berathung die Pforte zu betreten, feuerte ein Muselmane drei Revolverschüsse auf denselben ab. Der Attentäter versuchte noch zwei weitere Schüsse abzugeben, aber die Patronen ver— sagten. Die drei Kugeln hatten die Seite der Equipage durchbohrt, ohne indeß Kiamil Pascha zu beruͤhren. Der Uebelthäter wurde sofort verhaftet, und es stellte sich heraus, daß er ein Mouhadjir aus Adrianopel ist.
— Ein türkischer Kreuzer, und zwar der erste seit dem Kriege, ist nach dem Schwarzen Meer gesandt worden und ein anderes größeres Schiff wird hergerichtet, um im Mittelmeer zu kreuzen. Beide Fahrzeuge sollen als Schulschiffe für Seeleute dienen. Die Meldung, daß ein britisches Geschwader nach der Besika-Bai kommt, gewinnt an Boden, obwohl der Pforte noch keine amt— liche Nachricht daruber zugegangen ist. Der Herzog von Edinburg soll seine Absicht kund— gegeben haben, ungefähr Mitte dieses Monats dem Sultan einen Besuch abzustatten.
Serbien. Belgrad, 5. Aug. Die Skupsch— tina nahm die Gesetzentwürfe, betreffend die Deckung der provisorischen Staatsschuld von 20 Millionen, die Einführung des Regals auf Petroleum und Zündhölzchen und die Aufheb— ung des bisherigen Ausfuhrzolles auf Wein und Branntwein an.— 6. Aug. Die Skupschtina wurde nach Votirung der Lissaboner Postcon— vention, Aufhebung des Exportzolles auf Mais und Ankaufs von 5000 Actien der Tabakmono— polgesellschaft bis zum 17. Oktober vertagt. Räuber oder Insurgenten haben das Haus des Vicepräsidenten der Skupschtina niedergebrannt und drohen den Ministern und ihren Anhängern ein gleiches Schicksal an.
Bulgarien. Sofia. Unmittelbar nach dem Kriege bestellte Bulgarien bei Krupp 48 Ge— schütze im Kaliber 8,7, welche schon geliefert sind. Ein neuer Auftrag auf 48 Geschütze im Kaliber 7,5 ist gegeben.
Rußland. Petersburg, 8. Aug. Minister v. Giers empfing heute den chinesischen Ge— sandten Marquis Tseng. Die Abreise des Mi— nisters v. Giers ist jetzt endgiltig auf morgen, spätestens übermorgen festgesetzt. Der Minister wird zunächst nach Franzensbad zu seiner Familie reisen und voraussichtlich erst gegen Ende seines Urlaubs vor der Rückkehr hierher den Fürsten Bismarck besuchen.
— Warschauer Blätter melden, daß Prinz Wilhelm am 1. September als Gast des russi— schen Kaisers zur Jagd in Skierniwice erwartet und sein Aufenthalt zwei Tage dauern werde.
Amerika. Washington, 6. Aug. Der Congreß vertagte sich, ohne Maßregeln bezüg— lich der Freilassung des verhafteten Redacteurs Cuttings zu beschließen.
Asien. Simla. 3 Regimenter Cavallerie gehen im Herbst nach Oberbirma ab. General Maepherson übernimmt den Oberbefehl gegen die Dacoits.
Aus Stadt und Land.
