zur Eröffnung des Storthings. Gleichzeitig dürfte das erste Urtheil des Reichsgerichts über Staatsminister Selmer fallen. Die übrigen zehn Anklagen werden 14 Tage zur Erledigung erfordern. Der König erklärte beim Empfang der schwedischen Abgeordneten, daß er am Veto der Krone kein Titelchen nachgeben könne. Natür— lich sieht man allgemein der nächsten Zeit mit Spannung entgegen.
Holland. Haag, 21. Jan. Der Präsident der zweiten Kammer, van Rees, ist zum General— gouverneur von Niederländisch-Indien ernannt worden.
Frankreich. Paris, 21. Jan. Im Senat verglich Bocher, bei Berathung des außerordent— lichen Budgets, die Budgets der constitutionellen Monarchie mit denen der Republick, wies auf die bedeutende Vermehrung der Ausgaben und die Deficits seit 1879 hin, und bekämpfte das außerordentliche Budget. Man müsse neue Steuern auflegen oder die Ausgaben vermindern Pouyer⸗Quertier verlangt die Herabsetzung der Steuern der Landwirthschaft. In Frankreich sei alles überlastet, neue Steuern unmöglich; das einzige Mittel, das Gleichgewicht herzustellen, sei die Reducirung der Ausgaben. Hierauf wird die Generaldebatte geschlossen.
— 22. Jan. Der Senct stellte die von der Kammer gestrichene Summe von 3 Million Frances zu Bahnbauten am oberen Senegal wieder her.— In Folge der gestern von der Kammer votirten theilweisen Uebernahme des Budgets der Polizeipräfectur auf das Mini⸗ sterium des Innern, macht sich unter den Con— stablern eine gewisse Erregung geltend. Die⸗ selben protestiren gegen die Veränderungen ihrer Personsbedingungen, doch ist es bisher noch zu keinem Strike oder Zwischenfall gekommen. Seitens des Ministeriums wird ein anderweiter Eutwurf vorbereitet, worin den Wünschen der Constabler Rechnung getragen werden soll.
— 22. Jan. Oberstlieutenant de Salles ist zum Militärattaché bei der Wiener Botschaft ernannt worden.
Großbritannien. London, 21. Jau. In verflossener Nacht fielen drei bewaffnete Männer die vor dem Pulvermagazin zu Woolwich stehende Schildwache an und suchten ihr das Gewehr zu entreißen. Die Schildwache gab Feuer, worauf die Angreifer entwichen. Die Schildwache wurde erschöpft und blutend auf⸗ gefunden.
— Die Abreise der Königin nach Deutsch— laud ist den bis jetzt getroffenen Dispositionen nach auf den 13. April festgesetzt.
— 21. Jan. Verschiedene Abendblätter melden, daß sich auf den Samoainseln eine Bewegung zu Gunsten der Annexion mit Neu— seeland vorbereite.
— 22. Jau. Kurz vor der Abreise des Prinzen von Wales am vergangenen Dienstag nach Halton wurden im Bahn-Tunnel mit Ex— plosionsstoff gefüllte Packete gefunden, was das Gerücht eines beabsichtigten Attentats auf den Prinzen von Wales veranlaßte. Die Packete, deren Inhalt bedeutend weniger gefährlich als Dynamit war, wurden in solcher Lage vor— gefunden, daß eine Schadenanrichtung unmög— lich war.
Spanien. Madrid, 20. Jan. Marschall Serrano ist heute früh nach Paris zurück—
gereist, von wo er sein Entlassungsgesuch als Botschafter einsenden wird.— Der Imparcial erklärt, die Politik des Cabinets werde eine conservative, aber eine tolerante sein, Angriffe auf die Souveräne und auf die monarchischen Principien würden indessen auf das Strengste bestraft werden.— Der Liberal meldet, daß das Universitäts- und Unterrichtswesen be— deutenden Umänderungen unterzogen werden soll. Das Cabinet beschäftigt sich zur Zeit mit der Reorganisation des Beamtenpersonals. — Wie in dem Ministerium nahestehenden Kreisen versichert wird, versendet das Cabinet kein Rundschreiben nach dem Auslande, da seine
(des Cabinets) Grundsätze hinsichtlich der aus— wärtigen Politik hinlänglich bekannt seien.
