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31. Juli. Der gestrige Tag und Abend sind ruhig verlaufen; die Stadt hat wieder ihr gewöhnliches Aussehen, nur in dem Stadtviertel, wo die Ruhestörungen stattfanden, sammelten sich einige Gruppen Neugieriger an, die aber auf die Aufforderung der Polizei sich zerstreuten. Bis auf den Militärposten vor dem Polizeibureau und der Kirche auf dem Noordermarkt sind sämmt liche Truppen in ihre Kasernen zurückgekehrt. Ein für Sonntag von der Amsterdamer Abtheil ung der Socialisten-Liga angekündigtes Meeting wurde untersagt.

Belgien. Brüssel. Seitens der belgischen Sozialisten wird für die Kundgebung am 15. Aug. eifrig geruͤstet; dieselben erwarten aus Frankreich bedeutenden Zuzug.

Frankreich. Paris. Für die Franzosen kommen Hiobsposten aus ihren Kolonien. Aus Tonkin meldet ein Telegramm des General Nesidenten, Paul Bert, neue Angriffe auf ver⸗ schiedenen Punkten der Grenze. Berts Voll machten als General-Resident sind daher auf weitere 6 Monate verlängert worden. Ferner ist man darauf gefaßt, daß die Cochinchinesen wieder losschlagen werden, da ein großer Theil der in Cochinchina stehenden französischen Truppen gegenwärtig in Kambodscha vollauf zu thun hat. Endlich ist man in Paris über die Nachricht sehr verstimmt, daß die Königin von Madagas kar in der Lage sei, mit englischem Geld die 10 Millionen Kriegsentschädigung sofort zu be zahlen, man hatte auf die Zahlungsunfähigkeit Madagaskars gerechnet und glaubte sich daher in Tamatave häuslich niederlassen zu können.

Großbritannien, London. Stanhope wurde zum Colonialminister ernannt.

Spanien. Madrid. Wie verlautet, hätte der Finanzminister Camacho seine Demission

gegeben. Italien. Rom. Von hier wird dem Reuter'schen Bureau gemeldet:Der Papst

empfing einen eigenhändig geschriebenen Brief von dem Prinz-Regenten von Bayern, worin dieser in äußerst sympathischen Ausdrücken dem Papste versichert, daß er es für seine besondere Pflicht halten werde, die Interessen der katho lischen Kirche zu beschützen. Baron von Cetto, der jetzige bayerische Gesandte beim Vatican, wird in Kurzem von seiner Regierung abberufen werden.

Serbien. Belgrad. Aufsehen erregt die Meldung aus Losniza, wonach der Gemeinde vorstand Wasiljevics, als er einen bedeutenden Steuerbetrag des Gemeinde-Steueramtes Los- niza abführen wollte, auf der Reise ermordet wurde. Der Mord wird, weil die Mörder die Baarschaft unangetastet ließen, als politischer angesehen, da der Ermordete, ehemals Radicaler, sich den Fortschrittlern angeschlossen hatte. Des Mordes werden beschuldigt drei Individuen, die auch verhaftet wurden.

Bulgarien. Sofia. Laut einer Meldung desNeuen Wiener Tagbl. hat Füͤrst Alexander von Bulgarien mittelst Dekrets die Außerkurs setzung der russischen Rubel in Bulgarien binnen zwei Monaten angeordnet.

Griechenland. Athen, 30. Juli. Der König hat sich nach Genua eingeschifft, um sich

von da zum Gebrauch einer Badekur nach Wiesbaden zu begeben. Rußland. Petersburg. Wie verlautet,

werden außer dem dänischen Königspaar auch die Königin von Griechenland und die Herzogin von Cumberland zum Besuch des russischen Kaiserpaares demnächst in Peterhof eintreffen. Trotz aller gegentheiligen Dementis bleiben Warschauer Blätter dabei, daß die in Congreßpolen befindlichen Lustschlösser des Zaren für den anfangs September bevorstehenden Em pfanghoher Gäste aus Qesterreich und Deutsch land neu hergerichtet werden.

