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zur Bekämpfung von Ausschreitungen nicht aus der Hand genommen werden dürfe, namentlich nicht in einem Augenblicke, wo im benachbarten Belgien ein Kampf um die Ruhe und Ordnung in Europa stattfinde. Hoffentlich gelinge es der Energie und der Weisheit der belgischen Regierung, bald Herr der Verbrecher zu werden. In solchem Augenblicke müsse man hier in ver stärktem Maße darauf sinnen, ähnliche Aus schreitungen zu verhüten. Die socialistischen Zeitungen Belgiens hätten ungestraft zu Raub und Plünderung auffordern dürfen; der größere Theil der Ausschreitungen in Belgien erkläre sich vermuthlich auch durch den Mißbrauch des Vereinsrechtes und des Versammlungsrechtes. Wenn Belgien gesetzliche Kautelen besessen hätte, welche ein Verbot von derartigen Druckschriften und Versammlungen ermöglichten, so könnten solche Ausschreitungen wohl vermieden werden. Auch bei Nichtverlängerung des Gesetzes sei zwar die äußere Ruhe nicht gefährdet, denn die Regierung habe die Macht und den Willen, auch der leisesten socialistischen Bewegung mit niederschmetternder Gewalt zu begegnen, es gelte aber einer solchen vorzubeugen. Puttkamer schließt: Der Kaiser würde es an seinem späten Lebensabend als bittersten Schmerz empfinden, wenn die Vertretung der Nation es ablehnte, Deutschland durch Annahme des Gesetzes vor Unruhen zu bewahren. Windthorst gegenüber, welcher den Zusammenhang zwischen den bel gischen Unruhen und der deutschen Socialdemo kratie vermißt, hebt Puttkamer hervor, daß nach den Zeitungsmeldungen deutsche Elemente an der Spitze der belgischen Bewegung stehen, hauptsächlich aber, daß nur die mangelhafte Ge setzgebung Belgiens derartige Ausschreitungen möglich gemacht habe. Bebel bestreitet den Zusammenhang der belgischen Vorgänge mit der deutschen Socialdemokratie. Die belgische Bourgeoisie veranlasse, wie er vermuthe, mit Absicht und Vorbedacht oft solche Blutbäder. Die Staatsgewalt selbst provocire sie. Bebel wird wegen dieser Aeußerung zur Ordnung gerufen. Puttkamer widerlegt die Ausführungen Bebel's und bezeichnet denselben als den gefährlichsten aller socialistischen Agitatoren.

29. März. Im Abgeordnetenhaus fand die zweite Lesung der Secundärbahn-Vorlage statt. Die für alle neuen Linien geforderten Beträge werden nach den mit der Regierungs vorlage übereinstimmenden Anträgen der Com mission in längerer aber unerheblicher Debatte bewilligt.

29. März. Der Statthalter von Elsaß Lothringen Fürst Hohenlohe, ist heute vom Kaiser empfangen worden und reiste Abends nach Straßburg zurück.

30. März. Ueber die gestrige Sitzung des Staatsraths verlautet, der Kronprinz habe die Verhandlungen mit einer die Polonisirung deutscher Landestheile behandelnden Ansprache eröffnet, auf welche der Reichskanzler antwortete, indem er dem Kronprinzen seinen besonderen Dank aussprach. Die Referenten erstatteten Referate über die Organisation der Immediat Commission, die in manchen Punkten weit aus einander gingen. Behufs Verständigung wurde eine Subcommission eingesetzt.

Karlsruhe, 30. März. Der Erbgroßherzog hat, nach Mittheilung badischer Blätter, in ver flossener Nacht viel und gut geschlafen und ist sein Befinden heute früb auch gut.

