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Deutsches Reich.
Darmstadt. Die Abgeordneten v. Rabenau und Schade baben eine Interpellation betreffend die baldige Errichtung einer Landesereditkasse eingebracht, welche mit folgender Anfrage schließt: Haͤlt es die Großh. Staats retzierung nicht für angezeigt, in Ausführung der ständischen Beschlüsse
über Errichtung einer Landescreditkasse und in
Anbetracht der steigenden Noth, ohne das de— finitive Resultat des über Erwarten verzögerten Abschlusses der landw. Enquete abzuwarten, schon
jetzt den Ständen einen Gesetzesentwurf über Errichtung einer Landescreditkasse vorzulegen,
eventuell wenn nicht, aus welchen Gründen?— Zu dem Antrage Haas, die hessische Regierung möge bei der Reichsregierung dahin wirken, daß bebufs wirksamerer Verhütung von Wahlbeein— flussungen den§§. 108 und 109 eine präcisere Fassung gegeben werde, hat die Regierung er— klart, sie sei bereit in diesem Sinne zu wirken, sobald sich ein Zusammenhang mit anderen, die Revision des Gesetzbuchs betreffenden Fragen hierzu Gelegenheit biete. Der vierte Ausschuß zweiter Kammer steht auf demselben Standpunkt
Berlin. Die Motive zum Gesetzentwurf, betreffend das Branntweinmonopol, sollen in ihrem allgemeinen Theile insbesondere die Fort⸗ setzung der Reichssteuerreform behandeln und das Bedürfniß für das Reich, die Einzelstaaten und Gemeinden darlegen. In der Motivirung der Einzelbestimmungen ist sodann die Berechnung
für die Annahme des Extrags, die Entschädigung
und die Betheiligung der süddeutschen Staaten erörtert. Den Vorsitz bei den Berathungen der Ausschüsse des Bundes rathes wird wohl der Finanzminister v. Scholz führen.
— 11. Jauuar. Prinzessin Wilhelm hat, wie aus Potsdam gemeldet wird, gestern einige Stunden außerhalb des Bettes zubringen konnen, ihre Genesung schreitet jetzt rasch vorwärts.
— 12. Jan.
1
Der Reichstag berieth heute die erste
Lesung der Zuckersteuervorlage. Abg. Witte ist gegen die
Vorlage und für die Fabrikatsteuer. Minister Lucius weist die Nothwendigkeit der Beibehaltung des besteben⸗ den Steuersystems wegen der großen Ausdehnung des Zuckerexports nach. Auch die meisten Industriellen hätten sich bei der Enquete für das jetzige System aus gesprochen Die Zuckerkeisis babe ihren Grund in der Ueberproduk⸗ tion; diese aber in der schlechten Lage der Land wirthschaft, welcher der Anbau anderer Getreidearten nicht lohnend genug sein könne. Der Fabrikatsteuer ständen auch große technische Schwlerigkeiten gegenüber, se namentlich hin- sichtlich einer Specialtsirung der einzelnen Zuckerarten betreffs ihrer verschiedenartigen Besteuerung. Aehnlich stehe es mit der Melassesteuer. Durch die Vorlage werde das Interesse sowohl der Land wirthschaft als des Staates am besten gewahrt. Abg. Benda ist für die Vorlage; ebenso ist der Abg. Neichensperger für dieselbe, trotz der ihr anhaftenden Mängel. Der Staatsseeretär empfiehlt die Steuer, wie vorgeschlagen, als einzig richtige und zweckmäßige. Nachdem dann noch die Abgg. Helldorf und Nobbe für die Vorlage gesprochen haben, wird die Berathung vertagt.
— Zu der paäpstlichen Ordensverleihung an den Reichskanzler ist noch eine römische Nachricht des„Hamb. Corr.“ zu erwähnen, der zufolge mit dem Christusorden noch niemals ein Protestant ausgezeichnet worden ist. Der äußere Werth der dem Reichskanzler übersandten Decoration wird auf 15,000 Lire angeteben.
— Es verlautet auf's Neue, daß eine Ver— einbarung zwischen der preußischen Regierung und der päpstlichen Curie über die Wieder— besetzung des Erzbisthums Posen-Gnesen nahe bevorstehe und ein in Schlesien amtirender pol— nischer Priester hierzu in Aussicht genommen sei.
