Gegencandidat war nicht aufgestellt. Die Betheiligung war mäßig.
Worms, 24. Juli. Von 3300 Wahlberechtigten stimmten 550 ab. Die von dem Wahlcomité der hessischen Fortschrittspartei aufgestellten Wahlmänner vereinigten
die abgegebenen Stimmen auf sich.
Allerlei.
Ems, 25. Juli. In der verwichenen Nacht hat man hier einen leichten, wenige Sekunden währenden Erdstoß verspürt, der sich in der Richtung von Südwest nach Nordost fortzupflanzen schien.
Paris, 25. Juli. Von gestern Abend bis heute früh sind in Toulon 15 und in Marseille 17 Personen
an der Cholera gestorben.— 26. Juli. Von gestern Abend bis heute Abend sind in Toulon 17 und in Mar seille 42 Personen an der Cholera gestorben.— 27 Jul.
Seit gestern Abend bis heute Vormittag 10 Uhr sind in Toulon 8 und in Marseille 18 Cholera-Todesfälle
vorgekommen.
London, 26. Juli. Eine Depesche der Times aus Liverpool sagt, daß ein Matrose, Namens Obrien, von dem jüngst aus Marseille eingetroffenen Dampfer„Saint Dunstan“ gestern auf der Straße an der Cholera erkrankt sei. Nach in Liverpool eingezogenen Erkundigungen er welst sich jedoch die Meldung als unrichtig. Es handelt sich nur um einen Anfall von Magenkrampf.
Petersburg. Einer Meldung aus Nischny Now— gorod zufolge ist der Passagierdampfer„Aniuta“ am 24. ds. auf der Wolga in Folge eines heftigen Sturmes untergegangen. Zwanzig Personen verloren hierbei das Leben.
Charkow. Am 9. und 18. d. Mts. fanden in der Pulverfabrik Schostensky⸗Zawod im Gouvernement Tscher— nigoff Explosionen statt, wobei 16 Personen getödtet wurden.
Kairo, 25. Juli. Nach Meldungen aus Suakin hat in Massaua ein Erdbeben stattgefunden, das eine sehr große Anzahl Häuser zerstörte. Die Schiffe im Hafen wurden heftig umhergestoßen. Die bestürzten Einwohner
flohen in's Innere.
Kurze Nachricht des Erziehungs-Vereins„Mathilden-Stiftung“ zu Friedberg an seine Freunde.
Mit einem Bestand von 124 Pfleglingen sind wir in das Jahr 1884 eingetreten. Im ersten Semester wurden 8 Kinder aufgenommen, aus Bad-Nauheim und Pohl-Göus je 1, aus Beienheim, Groß-Karben und Wisselsheim je 2 Kinder. Am 16. Mai, dem 19. Jahrestag unserer Stiftung, zählten wir im Ganzen 300 Pfleglinge, von welchen viele bereits selbstständig geworden sind und ein gutes Auskommen ge— funden haben.
Im letzten Semester waren unsere Kinder bis auf zwei leider recht kranke Knaben, die jetzt in Spitälern verpflegt werden, gesund ge— blieben. Acht Pfleglinge wurden confirmirt. Bei drei Knaben hat sich die Nothwendigkeit der Anstalts-Erziehung herausgestellt, weil sie einer beständigen Ueberwachung bedürfen, welche ihnen in den seitherigen Pflegestellen nicht ge— währt werden konnte. Wie gesunkene Aeltern sich in gröblicher Weise an ihren Kindern ver— sündigen, das haben wir am zweiten Pfingst— feiertage auf's Neue erlebt. Einer unserer Knaben hatte die Erlaubniß erhalten, seinen nach längerer Abwesenheit zurückgekehrten Bruder in der Heimath an diesem Festtage zu besuchen. Als er am Abend nicht wieder, wie er ange— wiesen war, nach Hause kam, haben ihn die Pflegeältern am dritten Feiertage gesucht und endlich nach langem vergeblichen Bemühen mit seinem Vater auf der Landstraße betrunken ge— funden. Der Vater wollte sich den Jungen nicht wieder abnehmen lassen. Er widersetzte sich den Pflegern und führte dadurch einen Straßenscandal herbei. Leider erfuhren wir hier noch Traurigeres, das sich der' offentlichen Kund— gebung entzieht und die Theilnahme mit unseren Kindern steigern muß.
Besondere Schwierigkeiten bereiten uns die Kinder oft noch nach ihrer Confirmation. Im Pflegehause ist ihre Haltung oft gut, auch die Schule ist mit ihnen zufrieden gewesen. Wenn sie aber als Lehrlinge und Dienstmädchen selbst— ständiger werden und weniger überwacht sind, da werden die Keime des Leichtsinns, die wir unterdrückt glaubten, oft wieder recht mächtig. Insbesondere gehören die 14—20 jährigen Mäd— chen, welche keine Aeltern und nahe Verwandte mehr haben, die ihnen liebende Fürsorge zu Theil werden lassen, zu den verlassensten unter! allen Menschenkindern. Wie viele solcher armen
Samstag den 2.
