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Stimmen dagegen nicht fehlte. wurden an die Tarifcommission verwiesen.

14. Aug. Der Sultan von Zanzibar hat ohne Beding ungen die Schutzherrschaft des Kaisers über alle von Deutschen in Besitz genommenen Gebiete einschließlich des Festlandsgebietes Vitu aner kannt. Die Truppen und Beamten von Zanzibar haben sich bereits aus gedachten Gebieten zurück gezogen. Man wird deutscherseits bestimmte Garantien verlangen, damit sich die Verwickel⸗ ungen nicht wiederholen. Dazu ist der Abschluß eines förmlichen Vertrages mit dem Sultan Bargasch⸗Ben⸗Said erforderlich, und erst wenn ein solcher Vertrag abgeschlossen sein wird, dürfte die Aufgabe des Geschwaders als erfüllt anzu sehen sein. Das Reuter'sche Bureau in London und die Agence Havas in Paris melden von der Besetzung einer Insel der Karolinengruppe durch Deutschland, sowie von den Vorstellungen, die Spanien deswegen in Berlin erhoben habe, und von der Absendung zweier spanischen Kriegs schiffe nach den Karolinen. Wenn sich die Nach⸗ richt von der deutschen Besetzung der Karolinen bestätigt, so wird es sich aller Wahrscheinlichkeit nach darum handeln, in den dieselben bewohnen den Mikronesen Arbeiter für unsere Besitzungen auf Neu-Guinea zu gewinnen. Einen anderen, etwa colonisatorischen Werth haben die Inseln thatsächlich nicht, wenn man vielleicht absieht von den auf einigen größeren Inseln zu gewin nenden Cocosnüssen.

Eine Meldung, daß General Albedyll zum Hausminister ernannt sei, ist dahin zu be richtigen, daß die Angelegenheit bis jetzt noch nicht zum förmlichen Abschluß gelangt ist.

Kiel. Die Veränderungen, welche an dem für den Gouverneur von Kamerun bestimmten DampferNachtigal zur Ueberführung nach Afrika vorzunehmen waren, als Verkürzung der Masten, Vertauschung der schweren Takelage mit einer leichteren ꝛc. sind jetzt zu Ende ge führt. DerNachtigal ist denn auch bereits unter Führung des Lieutenants z. S. Vanselow nach Kamerun in See gegangen.

Karlsruhe. Nach neuesten Nachrichten treffen der Kaiser und die Kaiserin am 10. Sep⸗ tember hier ein und nehmen im Schlosse Wohn ung. Die Majestäten werden bis zum 16. Sept. bleiben, worauf der Kaiser sich nach Stuttgart begeben wird, während die Kaiserin nach Baden reist. Am 26. September wird das Kaiserpaar zum Einzug des neuvermählten großherzoglichen Enkels wieder hier sein. Die hiesigen Gesang vereine werden sowohl dem Kaiser als dem erb großherzoglichen Paare Ständchen bringen. Nach dem 30. September, dem Geburtstag der Kai serin, welcher in Baden gefeiert werden soll, wird das erbgroßherzogliche Paar wieder auf einige Zeit hierherkommen und den Hoffestlichkeiten beiwohnen.

Ausland.

Oesterreich⸗-Ungarn. Wien. Von hier wird aus zuverlässiger Quelle berichtet, daß dem Besuche des Grafen Kalnoky in Varzin ein schriftlicher Verkehr zwischen Wien und Berlin über die zollpolitische Frage vorausgegangen ist, dessen Natur zu der Hoffnung berechtigt, daß die Begegnung der beiden Staatsmänner auch nach dieser Richtung greifbare Resultate nach sich ziehen werde. Im Uebrigen kann consta tirt werden, daß die Neigung zur Retorsious politik sich in den maßgebenden Kreisen Ungarns in der letzten Zeit wesentlich verminderte. Es ist dies sicherlich eine Folge des Umstandes, daß sich die Chancen dafür mehrten, es werde denn doch möglich sein, mindestens in der Zollpolitik dritten, fremden Staaten gegenüber(welchen die beiden Reiche gleichsam als ein zollpolitisches Ganze entgegenstehen würden) ein dauerndes Einvernehmen zu erzielen.

