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Beilage.
Gberhessischer Anzeiger.
Deutsches Meich.
Darmstadt. Das Regierungblatt Nr. 22 enthält das Gesetz, die Erbschafts- und Schenkungssteuer betr. Befreit von der Erbschaftssteuer sind Erbanfälle 1) an Deseendenten, sofern dieselben aus gültigen Ehen ab— stammen oder durch nachfolgende Ehe oder durch landes— herrliche Entschließung legttimirt sind. Uneheliche Kinder genießen Steuerbefreiung von dem Nachlasse ihrer Mutter und deren Aseendenten; 2) an Aseendenten, jedoch nur bis zum Betrage ihrer gesetzlichen Intestalportion; 3) an Geschwister, wenn der Erblasser noch nicht aus der Familie des überlebenden Elterntheils ausgetreten war, soweit der Anfall in einer Quote des Nachlasses des verstorbenen Elternthells besteht; 4) an Ehegatten; 5) an Dienstboten oder andere Personen, welche dem Haus— stande des Erblassers angehört haben und in demselben in einem Dienstverhältnisse gestanden haben, bis zum Betrage von je eintausend Mark; bei einem höheren Betrag ist die Steuer zwar von dem ganzen Vetrage zu berechnen, aber nur so weit zu entrichten, als die— selbe aus dem die Summe von 1000 Mark übersteigenden Betrag des Anfalls entnommen werden kann; ferner an den Großherzog, den Staat oder das Reich; Vermächt— nisse und Stiftungen, welche zu mildthätigen Zwecken innerhalb des deutschen Reiches Verwendung finden. Unter Vermächtnissen und Stiftungen zu mildtbätigen Zwecken im Sinne dieses Gesetzes sind solche zu verstehen, welche zum Vortheile von Bedürftigen geschehen, set es, daß sie den Bedürftigen direkt oder solchen Anstalten gemacht werden, durch welche sie(bezüglich der Substanz oder der Erträgnisse) den Bedürftigen zufließen. Un— bewegliches Vermögen— Liegenschaften— das sich außerhalb des Großherzogthums befindet, unterliegt der Steuer nicht. Seither betrug dle Collateralsteuer be— kanntlich durchgängig 5 pCt., ein Verhältniß, das eine Aenderung erfahren, wobei voraussichtlich die Staats— kasse nicht zu kurz kommen dürfte, wenn auch der Steuersatz für Erbanfälle an Eltern und vollbürtige Geschwister auf 4 Procent, d. h. 4 Pfennig von je eln Mark ermäßigt worden. Erhoben werden in Zu— kunft 5 Pfennig von je ein Mark, wenn der Anfall gelangt an: a. Großeltern und entferntere Voreltern; b. halbbürtige Geschwister; e. Kinder und deren Ab— kömmlinge, sofern das Verhältniß auf Adoption, Arro— gation oder Einkindschaftsvertrag beruht; d. Neffen oder Nichten; sechs Pfennig von je ein Mark, wenn der Anfall gelangt an: a. Stiefkinder und deren Abkömmlinge; b. Schwiegerkinder; e. Stiefeltern, Adoptiveltern, Schwie— gereltern; d. Oheim, Tanten, Großneffen und Großnichten; acht Pfennig von je ein Mark in allen übrigen Fällen. Die gleichen Steuersätze gelten hinsichtlich der gerschtlich bestätigten Schenkungen im Betrag von über 1000 Mark, womit der seither häufig stattfindenden Umgehung der Collateralsteuer gesteuert werden soll.
Berlin. Einige engliiche Blätter hatten die Nachricht gebracht, daß Graf Herbert Bis— marck in einer wichtigen Sendung seines Vaters in England eingetroffen sei. Nun wird berichtet, daß Graf Bismarck in Folge einer Einladung des Prinzen von Wales, an den Jagden des Prinzen in Schottland theilzunehmen, nach Schottland gereist sei.
