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Oberhessischer Anzeige

1885.

Hamstag den 10. October.

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Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.z ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des landwirth— schaftlichen Vereins von Oberhessen soll am 29. Oktober l. J., des Vormittags von 11 Uhr an, im Gasthaus zum Einhorn in Gießen Gegenstände der Verhandlungen werden sein:

abgehalten werden. 1. Rechenschaftsablage.

2. Die Frage: Wie erklärt es sich, daß die kleineren Landwirthe stets mit nur verhältnißmäßig geringer Stückzahl an Vieh sich bei den landwirthschaftl. Preisvertheilungen betheiligen? Referent: Herr Land—

wirthschaftslehrer Leithiger zu Alsfeld.

3. Der Antrag des Freiherrn Adolf Nordeck zur Rabenau wegen Errichtung einer besonderen landwirthschaftl. Versuchsstation zu Gießen, resp. derjenigen einer Filiale der Darmstädter Station zu Gießen. Referent: Herr Professor Dr. Thaer in Gießen.

4. Das Viehversicherungswesen im Großh. Hessen.

Herr Kreisrath Schönfeld zu Lauterbach.

5. Die Errichtung einer Lehranstalt für junge Madchen zur Er— Referent: Freiherr Adolf

lernung der landwirthschaftl. Haushaltung. Nordeck zur Rabenau.

Amtlicher Theil. Bekanntmachung.

Referent:

6. Die Frage: Ist eine Revision der Wiesenpolizeiordnung ange— zeigt? Referent: Herr Wiesenbaumeister Greb in Friedberg.

7. Sind vorbeugende Maßregeln gegen Vermehrung der Mäuse zu empfehlen, und welche?

Ausschusses für die Periode 1886/88.

8. Die Wahl des Präsidenten und Vicepräsidenten, sowie des Nach§. 32 der Statuten muß jedes Mitglied, welches in der

Versammlung einen Vortrag zu halten wünscht, diese Absicht vor Be— ginn der Versammlung dem Präsidium zu erkennen geben; schriftliche Mittheilungen müssen mindestens einige Tage vor der Versammlung bei demselben eingereicht werden. Der Unterzeichnete ladet hiermit alle Vereinsmitglieder, sowie alle Freunde der Landwirthschaft zu dieser Versammlung ergebenst ein. Friedelhausen am 5. October 1885. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen. Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 7. Okt. Der Erbgroßherzog ist gestern Nachmittag in erwüuschtem Wohl— befinden aus England hier wieder eingetroffen.

Berlin, 6. Oct. Die„Colonialp. Corresp.“ meldet aus Zansibar: Lieutenant Schmidt er— warb die Landschaft Usarmo durch Vertrag für die deutsch-ostafrikanische Gesellschaft. Damit ist die wichtige Küstenlandschaft südlich von Useguha ebenfalls deutsch und der ganze Lauf des Rufidji im Besitz der Gesellschaft. Der vorzügliche Hafen von Daresalam, der beste der gesammten Ostküste Centralafrika's, gehört dieser Landschaft an.

— 8. Oct. Der russische Minister des Aeußern, Giers, ist von Kopenhagen kommend, zum zweiten Male beim Fuͤrsten Bismarck ge— wesen und gestern Abend hier eingetroffen. Er reist heute Abend nach Petersburg ab.

Chemnitz, 7. Oct. Im Socialistenprozeß wurde heute das Urtheil verkündet. Sämmtliche Angeklagte sind freigesprochen. Die Kosten sind auf die Staatskasse übernommen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 7. Oct. Abgeordnetenhaus. Rieger interpellirte die Re— gierung wegen der Excesse der Cechen zegen die Deutschen in Böhmen und fragte, welche Maß— regeln die Regierung zu nehmen gedenke, um einen ungestörten Verkehr beider Nationalitäten zu sichern.

— 7. Oct. Nachrichten über Vorkehrungen zur Mobilisirung von Truppen, sowie zur Aus— rüstung von Kriegsschiffen sind vollständig un— begründet.

— Nach einem Telegramm der„Nowoje Wremja“ ist Oesterreich geneigt, seine Zustimm— ung zur Vereinigung Altserbieus und Macedo— niens mit Serbien unter der Bedingung zu geben, daß Serbien mit Oesterreich eine Handels— und Militärconvention abschließe.

Dänemark. Kopenhagen, 6. Oct. In der heutigen Sitzung des Folkething brachte der Finanzminister die Budgetvorlage pro 1886/87 ein, nach welcher die Einnahme 55 ½ Million, die Ausgaben 65 Million betragen und somit ein Deficit von 9½ Million vorhanden ist.

Frankreich. Paris.„Temps“ bespricht

die letzten Depeschen aus Tonkin und glaubt,

daß ein ernster Widerstand zu erwarten sei, da die schwarzen Flaggen unter der Führung eines Chinesen sich neu formirt und starke Stellungen inne hätten.„Liberte“ schreibt, der Kriegsminister bereitet Creditforderungen für Madagaskar, Obock und Tonkin vor.

