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1885.
Dunnerstag den J. Seplember.
J 104.
berhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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ns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
Deutsches Reich. Darmstadt. Post⸗Personalnachrichten. Angestellt ist der Postassistent Fischer in Waldmichelbach als Post-⸗ verwalter. Versetzt ist der Ober⸗Telegraphenassistent Heinrich von Gießen nach Darmstadt. Berlin, l. Sept. Der Kaiser empfing heute im Beisein des Unterstaatssekretärs Bis- marck den außerordentliche persischen Gesandten, Mohsin Khan, mit sämmtlichen Mitgliedern der Mission, ferner den neuernannten Minister⸗ residenten der südafrikanischen Republik Beelaerts, Blockland, in feierlicher Audienz zur Ueber— reichung der Acereditive. Nach der Audienz bei dem Kaiser werden die neuen Gesandten auch von der Kaiserin empfangen werden. Die Ausschüsse des Bundes rathes treten am 7. Sept. zur Berathung der Aus— führungsbestimmungen des Börsensteuergesetzes
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nicht wie in Berlin
mit den Arbeitern in eine
gemeinsame Enquete treten wollen. Die Ver-
Spanten. Madrid, 1. Sept. Ju Puccerda,
Sevilla, Valencia, Saragossa und Barcelona
sammlung beschloß, die Verhandlungen abzu- fanden gestern deutschfeindliche Demonstrationen brechen und sofort statt um 6 Uhr erst um statt; angesichts des ruhigen Verhaltens Deutsch— 7 Uhr die Arbeit zu beginnen. Wenn die Bau- lands gewiunt die Meinung Oberhand, daß die
meister damit nicht einverstanden sind, werden
die Maurer streiken. Die Zimmerleute erklärten,
sich den Maurern anzuschließen 0 Dänemark. Drontheim, 31. Aug. Der
Prinz von Wales ist gestern Abend bier ange—
Serbien. Belgrad. Trotz der Publicirung des Standrechtes werden, der„N. Fr. Pr.“ zufolge, aus dem Innern des Landes neue Raub anfälle und Mordthaten gemeldet. Zwischen Obrenovac und Üb ist die Post überfallen wor⸗ den, und in Brezovica wurde das Haus des
wieder zusammen. Die Vorlage ist ziemlich um fangreich, weil, um ein einheitliches Ganzes zu gewinnen, die Pestimmungen betreffend das alte noch in Kraft verbliebene Stempelgesetz darin Aufnahme finden mußten. Trotzdem ist zu hoffen, daß die Ausschüsse ihre Arbeiten bald beenden, da die Vorlage bereits vor längerer Zeit den Bundesregierungen mitgetheilt wurde, welche sich gutachtlich darüber geäußert haben. Das Plenum des Bundesrathes tritt dann am 16. Sept. zur definitwen Beschlußfassung zusammen.
— Staatsminister v. Bötticher tritt in diesen Tagen eine Reise nach Westphalen und Hessen
Nassau an, um theils über die Lage der In⸗
dustrieu, theils über die Ausführung des Ke anken— kassengesetzes sich zu informiren
— Aus neueren Maßregeln der russischen Regierung in den baltischen Provinzen gegen die Protestanten folgert die„Kreuzzeitung“, daß die durch den Nystädter Frieden Livland auf ewige Zeiten gewährleistete Gewissensfreiheit schwer geschädigt wird.
— Von dem deutschen Afrikareisenden Paul Reichard ist in Wiesbaden folgendes Telegramm eingetroffen: 29. August. In Zanzibar ist die
ganze Karawane angekommen; ich bleibe vier—
zehn Tage hier.
— Die Nachricht, daß eine große Strecke
der ostafrikanischen Küste nördlich von Witu bis
reichen Zivan Sokic ausgeraubt und dessen drei Neffen als Geißeln zur Erpressung von Lösegeld
abgeführt. Ein gleiches Schicksal erfuhr die Familie Aschkovic in Brus. Das Haus des Stephan Maximovic wurde bei hellem Tage
förmlich ausgeplündert, die Familie arg miß— handelt und der Hausherr selbst ermordet. Die Zustände sind trostlos. Die Regierung setzte auf die Köpfe der Räuber Gaja Dedic und Pavle Bogicevac einen Preis von je 500 Ducaten. Cogobrkovie und Rakie wurden vogelfrei erklärt. Das Standrecht soll auf weitere Kreise ausge— dehnt werden.