Münster, 24. Sept. Die Kaiserin, welche gestern Abend hier eingetroffen ist, empfing heute Vormittag die Vorstände der Wohlthätigkeits— vereine. Die Stadt ist prächtig geschmückt. Ein enormer Andrang von Fremden fand durch Extra— zuͤge statt. Ueber 100 Kriegervereine sind ein— getroffen. Um 1 Uhr sind der Kaiser, das Kron⸗ prinzenpaar, die Prinzen Wilhelm und Heinrich und Feldmarschall Moltke angekommen. selben wurden enthusiastisch empfangen und von den Ständen begrüßt. Der Kaiser und die Kaiserin sind Abends um 7 Uhr wieder nach Brühl abgereist, nachdem sie mit den kronprinz— lichen Herrschaften und den fürstlichen Gästen dem Diner der Stände, welches einen sehr glänzenden Verlauf nahm, beigewohnt hatten.“
Sept. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute Vormittag um 11 Uhr hier eingetroffen und haben unter dem Geläute der Glocken und unter unendlichem Jubel der massen— haft herbeigeströmten Bevölkerung im offenen Wagen eine Rundfahrt durch die neuangelegten Stadttheile angetreten. Die Stadt ist bis in die kleinsten Straßen aufs Festlichste geschmückt, der Jubel der Bevölkerung überall unbeschreib ich. Alle Geschäfte sind geschlossen. Der Em⸗ fang ist soe glänzend, wie ihn Köln noch nie zesehen. Bei der Umfahrt saßen in dem ersten Wagen der Oberbürgermeister, der Polizesprä—
Die Dile⸗
ident und der Baumeister der Neustadt, Stübben,
im zweiten Wagen der Oberpräsident, im dritten Wagen das kaiserliche Paar, im vierten Wagen der Kronprinz und Prinz Wilhelm. Es folgten hierauf die Kronprinzessin mit der Prinzessin Victoria, Prinz Heinrich und dann die fürstlichen Gäste, Feldmarschall Molkte und Dr. Lauer. Der Kaiser und die Kaiserin, wohl aussehend, grüßten bei immer sich steigerudem Jubel in huldvollster Weise nach allen Seiten. Am Wil— helmsplatz war eine Tribüne errichtet, wo 10ʃ1 Jungfrauen aufgestellt waren, deren fünf den Allerhöchsten Herrschaften Bouquets überreichten. Darauf ging die Fahrt zum Regierungsgebäude, wo um 12 Uhr das Dejeuner eingenommen wurde. Die Kaiserin reiste um 1 Uhr nach Coblenz weiter. Die Abreise des Kaisers er— folgte nach Besichtigung der Umwallung um 4 Uhr ebendahin. Die Kronprinzessin mit ihrer Tochter Victoria reisen morgen nach Neuwied ab.
Coblenz, 25. Sept. Der Kaiser ist mit dem Kronprinzenpaar und den Prinzen 6 Uhr Abends per Extrazug hier eingetroffen. An der Schloßrampe wurde er von der Generalität und den Spitzen der Behörden empfangen und von der versammelten Menschenmenge jubelud be— grüßt. Um 8 Uhr fand ein großes Diner statt; um 7 Uhr begann die Illumination der Stadt, die von Fremden überfüllt ist.
Kiel, 25. Sept. Das Panzergeschwader ist heute eingelaufen und wurde darauf aufgelöst.
Stuttgart, 24. Sept. Nach fünfmonat— licher Abwesenheit ist unser Königspaar heute wieder in Stuttgart angekommen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Besuch des Kronprinzenpaares in Sinaia, dem Lust— schlosse des rumänischen Königspaares, ist ein neuer Beweis der vortrefflichen Beziehungen der beiden Herrscherhäuser. Ueberhaupt darf be— hauptet werden, daß in Anbetracht der Drei— kaiserzusammenkunft, der wiederholten Besuche der Könige von Rumänien und Serbien und des Fürsten von Bulgarien in Wien, wie der gegenseitigen Besuche der letztgenannten drei Monarchen, die Lage eine so eminent friedliche ist, wie sie es vielleicht seit Jahrzehnten nicht gewesen.
Belgien. Brüssel, 24. Sept. Der gestrige Abend verlief abermals unruhig. Mehrere Volks— haufen durchzogen lärmend und schreiend die Stadt und vor die RNedaction des„Patriote“, wo sich der Lärm fortsetzte; indeß gelang es der Polizei, die Ruhestörer zu zerstreuen. Gegen 11 Uhe concentrirte sich die Bewegung haupt— sächlich auf dem Münzplatze; hier schritt die Bürgergarde ein, säuberte den Platz und nahm mehrere Verhaftungen vor. Wegen der Be— theiligung von Ausländern bei den letzten Un— ruhen schärfte der Chef der Polizei den Bürger— meistern der Brüsseler Vororte die Befolgung der Instructionen der Fremdenpolizei ein.
Frankreich. Paris. Officiös wird ver—
dieselben billigen und den Schritt des Khedive unterstützen.
Italien. Rom. Italien schloß sich der Ver— wahrung der Mächte gegen die Finanzverfügung der egyptischen Regierung an.— v. Schlözer ist hierher zarückgekehrt.
Spanien. Madrid. Ein Berichterstatter, der in einen Brief eines Mitgliedes der Königs— familie Einsicht genommen, theilt aus demselben mit, daß der Gesundheitszustand des Königs Alphonso seiner Familie große Besorgniß einflößt.
Rumänien. Bukarest. Die Einberufung der Kammer wird Ende des Monats erfolgen.
Rußland. Petersburg. Das Marine— budget fuͤr 1885 ist auf 38 ½ Mill. festgesetzt, wovon 14½½ Mill. für den Bau und die Aus— rüstung neuer Schiffe bestimmt sind, gegen drei Million mehr als im vorigen Jahr.
