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ist, sowie die Antwort des Kaisers, welche dieser dem Fürsten telgraphisch nach Philippopel er theilte. Das Telegramm des Fürsten lautet: Sire! Nachdem ich die Regierung meines Landes wieder übernommen, wage ich es, Eurer Majestät meinen ehrerbietigsten Dank auszusprechen da⸗ für, daß die Vertreter Euter Majestät in Rust⸗ schuk durch ihre offizielle Gegenwart bei meinem Empfange der bulgarischen Bevölkerung gezeigt haben, daß die Kaiserliche Regierung den gegen meine Person gerichteten revolutionären Akt nicht billigen kaun. Gleichzeitig bitte ich um die Erlaubniß Eurer Majestaͤt vollen Dank aussprechen zu durfen für die Entfendung des Generals Fürsten Dolgorukow als außerordent lichen Gesandten Eurer Majestät. Indem ich die legale Gewalt wieder in meine Hände nehme, ist mein erster Schritt, Eurer Majestät auszusprechen, daß ich die feste Absicht habe, jedes mögliche Qpfer zu bringen, um die hoch herzigen Intentionen Eurer Majestät unter⸗ stützen zu konnen, welche dahin gehen, Bulgarien aus der schweren Krise herauszubringen, welche es gegenwärtig durchmacht. Ich bitte Eure Majestät, den Fürsten Dolgorukow zu ermäch tigen, sich direkt baldmöglichst mit mir zu ver⸗ ständigen und werde glücklich sein, Eurer Majestät den sicheren Beweis meiner unveränderlichen Er gebenheit gegen Ihre erhabene Person geben zu können. Das monarchische Prinzip nöthigte mich, den gesetzmäßigen Zustand in Bulgarien und Rumelien wiederherzustellen. Da Rußland mir meine Krone gegeben, bin ich bereit, dieselbe in die Hände seines Souveräns zurückzugeben. Die Antwort des Kaisers lautet: Ich habe das Telegramm Ew. Hoheit erhalten. Ich kann Ihre Rückkehr nach Bulgarien nicht gutheißen, da ich die verhängnißvollen Konsequenzen für das Land voraussehe, das schon so geprüft ist. Die Mission Dolgorukows ist unopportun ge worden. Ich werde mich jeder Einmischung in den traurigen Zustand der Dinge enthalten, welchem Bulgarien wieder überliefert ist, so lange Sie dort bleiben werden. Ew. Hoheit werden zu würdigen wissen, was Sie zu thun haben. Ich behalte mir vor, zu beurtheilen, was mir das geheiligte Andenken meines Vaters, das Interesse Rußlands und der Frieden des Orients gebieten.

3. Sept. Die aufrührerischen Truppen haben sich auf Gnade und Ungnade dem Fuͤrsten Alexander erzeben und seine Milde angerufen. Wie verlautet, hätte Alexander beschlossen, alle beim Staatsstreiche betheiligten Personen zu am nestiren. DemW. Tagbl. wird von Constanti nopel gemeldet, trotz der reservirten Haltung der Pforte sei die Stimmung derselben dem Fürsten Alexander ungünstig. In der dortigen englischen Colonie herrsche fieberhafte Aufregung. Das Journal de St. Petersburg schreibt: Die Ant wortdepesche des Kaisers bedarf keinerlei Com mentars und stellt die Frage, welche durch die Haltung des Fürsten aufgeworfen wurde, auf vollkommen klaren Boden. Einer Meldung der Agence Havas aus Philippopel zufolge waren über die Schienen, welche der Zug mit dem Fürsten Alexander passiren mußte, an einer Stelle Holzscheite gelegt worden. Dem Loco motivführer gelang es noch kurz vor der be treffenden Stelle den Zug zum Stehen zu bringen, so daß eine Enttleisung vermieden wurde. Aus Warschau meldet dieW. Allg. Ztg., falls Alexander abdanke, seien die An hänger Stambulow's geneigt, den Prinzen Franz Joseph(Bruder Alexanders) zum Fürsten aus⸗ zurufen.

4. Sept. Zahlreiche Notabilitäten, welche dem Fürsten nahezu meilenweit entgegenfuhren, empfingen Alexander, der gestern um ½12 Uhr Mittags hier eintraf. Fünf Regimenter und zwei Batterien erwarteten den Fürsten vor der Stadt. Der Einzug an der Spitze der Truppen dauerte bis ½2 Uhr. Der russische und der deutsche Vertreter fehlten im Diplomatencorps. Der Empfang durch das Offizierscorps war besonders herzlich. Alexander umarmte den