Türkei. Konstantinopel, 21. Jan. Einer Meldung der Agence Havas aus Pera zufolge, wies die Pforte den Botschafter in London, Musurus Pascha an, mit England wegen der egyptischen Angelegenheiten in Meinungsaus— tausch zu treten.
Rußland. Petersburg, 21. Jan. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten gestern dem von Nubinstein dirigirten öffentlichen Concerte im Delsclub bei und wurden bei ihrem Er— scheinen vom Publikum enthusiastisch begrüßt. Auch viele andere Mitglieder des kaiserlichen Hauses und viele Notabilitäten waren anwesend.
— Der Russ. Juvalide erklärt die Nachricht von der Verwendung von 3 Eisenbahnbataillonen zum Bau der Poleßjebahn und der Bahnlinie Sedlec-Malkin für unbegründet.
Egypten. Kairo, 21. Jan. General Gordon steht unter Baring's Befehl.— Der Khedive er— hielt ein Telegramm des stellvertretenden Gou— verneurs des Sudan, welches besagt, daß die bald erwartete Garnison Sennaars die Garnison Khartums so verstärken würde, daß jeder An— griff zurückgewiesen werden könne.
— Es heißt, daß die Kopten und andere Christen in Khartum niedergemetzelt worden seien. Ein Offizier des Mahdi marschiert angeblich mit 7000 Mann gegen Khartum. Die Stämme von Sennaar und Bagara sollen sich ihm an— geschlossen haben. Ein mit Lebensmitteln be— ladenes großes Schiff ist bei Sennaar von den Rebellen erbeutet worden.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Vor einigen Wochen flog in einem hiesigen Hause durch das geöffnete Fenster ein Schmetter⸗ ling, setzte sich auf die im Zimmer befindlichen Blumen und flattert heute noch wohl und munter im Zimmer herum zur Freude der Hausbewohner, die ihm sein Ver⸗ gnügen nicht stören.
Friedberg. Der zuerst im Jahre 1812 wahrge— nommene, jetzt nach 72jähriger Umlaufszeit wiederge— kehrte und schon seit einigen Monaten von den Astro— nomen beobachtete Komet hat jetzt eine solche Helligkeit erreicht, daß er mit bloßem Auge, kenntlich an einem dünnen Schwelfe, der nach oben gerichtet ist und 10 bis 15 Vollmonds durchmesser Länge hat, wahrgenommen werden kann und zwar am Besten zwischen 6— 7 Uhr Abends, wo er im Südwesten steht.
Gießen. In diesen Tagen hat sich hier eine katho— lische Studentenverbindung unter dem Namen Hassia— Rhenania aufgethan. Ihre Farben sind gelb⸗weiß roth.
Darmstadt. Das Fr. Journ. meldet: Das Gr. Hessische Palais auf der Zeil steht seit einiger Zeit zum Verkauf. Dasselbe hat einen Flächeninhalt von etwa 3700 Qu.⸗Mtr., darunter einen Hofraum von über 2000 Qu.⸗Mtr. und einen Gartenraum von ca. tausend Qu.⸗Mt. Das nach der Zeil zu stehende Palais hat eine Front von ca. 150 Fuß, während die Front des Gebäudes in der Stiftstraße etwa 60 Fuß beträgt. Vor einigen Jahren sind auf den ganzen Gebäudecomplex 1,500,000 M. geboten worden; man hatte aber damals noch nicht die Absicht, das Palais zu veräußern. Mit dem Verkaufe des Palais ist Ur. Jucho in Frankfurt beauftragt.
Haßloch, 21. Jan. In der Nähe unseres Ortes ist gestern, wie das„M. T.“ meldet, ein Bahnwärter der Hessischen Ludwigsbahn in einen Graben gefallen und im Schlamme erstickt.
Allerlei.
Augsburg, 21. Jan. Der Mädchenmörder Schenk soll nach hiesigen Blättern verdächtig sein, ein hier angestellt gewesenes Dienstmädchen Namens Spatz aus Schwab— münchen ermordet zu haben, da von diesem Mädchen, nachdem es 465 M. Anfangs 1873 als Heirathsgut er— hielt, bis heute jede Spur fehlt. Schenk hat sich ihr angeblich als Baron aus Buckau, Besitzer einer großen Buchhandlung in Wien und mehrerer Güter an der russischen Grenze vorgestellt. Nach den polizeilichen Er⸗ bebungen ist Schenk jedoch an dem hiesigen Mädchen— mord unschuldig.