Türkei. Constantinopel, 30. Aug. In der gestrigen Audienz bei dem Sultan verlas Drum⸗ mond Wolff ein Schreiben der Königin, welches an die Loyalität des Vaters des Sultans er— innert, der der Freund und Alliirte der Königin gewesen sei und die Mitwirkung fuͤr die Her⸗ stellung eines Zustandes in Egypten in An⸗ spruch nimmt, welcher den Rechten des Sultans und den Interessen Englands sowie der übrigen Mächte entspreche und dem Volke zum Wohle gereiche. Der Sultan erwiederte: er lege großen Werth auf die Freundschaft und Allianz der Königin, sowie darauf, daß die Königin nach ihrem Schreiben strenge Rücksichten auf seine Rechte als Souverän von Egypten nehme; er werde Personen bestimmen, mit welchen Wolff
zum Jubafluß unter deutsches Protectorat gestellt über die egyptische Frage berathen könne.
sei, bedarf zwar noch der Bestätigung, indeß b dürfte so viel feststehen, daß die Gebrüder Den- paar besuchte gestern Vormittag das historische hard auch hier, an der sogenaunten Somaliküste, Verträge abgeschlossen haben, sowie daß die Corvette„Gneisenau“ im Februar oder März
dieses Jahres, bevor sie nach Australien ging ihre Küstenfahrten bis an den Aequator ausge dehnt hat.
Regensburg, 1. Sept. Die Feuerwehr die Turn- und Kriegervereine brachten gestern Abend dem zur Truppen-Inspektion hier ein getroffenen Kronprinzen vor der einen glänzenden Fackelzug dar. Bei der Sere nade wirkten sämmtliche Männergesangverein mit. Von dem glänzend beleuchteten Dampf boote aus richtete Dr. Gerster eine Huldigungs ausprache an den Kronprinzen.
Auslanb. Oesterreich-Ungarn. Die gestrige Versammlung gehilfen und Zimmerleute Forderung zehnstündiger ihr Bedauern darüber aus,
—
beharrte auf de
daß die Meiste
Königsvilla
Graz, 31. Aug. der hiesigen Maurer—
Arbeitszeit und sprach
Nußland. Kiew, 31. Aug. Das Kaiser⸗
berühmte Petschtscherskikloster, woselbst es dem Gottesdienste beiwohnte. Darauf folgten ein Thee beim Metropoliten Platon und am Mit- tag eine Truppenparade, welche glänzend ver- lief. In das Palais zurückgekehrt, empfing das Kaiserpaar die Civilbehörden, den Adel und die f Stadt-Duma. Am Abend wohnte dasselbe dem [Schlagen einer Pontonbrücke über den Dujepr „durch Militär bei und unternahm eine Dampfer— fahrt mit einer hierzu geladenen Gesellschaft.— 1. Sept. Im Laufe des gestrigen Tages be— el sichtigte das Kaiserpaar die öffentlichen Anstalten. Nach dem Diner, zu welchem 130 Personen geladen waren, besuchten der Kaiser und die Kaiserin die Galavorstellung in der städtischen Oper, wo von dem dichtbesetzten Hause die Nationalhymne wiederholt gesungen wurde. Nach der Vorstellung wurde eine Rundfahrt durch die reich illuminirte Stadt unternommen, wobei r das Kaiserpaar überall enthusiastisch begrüßt wurde. Dasselbe ist noch am Abend nach
„
gebräunt die Gesichter, verglast die um
seelen zu retten dadurch, und irrreligiöser Beeinflussung die rechte sittliche und
uschen Officiösen die Bewegung schüren, um
pan
die wachsende Opposition gegen das Ministerium
abzulenken.