Kriegsminister und Major Popow. Das Volk war begeistert. Alexander wurden zahlreiche Kränze überreicht. Als Erster begrüßte der Armee-Commandant Mutkurow den Fürsten, welcher ihn umarmte und küßte. Am Eingange der Stadt streuten Frauen und Mädchen Blumen. Der Fürst sah abgespannt und müde aus. Fünf⸗ zehn Popen im Ornat schritten dem Fürsten mit dem Allerheilizsten entgegen. Nach dem Tedeum dankte der Metropolit Gott für die Rückkehr des Fürsten und bat um das Weiter leben zwischen dem Fürsten und dem Volk Alexander verbeugte sich, das Kreuz küssend. Der Metropolit küßte Alexander, hierauf fand ein imposantes Truppendefilé statt. Einer offi ziösen Meldung zufolge wurden in Sofia, Tir⸗ nowo, Widdin und Plewna Kriegsgerichte einge setzt. Die Sofiger Garnison wurde durch Widdiner Truppen verstärkt und für Fürst Alexander eine neue Leibgarde-Escadron errichtet. Alle frem dem Abenteurer werden aus Sofia ausgewiesen. Als der Füͤrst gestern nach den ihm von der Bevölkerung gebrachten Huldigungen und nach dem Defiliren der Truppen in sein Palais zu rückgekehrt war, versammelten sich in dem großen Saale desselben die Offiziere und die Mitglieder des diplomatischen Corps. An dieselben hielt der Fürst eine Ansprache, in welcher er etwa Folgendes sagte:Während 7 Jahre habe er an der Unabhängigkeit und für die Interessen Bulgariens gearbeitet. Seine beständige Sorge habe besonders der Armee und den Offizieren gegolten; er habe die letzteren wie seine Familie, wie seine Kinder betrachtet, und sei, was seine persönliche Lage anlange, beruhigt gewesen, da er sich von seinen Offizieren umgeben gesehen, die seine Gefährten in den Kämpfen für die Ruhe Bulgariens waren. In jener traurigen Nacht habe er, als er das erste Geräusch ver nommen, gefragt, ob Truppen da seien, und auf Bejahung dieser Frage hin sei er beruhigt gewesen, da er Vertrauen in seine Armee gehabt habe. Dieses Vertrauen zu seinen Offizieren habe er auch trotz der jüngsten unglückseligen Ereignisse nicht verloren; dieselben hätten sich Dauk Popow und Mutkurow bei den nach seiner Abreise vorgekommenen Unruhen auf der Höhe der Situation befunden.(Hier umarmte der Fürst die genannten Offiziere.) Die Ehre der bulgarischen Armee sei wiederhergestellt. Er habe heute die Offiziere um sich versammelt, die ihm ihre Ergebenheit bewiesen hätten, er könne Bulgarien verlassen, ohne daß die Ordnung ge stört werde; welches auch immer die Umstände sein möchten, in denen er selbst sich befinde, er werde stets zu Gott beten für dieses Land, sein Herz werde stets mit seinen Offizieren sein, und er werde der erste sein, der als Freiwilliger zugelassen zu werden verlange in einem Feld zuge für Macedonien. Er könne nicht in Bul zarien bleiben, denn der Kaiser von Rußland wolle es nicht, weil seine Anwesenheit in Bul garien im Widerspruch stehe mit den Interessen des Landes. Er sei also gezwungen, das Land zu verlassen. Hier bemerkte Popow: Wir waren, sind und werden stets mit Ihnen sein. Muth! Vorwärts! Der Furst erwiederte, die Unabhängigkeit Bulgariens verlauge, daß er das Land verlasse, denn wenn er dies nicht thue, werde es zu einer Occupation durch Ruß land kommen. Aber bevor er gehe, werde er die höheren Offiziere befragen und eine Re geutschaft einsetzen, welche versuchen solle, die Interessen der Offiziere sicher zu stellen. In allen Fällen rechne er auf die Armee. Gegen über dem russischen Generalconsul Bogdanow, welcher sich gestern Abend in das Palais begab, soll der Fürst seinen Entschluß, binnen Kurzem die Gewalt niederzulegen, bestätigt haben. So dann fand ein großes Conseil statt, an welchem Stambulow und Karawelow und andere Per sonen theilnahmen. In dem Conseil erklärte der Fürst Alexander formell, daß er abdanken werde. Die Minister und Befehlshaber der Armee sprachen sich gegen diesen Entschluß aus

und ersuchten den Fürsten, die Regierung zu

behalten. Der Fürst setzte darauf wiederholt auseinander, daß es ihm angesichts der entgegen⸗ gesetzten Willensmeinung des Kaisers von Ruß land, sowie bei der mangelnden Unterstützung der übrigen Mächte unmöglich sei, die Regierung fortzuführen. Das einzige Mittel eine Occu⸗ pation zu vermeiden, sei seine Abreise. Die Frage der Einsetzung einer Regentschaft kam nicht zur Besprechung. Die Sitzung des Con- seils wurde aufgehoben, ohne daß ein Beschluß gefaßt war. Wie es heißt, versuchte eine An⸗ zahl aufstaͤndischer Offiziere über die türkische Grenze zu entkommen, 20 derselben sollen dabei von den bulgarischen Behörden verhaftet, drei von türkischen Soldaten getödtet worden sein.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 6. Sept. Morgen Abend, die Zeit ist noch nicht genau angegeben, wird S. K. H. der Groß berzog mittelst Extrazuges hier eintreffen. Offieieller Empfang wurde nicht befohlen. Dagegen werden es die Bewohner der Stadt sich nicht nehmen lassen, ihrer Freude über die Anwesenheit des Landesfürsten durch reichliches Flaggen Ausdruck zu geben. Auch wird gegen 9 Uhr ein Fackelzug nebst Ständchen stattfinden.