Mädchen gehen in den nahen Städten, wo sie einen guten Arbeitsverdienst zu finden hofften, elendiglich zu Grunde, weil ihnen kein Freund zur Seite steht, der sie treulich berathen und behüten könnte. Für solche Mädchen, die in Gefahr des Sinkens an unsere Stiftung, die in ihrer Kindheit sich ihrer angenommen hatte, sich- hilfesuchend wenden, bedürfen wir einer besonderen Zufluchtsstätte. Im letzten Winter haben zwei Mädchen, die in Frankfurt dienen, wiederholt aus dem angegebenen Grunde unsere Hilfe in Anspruch genommen. Außerdem mußten wir zwei Mädchen, von welchen das eine jetzt seinen eigenen freigewählten Weg geht, noch einmal aus ihren Dienststellen in die Anstalt zurücknehmen, um sie vor schwerem Rückgang zu bewahren. Auch sehen wir uns genöthigt, einen Lehrling aus seiner Lehrstelle zu nehmen und anderweitig unterzubringen. Im Ganzen waren wir mit dem Betragen unserer Lehrlinge zufrieden. Drei derselben haben ausgelernt und zwei ältere Mädchen gute Stellungen gefunden.
Seit der Veröffentlichung unserer letzten Nachricht sind dem Vereine 8 neue Mitglieder, aus Assenheim, Bad-Nauheim und Pohl-Göns je 1 und aus Friedberg 5 bei- und durch Weg— zug ist ein Mitglied ausgetreten. Leider warten aber schon seit Monaten zehn weitere Kinder auf die Aufnahme in die Stiftung, ohne daß dieselbe aus Mangel an Mitteln hat vollzogen werden können. Möchten sich die Zuschüsse zu unserer Kasse bald mehren, damit wir diesen armen Kindern die nothwendige Hilfe bringen können. Gegenwärtig sind sie theilweise noch bei Aeltern, welche ihre heilige Verpflichtung den Kindern gegenüber in bedauerlicher Weise verabsäumen.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 26. Juli. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.20- 1.30, Eier 1 Stück 6 Pf.
Gießen, 26. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.15- 1.18, Eier 1 Stück 5—6 Pf., Käse per Stück 5—9 Pf., Tauben per Paar M. 0.60 bis M. 0.90, Hühner per Stück M. 1.00— 1.70, Hahnen per Stück M. 0.60— 1.00, Enten per Stück M. 1.30— 1.70, Gänse per Stück M. 4.00, Ochsen fleisch per Pfd. 68— 70 Pf., Kuh- und Rindfleisch 56—60 Pf., Schweinefleisch 52-58 Pf., Hammel— fleisch 60 70 Pf., Kalbfleisch 50—54 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 6— 9.00, Zwiebeln per Ctr. M. 15.,
Homburg, 26. Juli. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 8.00—9, per Gescheid 10— 12 Pf. Eier per Stück 5, 6 und 7 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.50, 2. Qual. M. 1.40.
Frankfurt, 25. Juli. Heu- und Strohmarkt. Die Anfuhr belief sich auf ca. 60 Wagen und wurde bezahlt je nach Qual. per Ctr. für Heu M. 2.40—3, für Stroh M. 2.— 250. Wenige Wagen altes Heu wurden zu M. 3.50 verkauft.— Buttermarkt. Für Butter wurde im Engroshandel bezahlt per Ctr. M. 110, im Kleinverkauf je nach Güte der Waare per Pfund M. 1.30— 1.40.
Frankfurt, 26. Juli. Wochenmarkt. Neue Kar⸗ toffeln per Malter(200 Pfd.) M. 5.50, per Gescheid 12 Pf., gelbe M. 8 und 15 Pf., neue Mäuschen per Gescheid 25 Ps. Zwiebeln per Ctr. M. 10-12, per Gescheid 50 Pf. Gurken per Hundert 1. Qual. M. 1.80, 2. Qual. M. 1.20, Essiggurkchen 70—80 Pf., Brockel bohnen per Pfd. 10 Pf., gelbe und Schneidbohnen 12 Pf., Erbsen 15—20 Pf., Weißkraut per Stück 18—30 Pf., Rothkraut 20—25 Pf., Wirsing 15—25 Pf., Blumen⸗ kohl 20-50 Pf., Endivien und Escarolesalat 5—12 Pf., Kopfsalat 6 Pf. Obst: Feigenbirnen per Ctr. M. 15, Kirschenbirnen M. 13—15, Zuckerbirnen M. 1618, Himbeeren per Pfd. 25 Pf., Erdbeeren per Liter 50 Pf., Pflaumen per Hundert 40 Pf., Kirschen per Pfd. 20 bis 30 Pf., Johannistrauben 20—25 Pf., Kloster— beeren 10—15 Pf. Aprikosen per Hundert M. 5 bis 80 Pf., Eier per Hundert M. 5—6.
Repertoir-Entwurf der vereinigten Stadt-Theater in Frankfurt. Opernhaus. Alda. Bettelstudent. Außer Abonn. Neu einstudirt: Die weiße Frau. Der lustige Krieg. Außer Abonn.