Kiel. In der Landesverrathsaffaire Prohl Schwartz werden die Recherchen der Criminal polizei eifrig fortgesetzt. Anscheinend wird auf Complicen der Verhafteten gefahndet. Wie ver lautet, sollen in der Wohnunz des Schwartz auch nach der Verhaftung des Sarauw Zu⸗ sammenkünfte stattgefunden haben, an denen Prohl stets theilnahm. Einiges Aufsehen hat es hier erregt, daß Prohl, als unverheiratheter Mann mit einem verhältnißmäßig recht reich lichen Einkommen, nicht unbedeutende Schulden contrahirt hat.

und betont lebhaft, daß der Regierung die Waffe

Ausland.

Schweiz. Basel, 29. Marz. Heute legten sämmtliche Holzarbeiter wegen Nichtbewilligung der von ihnen verlangten 10stündigen Arbeits zeit die Arbeit nieder. Der Streik erstreckt sich auf Schreiner, Zimmerleute, Glaser, Drechsler und Bildhauer.

Belgien. Charleroi, 29. März. Gestern Abend wurde der Belagerungszustand hier und in der Provinz verkündet und das Militär be ordert, nach einmaliger Aufforderung sofort mit der Waffe gegen die Ruhestörer vorzugehen. In Roux wurde das Kloster Soleilmont in Flammen gesetzt. Die Plünderungsscenen in Chatelineau, Lodelinsart, Roux und Jumet wer den fortgesetzt. Bisher wurden 18 Schlösser und 10 große Fabriken angezuͤndet und ge plündert. 30. März. Splingard, ein Anar chistenführer wurde verhaftet. Außerdem fanden noch andere zahlreiche Verhaftungen statt. Aus Tournai wird gemeldet: Die Arbeiter in den Steinbrüchen von Allair bis Antoing streiken und rücken gegen Tournai vor. Die Bürger- garde marschirte gegen sie. In Barges fand ein blutiger Zusammenstoß zwischen Gensdarmerie und Streikenden statt. 3000 Streikende griffen das Kohlenwerk Mariemont an. Die Truppen feuerten, 14 Menschen wurden getödtet oder verwundet. Aus Antoing wird gemeldet, daß zahlreiche Abtheilungen von Streikenden die ländlichen Orte durchziehen und zur Arbeits einstellung auffordern. Großbritannien. In der Felterton-Street explodirte gestern Abend ein Faß Dynamit. Zwei Gebäude und eine Maschinenfabrik wurden zerstört. Bei der Explosion erlitten 6 Personen sehr schwere Ver letzungen, 7 andere wurden leichter verwundet. Man vermuthet ein Attentat. Viele Verhaft ungen haben bereits stattgefunden. Die streiken⸗ den Arbeiter der Kohlengrube South Medomsley bei Durham haben gestern den Versuch gemacht, das Haus des Directors Tyzack durch Dynamit in die Luft zu sprengen. Die Fagade des Hauses wurde stark beschädigt, aber keine Person verletzt.

29. März. Die Haltung Griechenlands wird bedrohlich. Der englische Gesandte in Athen, Rumbold, ist zur Ausübung der ener gischsten Pression angewiesen.

Die Regierungen aller australischen Colonien sprachen sich gegen den Vorschlag Frankreichs bezüglich der Annexion der neuen Hebriden aus, gleichviel unter welchen Zu geständnissen Frankreich die Annexion vornehme. Die Regierung Victorias richtete eine in diesem Sinne gehaltene, in energischen Ausdrücken ab gefaßte Depesche an ihren hiesigen General agenten.

29. März. Unterhaus. Gladstone er klärte heute, er werde am 8. April die Bill betreffend die Abänderung der Bestimmungen über die Verwaltung von Irland einbringen und hoffe, daß das Budget am 12. April vor gelegt werden könne, am 15. April werde dem Hause dann die Bill, betreffend die Abänderung der Gesetze über den Ankauf und Verkauf von Grundbesitz in Irland, zugehen.