* Friedberg. Samstag den 24. Juli und Dienstag den 3. August fanden im Steinhäußer'schen Gartensaale zwei Versammlungen statt, welche ihrer Wichtigkeit wegen zur Kenntniß in weitesten Kreisen gebracht werden sollten. G. Bamberger aus New-Vork, Vorsteher einer Schule daselbst ist hterher, nach der alten Heimath zurückgekehrt, um sich über den Fortschritt, der auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung während seiner sieben— jährigen Abwesenheit gemacht worden, persönlich zu unter— richten. Auf seinen Reisen durch Holland und Belgien, Nord⸗ und Süddeutschland und Frankreich, besuchte er auch Friedberg, woselbst er seine Vorbildung zum Lehr— berufe erlangt hat. Aufgefordert von seinen früheren Lehrern, Freunden und Collegen willigte derselbe ein, Samstag den 24. Juli einen öffentlichen Vortrag über Amerikanisches Schulwesen und über die Arbeitsschule in New⸗Pork, deren Gründer und Leiter Bamberger ist, zu halten. Es fanden sich denn auch in genanntem Locale eine große Anzahl begeisterter Schulmänner, Schulfreunde von nah und fern ein, sowie eine Anzahl Kurgäste aus Bad⸗Nauheim, unter denen wir vorzüglich hervorheben den Eigenthümer und Herausgeber der New-Vorker Staats— zeltung, Ottendorfer, ferner Dr. Bamberger aus Königs— berg und Andere. Seminarlehrer Wahl begrüßte die Ver— sammlung. Bamberger gab nun zunächst ein interessantes Bild über die Schulverhältnisse in Amerika. In ge⸗ drängter und zugleich klarer und übersichtlicher eis zeigte er nicht nur die äußeren Verhältnssse der Schule
zum Staat, der Schule zur Gemeinde ꝛe., sondern er führte seine aufmerksam lauschenden Zuhörer auch in das innere Schulleben und zeigte was daselbst und wie da— selbst gelehrt werde. Dabet wies er hier und da ver— gleichend auf das deutsche Schulwesen hin und zeichnete scharf die Licht- und Schattensetten des amerikantschen. Sodann ging er auf die Arbeitsschule über, welche vor sieben Jahren als Versuchsstätte für eine allgemein be gehrte Schulreform in Amerika gegründet wurde. Bam— berger gab nun ein klares durchsichtiges Bild von dem Wesen dieser Lehranstalt. Mit immer steigender Wärme und Begeisterung legte er die Grundzüge und Grundsätze, auf denen diese Anstalt erbaut, sowie die Praxis der— selben dar. In dieser Schule ist nämlich die Arbeit als obligatorischer Lehrgegenstand eingeführt. Bamberger hat sich mit dieser Frage seit Jahren eingehend beschäftigt, der Frage nämlich: in wie weit und in welcher Weise die Handarbeit im öffentlichen Schulwesen Berücksichtigung finden könne und solle. Die Hauptgedanken lassen sich etwa in Folgendem zusammenfassen:() Erztehung und Unterricht ist seither meistens einseitig gewesen, man hat nur auf die Entfaltung der Geisteskräfte gewirkt; die Entwickelung und Ausbildung des Korpers, der Geschlick— lichkeit und der Geschmacksbildung dagegen ist im hohen Grade vernachlässigt worden. 2) Die Erzlehungswissen— schaft aber fordert die harmonische Ausbildung des ganzen Menschen. 3) Durch die Einführung manueller Thätigkeit in die Schule kann dem unter 1) angeführten Mangel abgeholfen werden. 4) Die Handarbeit muß mit der Geistesarbeit in inniger Verbindung und in Wechselwirkung stehen. 5) Die Reihenfolge der Arbeiten muß entwickelnd sein und der körperlichen und geistigen Entwickelung des Kindes entsprechen. 6) Die Arbeiten müssen so geplant sein, daß darin ein Fortschreiten im Material, ein Fortschreiten im Werkzeug und ein Fort— schreiten in der Art, im Geiste der Arbeit bemerkbar ist. 7) Durch die Einführung der Arbeit wird eine bessere Erkenntniß des Kindes erlangt und dadurch die Wahl des Berufes erleichtert. 8) In der Arbeitsschule wird kein Handwerk gelehrt, werden keine Gegenstände für den täglichen Gebrauch oder zum Verkauf angefertigt, viel mehr werden nur typische Formen gemacht und das allen Handwerkern Gemeinschaftliche gelehrt, nämlich Kenntniß des Materials, der richtige Gebrauch der Werkzeuge und technisches Zeichnen. 9) Jede Arbeit muß zuerst vom Körper richtig skizzirt und gezeichnet werden und sodann nach der Zeichnung und nicht nach dem Gegenstand ge— arbeitet werden. 10) Es sind die künstlerischen Arbeiten, nämlich Freihandzeichnen und Modelliren, von den tech— nischen getrennt zu halten. 