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1886.

Bonnerstag den 2. September.

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Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad⸗-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Arxreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Annoncen: die einspaltige Petitzeile 15 Pf.,

lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf,

Annoncen von

auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Aufnahme von Waisen in die Großherzogliche Landeswalsenanstalt.

An die Vormünder im Amtsgerichtsbezirke Friedberg. l Die Vormünder über Waisenkinder werden hiermit angewiesen, bei Einsendung der Intraden an die Großherzogliche Landes waisenkasse auf dem Abschnitte des betreffenden Postanweisungsformulars außer ihrem eigenen(des Vormundes) Namen auch anzugeben, für welche Großherzogliches Amtsgericht Friedberg.

Waisenkinder die Einsendung erfolgt. Friedberg den 30. August 1886.

Weber.

Sellheim.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Der außerord. Professor Dr. Nördlinger zu Tübingen wurde zum außerord. Professor an der Landes-Universität für das Lehrfach der Forstwissenschaft, die Kreisbauauf seher-Asp. Biegler von Odernheim, Böcher von Södel, Grünig von Pfungstadt und Lynker von Haarhausen wurden zu Straßenmeistern ernannt und dem Secretär bei der Direction der Main Neckar-Eisenbahn Fröhlich der Charakter als Finanzassessor verliehen.

Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 24, enthält:

J. Bekanntmachung, die Organisation der Unfallver sicherung betreffend.

11. Die Ergebnisse der Rechnung der Staatsschulden verwaltung für 1883/84.

111. Namens veränderungen.

IV. Abwesenheitserklärung.

V. Zulassung zur Rechts anwaltschaft.

Militärdienstnachrichten. Spieß, Vice feldw. vom 2. Bat. 4. Westph. Landw.-Regts. Nr. 17 wurde zum Sec. Lt. der Res. 2. Gr. Juf.⸗Regts. Nr. 116, Schleiermacher, Vicefeldw. vom 2. Bat. 3. Bad. Landw.⸗Regts. Nr. 111, zum Sec.⸗Lt. der Res. des Gr. Feld Art. Regts. Nr. 25 befördert.; Braun, Prem. Lt. vom 3. Gr. Inf.⸗Regt. Nr. 117, unter Be⸗ förderung zum Hauptm. und Komp. Chef in das 5. Pomm. Inf. Regt. Nr. 42 versetzt; Babst I., Sec. Lt. vom 3. Gr. Jnf. Regt. Nr. 117, zum Prem. ⸗Lt. befördert; Chaloͤns,

Sec.⸗Lt. vom 2. Magd. Inf.⸗Regt. Nr. 27, in das 3. Gr. Inf.⸗Regt. Nr. 117 versetzt; Frhr. Gedult v. Jungenfeld, Prem.-Lt. vom 2. Gr.

Drag. Regt. Nr. 24, unter Stellung à las. d. Regts., als Adj. zur 18. Kav.-Brig. komman dirt; Frhr. v. Lyncker, Prem. Lt. vom 1. Hann. Drag.⸗Regt. Nr. 9, in das 2. Gr. Drag. Regt. Nr. 24 versetzt.

Berlin. Nach derKreuzzeitung wird Kaiser Wilhelm bereits am 8. September in Baden-Baden erwartet.

DieNordd. Allg. Ztg. vom 31. Aug. enthalt einen Artikel, der geeignet ist Besorg nisse zu erregen, wenn man weiß und bedenkt, daß vor etwa 14 Tagen die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich außerordentlich ge spannte waren; sie schreibt: DieMorning Post ist der Ansicht, daß die Rückkehr des Fürsten Alexander nach Bulgarien Verwickelungen herbeiführen könne, daß letztere sich aber wesentlich vermindern würden, wenn Rußland bei einem weiteren Vorgehen in der orientalischen Frage sich einemgemeinsamen Einvernehmen der übrigen Mächte gegenüber befände. Mittel europa sei einer Situation müde, welche den Handel lähme, große Rüstungen nothwendig mache und die ganze Welt in Ungewißheit und Besorguiß wegen der Zukunft erhalte. Wenn dieMorning Post, wie man nach dieser Aus lassung annehmen muß, die Schuld an der Ungewißheit und Besorgniß, welche die Welt erfüllen, in den bulgarischen Verhältnissen sucht, so beweist das, daß sie die Lage Europas völlig