Essen, 21. Jan. Die rheinisch-westphälische Zeitung meldet aus Recklinghausen: Auf Zeche General Blumen- thal fand eine Explosion statt. Soweit bekannt, gab es dabei zwölf Todte und zehn Verwundete.
Hamburg, 21. Jan. Wie der Hamburgische Corres— pondent erfährt, wurde außer dem in Mannheim ver hafteten Vergolder Karl Mildenberger eine zweite Person in Kopenhagen wegen Verdachts der Mitschuld an dem Dynamitattentat im Polizeigebäude zu Frankf. verhaftet.
Gerichtssaal.
Friedberg, 22. Jan. In heutiger Schöffengerichts⸗
Sitzung kamen die folgenden Fälle zur Verhandlung und es wurde erkannt: 1) in der Strafsache gegen Johs. Vetter von Burg-Gräfenrode, wegen Sachbeschädigung,
auf eine Gefängnißstrafe von drei Tagen; 2) in der Strafsache gegen Ferd. Engel von hier, wegen Thter⸗ quälerei, auf eine Geldstrafe von 5 M.; 3) in der Straf⸗ sache gegen Juliane Deger von Ober⸗Wöllstadt, wegen Betrugs, verübt in zwei Fällen, auf eine Gesammtge— fängnißstrafe von 18 Tagen; 4) in der Strafsache gegen Gg. Heinrich Stichel von Marburg und Wilh. Reuß 1. von Friedberg, wegen Körperverletzung, wurde letzterer freigesprochen, ersterer dagegen zu einer Zusatzgefängniß⸗ strafe von 6 Wochen, zu der ihm durch Urtheil des biesigen Schöffengerichts vom 13. Nobember 1888 wegen Körper⸗ verletzung zuerkannten Gefängnißstrafe von 2¼ Monaten, verurtheilt.
Butzbach. Nächsten Freitag den 25. Jan., Vorm. 9 Uhr, findet am hiesigen Amtsgericht eine Schöffensitz— ung statt. Zur Verhandlung gelangen folgende Straf— sachen: 1. gegen Karl Dietz von Rockenberg, wegen un— befugten Fahrens durch den Graben der Kreisstraße Rockenberg— Münzenberg; 2. gegen Johann Georg Becker und Karl Felsing, beide von Maibach, wegen Beleidig— ung und ruhestörenden Lärms; 3. gegen Ludwig Suppes und Friedrich Jung, beide von Kirch-Göns, wegen Be— leidigung des Polizeidieners Zörb von da; 4. gegen Georg Hummel von Rüsselsheim, wegen Diebstahls; 5. gegen Konrad Zörb, Polizeidieners Sohn von Kirch-Göns, wegen Körperverletzung; 6. gegen Peter Jacob Heuselaars von Crefeld, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 23. Jan. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70— 0.80, Eier 1 St. 6, 2 St. gr. 13 Pf. Friedberg, 22. Jan. Fruchtber. Walzen M. 19.00, Korn M. 16.50, Gerste M. 16, Hafer M. 13— 14. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund
Homburg v. d. H., 22. Januar. Wochenmarkt. Kartoffeln per Malter M. 3.50—4, per Gescheid von 7 bis 8 Pf., Eier per Stück 6, 7 und 8 Pf., Butter per Pfund 1. Qual. M. 0.90, 2. Qual. M. 0.80.
Grünberg, 19. Jan. Fruchtpreise. Welzen M. 19.30, Korn M. 16.00, Gerste M. 14.40, Hafer M. 14.30, Erbsen M. 16.70, Samen M. 30.00.
