int.“ Bl.“, hat ganz unerwartete Concurrenz bekommen, nicht etwa durch bayerische oder badische, sondern durch pommerische Gänse. Eine ziemlich große Quantität, in sauberen Säcken vernäht, traf gestern ein und fand so⸗ fort Käufer, das Pfd. stellte sich auf 50 Pfennig.
Herberge zur Heimath.
Bis heute gingen an Gaben weiter ein: Von der Kirche Langenhain 5 M., Major Römheld hier pro Juni, Juli, August, September und Oetober 15 M., Pfarrer Orth in Okarben 2 M., Director Dr. Diegel hier 2 M., Frl. Dieffenbach hier 2 M., von der Kirche Schwalheim 10 M., von dem Kugelhausfonds Butzbach 15 M., von der Kirchenkasse Nieder Rosbach 1 M., von der Pia corpora hier 50 M., von Staatsdame Frau von Massenbach in Stuttgart 5 M., von Frau Staats- minister v. Wächter⸗Lautenbach in Württemberg 10 M., Frau Gräfin Waldersee in Berlin 10 M.; außerdem an Naturalien: Hch. Waltz 1 Topf Fett, Pfarrer Heßler in Nieder-Florstadt ein Korb Küchenkräuter, von der Gemeinde Nieder-Rosbach 1 Sack Kartoffeln. Ferner empfingen wir als Darlehen von Director Dr. Diegel hier 300 M., Frl. Klippstein hier 100 M., Ludwig Weis hier 30 M., Wilhelm Fertsch hier 100 M., Oberlehrer Bitsch hier 100 M., Seminarlehrer Wahl hier 100 M., Mühlen⸗ besitzer Schudt, Görbelheimer-Mühle 100 M., Schul⸗ rath Schmidt hier 100 M., Pfarrer Muller in Nieder⸗ Rosbach 100 M., G. Schwarz hier 300 M., Decan Meyer hier 100 M. Wir sprechen hiermit unsern besten Dank aus und bitten um weitere Gaben und Darlehen.
Friedberg den 9. November 1886.
Dekan Meyer, Vorsitzender. G. Schwarz, Rechner.
Stadtkirchenbau⸗ Verein.
Mit herzlichem Danke quittiren wir folgende Gaben: durch Bürgermeister Steinhäußer Sühne 10 M., vom Junggesellenverein 30 M.„am Geburtstage des großen Reformators“, von Dr. Grödel in Bad-Nauheim Bei⸗ trag 2 M., Decan Buchhold in Ossenheim 10 M.
Dr. Weiffen bach. Wahl.
Brodpreise vom 16. November bis 1. Dezember. Nach eigener Angabe der Bäcker. Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach
unverändert.
Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 16. Nov. bis 1. Dez. Nach eigener Angabe der Metzger. Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach unverändert.
In Bad-Nauheim kostet das ½ Kilo Kalbfleisch 54 Pf. und Hammelfleisch 40 Pf.
4292 Als Hausfreund sollte der von erster hygiesnischer Seite so warm empfohlene Widtfeldt'sche Magenbehagen in keiner Famflie fehlen. Niederl. u. A. b. W. Bernbeck.
Err 9 1 Arbeits-Vergebung.
Donnerstag den 18. d. Mts., Nachmittags um 2½ Uhr, soll in der Wirthschaft des H. Rosenbecker IV. zu
Steinfurth das Anfahren, Zerschlagen und Eindecken
von Unterhaltungssteinen, sowie das Ausbrechen von
Pflaster öffentlich in Accord gegeben werden. Friedberg am 13. November 1886.
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