falsch beurtheilt. Wir haben an Bulgarien gar kein Interesse; die Verhältnisse dort lassen uns vollstaͤndig unberührt, und um ihretwillen würden wir nicht einen einzigen Soldaten unter den Waffen halten. Die Nöthigung für unsere Rüstungen geht von Frankreich aus; an unseren westlichen Nachbar möge sich dieMorning Post halten, wenn sie über Lähmung des Handels und Ungewißheit der Zukunft klagt. Unaufhörlich steigern die Franzosen ihre Kriegs macht; aus jeder französischen Zeitung kann dieMorning Post sich davon überzeugen, wie rapide die französischen Streitkräfte vermehrt werden, welche finanziellen Qpfer man bringt, um die Schlagfertigkeit der Armee zu erhöhen. In England weiß man doch sehr wohl, daß Deutschland seinen Blick beständig nach Westen gerichtet halten muß; man sollte dort also auch darüber nicht im Zweifel sein, daß lediglich Frankreich für die Situation Mittel-Europas, über welche dieMorning Post klagt, ver antwortlich gemacht werden muß. ö Potsdam, 29. Aug. Der Kaiser empfing heute auf Schloß Babelsberg den Vortrag des Reichskanzlers Fürsten Bismarck. [Dresden, 30. Aug. Der König von Portugal ist heute Abend von Berlin hier ein getroffen und am Bahnhofe, auf welchem eine Ehrencompagnie aufgestellt war, von dem König, den Prinzen Georg, Johann Georg und Max von Sachsen, sowie dem Prinzen Leopold von Bayern empfangen worden und begab sich mit demselben mittelst Equipage nach Pillnitz, woselbst er bis zum Donnerstag zu verbleiben gedenkt. Metz, 28. Aug. Der Großherzog von Baden, welcher sich am 25. d. nach Straßburg begeben hatte, ist heute von dort hierher zurück gekehrt, um die noch bis zum 31. d. dauernde Besichtigung der hier garnisonirenden Truppen fortzusezen. Zu Ehren des Großherzogs fand heute Abend großer Zapfenstreich statt. Prinz Ludwig von Baiern wird den Kaiser ebenfalls zu den großen Herbstmanövern des 15. Armeecorps nach Straßburg und Metz begleiten. Außer den bereits genannten Fürstlichkeiten nimmt an den selben auch der Erbgroßherzog von Sachsen Theil.

Ausland.

Großbritannien. London, 31. Aug. Das Unterhaus hat bei der Fortsetzung der Adreßdebatte das Amendement Cremer betreffend die Aufschiebung der Annexlon Birmas mit 201 gegen 126 Stimmen abgelehnt, sowie das Amen dement Smith's, welcher die Fortsetzung des birmanischen Krieges bedauert und mit den Kriegskosten nicht ausschließlich Indien belasten will, mit 199 gegen 126 Stimmen verworfen.

Dem Vernehmen nach wird Lord Randolf Churchill die Führerschaft der conservativen Partei im Unterhaus niederlegen.

31. Aug. Es trafen heute nach dem Fr. J. beunruhigende Nachrichten aus Afgha ulstan ein.

Serbien. Belgrad. DerPest. Lloyd meldet von hier: König Milan betrachte die Rückkehr des Fürsten Alexander mit der größten Befriedigung und habe einer hohen Persönlich keit gegenüber geäußert, die Rückkehr des Fürsten bedeute eine Garantie der Consolidirung der Zustände im Orient.

Bulgarien. Sofia, 29. August. Der Premier des bulgarischen Ministeriums, Stam bulow, depeschirte am letzten Freitag an den Prinzen Alexander von Hessen:Im Namen unseres Vaterlandes bitten wir Eure Hoheit, Ihrem geliebten Sohne, unserem Fürsten, gleich nach Lemberg zu depeschiren, er solle noch heute direct von Lemberg nach Bukarest abreisen, wo der bulgarische diplomatische Agent Natschewitsch ihm Alles aufklären wird. Die Nation und Armee Bulgariens erwartet mit Sehnsucht die Rückkehr Sr. Hoheit. Kammerpräsident Stam bulow. Die Hess. Volksbl. bemerken, Prinz Alexander habe sich auf das Bestimmteste dahin ausgesprochen:Die Gebote der Vernunft und der ruhigen Ueberlegung müßten es zwar meinem Sohne nahe legen, die Rückreise nach Bulgarien zu meiden, allein die Gesetze der Ehre und seine Pflicht als Fürst und Soldat gebieten ihm, keinerlei Gefahr, die ihn in Bulgarien erwartet, zu scheuen und selbst sein Leben in die Schanze zu schlagen. Ich halte meinen Sohn fuͤr einen

verlorenen Mann, wenn er wieder zurückkehrt

und doch rathe ich ihm selbst, dahin zu gehen, wohin ihn seine Pflicht ruft. Wie den H. V. aus zuverlässiger Quelle mitgetheilt wird, ent behrt die in verschiedenen Blättern enthaltene

Mittheilung, Prinz Ludwig von Battenberg sei vor seiner Abreise zu seinem Bruder,

dem Fürsten von Bulgarien, bei dem Prinzen von Wales in Homburg gewesen, der Begründ ung. Fürst Alexander ist heute kurz vor 2 Uhr in Rustschuk gelandet. Die Reise von Lemberg hierher war eine Reihe fortgesetzter Kundgeb ungen. In Bukarest fand amtlicher Empfang statt. Ministerpräsident Bratiano und alle dort anwesenden Minister begrüßten den Fürsten, ebenso, als Vertreter des in Sinaia befindlichen Königs, der Palastpräfect General Greceano. Auf derselben Nacht, die sein schwimmendes Ge fängniß gebildet hatte, empfing der Fürst diese Abordnung. Unter großem Jubel beider Be voͤlkerungen erfolgte die Ueberfahrt. Bei der Landung in Rustschuk wurde der Fürst unter Kanonendonner und begeisterten Hurrahrufen mit unbeschreiblichem Jubel von einer unabsehbaren Menschenmenge empfangen. Gleich nachdem er das Schiff verlassen, umarmte der Fuͤrst den greisen Bischof von Rustschuk; dann schritt er, nachdem er die Consuln der fremden Mächte begrüßt hatte nach dem Festlande hin. Ehe der Fürst den Boden betreten, hielt Stambulow eine Ansprache, in welcher er im Namen Bulgariens um Entschuldigung für das am Fuͤrsten be gangene Unrecht bat. Der Fürst erklaͤrte mit