1. August. Der Erzherzog und die Erz herzogin Carl Ludwig wurden bei ihrer Ankunft in Peterhof von dem Kaiser und der Kaiserin, dem Großfürsten-Thronfolger, sowie den übrigen Mitgliedern der kalserlichen Familie am Bahn

hofe, auf welchem eine Ehrenwache aufgestellt war, empfangen. Vom Bahnhofe fuhren der Kaiser mit dem Erzherzog und die Kaiserin mit der Erzherzogin nach dem Großen Palais, in welchem die österreichischen Herrschaften während ihres Aufenthaltes wohnen.

Aus Stadt und Land.

m. Friedberg. Am 10. August findet in Gießen, unter dem Vorsitz des Prälaten Dr. Habicht eine theo logische Conferenz statt, bei welcher Prof. Dr. Schürer in Gießenüber die Stellung Christi zum mosaischen Gesetz und Decan Stock von Stockhausenüber die cvangelische Gottesdlenstordbnug Vorträge halten werden. Es sind nicht nur die Geistlichen aus der Provinz Ober hessen, sondern auch die Freunde der ev. Kirche herzlichst dazu eingeladen.

h. Friedberg. Das am 24. Juli e. von Schul vorsteher Bamberger behandelte Thema:Die amerikani⸗ schen Schulverhältnisse und die Arbeit im Dienste der Erziehung, soll Dienstag den 3. August, Nachmittags 4½,ʒ Uhr im Steinhäußers Gartensaal weiter erörtert werden. Hottendorfer, der Inhaber des größten und einflußreichsten deutschen Blattes in der neuen Welt, der New⸗Norker Staatszeitung, einer der gemeinnützigst wirkenden Männer, gewiß Vielen aus den Zeitungen bekannt, hat sein Erscheinen, wie seine thätige Antheil nahme an der Verhandlung zugesagt; wir können darum ein ebenso interessantes als lehrreiches Zusammensein in Aussicht stellen und hoffen auf zahlreichen Besuch der Lehrer und Schulfreunde aus Stadt und Land.

b. Friedberg. Gastwirth Klingl's Unternehmen ist gelungen, eine große Menschenmenge hatte sich am 1. August im Walde hinter dem Franckenstein'schen Tem pelchen eingefunden. Die Gesangvereine von Nauheim, Ockstadt, Ober-Rosbach und Ober-Mörlen sangen ab wechselnd zur vollen Zufriedenheit der Anwesenden, da zwischen spielte die Musik. Speisen und Getränke, ins besondere das Bier, sowie die Bedienung waren gut und man war fröhlich und vergnügt bis zur einbrechenden Nacht.

Friedberg. An die Erntearbeiter erläßt der Bürger meister von Cremmen folgende zeitgemäße Hinweisung: Die Ernte hat überall begonnen. Die Arbeit in der heißen Witterung auf freiem Felde bringt außergewöhn⸗ lichen Durst mit sich und letzterer muß einerlei durch welche Mittel gelöscht werden. Das beste Mittel da gegen ist leider bis jetzt nech viel zu wenig bekannt; dieses Mittel ist kalter, schwarzer Kaffee. Es gibt keinen besseren Labetrunk in angestrengter Thätigkeit unter Sonnenbrand; er mattet nicht ab, sondern belebt, regt an, frischt auf. Bei den niedrigen Kaffeepretsen ist dieses Getränk noch billiger, als selbst Bier der ein fachsten Sorte. In gesundhelts polizeillchem Interesse wird dies zur allgemeinen Kenntniß gebracht.

b. Bad Nauheim, 2. Aug. Gestern um ½11 Uhr kam der Herzog von Nassau in einem mit 4 Rappen bespannten Wagen von Königstein zum Besuche des Erb- großherzoglichen Paares hier an. Er hatte die Strecke in Stunden gefahren. Mittags um 4 Uhr begaben sich die Herrschaften nach der Kurhausterrasse, woselbst sie das Militär-Concert anhörten. Um 5 Uhr fuhr der Herzog wieder nach Königstein zurück. Am Samstag be suchte die Erbgroßherzogin das von Balletmeister Opfer mann von Frankfurt arrangirte Kinderfest und verweilte längere Zeit, sichtlich erfreut von dem munteren Treiben der Kleinen.