Frankreich. Paris.Temps meldet, der Kriegsminister habe angeordnet, daß sogleich nach den Manövern 30,000 Mann von den Jahr

Vorschlag, wenngleich es auch an gewichtigen gangen 1881 und 1882 mit widerruflichem Ur Beide Vorschläge laube entlassen werden sollen.

DerTemps erklärt die Nachrichten

Commodore Paschen meldet: über die Niedermetzelung von Christen in Annam

für stark übertrieben. Es scheine sicher, daß die Zahl der Opfer einige Hunderte nicht übersteige. 15. Aug. Da in Algerien am letzten Sonntag die Judenverfolgungen erneuert wurden, so sandte die jüdische Bevölkerung eine aus vier Personen bestehende Abordnung nach Paris, um bei der Regierung Klage zu führen. Diese Ab ordnung wurde nach ihrer Ankunft in Paris so fort vom Conseilspräsidenten empfangen, der ihr versprach, daß die strengsten Maßregeln ergriffen werden würden, wenn die Verfolgungen fort dauern sollten.

Großbritannien. London. An Stelle des Herzogs von Richmond ist Stanhope, bis her Vicepräsident des Conseils, zum Präsidenten des Handelsamtes mit einem Sitze im Cabinet ernannt worden.

14. Aug. Die letzte Session des gegen wärtigen Parlaments wurde heute geschlossen. Die Thronrede bedauert das Mißlingen der Expedition nach Khartum, lobt aber die Tapfer keit der daran betheiligt gewesenen Soldaten und Matrosen. Der Tod des Mahdi werde die Königin wahrscheinlich in den Stand setzen, die ihr durch die Ereignisse gegenuͤber dem Herrscher und dem Volke Egyptens auferlegten Pflichten mit weniger Schwierigkeiten als seither auszuführen und werde dieselbe in ihren An⸗ strengungen, die Regierung und die gute Ord nung in Egypten auf eine feste Grundlage zu stellen, nicht nachlassen. Die Beziehungen zu den anderen Mächten sind freundschaftlicher Natur. Die Verhandlungen mit Rußland be treffs der Grenzen des Gebietes des Emirs von Afghanistan als Bundesgenossen der Königin dauern noch fort. Die Königin hofft, daß die Verhandlungen bald zu einer befriedigenden Regelung führen werden. Die Regierung thue die nothwendigen Schritte, um die Nordwest grenze in angemessenen Vertheidigungszustand zu versetzen, ohne welchen die Wohlfahrt und Ruhe der indischen Unterthanen von Zeit zu Zeit der Unterbrechung und Störung ausgesetzt seien. Der Rest der Rede betrifft innere Angelegen heiten ohne allgemeines Interesse. Die Mission Drummond Wolff's wird nicht erwähnt.

Rußland. Petersburg, 14. Aug. Die Ab reise des Kaisers, der Kaiserin und des Thron folgers nach Kremsier erfolgt am 19. und 20. August. Von den Ministern folgen dem Kaiser Woronzow-Daschkow und Wannowsky. Giers soll, wie versichert wird, ebenfalls an der Kaiserbegegnung theilnehmen. In der großen Suite befinden sich: die Generale Richter, Tscherewin und Danilewski, der deutsche Mili tärbevollmächtigte General Werder, Hofmarschall

Obolenski und der Leibarzt Hirsch. Ein längerer

Aufenthalt ist nur in Kiew und auf der Rück reise in Moskau in Aussicht genommen.

Aus Stadt und Land.

m. Friedberg. In den letzten Tagen wurde zweimal versucht im Hause des Gerichtsvollziehers Köntg Feuer anzulegen. Beidemale wurde es so rechtzeitig entdeckt, daß der entstehende Brand gelöscht werden konnte. Der ganzen Sachlage nach, kann das Feuer nur von Jemand angelegt worden sein, der im Hause sehr bekannt ist.