— Betreffs der sensationellen englischen Zei— tungsnachrichten über angeblich ernste Vorgänge auf den Samoa-Inseln ist zu bemerken, daß hier amtliche Nachrichten nur bis zum 30. Dez. vorliegen, welche dergleichen Vorkommnisse nicht erwähnen. Derartige Vorfälle sind also nur nach dem 30. Dez. v. IJ. möglich. Englische Zeitungsnachrichten über Vorgange auf Samoa sind mit Vorsicht aufzunehmen und fast immer völlig eutstellt.
— Für diejenigen Innungsverbände, die bis⸗ her über 80000 Mitglieder zählen, soll beab— sichtigt sein, die Rechte juristischer Personen reichsgesetzlich herbeizuführen.
sagbar Beschränktes, an die Verdummungsepochen
einer politischen Versammlung sich an der ge—
Stuttgart. Prinz Wilhelm von Württem⸗
berg hat sich mit der Prinzessin Charlotte von
Schaumburg-Lippe, einer Tochter des Prinzen Wilhelm von Schaumburg-Lippe, verlobt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. In der deutschen Bevölkerung Oesterreichs herrscht tiefe Besorgniß vor dem Schlage gegen das Deutsch⸗ thum, zu welchem das Cabinet Taaffe mit der Maßregelung des Deutschen Schulvereins aus— holt. Die ganze Bedeutung eines solchen Schrittes ermißt nur der, welcher die außerordentliche Stellung dieses Vereins, in welchem sich so zu sagen die Thatkraft des natlonalen Wider— standes der Deutschen gegen die maͤchtige slavische Strömung concentrirt, kennt. In Tausenden von Zweigvereinen ist diese außerordentliche Gesellschaft ins Volk gedrungen, hat in erstaun⸗ licher Weise den nationalen Indifferentismus in vielen deutschen Gegenden Oesterreichs über— wunden, hat es verstanden, dem Herzen des Volkes nahe zu treten. Es liegt etwas un—
vergangener reactionärer Zeiten Mahnendes in der Art und Weise, in welcher die österreichische Regierung nach Anzeichen eines„politischen Geistes“ im Schulverein fahndet. Dänemark. Kopenhagen. Das höchste Gericht bestätigte das Urtheil, durch welches der Präsident des Folkething, Berg, zu einer sechsmonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt wor— den war, weil er im Juli 1884 bei Gelegenheit
waltsamen Entfernung des Polizeimeisters von
der Redner-Tribüne betheiligt hatte.
Spanien. Madrid. Der Verständigung zwischen Deutschland und England in der Kaxo- linenfrage ist rasch das Abkommen zwischen England und Spanien gefolgt. In demselben werden England dieselben Vorrechte wie Deutsch-⸗ land auf den Karolinen- und Palaos- Juseln eingeräumt; nur das Recht, Schiffs- und Kohlen— stationen zu errichten, sei England nicht zu⸗ gestanden worden. Das Abkommen ist am 8. d. unterzeichnet worden. 4
Serbien. Belgrad, 11. Januar. Der serbische Friedensdelegirte Mißatovic ist hier an— gelangt und conferirte heute mit dem König und mit dem Minister des Aeußeren. Serbien schlägt Bukarest als Ort der Friedensverhand. lungen vor.
— 12. Jan. Die Großmächte ließen heute eine Collectivnote überreichen, worin die Ab— rüstung der Balkanstaaten gefordert wird. Hiesigen officiösen Meldungen zufolge ist, wenn Serbien keine völlig ehrenhaften Friedensbedingungen er— hält, welche die Machtverhältnisse auf der Balkan— halbinsel unverändert lassen und bei welchen eine Kriegsentschädigung seitens Serbiens aus— geschlossen ist, die Kriegsfortsetzunz unvermeidlich.
Griechenland. Athen, 12. Jan. Der die Abrüstung betreffende Collectivschritt fand heute mittelst Ueberreichung einer von sämmt— lichen Vertretern der Großmächte unterzeichneten Note statt.