W. Butzbach, 26. Juli. Der 10. oberhessische Feuerwehrtag wurde gestern, begünstigt vom herrlichsten Wetter, in der schönsten Weise abgehalten. Nachdem am Morgen Delegtrtenversammlungen, sowie eln gemein schaftliches Festessen imDeutschen Hofe stattgefunden, bewegte sich Nachmittags ein stattlicher Festzug unter Vorantritt der Capelle des 118. Infanterie-Regiments durch die Hauptstraßen der zu Ehren des Tages ge schmückten Stadt. An dem Zuge bethelligten sich die Feuerwehren von Butzbach, Bad-Nauheim, Friedberg, Gießen, Hungen, Laubach, Lich, Lang Göns, Lollar, Nidda, Ortenberg, Rockenberg, Rodheim, Schotten und Frankfurt. Nach Schluß der sehr präels ausgeführten Uebungen auf dem Festplatze fand Concert und Tanz belustigung statt. Der nächstjährige Festort wird wahr scheinlich Gießen sein, da Büdingen die Wahl ab gelehnt hat.

Offenbach, 28. Juli. Kreisrath F. Hallwachs von hier hatte sich zur Kur nach Falkenstein im Taunus begeben und ist daselbst heute gestorben.

Mainz. Flößer aus Castel zogen am 28. Juli Mittags im hiesigen Floßhafen am Rheinthor einen schon stark verwesten menschlichen Arm aus dem Wasser. Seitens der Medieinalbehörde waren s. Z. Gypsabdrücke von den Schnittstellen am Rumpf des ermordeten Wothe genommen worden. Durch deren Vergleichung ist man zu der Ansicht gekommen, daß jetzt auch noch der fehlende Arm des vom 25. auf den 26. Aug. v. J. Erschlagenen zur Stelle geschafft ist, zumal auch der schon lange ge richtete Mörder am Tage nach dem Morde gerade in jener Gegend verkehrt hat.

Allerlei.

Heidelberg, 29. Juli. Unter großer Theilnahme der Professoren mit ihren Frauen, der Studenten und der städtischen Notabllitäten fand heute Nachmittag fünf Uhr in der neuen Aula der erste öffentliche Festact statt; derselbe bestand in der Ueberreichung eines von den Frauen der Doeenten gestifteten prachtvollen neuen Univer⸗ sitäts banners.

Limburg.

Am 26. Juli Morgens traf, kommend,

beamten in Civil hier ein.

von Ems eine daselbst verhaftete, fein gekleidete junge Dame in Begleitung ihres Vaters und eines Polizel⸗ Die Dame soll bedeutende

Juwelen-Diebstähle verübt haben und wurde deßhalb

dem hiesigen Landgericht überliefert.

Näheres wird die Untersuchung ergeben. Nach dem L.⸗B. konnten die vorgefundenen Gegenstände zum größten Theil wieder ihren Eigenthümern, Emser Ge schäften, zurückgegeben werden.

Bayreuth, 1. Aug. Franz Liszt ist gestern Abend an Lungenentzündung gestorben. Die Beerdigung findet am Dienstag und zwar auf den ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen auf dem hlesigen Friedhofe statt.

Hamburg. Verhaftet wurde der Afrikareisende Lieutenant Israel. Derselbe hat sich beträgertscher Hand lungen schuldig gemacht.

Kiel.

Namentlich die Manöver der Torpedoboote gegen die großen schweren Panzerkorvetten sollen sehr interessant werden. Prinz Heinrich, der zweite Sohn des Kron⸗ prinzen, dient jetzt als erster Offizier, bekanntlich nach demjenigen des Kommandanten der schwlerigste und ver⸗ antwortlichste Posten auf einem Kriegsschiff, auf der neuen PanzerkorvetteOldenburg und verrichtet seinen Dienst mit Eifer und Geschick. Vier schwere Panzer⸗ korvetten, vier Volldecks- und Glattdecks-Korvetten, vier Avisos und 12 Torpedoboote bilden unter Viceadmiral v. Wickede das Manöver Geschwader.

Verloosung.