H. Friedberg. Es wird wohl den Lesern Ihres geschätzten Blattes noch nicht bekannt sein, daß seit einiger Zeit direkte Billete und Retourbillete via Hanau von Station Friedberg nach Aschaffenburg zu allen Wagenklassen verausgabt werden. hin und zurück mit 2tägiger Gültigkeit kostet nur M. 3.30.

s. Friedberg. Der erste hiesige Gesangverein war durch die Aufregungen des Jahres 1848, auch durch veraltete, unpraktische Statuten nach fast 15jährigem Bestehen etwas in Unordnung gekommen. Dazu kam noch die Ueberwerfung einiger Mitglieder mit dem Diri genten, und so war es denn nicht wunderlich, daß der Verein in den Jahren 1849 und 1850 fast ganz unthätig war. Als man im Jahre 1851 daran ging, den Verein wieder in die Höhe zu bringen, zeigte es sich, daß hlerzu leider zu dem Gewaltmittel einer Auflösung geschrltten werden mußte. Vier Sänger, von denen aber keiner zu den Gründern des Vereins gehörte, blieben sortan der Gesellschaft fern, alle übrigen Sänger, darunter 15, welche

Ein Billet J. Klasse

den Verein hatten gründen helfen und demselben ununter⸗ brochen angehörten, waren keinen Augenblick darüber zweifelhaft, daß diese Auflösung nur eine formelle set und daß so bald als möglich weiter gesungen werden müsse, weßhalb sie das sämmtliche Inventar des Vereins an sich brachten. Einige Monate später fingen die Singübungen unter dem Schutz der alten Fahne wieder an; der seit herige Präsident, der Dirigent, die seitherigen Sänger, dasselbe Instrument und die Musikalien: Alles war beim Alten geblieben und es ist nie elnem Menschen eingefallen, den Verein, welcher nun den NamenLiederkranz führte, als einen neuen anzusehen. Dies ist in kurzen Worten die Geschichte des Liederkranzes, wie sie in den Proto kollen verzeichnet steht. Hiermit stimmen die Erinnerungen sowohl der drei Mitglieder, die dem Verein seit dem Jahre 1835 bis heute angehören, als auch derjenigen Mitglieder, welche dem Verein erst nach seiner Gründung beitraten, aber bei der Neubelebung mit thätig waren, überein. Der Liederkranz ist seit einem Menschenalter als die Fortsetzung desGesangvereins angesehen und behandelt worden, er war als 21jähriger Verein auf dem Sängerfest zu Straßburg(1856), als 23 jähriger in Baden-Baden(1858) u. s. w., in allen Broschüren und Zeitungen, welche über den Verein berichten, wird das Jahr 1835 als Jahr der Gründung angegeben; 1860 feierte er unter dem Präsidium des Hofgerichtsadvokaten Trapp III. sein 25 jähriges Jubiläum, seit Jahren ist von der 50 jährigen Jubelfeter die Rede, und so kann man sich leicht das Erstaunen der Vereins mitglieder vor⸗ stellen, als die in der vorigen Nummer des Anzeigers offenbarten Ansichten bekannt wurden. Auf das Prälu

dium des. Correspondenten wollen wir nur bemerken, daß derLiederkranz nicht nöthig hat, Stimmung zu machen. Derselbe wird sich auch nicht beirren lassen, son dern nach wie vor auf der betretenen Bahn weiter schreiten zur Freude seiner Mitglieder und Freunde, sowie zum Wohle unseres Volksgesanges; er wird nie aufhören, sich als das zu betrachten, was er ist: die Fortsetzung des ersten Friedberger Gesangvereins.