Aus Stadt und Land.
h. Friedberg. Der berufsmäßige Bettel ist noch 5 9
kommen und in dem Britaniahötel abgestiegen. jetzt, wie früher, organtsirt, noch wandern 200,000 Land⸗
streicher durch unset Vaterland. Zerrissen sind die Schuhe, Augen. Sie flehen eine Gabe. Die Schwächen der Hausbewohner kennen sie und wissen, wer schenkt und wer nicht, oder wer sich einschüchtern läßt um zu geben. Sie wissen, wo sie um Geld, etwa für ein Nachtlager, oder um Suppe, oder Brod anhalten dürfen. Sie erfahren das aus kleinen Zeichen an den Thüren und werden darin, wie überbaupt in ihrem Treiben, von den Wirthen der Spelunken unterstützt. Von den privaten Herbergen gilt dies in der Regel. Was aber die Bummler den Tag über erfechten, das wird am Abend in lüderlicher Gesell⸗ schaft verpraßt. Die erbettelten Suppen mit Mittag- oder Abendessen stillen ihren Hunger, die Pfennige stillen den Durst oder werden anderen Leidenschaften geopfert. In der Menge und Zunahme der Vagabunden liegt augenscheinlich ein Krebsschaden, der an unserem Volksleben nagt. Die
Brutstätten des unsittlichen Geistes und der Umwälzung
des Bestehenden, des socialbemokratischen und anar⸗ chistischen Geistes müssen beseitigt werden und zwar nicht blos um uns, die Besitzenden, zu schützen, sondern um verdorbene oder noch nicht ganz verdorbene Menschen⸗ daß an die Stelle unsittlicher
religlöse gesetzt werde. Dies geschieht durch die Her⸗ bergen zur Heimath, deren in Deutschland bereits 213 bestehen und deren jährlich neue gegründet werden. Herbergen zur Heimath sind ächte deutsche Gasthäuser, die dem Handwerksburschen die gute Familie ersetzen und ein Daheim sind. Die Handhabung einer guten, bestimmten, festen Hausordnung durch den rechten Haus⸗ vater, unterstützt von einem Comité, das die Verwaltung übernimmt, ist darum unerläßlich. Nicht sein sollen die Herbergen Bekehrungsanstalten und blose Wohlthätigkeits⸗ anstalten und nicht nur einer Confession, sondern allen dienen. Gegründet aber müssen sie von einer sein. Zu verbinden mit einer solchen ist eine Verpflegungs— flation für Arme, insbesondere auch wieder für arme Handwerksbursche. Kommt ein armer Handwerksbursche in eine solche Verpflegungsstatton, so erhält er Ver⸗ pflegung: Mittagessen, Abendbrod, Nachtlager, Frühstück. Mit einem Ausweis wird er nach der nächsten Station weiter geschickt, zuletzt wird er in der Arbeitercolonie an die Arbeit gestellt. Damit hat man den wichtigsten Schritt, wie erfahrungsgemäß, zu einer entschiedenen und praktischen Bekämpfung des Wanderbettels gethan und damit Menschen auf den rechten Weg geholfen! Schreiber dieses wollte mit dem Gesagten einige Auf— klärungen darüber geben, was man mit den Herbergen zur Heimath überhaupt, speelell in Friedberg mit der Errichtung einer solchen will; Schreiber schließt mit dem Satze:„Nuͤtzlich sein der wahren menschlichen Cultur, sie erhalten und weiter bilden helfen, das ist der Zweck des Daseins!“ Und wir alle haben es längst und vielfach erlebt, wir fühlen und erleben es jede Stunde, das Bewußtsein, den Menschen gedient und genüßt zu haben, glättet unser Herz und bringt Frleden in unser Gemüth!
f. Friedberg. Die Vereinigung erwachsener Taub stummen ist nicht nur sehr wichtig und nützlich, sondern gewissermaßen eine Nothwendigkeit. Sehr viele Taub stummen sind zu gering begabt, um das Treiben der Welt richtig beurtheilen, den Schein von dem Sein, das Boͤse von dem Guten sicher unterschelden zu konnen. Sie sind zum Thell auch zu vertrauensselig, um recht zeitig die Verlockungen schlechter Menschen für das zu halten, was sie sind. Wie mancher Taubstumme ist sittlich heruntergekommen, weil er den Vorspiegelungen eines Verführers glaubte und— einmal gefallen— Niemanden batte, der ihn aufrichtete. Diesem Uebel stande abzuhelfen, hat sich in unserem Großberzogthum ein Taubstummen⸗Vereln gebildet, der seinen Sitz in Friedberg hat. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die in unserem Großherzogthum zerstreut lebenden, aus der Schule entlassenen Tauostummen zu gemeinschaftlicher
r Petersburg zurückgereist.
Erbauung zu sammeln, sie durch geeignete Mittel vor