Egypten. Kairo, 11. Jan. Gestern fand die erste Besprechung über die einzuführenden Reformen zwischen dem Khedive, Sir Drummond Wolff und Mukhtar Pascha statt. Der Khedive präsidirte. Zunächst wurde die englisch-türkische Convention verlesen und deren Hauptbestimm— ungen discutirt. Der Khedive erklärte, bei der hohen Bedeutung der Frage werde er selber die Berathungen leiten, anstatt einen Delegirten damit zu beauftragen. Mükhtar Pascha meinte, die Herbeiführung friedlicher Verhältnisse im Sudan sei nur möglich, wenn man in der einen Hand Krieg, in der anderen Frieden bringe; dazu sei aber nur die egyptische, durchweg muselmännische Armee verwendbar. Diese Be— merkungen veranlaßten eine allgemeine Discussion über die Armeereform und über die eventuell nothwendigen militärischen Ausgaben. Eine Ent— scheidung ist noch nicht getroffen, die nächste
per 100 Kilo M. 3.—3.50, Zwiebeln per Ctr. M. 4—5,
2. Qual. M. 0.90.
Berathung findet am 13. d. statt.
Aus Stadt und Land. 1 Friedberg. Der Abendstern wird bel hellem Himmel 0 95 an den nächsten Abenden sich in größter Helligkeit zeigen.[ 1 1 Das eigentliche Maximum war am 11. Januar; das 1080 2. Licht des Planeten übertraf an dlesem Tage das des 4000 5 hellen Fipsterns Wega um volle fünfzigmal. Nach dem daun? 15. nimmt die Helligkeit ziemlich schnell ab; das Gestirn Liber kommt der Sonne näher, geht also immer früher unter chen ve und wird schon nach 4 Wochen in den Strahlen der 212˙
Dämmerung verschwunden sein. Zur Zeit des größten 1 00 2 Glanzes kann die Venus am hellen Tage leicht mit frelen 6010 191
Augen wahrgenommen werden, wenn man nur ihren Ort 1200 106 am Himmel genau kennt. Um dlese. interessante Be⸗ 65490 60. obachtung anzustellen, suche man sich Abends gegen bbs 8½ Uhr den leicht erkennbaren Sirlus, den hellsten aller sülen 1. Fixsterne, und merke sich genau, zwischen welchen Bäumen Oeste oder Häusern man denselben erblickt; von demselben 1870.
Standort aus wird man fast an derselben Stelle, nur Serien
etwas weiter nach oben, am nächsten Nachmkttag getzen 730 867 1 Ubr Venus erblicken können, wenn man nur die Augen 1956 20 gegen das Sonnenlicht beschirmt. An sehr heiteren 2810 25 Abenden kann man da, wo das Auge gegen jede ander, 3052 57
weitige Beleuchtung zeschützt ist, recht gut den durch das gebung
Licht des Abendsterns hervorgerufenen Schatten sehen. Oele Als schattengebenden Körper benutzt man passend einen dehung! Bleistift oder Strlckstock, zur Auffangung des Schattens J. Gew ein Stück weißes Papler. 6. 5047 — A, Allerlei. ü 4 Bl Bacharach. Kaufmann F. aus Simmern wurde E, 600% auf der hiesigen Station vom Schlage getroffen und da S. 8002 die Weiterreise nicht stattfinden konnte, im Hötel W. E. 103 hier in ärztliche Behandlung genommen. Ein Telegramm, Nr. 5, welches die Familie des Verunglückten in Kenntniß setzen Jr. A, sollte, hatte nach der„Cobl. Ztg.“ die traurige Folge,— daß Frau F., vom Schlage getroffen, auf der Stelle Im todt blieb. f Handel und Verkehr. Frledberg, 12. Jan. Fruchtber. Walzen M. 16.50, Korn M. 17.50 00.00, Gerste M. 13.00— 15.00, Hafer wegen N. 12.50— 13. Alle Preise verstehen sich auf 100 Ko.= geucht 200 Zollpfund. an wel. Friedberg, 9. Jan. Buttermarkt. Butter kostere 1.0 per Pfd. M. 0.70—0.80, Eier 1 St. 7 Pf. 1 Butzbach, 9. Jan. Wochenmarkt. Butter kostete per 2. Pfd. 9095 Pf., Käse per Pfd. 45—46 Pf., Eler! St. 7 Pf. 35 Gießen, 12. Jan. Auf dem heutigen Markt kosteter [Butter per Pfd. M. 0.80 0.90, Eier 2 St. 15 Pf., 0 Käse per St. 5—9 Pf., Tauben per Paar M. 0.60— 1.10, f al Hühner per Stück M. 1.10— 1.60, Hahnen per Stüä!k 4 M. 1.20— 1.80, Enten per Stück M. 1.70— 2.20, N Ochsenfleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh und Rind fir Nes
fleisch 54—56 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel fleisch 50—62 Pf., Kalbsteisch 48—50 Pf., Kartoffela
7 Jahr heim, u. Bürgen
Grünberg, 9. Jan. Fruchtpreise. Walzen M. 16.30, deßbald
Korn M. 13.70, Gerste M. 12.50, Hafer M. 12.50,
1 0 * in eint Erbsen M. 15. gehen Homburg, 12. Januar. Marktpreise. Kartoffeln per[ erwach Malter M. 3.50—4, per Gescheid 8—9 Pf., Eier per] Veleld. Stück 7—8 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.00,, Dial!