e. Bad⸗ Nauheim, 2. Sept. Heute wurde in dem Bassin des großen Sprudels die Leiche eines hier einquaztirten Musketiers aufgefunden. Derselbe heißt Pacher, ist aus Dresden gebürtig und war in die 2. Cl. des Militärstandes versezt. Wir hatten im Interesse des Bades zuerst die Sache todtschweigen wollen. Nach dem aber sich herausgestellt, daß die Leiche Flecken an sich trägt, die wahrscheinlich von Schlägen herrühren und daß das Portemonnale Pachers sich bei einem Andern gefunden haben soll, muß die Sache publik werden. Untersuchung ist sofort eingeleitet worden. Ein Sel bst⸗ mord scheint nach allem also nicht vorzuliegen.

Allerlei.

Okriftel, 1. Sept. Heute Nacht wurde der brave Sohn des hiesigen Gemeinderechners Löb von einem bayerischen Arbeiter, Daniel, einem allgemein als ge fährlich bekannten Raufbolde, erstochen. Ueber die näheren Umstände verlautet bis jetzt blos so viel, daß ein anderer als Opfer von Daniel ausersehen war. Der ruchlose Mörder schlief bei seiner Verhaftung ruhlg und bekannte sich, als er aufgeweckt wurde, mit roher Kaltblütigkeit zu seiner Unthat.

Newyork, 5. Sept. Die Stadt Charleston ist gestern von neuen Erdstößen heimgesucht worden. Es werden Ingenieure dorthin gesandt, die den Zustand der Häuser untersuchen und Zelte für die Obdachlosen er⸗ richten sollen. Auch hinsichtlich der Bermudas-Inseln, welche genau in der Zone liegen, die das Erdbeben be rührt zu haben scheint, werden Befürchtungen gehegt.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 4. Sept. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.051.20, Eier 1 Stück 6 Pf.

Butzbach, 4. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00 1.10. Käse per Pfd. 45 46 Pf. Eier 2 St. 11 Pf.

Gießen. Der Auftrieb zu dem am 31. August und 1. September dahier abgehaltenen Viehmarkt war sehr bedeutend, an Rindvieh waren 253 Stück, und Schweine 377 Stück aufgetrieben. Der Handel bei Zucht- und Arbeitsvieb war durch die vielen Handelsleute aus Bayern, Württemberg und Baden sehr lebhaft, wodurch die Preise höher als am letzten Markte waren. Nächster Markt Dienstag den 14. und Mittwoch den 15. d. Mts., am letzteren Tage auch Krämermarkt und findet Morgens 7 Uhr vas Verlesen der Krämerstände statt.

Gießen, 4. Sept. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.00 1.20, Eier 1 St. 56 Pf., Käse per St. 59 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 0.65, Hühner per Stück M. 0.85 1.20, Hahnen per Stück M. 0.45 0.75, Enten per Stück M. 1.20 1.80, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 6264 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 52 56 Pf., Schweinefleisch 5460 Pf., Hammelfleisch 50 66 Pf., Kalbfleisch 4650 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4 6.00, Zwiebeln per Ctr. M. 56.

Frankfurt, 3. Sept. Wochenmarkt. Auf dem heutigen Heu- und Strohmarkt waren 33 Wagen zuge⸗ fahren. Heu kostete der Centner M. 2.30 2.60, Stroh M. 1.80 2.20. Bohnen der Centner M. 610, Gurken das Hundert M. 1.20 1.50, Essiggurken 60 70 Pf. Eier das Hundert M. 4.506, Zwiebel der Centner M. 68, Blumenkohl das Hundert M. 30 70. Kar⸗ toffeln 100 Kilo M. 4 4.50.

Frankfurt, 4. Sept. Auf dem Kälbermarkte waren 315 Kälber schöne norddeutsche Waare das Pfund zu 5065 Pf. per Schlachtgewicht zugefahren.

Literarisches. Daheim. Nr. 49 enthält: Simson und Delila. Eine Reichsstadtnovelle von G. Böhm. Der Herr

Geheimrath.(Schluß.) Loulse Michel,die rothe Jungfrau. Mit Porträt. Wilhelm Scherer 7. Von [R. K. Mit Porträt. Das Heizungsproblem. Von H.

von Spielberg. Idealisirende Photographie. Von Th. Schwarze. Mit 12 Illustr. Zur Ernte beurlaubt. Nach dem Bilde von E. Henseler. Ein Kostümbild aus der Rokokozeit. In unserer Spielecke. Mit zwei illustr. Beilagen.

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