11) Die Arbeitstunden muͤssen mit dem Klassenunterricht abwechseln und dürfen nicht vor oder nach der Schulzeit liegen. 12) Durch diesen Wechsel der Arbeit wird elne heilsame Wirkung auf die Gesundheit des Kindes hervorgebracht und die Freudig— keit am Unterrichte gehoben. 13) Durch den Arbeits— unterricht werden Lehrer und Schüler näher zusammen— gebracht. 14) Der Arbeitsunterricht muß obligatorisch sein, für Knaben sowohl wie für Mädchen. Die kuͤnst— lerischen Arbeiten werden von Knaben und Mädchen durch alle Klassen verrichtet, die technischen dagegen zweigen sich nach dem dritten Schuljahre ab, in solche für Knaben und in solche für Mädchen. 15) Der Arbeitsunterricht hat auch einen großen Einfluß auf die moralische Bil— dung des Kindes, und 16) wird das Kind dadurch vor der allseitig beklagten Ueberbürdung geschützt. Nach 11½ stündigem Vortrage schloß der Redner unter großem Bei— fall der Versammlung. Der Vortrag hatte eine solche Wirkung, daß am 2. August auf allgemeines Verlangen eine abermalige Versammlung ausgeschrieben wurde, in welcher dieser wichtige Gegenstand besprochen und diskutirt werden sollte. Bamberger sowie Ottendorfer hatten ihr Erscheinen zugesagt und so wurde denn auch diese Versammlung Dienstag den 3. August in dem selben Lokale unter zahlreicher Betheiligung abgehalten. Nachdem Seminarlehrer Wahl wiederum die Versamm— lung mit herzlichen Worten begrüßt hatte, eröffnete Ottendorfer aus New-Vork die Diskussion, indem er unter beständiger Bezugnahme auf den Vortrag Bam— bergers zunächst noch erklärende und erläuternde Mit— theilungen über amertkanisches Schulwesen machte. In eloquenter Weise verstand er jeine Zuhörer etrea/ Stunden lang durch seine Mittheilungen zu fesseln und zu tieferem Eingehen auf die wichtige Sache zu führen. Nun entspann sich eine lebhafte und interessante Dis— kussion, an welcher sich vorzüglich betheiligten Kirchen— rath Baur, Schulrath Schmidt, Pfarrer Jost, Oberlehrer Bitsch, Realschullehrer Blickhahn und Redacteur Otten— dorfer, sowie Bamberger in seiner Eigenschaft als Refe— rent. Nach 2stündiger Diseussion, in welcher im Allge— meinen eine vollkommene Zustimmung in der Hauptsache ausgesprochen wurde, in welcher sehr sachgemäße und verständnißvolle Fragen und Einwendungen gemacht wur— den, erhielt Dr. Bamberger aus Königsberg i. Pr. das Wort. In wahrhaft meisterhafter Rede stellte derselbe die Resultate der Diseussion zusammen, beleuchtete das pro und contra und resultirte durch logische Schlüsse eine höchst befriedigende Harmonie des Ganzen. Hlerauf schloß der Vorsitzende Wahl die Versammlung.
b. Bad⸗Nauheim, 9. August. Heute Mittag verabschledeten sich Kreisrath br. Braden und die übrigen Behörden von dem erbgroßherzoglich Badischen Paare. Morgen kommt der Herzog von Nassau von Königstein gefahren, um das hohe Paar per Wagen zu— nächst auf einige Tage dorthin zu holen, während das Gefolge direkt nach Freiburg und Carlsruhe geht. Die Kur ist dem Erbgroßherzoge ganz außerordentlich gut bekommen und da hier in Nauheim schon eiu sichtbarer Erfolg zu verzeichnen ist, so wird die Nachwirkung um
so kräftiger sein und der hohe Herr seine gänz Wlederherstellung wesentlich dem Gebrauche der hlest Bäder zu verdanken haben.
Mainz, 5. Aug. Im Laufe des gestrigen Tage
sind die neuen Repetir-Gewehre auch für die Truppen
unserer Garnison eingetroffen und wurden dieselben thells im Zeughause, theils in anderen Depots gelagert.
heute bereits mit diesem Gewehr ausgerüstet. Mainz. Die Einbrecher, welche sowohl hier, als auch in Wiesbaden, Frankfurt und anderen benachbarten
Städten verschiedene Silberdiebstähle ausführten, wurden
in Mannheim verhaftet.
Bingen, 4. Aug. Der Zug Nr. 108 der links⸗ rheinischen Eisenbahn überfuhr heute Abend bei Sechten einen zehnjährigen Knaben; Niemand von dem Personal hat etwas davon gesehen und erhielt erst durch eine nachgesandte Depesche Kenntniß von dem Unglück.
Bingen, 6. Aug. Um 1½ Uhr ertönte Feuerlärm; es brannte in einem Hinterhaus des Gasthauses„Zum Einhorn“; das Feuer griff sehr schnell um sich. Um 3½ʒ Uhr war dasselbe jedoch bereits so eingeengt, daß an ein weiteres Umsichgreifen nicht mehr zu denken war. Abgebrannt sind verschiedene Hintergebäude, das Wolf'sche, sowie das Hoos'sche Haus, das Sattler Burkard'sche Haus und das Dach des neuen Schäfer'schen Hauses.
Allerlei.