i. Friedberg. Der Veteranen- und Militärverein feierte am Sonntag den 16. August sein Stiftungsfest und den Gedenktag an die Schlacht von Gravelotte in hergebrachter schöner Weise. Am Morgen marschirte der Verein mit flohrumhüllter Fahne auf den Friedhof an das Denkmal der dort ruhenden Krieger der Jahre 1870/71. Die Dilettanten Kapelle eröffnete die Feier daselbst durch einen Choral und der Ehrenpräsident des Vereins, Seminarlehrer Wahl, sprach tiefempfundene Worte, die auf die zahlreich Ansesenden einen feierlich ernsten Eindruck machten. Ein Choral schloß diese Feier; vom Friedhofe marschirte der Verein in die Stadtkirche zu gemeinsamem Gottesdienste. Wenn die Stimmung der Festtheilnehmer schon eine sehr feierliche war, so wurde dieselbe nur noch gehoben durch den Festgottes dienst, den der Musik⸗Verein durch Gesang in schönster Weise mit verherrlichte. Um 2 Uhr traf die Festmusik des 1. Hess. Inf.⸗Rzts. Nr. 115 aus Darmstadt ein und fand nun unter deren Marschmusik der Zug durch die Stadt in den Binzel'schen Garten statt. Groß war die Zahl der Festtheillnehmer und kaum konnten die Festräume deren Zahl fassen. Der Präsident des Vereins, Bindewald, begrüßte die Erschienenen und gedachte besonders des Festes als Stiftungsfest und als freudiges Erinnerungs- fest an den Tag von Gravelotte. Sein Hoch auf Kaiser und Großherzog fand begeisterten Wiederhall. Abwechselnd mit den schönen Coneertstücken der Kapelle erfreute Real- lehrer Wiesehahn die Anwesenden mit einer herzlichen Ansprache, die dem deutschen Vaterlande galt, sowie stud. A. Baur, welcher in begeisterten Worten das Heer feierte. Bis zur späten Stunde blieben die Fest⸗ theilnehmer versammelt und werden Alle des schönen patrfotischen Festes noch lange mit Freuden gedenken.

W. Bad Nauheim, 16. August. Der gestern Nachmittag stattgefundene Ausflug des Gesangvereins Concordia von Friedberg auf den Johannisberg verlief in der schönsten und gemüthlichsten Weise. Die unter Leitung des Lehrers Schneider von Friedberg zum Vor trag gekommenen Chorgesänge wurden recht gut aus⸗ geführt und fanden besonders die Solovorträge zweier Damen allgemeinen Beifall. Späterhin wurde dann noch ein kleines Tänzchen veranstaltet.

Homberg a. d. Ohm. Das benachbarte Dorf Appenrod wurde am 13. Aug. bei starkem Sturm und während die Einwobner auf dem Felde waren, von einem entsetzlichen Brand heimgesucht, es brannten nämlich 22 meist neue Wohnhäuser mit Scheunen, sowie sonstige Gebäulichkeiten, 43 an der Zahl, größtentheils bis auf die Fundamente nieder. Unter den abgebrannten Gebäuden befindet sich auch die Kirche und Schule, die Glocken im Kirchthurm waren zu einem Klumpen zusammen geschmolzen. Menschenleben sind glücklicherwelse nicht zu

beklagen. Alle Vorräthe und viel Vieh ist jedoch mit⸗ verbrannt. Allerlei. Berlin, 14. Aug. Der Wiener Männergesang

verein ist heute hier eingetroffen und wurde von den Mitgliedern der österreichischen Botschaft, des Consulats, von Dupulationen des Maglstrats, der Stadtverordneten, des österreichisch-ungarischen Vereins, von hiesigen Gesang vereinen und Liedertafeln in corpore auf dem Bahnhofe empfangen und jubelnd begrüßt. Namens der Wlener dankte Ritter Olschauer auf die Willkommgrüße. Warmbrunn, 14. Aug. Der ordentliche Pro⸗ fessor der Universität Leipzig, Geheimrath Dr. Georg Curtius, ist am Mittwoch im Hermsdorf, 65 Jahre alt, gest orben.

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