belb 8 Anzeige Fenntn
Frankfurt, 11. Januar. Fruchtbericht. Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 M. 31— 32, Nr. 1 M. 26— 27, Nr. 2 M. 24—25, Nr. 3 M. 22— 23, Nr. 1 M. 16 bis 17, Nr. 5 M. 1516, Milchbrod und Brodmehl im Verband M. 49—51, norddeutsches und westfälisches Weizenmehl Nr. 00 M. 23, Roggenmehl Nr. 0(hiesiges) M. 23— 23.50, do. Nr. 0/1 M. 21— 21.50, do. Nr. 1 M. 1919.50, do. Nr. 2 M. 17, Weizen ab unserer Umgegend M. 16.50— 16.75, frei ab Bahnhof hier M. 1717.15, do. fremder je nach Qual. M. 17.25 f bir 18.50, Roggen hiesiger M. 14.7515, Gerste, Brauerwaare M. 15.5019, do. zu Mahlzwecken M. 12, Hafer stark beregnet mit Geruch M. 11.5012, do. mittel. M. 1313.25, do. prima M. 1414.25, Raps M. 23, Mais, bunter(mixed) M. 11.50— 11.75. Heu M. 3, Roggenstroh M. 2 per Ctr. Roggenkletie M. 4.50— 4.75, Weizenkleie M. 4 per Ctr.(Die Preise verstehen sich bet Abnahme von mindestens 200 Ctr.) Küböl im Detail M. 52. Stimmung ruhig.
Frankfurt, 11. Jan. Viehmarkt. Angetrieben 5 waren 351 Ochsen, 17 Bullen, 390 Kuͤhe, Stiere und den 5 Rinder, 284 Kälber, 107 Hämmel und 185 Schweine. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qual. pro 100 Pfd. Schlachtgewicht M. 6466, 2. Qual. M. 54 ö 00
bis 57, Bullen 1. Qual. M. 4648, 2. Qual. M. 40
bis 45, Kühe, Stiere und Rinder 1. Oual M. 55—57, ö 2. Oual. M. 40-48, Kälber 1. Qual. pro 1 Pfd. Schlachtgewicht 58—62 Pf., 2. Qual. 50—55 Pf., Hämmel J. Qual. 55—57 Pf., 2. Qual. 40—45 Pf., Schweine 5456 Pf.
Verloosungen.
f Braunschwelger 20 Thalee-Loose. Serien- Ziehung vom 1. November 1885. Gewinn-Ziehung vom 3 31. Dezember 1885. Heimzahlung am 31. März 1886. n S. 5936 Nr. 15 à 60000 M. S. 296 Nr. 1 u 10800 M. S. 8816 Nr. 39 à 6000 M. S. 849 Nr. 14, S. 1735 Nr. 29 u 1800 M. S. 19 Nr. 47, S 406 Nr. 35, S. 1418 Nr. 37, S. 1855 Nr. 50, S. 2781 Nr. 41, S. 4184 Nr. 33, S. 4638 Nr. 20, S. 5895 Rr. 45, 1 S. 6048 Nr. 25, S. 8542 Nr. 32 300 M. S. 100 Nr. 42, S. 131 Nr. 21, S. 1395 Nr. 19, S. 2188 Nr. 14, S. 7463 Nr. 30 à 225 M. Auf alle übrigen 3 Nummern entfallen je 69 Mark. 1