Badisches Iproe. Eisen bahn Anlehen, Schuldverschreibungen, vom Jahre 1875. Zietzung vom 14. Juli 1886. Heimzahlung am J. Februar 1887. Lit. A. B, C, D, E, je 75 Stück zu 2000, 1000, 500, 300 und 200 Mark. Nr. 299 350 409 415 553 792 894 1022 1199 1206 1386 1437 1515 1895 1923 1951 2005 2159 2283 2338 2361 2463 2467 2568 2996 3163 3227 3363 3537 3596 3630 3697 3745 3923 3946 4072 4136 4164 4173 4177 4216 4455 4479 4496 4694 4762 4837 4876 4879 4972 5033 5210 5311 5335 53905425 5535 5547 5856 5869 5881 6224 6226 6233 6423 6499 6524 6828 6873 6995 7191 7244 7286 7349 7497.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 31. Juli. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.90 1.00, Eier 1 Stück 6 Pf.

Gießen, 31. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.85 0.90, Eier 1 St. 56 Pf., Käse per St. 5 9 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 90.70, Hühner per Stück M. 0.80 1.30, Hahnen per Stück M. 0.50 0.90, Enten per Stück M. 1.20 1.70, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 6264 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 52 56 Pf., Schweinefleisch 5460 Pf., Hammelfleisch 50 66 Pf., Kalbfleisch 4650 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.00 6.00, Zwiebeln per Ctr. M. 5 bis 5.50, Kirschen per Pfund 16-20 Pf.

Frankfurt, 30. Juli. Wochenmarkt. Auf dem Heu- und Strohmarkte waren 65 Wagen angefahren. Heu kostete 50 Kilo M. 2.40 3.40, Stroh M. 2.30 bis 2.70. Engroßmarkt. Butter kostete 50 Kilo M. 80. Eiter das Hundert M. 4.505. Kartoffeln der Ctr. M. 2. Vohnen das Pfd. 6 Pf., der Ctr. M. 4. Gurken zum Einmachen das Hundert M. 2.50.

Falsche 100 M. Reichsbanknoten. Wie von ver⸗ schledenen Seiten gemeldet wird kursiren zur Zeit ge⸗ fälschte Reichsbanknoten zu 100 M. Dieselben sind an folgenden Zeichen kenntlich: m) Die Buchstaben der Strafordnung unter dem rothen Kontrolenstempel sind etwas zusammengedrängt und größer als auf den echten Scheinen. Die blaue Färbung der Vorder- und Kück⸗ sette ist heller. 2) Die am oberen Rande der Kehrseite eingedruckten Ziffern sind größer als bei den echten Noten und braunroth statt hellroth. Die Farbe der Banknoten ist fast immer weißlichgrau statt hellblau. 3) Das Wasserzeichen fehlt den falschen Noten, und der Druck der Strafandrohung auf der Vorderseite ist schlecht, auch der des Adlers undeutlich. Die Nummern der falschen Noten sind nicht gleichlautend, sondern verschieden. Die

Der Vater der Arrestantin soll ein rumänischer Baron sein, der sich mit der Tochter seit einiger Zeit in Ems zur Kur aufgehalten.

Auf die bevorstehenden großen Manöver der deutschen Kriegsflotte in der Ostsee ist man sehr gespannt.

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rothen Nummern auf der Rückseite sind nicht aufge⸗

druckt, sondern vermtttelst 4) Die Ausführung der Schraffirungen, Muster und Reliefs ist ungenau.

Literarisches.

eines Pinsels aufgekuscht.

Daheim Nr. 44 enthält: Die Bräute von Moor⸗

stätt. Forts. Im Sophienstift. Forts. Alt-Heidel⸗ berg II. Von W. Frommel. Mit 10 Illustr. Am Familientisch: Neue Luxus gläser. Das Pinakoskop oder die verbesserte Zauberlaterne. Einige Bemerk ungen über das Bleichen. Künstlers Familienbild. Ge⸗

malt von H. Stelzner. Gesundheitsrath. In unserer Spielecke. Mit zwei lllustr. Beilagen. Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dienstag den 3.: Robert der Teufel. Mittwoch den 4.: Carmen. Außer Abonn. Donnerstag den 5.: Die Jüdin.

Freltag den 6.: Undine. Außer Abonn.

Samstag den 7.: Trompeter v. Säkkingen. Sonntag den 8.: Silvana.

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