Italien. Rom. Es geht das Gerücht, daß ein Decret, welches die Auflösung der Kammer anordnet, im Laufe dieser Woche werde veröffentlicht werden und daß der Termin für die Neuwahlen auf den 9. Mai angesetzt sei. In officiellen Kreisen dagegen versichert man, daß die Regierung noch keine Entscheidung ge troffen habe. Ebenso heißt es, daß das Mini sterium noch nicht definitiv Stellung zu dem Antrage auf Abschaffung des Listenserutiniums genommen habe.

Türkei. Constantinopel, 29. März. Die Mächte riethen übereinstimmend dem Fuͤrsten von Bulgarien, das Abkommen wodurch derselbe gemäß Artikel 17 des Berliner Vertrages Gouverneur von Ostrumelien wird, anzunehmen.

Bulgarien. Sofia, 30. März. In Folge der dringenden Aufforderung der Mächte,

London, 26. März.

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heute ein Mi 5 zur gung tuation statt. Die Schwierigkeiten, w Fürst von Neuem macht, werden auf erneuten englischen Einfluß zurückgeführt; wenigstens wird diese Annahme besonders in Petersburg vertreten. Amerika. New Pork, 29. Maͤrz. Gould

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willigte ein, die zwischen der Compagnie und den Streikenden bestehenden Streitfragen einem Schiedsspruche zu unterwerfen. Das Schieds spruch-Comité wird heute ernannt und nehmen⸗ bis zu dessen Entscheidung die Streikenden, 10,000 an der Zahl, die Arbeit wieder auf, ausgenommen Diejenigen, welche sich der Zer⸗ störung von Eigenthum schuldig gemacht haben.

Aus Stadt und Land.

Butzbach, 27. März. Unser diesjähriger Fasel⸗ markt hat, wie schon seit vielen Jahren, so auch diesmal wieder, seine alte Anziehungskraft auf Junz und Alt, Rah und Fern ausgeübt. Angetrleben waren 90 Fasel, (gegen 61 im Vorjahr), 7 Paar Zugochsen, 56 Kühe,(30), 148 Rinder(148) und ea. 580 Schweine(420). Mittags 1 Uhr fand im Betsein Kreisraths Dr. Braden von Friedberg, sowie eines zahlreichen Publikums die Prämiir⸗ ung statt. Die zur Verthellung gelangten Preise be trugen im Ganzen 476 M., davon wurden die vom landwirthschaftlichen Bezirksverein gestifteten 150 M. zur Prämiirung fur die 14 schönsten zu Markt gebrachten Fasel und die von Seiten der Verloosungscommisslon gegebenen 276 M. zur Prämitrung für die 41 schönsten zu Markt gebrachten Rinder verwendet. Prämiirt wurden: A. für Fasel, Berner Bastarde: 1. Konrad Geibel, Klein Karben. 2. Joh. Konrad Schmidt, Gambach. 3. Heinrich Selig, Nieder-Wöllstadt. 4. Gustav Wilhelm Schmidt, Reichelsheim. 5. Georg Hammann, Biebesheim. 6. Dieter Geibert, Biebesheim. 7. Jakob Schneider, Biebesheim. 8. Balthasar Hofmann I., Rodheim v. d. H. 9. Friedrich Heimburg, Bönstadt. 10. Balthasar Walther, Muͤnzen⸗ berg. 11. Heinrich Gorr, Münzenberg. 12. Joh. Georg Görlach, Obernhörgern. Vogelsberger Race: 1. Peter Zeiß, Holzhein. 2. Oswald Klingelhöfer, Hof-Graß bei Hungen. B. Für Rinder. Reine Berner, Berner Varstard, Allgäuer, Holländer und Vogelsberger Race: 1. Gg. Hahn, Bellersheim. 2. Gg. Groß, Rockenberg. 3. Wilh. Schudt, Rockenberg,(2 Stück). 4. Jacob Görlach, Eberstadt. 5. Peter Schneider, Ostheim. 6. Heinr. Carl Wetz, Griedel. 7. Math. Schneider IX., Ostheim,(2 Stück). 8. Rittmeister v. Bouchenrö der, Butzbach. 9. Heinrich Bender, Griedel. 10. Heinrich Fenchel III., Gambach. 11. Wilh. Bopp IV., Bellers⸗ heim. 12. Bürgermetster Jäger, Muͤnzenberg. 13. Philipp Bommersheim, Obbornhofen. 14. Julius Fenchel, Griedel. 15. Gust Kammer, Bellersheim,(2 Stück). 16. Balth. Krämer, Rockenberg. 17. Tobias Schmidt, Gambach, 18. Conr. Vissel II, Griedel. 19. 8g. Fenchel, Griedel. 20. Joh. Sulzbach, Oppershofen. 21. Joh. Conrad Metzger, Gambach. 22. Heinr. Metzger V., Gambach. 23. Jae. Reuter V., Nleder-Weisel. 24. Bernh. Schimpf, Nieder-Weisel. 25. Gg. Streb, Rainmühle. 26. Conrad Jäger, Holzheim 27. Eberh. Tönges, Steinfurth 28. Conr. Wörner, Ostheim. 29. Joh. Cberh. Enders, Gambach. 30. Ad. Sparwasser, Butzbach,(2 Stück). 31. Jace. Haub XII., Nieder- Weisel. 32. Bernhard Häuser V., Nleder-Weisel. 33. Caspar Becker, Gambach. 34. Friedr. Lang III., Griedel. 35. Tobias Schlunk, Gambach. 36. Heinr. Straßheim, Griedel. 37. Jacob Schneider, Ostheim. 38. Joh. Grieb II., Gambach. 39. Levl Mal, Holzheim. 40. Conr. Alt IV., Gambach. 41. Caspar Wächter III., Gambach.