Dienstag den 29. Mittwoch den 30. Donnerstag den 31. Freitag den 1. August.
Samstag den 2. Don Juan. Sonntag den 3. Rienzi.
Schauspielhaus. Dienstag den 29. Aschenbrödel(Lustspiel). Mittwoch den 30. Ultimo. Donnerstag den 31. Geschlossen. Freitag den 1. August. Graf Essex. Zum erstenmale: Die Goldprobe.
Schauspiel in 5 Akten von Augier und Sandeau.
Sonntag den 3. Zum erstenmale wiederh. Die Goldprobe.
Literarisches.
Daheim Nr. 43 enthält: Die kluge Else.(Forts.) — Torilde von Tornau.(Forts.)— Moritz Retzschs Schachspieler. Mit Illustr.— Richter Lynch. Von Ka⸗ pitän Nemo. Mit Illustr.— Elefanten im Kriegs dienst. Mit 2 Illustr.— Die„Sonnenblume“ in Erlangen.— Von einer Reise auf IJsland. Von Ph. Schweitzer.— Zu unsern Bildern: Heimkehr. Von H. Dahl, und Eine schwierige Stelle. Von H. Linnig.— Briefkasten.— In unserer Spielecke.— Mit zwei illustr. Beilagen.
Geld- Cours. Frankfurt, am 26. Juli 1884.
Geber. Nehmer.
M. Pf. M. Pf.
20: Frankenstücke. 165. 2 do. in ½ 16. 2 16 209 Englische Sovereings 20. 39 20. 35 Russische Imperiales 00. 00 16. 75 Duc aten 5 al mare. Dollars in Gold. 1
Iskaelitischer Gottesdienst in Friedberg. Donnerstag den 31. Juli 1884. Faflen des neunten Ab. Beginn:
Mittwoch Abends 8 Uhr 25 Minuten.
Donnerstag Morgens 6 Uhr. Nachmittags 6 Uhr.(Mincha- u. Abendgebet.) Ausgang 8 Uhr 30 Minuten.
Herr Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln hat uns den Debit des
17
allein ächten Cölnischen Wassers
übertragen und empfehlen wir dasselbe
per Glas zu M. 1.50, „ ½,ʒ Dutzend„ „ Dutzend 55„ 16
Die Expedition des Anzeigers.
In der Strafsache
gegen 1) den Humboldt Schulhof von Friedberg, 2) den Redacteur Gustav Nephuth von Bad-Nauheim wegen Beleidigung der Armen-Commiffion der Stadt Friedberg durch die Presse, hat das Großherzogliche Schöffengericht zu Friedberg am 1. April 1884 für Recht erkannt: Der Angeklagte Humboldt Schulhof von Friedberg, geboren am 8. Mai 1859, Kaufmann, Israelite, wird wegen Beleidigung in eine Geldstrafe von achtzig Mark, eventuell sechszehn Tage Gefängniß und der Angeklagte Gustav Nephuth von Bad⸗ Nauheim, geboren am 7. November 1839, Buchdrucker und Redacteur des Wetterauer Volksblattes, evangelisch, wegen gleichen Vergehens in eine Geldstrafe von 40 M., eventuell 8 Tage Gefängniß— beide Angeklagte auch in die Kosten des Verfahrens zu gleichen Theilen und zwar bezüglich der dem Staate erwachsenen baaren Auslagen unter Haftung als Gesammtschuldner verurtheilt.
Zugleich wird angeordnet, daß der verfügende Theil des Urtheils in dem Wetterauer Volksblatt und zwar unter der Rubrik„Aus Stadt und Land“, sowie in dem Oberhessischen Anzeiger einmal auf Kosten der Angeklagten bekannt zu machen sei.
Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird
beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils be— scheinigt. Friedberg den 26. Juli 1884. 2785
Weber, Gerichtsschreiber des Großherzoglichen Amtsgericht.
Arbeits-Vergebung.
Donnerstag den 31. d. Mts., Vormittags um 11 Uhr, sollen nachstehend verzeichnete Arbeiten zu Weckes heim in dem Gasthaus des Herrn Schleuning öffentlich vergeben werden:
Maurerarbeit, veranschlagt zu 129 M., Zimmerarbeit 38 Schreinerarbeit 84 Schlosserarbeit 1 Glaserarbeit 40 Weißbinderarbelt 78 Friedberg den 28. Juli 1884. Zörb 11., 2794 Bezirks bauaufseher.
Arbeits-Vergebung.
Die bei Herrichtung der Schulsäle ꝛc. ꝛc. vorkom⸗ menden Weißbinderarbeiten im Betrage von 219 Mark sollen Donnerstag den 31. d. Mts., Nachmittags um 3 Uhr, auf dem Rathhause zu Reichelsheim öffent⸗ lich vergeben werden.
Friedberg den 28. Juli 1884. Zörb II., 2 Bezirks-Bauaufseher. u mmꝶi- Waaren- Bazar, Mannheim E. 3, Nr. 1.
Preisliste gegen 10 Pfennig- Marke.
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