Frankfurt. Nach der Versicherung eines Bericht— erstatters des Fr. J.'s schwebte am Montag eine Es— cadron Husaren in der Gefahr, von einem daherkommenden Eisenbahnzug überfahren zu werden. Der die Eseadron führende Offieler hat angeblich die Mannschaft auf den Schienen der Neckarbahn über die Brücke reiten lassen. Glücklicherweise sah der Führer des Eisenbahnzuges die Gefahr, gab Nothsignale und brachte den Zug zum Stehen. Der Bahnwärter, welcher den Ofsieier mit seiner Mannschaft nicht aufhielt, ist entlassen und weitere Untersuchung eingeleitet.
Würzburg, 6. Aug. Durch dle Vorsicht des betr. Locomotivführers wurde gestern Nacht eine Wiederholung des Faulenberger Unglücks vermieden. Weichenwärter Buhlheller, der geschlafen hatte, wurde suspendirt.
Heidelberg, 6. Aug. Der historische Festzug heute verltef programmmäßig und machte durch die historische Treue der Trachten, der Geräthe und die Farbenpracht, sowie durch den Reichthum der Stoffe einen unvergeß— lichen Eindruck. Der Zug dauerte drel Stunden. Der Großherzog mit Familie, der Proreetor und die Decane sahen vom Pavillon, wo der Zug zweimal vorbeipassirte, zu. Die Delegirten und Ehrengäste saßen auf der nahe dabei befindlichen Tribüne. Der Großherzog von Hessen betrachtete ineognito von einem Fenster des Darmstädter Hofs das Defiliren des Zuges. Die Straßen waren von einer Kopf an Kopf gedrängten Menge angefüllt; die Ordnung wurde nirgends gestört Der Großherzog überreichte eigenhändig dem Maler Hoff, der den Festzug inseenirte, das Großkreuz des Zähringer Löwen. Den Schluß der gesammten Feierlichkeiten bildet morgen die Beleuchtung des Schlosses und Feuerwerk auf dem Neckar. (An anderer Stelle werden wir eine ausführliche Be— schreibung des Festzuges bringen).
Ludwigshafen, 6. Aug. Ein gräßliches Unglück ereignete sich heute Morgen auf dem Bahnhofe in Mann- heim. Frau Kohlenhändler Lehmann von da, welche zu den Jubiläumsfeierlichkeiten nach Heidelberg fahren wollte, kam unter die Räder des Zuges, wodurch ihr beide Füße abgefahren wurden. Die Verunglückte wurde in das allgemeine Krankenhaus gebracht.
Stuttgart, 6. Aug. Im Keller des hiesigen Kauf manns Ebinger in der Büchsenstraße fand heute Morgen eine Benzinexplosion statt, bei welcher sechs Personen zum Theil schwere, aber nicht lebensgefährliche Brand— wunden davontrugen.
Halle. Der Post- und Telegraphen-Inspektor Rogetzky hier hat den Auftrag erhalten, in Siam eine deutsche Post- und Telegraphenstelle einzurichten.
München, 4. Aug. Heute Morgen ½7 Uhr wurde das vom hiesigen Schwurgericht am 29. Mat d. J. gegen die Raubmörder Max Stich von Milbertshofen und Friedrich Fischer von Nürtingen ausgesprochene und aller— höchst bestätigte Todesurthell im Hofraum der Anger⸗ frohnveste mittelst des Fallbeiles vollzogen. Die beiden Hinrichtungsaete welche ohne Zwischenfall vor sich gingen, nahmen im ganzen 18 Minuten in Anspruch.
Bremen, 7. Aug. Der Lloyddampfer„Werra“ ist mit gebrochenem Schafte im Schlepptau eines Dampfers auf dem Rückwege nach Boston.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 7. August. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00— 1.10, Eier 1 Stück 6 Pf.
Butzbach, 7. Aug. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.95— 1.00. Käse per Pfd. 45—46 Pf. Eler 2 St. 11 Pf.
Gießen, 7. August. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.95— 1.00, Eier 1 St. 5—6 Pf., Käse per St. 4—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.50—0.65, Hühner per Stück M. 0.85— 1.20, Hahnen per Stück M. 0.50— 1.00, Enten per Stück M. 1.20— 1.80, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 52 56 Pf., Schweinefleisch 54— 60 Pf., Hammelfleisch 50 66 Pf., Kalbfleisch 46—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.50, Zwiebeln per Ctr. M. 5.— 5.50.
Frankfurt, 4. August. Wochenmarkt. Auf dem heutigen Heu- und Strohmarkte waren 67 Wagen ange⸗ fahren. Heu kostete 50 Kilo M. 2.30— 3.10, Stroh M. 2.— 2.50, Butter ist um 10 M. im Engrosgeschäft
Die nassaulschen Infanterie Regimenter Nr. 87 und 88 wurden
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