Allerlei.

st. Frankfurt. Nach einer Vereinbarung mit der Intendanz des Frankfurter Opernhauses wird der be rühmte Tenorist Bötel Donnerstag den 1. April in Frank⸗ furt den Manrieo inTroubadsur singen. Bötel, der sich eben auf einer Gastspielreise befindet, wird nur an diesem einen Abend auftreten.

Frankfurt. Ein Stradivarius für 20,000 Franes ist für Deutschland, speziell für Frankfurt, gewonnen worden, da Coneertmeister Hugo Heermann für obigen Preis eine Geige jenes italtenischen Meisters aus der Sammlung eines Londoner Liebhabers erworben hat, Das bemerkenswerthe Instrument ist vollkommen intakt und bildet ein Pendant zu Sarasate's berühmter Geige. Es ist in hohem Grade erfreulich, daß solch' ein Kleinod aus dem todten Besitze eines Sammlers in die Hände eines ausübenden, zumal deutschen Künstlers uͤbergegangen ist. Heddernheim. In der Nidda wurde gestern von Kindern unfern Heddernheims die unbekleidete Leiche eines etwa 16jährigen Mädchens aufgefunden. Dieselbe hatte einen Strick um die Hand. Eine Untersuchungscommisston begab sich an Ort und Stelle.

Kulm, 29. März. Nach Nachrichten aus Pelplin ist der Bischof von der Marwitz daselbst heute Nachmst⸗ tag gestorben.

Nordhausen. Am 23. d. Mts. fuhren der Ober⸗ förster Bock aus Siber bet Herzberg und ein Foͤrster zusammen ins Revier, um Schwarzwild zu jagen. Als sie im Walde angelangt waren, trafen sie auf den ge⸗ fürchteten Wilddieb Bock aus Andreasberg, der just eln Wildpret auswaldete Als er der Forstbeamten ansichtig wurde, lezte er sein Gewehr auf dieselben an, doch diese

die türkische Proposttion zu acceptiren, findet

kamen ihm zuvor, und von einer Kugel getroffen, stürzte Bock todt nieder..

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