Warschau, Sept. Die Abreise des Kaiserpaares von Liubochinek erfolgt Samstag oder Sonntag und geht, ohne Warschau zu be— rühren, direct nach Petersburg. Der Kaiser hielt in den Waldungen von Liubochinek und Nadzig täglich Jagden ab.
Egypten. Kairo, 22. Sept. Der Mahdi soll Boten nach der Umgegend von Suakin ge⸗ sandt haben. Er hat von General Gordon's jüngsten Erfolgen gegen die Rebellen gehört und beabsichtigt, wie es heißt, Truppen nach Khartum zu entsenden. Die Amarars haben einen weiteren Sieg über den Hadendowa-Stamm er— rungen, sie verloren dabei aber selber 30 Mann an Todten. Wie verlautet, haben sich die Haden— dowas an Osman Digma um Beistand gewandt.
Amerika. Washington. Gresham wurde zum Schatzsecretär ernannt.
China. Peking, 24. Sept. Reuter's Bureau meldet: Liꝙ-Hung-Chang wurde in alle seine Aemter wieder eingesetzt.
Asien. Calcutta, 25. Sept. Ein ernster Aufstand in den Gefängnissen zu Madalay wurde unter großem Blutvergießen unterdrückt. Es heißt, daß mehrere Hundert Verbrecher ge— tödtet worden sind.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Wie in jedem warmen Jahre, so finden sich auch dieses Jahr vlelfach neben den reifen Früchten zweite Blüthen an den Bäumen. Von ver— schiedenen Seiten kommen uns diesbezügliche Notizen zu.
Groß-Rohrheim, 22. Sept. Heute Mittag 1½ Uhr wurde unsere Gemeinde von einer Feuersbrunst heimgesucht, wie seit länger denn 100 Jahren sich eine ähnliche hier nicht ereignete. Innerhalb von 3 Stunden lagen, begünstigt durch den herrschenden Nordwind und die mit Stroh und Heu reich gefüllten Scheunen, nicht weniger als 17 der letzteren, ohne die vielen Ställe und Schuppen, in Schutt und Asche. Die Entstehungs— ursache dieses verheerenden Brandes ist bis jetzt noch unbekannt.
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Allerlei.
Frankfurt, 25. Sept. Vom Schnellzug über⸗ fahren wurde gestern Morgen im Bebraer Bahnhof zu Sachsenhausen der Rangirer A. Tyon. Derselbe gewahrte bet dem herrschenden dichten Nebel das Herannahen des
sichert, es sei dem französischen Botschafter in Berlin, Baron de Courcel, der morgen hier erwartet wird, gelungen, bezüglich der Behand—
lung der egyptischen Frage ein vollständiges Einverständniß mit Bismarck zu erzielen, so daß Frankreich jetzt rechnen dürfe, bei Vertheidigung seiner Interessen in Egypten durch die drei Kaiserreiche unterstützt zu werden.
— Aus guter Quelle wird gemeldet, Deutsch— land, Oesterreich, Rußland und Frankreich seien übereingekommen, England dadurch ein Paroli vu biegen, daß sie eine Intervention der Türkei! in Egypten befürworten und zunächst die Ab- sendung eines türkischen Expeditionscorps zur Pacificirung des Sudan durchsetzen. 1
Großbritannien. London. Die, Times meldet: Die britische Regierung theilte der 1
die Gründe für die Suspendirung der Amorti— sirung der öffentlichen Schuld Egpptens mit,
und sprach die Hoffnung aus, die Pforte werde
Berliner Schnellzuges zu spät, siel beim Ausweichen hin, gerieth unter die Räder und wurde sofort getödtet. Die Leiche wurde nach dem Sachfenhäuser Friedhöfe verbracht.
Paris, 25. Sept. In den Ostpyrenäen sind dem „Temps“ zufolge gestern 5 TCholeratodesfälle vorgekommen. Auch aus Clichy werden 2 Cholerafälle gemeldet. In St. Quen tritt das Typhusfieber in heftigstem Grade auf. Der Polizeipräfeet besuchte heute die von der Krankheit betroffenen Quartiere.
Nom, 25. Sept. In Genua sind gestern 9, heute 60 Cholerafälle vorgekommen, in Neapel 305 Erkrank— ungen und 156 Todesfälle, davon in der Stadt Neapel 242 Erkrankungen und 121 Todesfälle, in Regglo
10 Erkrankungen und 6 Todesfälle.
Madrid, 25. Sept. Gestern sind in ganz Spanien 9 Cholera Todesfälle vorgekommen.
New⸗ Bork. Nach einem Telegramm aus Buenos— Ayres wurde der dortige Hafen von einer furchtbaren Fluthwelle heimgesucht. In Folge dessen sind große Ueber— schwemmungen eingetreten; viele Leichterfahrzeuge und Schiffe sind theils gesunken, theils schwer beschädigt worden.
Gerichtssaal. Altenstadt. In der Donnerstag den 2. Oetober stattfindenden Schöffengerichts-Sitzung kommen
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