Frankfurt, 21. Jan. Frankfurter Produktenbörse. (Offizielle Notirungen. Weizen unv., eff. hiesiger und Wetterauer M. 19- 19.50, fremder M. 19— 19.50, per diesen Monat M. 19. Roggen unv., eff. hiesiger M. 16 bis 16.25, fremder M. 16 16.50, per diesen Monat M. 16. Gerste unv., eff, hiesige und Wetterauer M. 17 bis 17.50, fremde M. 17— 19. Hafer unv., eff. hiesiger M. 14.25, fremder M. 14— 14.50, ver diesen Monat M. 14.25. Rüböl unv, eff. ohne Faß hiesiges in Par— then von 50 Ctr. M. 38. Branntwein unv., eff. ohne Faß M. 46.— Mehl Nr. 1 M. 38, Nr. 2 M. 36, Nr. 3 M. 31, Nr. 4 M. 26, Nr. 5 M. 23. Roggen⸗ mehl%(Berliner Marke) M. 23— 23.50, J.(Berliner Marke) M. 22— 22.50, 11. do. M. 18.
Frankfurt, 21. Jan. Viehmarkt. Der Antrieb von Ochsen belief sich auf ca. 350 Stück. 1. Qual. M. 61—66 per Ctr. Schlachtgewicht, 2. Qual. M. 56 bis 58. Kühe und Rinder waren ca. 400 Stück vor— handen, 1. Qual. M. 56—58, geringere Sorten M. 40. Die vorhandenen 17 Stück Bullen kamen je nach der
Güte der Waare von M. 40 an bis M. 46 an Mann. Kälber 1. Qual. 60- 62 Pf., geringe 50- 52 Pf.
Hämmel, Zutrieb ca. 180 Stück, 1. 2. Qual. 50 Pf. Preisen umgesetzt.
Mainz, 20. Jan. Fruchtmarkt. Weizen hiesiger M. 19—21, fremder M. 19.30— 21.40. Korn, hiesiges M. 1616.25, russisches M. 14.75—15. Gerste, Pfälzer
Qual. 65 Pf., Schweine wurden zu den vorigen
M. 16- 16.40, fränkische M. 16.75— 17.20. Hafer M. 13.25— 14.60. Raps M. 33.25— 34. Repskuchen M. 155— 160. Mohnöl M. 55.50— 58.50. Leinöl
M. 24— 25.75. Rüböl rohes M. 36.40— 36.80, ge⸗ reinigtes M. 37.75- 38.25.— Viehmarkt. In der ab⸗ gelaufenen Woche waren im Ganzen 959 Stück Vieh und zwar 8 Farren, 126 Ochsen, 259 Kühe, 188 Kälber und 378 Schweine zugetrieben. Bezahlt wurden für Farren 52—54 M., für Ochsen 1. Qual. 70 72 M., 2. Qual. 66-68 M., Kühe 1. Qual. 64-66 M., 2. Qual. 54 bis 62 M. Alles per 50 Kilo Schlachtgewicht. Kälber wurden bezahlt mit 6664 Pf. und Schweine mit 50 bis 54 Pf. per ½ Kilo lebend Gewicht.
D. Frankfurt a. M., 22. Januar. Die gestern schwächere Haltung machte im Abendverkehr und heute einer ausgesprochenen festen Tendenz Platz, welche sich nament— lich auf die günstige Haltung der westlichen Märkte stützte. Von den andern Plätzen zeigte besonders Wien Hausse— neigungen. Späterhin trat eine Ermattung ein, der aber gegen Schluß wieder eine ziemlich umfassende Besserung folgte. Paris und London waren sebr fest. Creditaetten, gestern Abend 261½¼, heute 262/1778 bis 38. Staatsbahn-Actien, gestern Abend 2685/, heute 2698/3) ½. Galizier, gestern Abend 2477/8, heute 248. Lombarden, gestern Abend 120½, heute 120½— 9/8. Oesterr. Bahnen sehr fest. Vöhmen, Duper, Gisela, Vareser, Nordwest und Elbthal, Ungarisch— Galizische und Ungarische Nordost böher. Gotthardbahn⸗ actien stiegen auf günstige Verhandlungen über den Transitverkehr bis 91/8. Von deutschen Bahnen waren Mainzer und Marienburger fest. Heidelberg-Speyerer hoben sich 3/8. Von ausländischen Fonds zeigten sich Spanier bis 59- 7/16, Türken bis 9/16, Egypter bis 68/8, 40%. Ungarn bis 75 im Umsatz. Von Banken wurden
Disconto-Commandit bis 193 ½ gehandelt. Darm— städter 5/80/ besser. Oesier. Prioritäten behauptet. Industriewerthe still. Von Wechseln: Paris billiger,
Privatisconto 2/0, 0.
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