— 7. Oct. Der Ausfall der Wahlen dürfte vielleicht den Rücktritt einiger Minister zur Folge haben. Der angekündigte Ministerrath hat übrigens noch nicht stattgefunden und ist auf morgen vertagt, da die Minister es abwarten wollen, das definitive Resultat der Pariser Wahlen zu kennen, bevor sie über ihr Verbleiben oder Fortgehen beschließen. Die Aufregung unter den Republikanern über den Sieg der Monarchisten hat sich noch nicht gelegt. Man spricht von Maßregeln, welche die Regierung gegen die Prinzen von Orleans ergreifen wolle, was aber wohl verfrüht ist, da das gegenwärtige Ministerium dieselben sicherlich seinem Nachfolger überlassen dürfte. Auch heißt es, daß der Kriegs— minister vorschlagen wird, mehrere Corps-Com— mandanten zu wechseln, deren republikanische Gesinnungen zweifelhaft sind. Man wird er— sichtlich äugstlich und hat allerdings Grund dazu.

Großbritannien. London. Der„Mor— ning Post“ zufolge wird das Parlament am 1. November aufgelsst.

Italien. Rom. Das Kriegsministerium ist mit Projecten zur Organisirung einer Colo— nial-⸗Armee in Assab beschäftigt, die zum Theil aus den Eingeborenen rekrutirt werden soll.

Türkei. Constantinopel, 8. Oectbr. Pforte verlangt eine Beschleunigung der Con— ferenzarbeit, da sie außer Stande ist, den mili— tärischen Vorbereitungen Serbiens und Griechen— lands gegenüber durch unbestimmte Zeit gleich— giltig zu bleiben.

— 8. Oct. Einer Meldung des„Pester Lloyd“ zufolge werden die größten türkischen Panzerschiffe dienstbereit gemacht; Geschütze und Feldbatterien werden täglich in Constautinopel einwaggonirt. Acht Tabors Infanterie sind Ns— her von hier abgegangen; zwei Feld-Armeecorps werden unter dem Commando von Ghazi Os— man Pascha und Ghazi Mukthar Pascha formirt. Zum Generalstabschef ist Nedjip Pascha designirt.

— 8. Oct. Die Pforte miethete 14 Lloyd— dampfer, welche 40,000 Mann nach Salonichi und Dedeagatisch trausportiren sollen. In Pa—

Die

riser eingeweihten Kreisen verlautet, Deutschland und Rußland seien gegen eine Compensation an Serbien, Oesterreich dafür. Der Sultan dürfte ev. einschreiten, von den Mächten hierzu ermächtigt.

— Hiesigen Nachrichten zufolge ist die zuerst in der englischen und dann in der übrigen euro— päischen Presse verbreitete Erzählung über eine Verschwörung, an welcher der ehemalige Groß— vezier Said Pascha, sowie der Marschall des Palastes und ehemalige Kriegsminister Ghazi Osman Pascha theilgenommen hätten und welche sich in Folge dessen als Gefangene im Bildizpalast befänden, in jeder Beziehung vollständig unwahr und erfunden.

Serbien. Belgrad, 7. Oct. König Milan erklärte bei der Abschiedsaudienz den Abgeord— neten der Skupschtina, die Situation sei ernst. Serbien warte das Conferenzergebniß ab,„doch falls dasselbe für uns unbefriedigend ausfallen sollte, sind wir unbedingt entschlossen, die Waffen zu ergreifen.“ Einer der alten Insurrections— Chefs der Herzegowina, Lecko Peritzitch, ist in Semlin angekommen, um Freiwillige zu werben und sich mit Lubibratich und dem Popen Zarko zur Verfügung Serbiens zu stellen.

— 8. Oct. König Milan's Ausspruch, eventuell Waffengewalt behufs Aufrechterhaltung des Gleichgewichts unter den Balkanstaaten an— zuwenden, deprimirt die Bevölkerung, da die Richtung des eventuellen Angriffes ungewiß ist. Der Türkei gegenüber fühlt sich Serbien nicht gewachsen, Bulgarien gegenüber ist eine Aggressiv— politik unpopulär. Ristic's Organ dementirt, daß Ristie eine Theilabtretung Bosniens an Serbien verlangt.

Bulgarien. Sofia, 8. Oct. Die Meld⸗ ung, daß der Sultan bereit ist, den Fürsten Alexander als General-Gouverneur von Ost— rumelien anzuerkennen, ist in Bulgarien mit großem Danke aufgenommen worden. Nach der in maßgebenden Kreisen herrschenden Anuschauung bleibt jedoch in absoluter Weise die Bedingung festzuhalten, daß das organische Statut für Ost— rumelien außer Kraft gesetzt und eine große Nationalversammlung einberufen werde, um die Verfassung zu revidiren, ein gleichmäßiges Re— gierungssystem für beide Lander einzuführen und jene Credite zu votiren, die erforderlich sind, um den Tribut an die Pforte und die rück— ständigen Schulden an dieselbe zu bezahlen.

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